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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Sozialstruktur — Technik — Ökonomie

Frontmatter

Theorie und Praxis des Übergangs zur marktwirtschaftlichen Ordnung in den ehemals sozialistischen Ländern

Zusammenfassung
Wer durch die neuen Bundesländer Deutschlands reist und mit gesundem Menschenverstand sieht, was dort alles zu tun ist, erschrickt über die hohe und wohl noch steigende Zahl der offenen und in Kurzarbeit oder in anderer Weise versteckten Arbeitslosen (Deutsche Bundesbank 1992, S. 12). Es erschreckt der Gleichmut, mit dem diese Entwicklung von den meisten Ökonomen als “notwendig” hingenommen wird. Die Situation erinnert an die Sackgasse wirtschaftlichen Sachverstands in der Weltwirtschaftskrise vor 60 Jahren, gemildert lediglich durch ein besseres soziales Netz ftir Arbeitslosigkeit. Das macht jedoch die ökonomische Unvernunft keineswegs kleiner. Etwa 30 Milliarden DM wendet allein die Bundesanstalt ftir Arbeit 1991 ftir Ressourcen der Volkswirtschaft auf, die nicht genutzt werden.
Reinhard Blum

Neue Dimensionen der Stadt- und Regionalsoziologie

Zusammenfassung
Die Ergebnisse der Forschung, also auch die Theorie, sind von den in der Forschung eingesetzten Methoden nicht unabhängig; das ist oft gesagt worden. Ob dieser Zusammenhang immer ausreichend reflektiert wird, ist eine andere Frage. Auch die Stadt- und Regionalsoziologie ist in ihrer Entwicklung teils von konventionellen Forschungsmethoden abhängig geblieben, teils sind neue Fragestellungen aufgeworfen worden, die andere methodische Zugänge verlangen, ohne daß diese immer ausgeftihrt worden wären. Eine Konsequenz ist offenbar, daß das theoretische Verständnis der Stadtstruktur und -entwicklung und damit auch der praktische Anwendungswert weitgehend verloren gegangen scheint (Dangschat 1992). Soweit es noch vorhanden ist, folgt es — zum einen Teil — den konventionellen Forschungsansätzen, und hat — zum anderen Teil — zwar ein intensiveres Verständnis des städtischen Milieus und der Urbanen Lebensstile ermöglicht, ein notwendigerweise makrotheoretisches Stadtmodell aber nicht zu entwickeln vermocht. — Die Regionalsoziologie gar ist völlig von den inzwischen konventionellen massenstatistischen Analyseverfahren geprägt geblieben.
Rainer Mackensen

Ein neuer Umgang mit der Energie

Zusammenfassung
Angesichts der immer mehr auf andere Bereiche übergreifenden Energieprobleme — von der Denaturierung unserer Wälder, der beginnenden Veränderung des Weltklimas, der schleichenden radioaktiven Verseuchung, dem gestörten Abwärme- und Wasserhaushalt bis hin zu der in kriegerische Konflikte ausartenden Ausbeutung der irdischen Rohstoffe mit all ihren sozialen Rückwirkungen — ist es wohl kaum noch nötig, die Dringlichkeit einer Neubesinnung in unserem Energiemanagement groß zu belegen. Was heute not tut, sind vielmehr konstruktive Vorschläge zu einer neuen Vorgehensweise: es geht nicht mehr darum, ob wir hier etwas ändern müssen, sondern es geht um das Wie. Und dazu müssen wir uns als erstes klarmachen, daß man der eigentlichen Rolle der Energie als alles durchdringender Entität des Seins grundsätzlich nur im Systemzusammenhang gerecht werden kann, oder — umgekehrt — daß es im Sinne eines neuen Energiemanagements zu nichts führt, wenn man die Energieversorgung lediglich technologisch lösen will oder wirtschaftlich oder machtpolitisch oder verhaltenspsychologisch oder von Seiten des Umweltschutzes allein. Ein solches Problem kann nur aus dem real existierenden Zusammenhang all dieser Handlungsebenen heraus erfolgreich angegangen werden. Durch diese Einbeziehung seiner realen Komplexität wird es nicht etwa schwerer, sondern leichter gelingen, mit dem so eminent wichtigen Energieproblem fertig zu werden. Schon wenn wir in unserem engeren Lebensraum die Energieversorgung mit den übrigen Umwelt- und Lebensbereichen koppeln, zum Beispiel mit den lokalen sozioökonomischen Standortbedingungen, dann tauchen schon gleich eine Fülle kleinräumiger Verbundlösungen und profitabler Symbiosemöglichkeiten auf, auf die wir bei einer auf Einzellösungen fixierten Denkweise gar nicht erst kommen.
Frederic Vester

