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15.03.2022 | Private Equity | Im Fokus | Online-Artikel

Private Equity muss auf Augenhöhe stattfinden

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

3:30 Min. Lesedauer
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Die deutsche Wirtschaft schätzt Finanzinvestoren als Eigentümer, zeigt eine aktuelle Umfrage. Das Gros der Entscheider glaubt, dass mit ihnen ein kriselndes Unternehmen schneller wieder in die Spur kommt. Was ihnen oft fehlt, ist eine Kommunikation auf Augenhöhe.

Wird die finanzielle Situation in einem Unternehmen brenzlig, so sind viele Manager im Mittelstand für einen Finanzinvestor als Partner dankbar. Wie die Unternehmensberatung Staufen in ihrem aktuellen "Branchenpaper Private Equity" ermittelt, erwarten 82 Prozent der befragten 200 Inhaber, Vorstände und Geschäftsführer, dass angeschlagene Firmen mit einem solchen Kapitalgeber schneller den Turnaround erreichen. Die befragten Entscheider stammen zu rund der Hälfte aus der Industrie, 18 Prozent sind aus dem Handel und 31 Prozent aus dem Dienstleistungsbereich. Berücksichtigt wurden ausschließlich Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 20 Millionen Euro. Knapp ein Drittel verzeichnet einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

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Was Private-Equity (PE)-Investoren außer ihrem Kapital und Finanz-Know-how in die Beziehung zu ihrem Portfoliounternehmen mitbringen sollten, darüber haben die Befragten eine genaue Vorstellung. Sie fordern unter anderem

  • eine Partnerschaft auf Augenhöhe (41 Prozent),
  • gute Marktkenntnisse (39 Prozent), 
  • gemeinsame Werte (39 Prozent), 
  • die Nutzung der Investorennetzwerke (34 Prozent), 
  • eine aktive Rolle im operativen Geschäft (31 Prozent) sowie
  • die Unterstützung im Vertrieb (28 Prozent). 

Während sich 30 Prozent zudem den Kapitalgeber als Coach und Sparringspartner wünschen, wollen 30 Prozent hingegen nicht, dass sich dieser in ihre Geschäft einmischt. Viele Unternehmer stören sich am Auftreten der Finanzinvestoren. Jeder siebte Entscheider empfindet sie sogar als arrogant.

Investoren und Unternehmen brauchen gemeinsame Werte

"Das Fundament für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist eine Partnerschaft, die gleichermaßen auf gemeinsamen Werten wie exzellentem Branchen-Know-how beruht", sagt Christoph Wurst, Leiter des Bereichs Private Equity und Banking bei Staufen. Dem Experten zufolge seien Finanzinvestoren "gleichermaßen als Feuerwehr und Katalysator gefragt". Meist werde frisches Kapital gebraucht, weil eine finanzielle Schieflage droht, Wachstum finanziert werden muss oder neue Märkte erschlossen werden sollen.

Während PE-Investoren laut Studie als Experten im Financial Engineering gelten, fehlt ihnen jedoch je nach Branche ein umfassender Einblick in die Werkshallen. "Denn die großen Potenziale verstecken sich meist nicht mehr in den Bilanzen. Stattdessen geht es nun darum, die bestehenden Systeme zu harmonisieren, Organisationen zu optimieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen", so Wurst. So sehen nur 34 Prozent der Befragten bei den Finanzinvestoren auch operative Exzellenz. 

PE-Investoren nutzen häufig externe Expertise

"Generell gehören Sanierungen zum Kerngeschäft von Private-Equity-Häusern", zitiert Stefan Terliesner Mc Kinsey-Partner Lukas Schäfer in seinem "return"-Beitrag "Sanierungen als Dauerbaustelle" (Ausgabe 2 | 2020). Daher arbeiteten in zahlreichen PE-Firmen bereits Sanierungsexperten. Wird es knifflig, greifen die Investoren aber auch auf externe Expertise zurück, da in den Beteiligungsgesellschaften häufig Juristen und Finanzierungsprofs die Leitung inne haben. 

"Bei harten wirtschaftlichen Problemen wie der Optimierung von Produktionsabläufen, dem Anlegen zielgerichteter und effizienter Vertriebsstrukturen oder der Pflege und dem Aufbau von Kundenbeziehungen müssten externe Sanierungsexperten als Interim Manager oder Interim Executive ran", schreibt Terliesner.

Allerdings können Außenstehende der Erhebung zufolge viele interne Faktoren nicht richtig bewerten: Das gilt vor allem für das Know-how der Belegschaft (48 Prozent) sowie die Unternehmens- und Führungskultur (46 Prozent).

Die Wertsteigerung der Beteiligung hat Priorität

Typische Vorgehensweisen während der Beteiligungsphase sind laut Robert Christian Schmidt die Sicherstellung eines passenden Managements und dessen Incentivierung, die Beeinflussung der Unternehmensstrategie und des operativen Geschäfts sowie die Optimierung der finanziellen Struktur. "Um eine möglichst hohe Rendite für die Investition zu erwirtschaften, muss der Investor die Wertsteigerung der Beteiligung zwischen Kauf und späterem Verkauf maximieren, also das Unternehmen zu einem niedrigen Preis erwerben und es zu einem höheren Preis wieder verkaufen", erklärt der Springer-Autor im Buchkapitel "Private-Equity-Controlling" auf Seite 237.

Die größten Hebel für Private-Equity-Manager sieht die Studie in den Bereichen Produktionsprozesse und Auftragsabwicklung, Komplexitätsmanagement, Forschung und Entwicklung sowie im Shopfloor Management. 

Anselm Stiehl, Geschäftsführer der Harald Quandt Industriebeteiligungen, rät im Branchenpaper daher zu einer gründlichen Partnerwahl. "Das Investorenprofil beinhaltet wesentliche Eigenschaften, die über Erfolg und Misserfolg der Partnerschaft entscheiden können. Ein Verkäufer sollte sich daher bereits im Vorfeld intensiv mit potenziellen Käufern beschäftigen, um Missverständnisse und enttäuschte Erwartungen zu vermeiden."

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