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31.08.2020 | Private Banking | Nachricht | Onlineartikel

Corona-Delle in privaten Finanzvermögen

Autor:
Swantje Francke
3 Min. Lesedauer

Covid-19 hat den Bürgern weltweit einiges zugemutet, so auch den Privatanlegern in der Eurozone. Wie eine Auswertung ermittelt hat, vernichtete das erste Quartal 2020 so viel Finanzvermögen wie noch kein erstes Quartal zuvor.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur wirtschaftliche Beulen verursacht, sondern sich auch negativ auf die Finanzvermögen der Privatsparer ausgewirkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Sparverhaltens privater Haushalte in der Eurozone im ersten Quartal 2020 durch Barkow Consulting für die ING Deutschland.

Historischer Verlust von Finanzvermögen

Beleuchtet wurde das Finanzvermögen in sieben Kategorien: Bargeld, Einlagen, Aktien, Anleihen, Fonds, Versicherungen und sonstiges Finanzvermögen. Die analysierten Daten von der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der EZB, dem statistischen Bundesamt (Destatis) und von Eurostat belegen, dass die Privatvermögen im ersten Quartal allein um drei Prozent geschrumpft sind. Dies entspricht einem Minus von 771 Milliarden Euro.

Im Vergleich zu den Wertbeständen im Dezember 2019 offenbaren die Zahlen: Zwar flossen im ersten Quartal 2020 mehr als 165 Milliarden Euro neu in Finanzanlagen - und damit soviel wie seit 2007 nicht mehr in einem Jahresanfangsquartal -, doch ihr Gesamtwert reduzierte sich kapitalmarktbedingt auf 25,1 Billionen Euro. Der Auswertung zufolge war dies der mit Abstand höchste Finanzvermögensverlust binnen drei Monaten in den letzten 20 Jahren. Der zweitgrößte Quartalsverlust geht auf das erste Quartal 2001 zurück, als das Platzen der Dotcom-Blase für ein Minus von 2,6 Prozent sorgte. Sogar in der Finanzkrise betrug das stärkste Minus im ersten Quartal 2008 lediglich 2,3 Prozent.

Deutsche kommen glimpflich davon

Im Vergleich weniger heftig waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie im ersten Quartal auf das Finanzvermögen privater Haushalte in Deutschland. Sie verloren 2,0 Prozent oder 128 Milliarden Euro auf 6,34 Billionen Euro, was auf den vergleichsweise hohen Anteil an Bankeinlagen inklusive Bargeld (41 Prozent im Vergleich zu 35 Prozent in der Eurozone) und Versicherungen (37 Prozent im Vergleich zu 35 Prozent in der Eurozone) zurückzuführen ist. Bankeinlagen wie auch Versicherungen entziehen sich Schwankungen des Kapitalmarktes weitestgehend. Diesen Schwankungen unterliegende Aktien dagegen sind in deutschen Depots von Privatanlegern mit nur zehn Prozent vertreten, während es in der gesamten Eurozone durchschnittlich 17 Prozent sind.

In der erweiterten Betrachtung des ersten Halbjahres hat es das Finanzvermögen der Deutschen per Ende Juni dank Erholung der Kapitalmärkte und hoher Neuanlagen laut Schätzungen sogar wieder auf Rekordniveau gebracht. Per Ende Juni 2020 gehen die Analysten von einem Anstieg von 3,4 Prozent oder 212 Milliarden Euro auf 6,55 Billionen Euro aus. Dies wäre binnen eines Quartals der höchste absolute Vermögensanstieg aller Zeiten und der dritthöchste prozentuale Anstieg der letzten 20 Jahre. Demzufolge seien Deutsche aktuell so vermögend wie nie zuvor.

Griechen mit den höchsten Vermögenseinbußen

In 16 von 19 Ländern der Eurozone hatten die Bürger im ersten Vierteljahr Vermögenseinbußen zu verschmerzen. Die höchsten Verluste gab es in Griechenland mit minus 11,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal, was die Analyse auf die überdurchschnittlich hohen Verluste des Aktienvermögens zurückgeführt. Italienische Sparer verbuchten in ersten Quartal ein Minus von 5,1 Prozent, Belgien ein Minus von 4,4 Prozent.

Dem Negativtrend der ersten vier Monate entzogen sich nur die Vermögen litauischer, holländischer und zypriotischer Einwohner: Ihre Vermögen wuchsen im gleichen Zeitraum um 5,5, 3,3 und 0,5 Prozent gemessen am Vorquartal.

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