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30.07.2019 | Private Banking | Im Fokus | Onlineartikel

Privatkunden wollen nachhaltige Geldanlagen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Faktor bei der Anlageentscheidung. Und dieser wird künftig noch wichtiger. Das sagen zumindest die Vertriebspartner der Direktbank Ebase in einer aktuellen Befragung.

Mehr als 90 Prozent der von Ebase befragten 129 Vertriebsprofis sind der Ansicht, dass die Bedeutung nachhaltiger Anlagen im Privatkundengeschäft innerhalb der nächsten drei Jahre steigen oder sogar stark steigen wird. "Die Einschätzungen der Finanzprofis decken sich mit einer von uns in diesem Jahr durchgeführten repräsentativen Befragung von Privatkunden. Denn auch die Kunden sehen zukünftig mehrheitlich eine wachsende Bedeutung von nachhaltigen Geldanlagen und wollen entsprechende Faktoren auch zunehmend selbst bei ihren Investments berücksichtigen", betont Rudolf Geyer, Sprecher der Ebase-Geschäftsführung. So biete sein Haus etwa die Möglichkeit, Fonds nach Kriterien wie "frei von Tierversuchen" oder "frei von Atomenergie" zu berücksichtigen.

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Nachhaltigkeitsratings als Ergänzung der traditionellen Finanzanalyse

Die klassische Finanzanalyse beschränkt sich auf mittelbare ökonomische Risiken. Daher stehen beispielsweise Zahlungsfähigkeit und Finanzierungsstruktur im Zentrum. Eine sinnvolle Ergänzung bietet ein umfangreicher Nachhaltigkeitsansatz, der Chancen und Risiken eines Investments ganzheitlich betrachtet und die Analyse um Umweltrisiken, soziale Risiken und langfristige ökonomische Risiken erweitert.

Bereits Anfang Juli hatte das Beratungshaus Cofinpro in einer Studie herausgefunden, dass rund jeder zweite Deutsche Wert auf Nachhaltigkeit bei der Geldanlage legt und bereit ist, dafür auf Rendite zu verzichten. Die Studie kam außerdem zum Ergebnis, dass sich 83 Prozent wünschen, Banken zu verpflichten, ihre Kunden aktiv zum Thema nachhaltige Produkte zu beraten. Für 87 wollen zudem ein staatliches Siegel, das ihnen eine bessere Einordnung der Wertpapiere anhand ökologischer, sozialer und ethischer Kriterien ermöglicht und diese transparenter macht.

Viele Siegel dienen nur der Werbung

Woran sich ein solches Siegel orientieren könnte, erläutern Friedrich Thießen, Tommy Jehmlich und Jan Justus Brenger in ihrem Buchkapitel "Nachhaltigkeitsmanagement deutscher Banken - im Lichte anerkannter Nachhaltigkeitskodizes" auf Seite 220:

Die Auswahl an Kodizes und Siegeln ist groß. Die Unterschiede sind zumeist erst in den Details ersichtlich. Einige Siegel dienen mehr der Außenwerbung als einem wirklichen Wandel nach innen. Andere Siegel prüfen eine Fülle relevanter Aspekte ab und können zu einem wirklichen Strukturwandel der Bank beitragen."

Das Springer-Autoren-Team rät Banken dazu, wegzukommen von langen und schlecht kommunizierbaren Nachhaltigkeitslisten. "Stattdessen könnte man zusätzlich auch auf einige Kernelemente nachhaltiger Geschäftspolitik abstellen. Diese Kernelemente sollten qualitativ abgeprüft und gegebenenfalls quantitativ ergänzt werden", heißt es auf Seite 236. Doch Thießen, Jehmlich und Brenger warnen davor, dabei zu "inhaltsleeren vagen Formulierungen" zu greifen, "wie sie sich bei einigen Verbänden der Nachhaltigkeitsbewegung finden".

Regionale Banken punkten mit örtlichen Projekten

Zudem sollten Geldhäuser künftig überlegen, sich differenzierter aufzustellen und das eine oder andere Element nachhaltigen Verhaltens stärker in den Vordergrund zu rücken. Hier seien laut der Autoren ganz neue Marketingstrategien denkbar. "Strategien könnten dahingehend entwickelt werden, dass die Banken auf einer einen Seite ganzheitlich nachhaltig im Sinne anerkannter Kodizes sind und dies mit einem Gütesiegel bestätigen, während sie zusätzlich einen Schwerpunkt herausheben, der ihnen ganz besonders am Herzen liegt." Interessant sei das vor allem für regionale Banken, die Verantwortung vor Ort übernehmen. Mit abgestimmten Produkten könnten sie sich so von den überregionalen Instituten abheben.

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