Zur Theorie einer sozialwissenschaftlichen Technikforschung

Zusammenfassung
Entgegen einigen verdienstvollen Veröffentlichungen zum Thema Techniksoziologie (beispielsweise von Jokisch, Rammert und Weingart), die in den letzten zehn Jahren erschienen sind, ist die Technik ein Stiefkind der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung und Methodologie geliehen.1 Die grundlagentheoretischen Ansätze der Soziologie, die Handlungstheorien, Interaktionstheorien, Kommunikationstheorien und Systemtheorien haben größtenteils darauf verzichtet, sich an der Technik die Zähne auszubeißen — vielleicht, weil die Technik in einem materiellen Sinne zu hart und undurchdringlich ftir die Soziologie erschien, “um sie zum Sprechen zu bringen”.
Christiane Bender

Krankheit und Sterblichkeit in ihrer Entwicklung als gesellschaftliches Phänomen

Zusammenfassung
Krankheit und Sterblichkeit, ebenso Kranksein und Sterben als fraglose Tatsachen unseres menschlichen Alltags sind vor allem Gegenstände der Medizin, Theologie, Psychologie, Demographie, Statistik, Ökonomie, auch wenn der Zeitgeist hierfür nicht immer und allen ein ausgeprägtes Problembewußtsein bereithält oder vermittelt. Wenn Mackenroth (1953) einmal davon sprach, daß die biologischen Vorgänge immer auch gesellschaftlich und sozial überformt sind, so hat er damit sicher eine Grunderkenntnis formuliert. Daß dieses auch zutrifft für Morbidität und Mortalität, mag uns heute kaum noch bewußt sein. Selbst in den Bevölkerungs- und Sozialwissenschaften wird die Problematik kaum (mehr) hinterftagt, erscheint uns zumindest Sterblichkeit doch quasi als Konstante, ganz anders als in Zeiten (oder auch Regionen), die von großen Sterblichkeitsschwankungen gekennzeichnet sind; eher schien die Fruchtbarkeit fraglos gegeben.
Jürgen Cromm

Die Dominanz der Ökonomie — Reflexionen zur Ökonomisierung verschiedener Lebensbereiche in modernen Gesellschaften

Zusammenfassung
Moderne Industriegesellschaften sind durch eine Dominanz der Ökonomie charakterisiert. Ökonomische Zielsetzungen und Funktionsweisen dringen in die anderen gesellschaftlichen Bereiche ein und fiinktionalisieren diese für ihre Zwecke. Traditionale Wertmuster und Gemeinschaftsbeziehungen weichen ökonomischen Nutzenkalkülen und geldwirtschaftlichen Austauschverhältnissen. Damit entstehen neue gesellschaftliche Konfliktpotentiale, aus denen wiederum spezifisch modeme Interessensgegensätze und Machtkonstellationen erwachsen können.
Andrea Maurer, Marina Müller, Gabriele Siegert

Politik

Frontmatter

The Problem of Political Representation Today in Western Europe

Abstract
The great ideologies of the 19th Century have accustomed us to thinking of the relationship of domination in the one-sided dimension of “exercise of domination”, with particular emphasis on the coercion that a dominant minority exercises over a dominant majority. We are less accustomed, especially in Western Europe, to taking into consideration the other aspect of the relationship of domination: i.e. the fact that the dominant positions are formed and continually sustained by the consensus, the recognition of representation and legitimation in the exercise of domination. Except for a situation of immediate physical danger a certain degree of consensus is always present in a situation of domination, even though it is sometimes on the part of the dominated only the result of not wishing to put up with the consequences of deviant behavior1.
Carlo Mongardini

Sozialpolitik und ältere Mitbürger

Zusammenfassung
Wir haben uns angewöhnt, das an sich erfreuliche Älterwerden mit einer Vielzahl von Problemen verknüpft zu sehen, die von gesamtwirtschaftlicher Ebene über soziale und sozialpolitische Komponenten bis hin zu individuellen Fragestellungen reichen. Natürlich sind diese Probleme alle vorhanden und wir werden auch auf einige besonders gravierende anschließend eingehen. Aber — so meinen wir — wir sollten auch die Chancen ergreifen, nämlich, daß die längere Lebenserwartung auch in Aktivposten umgesetzt werden kann, jeweils entsprechend der individuellen Möglichkeiten. Auch hierzu folgen einige Ausführungen.
Klaus Deimer, Anita B. Pfaff, Martin Pfaff

Zivismus mit Resonanz

Zusammenfassung
Die allgemeine Problematik Bürgerinitiativen, Protestbewegungen, freiwillige Vereinigungen aller Art zur Durchsetzung bestimmter kollektiver Bedürfiiisse, bürgerschaftliche Zusammenschlüsse sowie lose nicht-institutionalisierte Gruppierungen gehören, zumindest seit den letzten zwei bis drei Jahrzehnten, zum selbstverständlichen Erscheinungsbild modemer repräsentativer Demokratien. Sie versuchen, die Kluft zwischen den einzelnen Staatsbürgem und den politischen Institutionen zu überbrücken und beschreiten dabei Wege, prinzipiell der Idee direkter Demokratie folgend, die im normalen politischen Prozeß der Meinungsbildung und indirekten Beteiligung an der Entscheidungsbildung nicht vorgesehen sind. Das gilt praktisch fiir alle Ebenen des öffentlichen Lebens, also sowohl fiir den kommimalen, regionalen, nationalen und intemationalen Bereich. Institutionalisierte Rückkopplungsmechanismen — außerhalb der Wahlen — wie Anhömngsverfahren, Abgeordnetensprechstunden, Ratsversammlungen, Petitionsausschüsse oder der in einigen Ländem hierfür gesetzlich vorgeschriebene Ombudsman bzw. begrenzt zulässige Referenden sind offenbar nicht in der Lage, den Hiatus zwischen Regiemng und Volk zufriedenstellend zu neutralisieren. Nur wenigen gesellschaftlichen Gmppen dieser Art geht es dabei um fundamentale Systemkritik (obwohl diese Idee bei vielen bürgerschaftlichen Zusammenschlüssen, häufig aus Fmstrations-Erlebnissen, durchaus mitschwingen kann); die Mehrzahl der Initiativen sieht ihr Betätigungsfeld vor allem auf lokaler und regionaler Ebene, wo versucht wird, unmittelbar erfahrbare Probleme wie Lärm, Umweltverschmutzung, Straßenbau, Eingriffe in die Wohnstruktur durch Dmck auf die politisch Verantwortlichen und auf die Öffentlichkeit auf für die Betroffenen befriedigende Weise einer Lösung zuzuführen, die zumeist der offiziell vorgesehenen widerspricht, zumindest aber nicht entspricht.
Horst Reimann

Neue Linien in der Entwicklungspolitik für Indianer in den Vereinigten Staaten

Zusammenfassung
Es war zweifellos ein Glücksfall, daß mir das von Sam Stanley herausgegebene Buch über die wirtschaftliche Entwicklung der (Nord)- amerikanischen Indianer (Stanley 1978) genau in dem Augenblick in die Hände geriet, als ich mich aufinachte, meine Untersuchung von 1973 über die Navajo im nördlichen Arizona (König 1973 a) fast genau zehn Jahre nach meiner letzten Feldforschung (1970) in einigen Punkten zu kontrollieren, zu ergänzen oder zu modifizieren. An Fakten bringt das neue Werk nur teilweise Berichte neuesten Datums (bis ca. 1975), dafür ist aber die Gesamtlinie des Werkes und seiner verschiedenen Mitarbeiter ganz grundsätzlich unterschieden von dem, was zu meiner Zeit verfügbar war, so daß es zweifellos lohnt, diese für sich herauszuarbeiten. Bevor das jedoch geschieht, muß in einigen Zeilen der Aufbau des Werkes skizziert werden.
René König

Government Bureaucracy and Peruvian Culture

Abstract
What could I write that would be appropriate to honor an old friend and esteemed colleague? Reflecting on Peter Atteslander’s influential role in organizing the Swiss Academy of Development has led me to a discussion of government bureaucracy and Peruvian culture.
William Foote Whyte

Soziale Kontrolle und die chinesische Danwei-Organisation

Zusammenfassung
Zunächst sollen einige begriffliche Erklärungen und Einschränkungen in bezug auf diese Arbeit vorgenommen werden.
Hanlin Li

Zur Evolution von Regeln Einige modelltheoretische Überlegungen

Zusammenfassung
Die Sozialanthropologie gehört zu den wenigen Disziplinen, die das evolutionstheoretische Erbe des 19. Jahrhunderts nicht unbesehen ausschlagen1. Allerdings erliegt sie dabei, wie die Sozialtheorie insgesamt, beständig der Versuchung, Modelle “genereller Evolution” zu verwenden2, ohne die spezifischen Prozesse anzugeben, denen sie folgt. Eine der Möglichkeiten, den gängigen Vorhaltungen gegen diese Auffassung3zu entgehen, besteht darin, sich die soziale Evolution als einen makroskopischen Adaptionsprozeß zu denken, in dessen Verlauf Gesellschaften auf externe Bestandsgefahrdungen mit der subsistenzfördemden Umgestaltung ihrer internen (Wissens- oder Regel-) Strukturen reagieren4. Ein solches Modell der “externen Selektion” übersieht allerdings die vorgelagerte Frage der internen Selektion5.d.h. wie es den Akteuren zuallererst gelingt, ihr Verhalten so aufeinander abzustimmen, daß ihr Gesellschaftsverband sich an veränderliche Umweltgegebenheiten anpassen kann6. Ich lasse die Evolution des Wissens beiseite7 und untersuche anhand der Sozialtheorie Radcliffe-Browns und einiger Überlegungen zur Staatsentstehungstheorie die Frage nach der internen Selektion von Regelstrukturen.
Michael Schmid

Kultur

Frontmatter

“Sie wissen, was sie zu tun haben!” Vom Beruf zur Selbstberufung

Zusammenfassung
Tom Peters, Mitautor des Welt-Bestsellers “Auf der Suche nach Spitzenleistungen” überschreibt in seinem neuen Buch “Thriving on Chaos” (New York 1987, dtsch: Hamburg 1988) ein Kapitelchen “Stellenbeschreibungen gehören zum alten Eisen” (S. 595 ff.). “Ich habe in all meinen Tätigkeiten nie eine Stellenbeschreibung gesehen”, bemerkt er, “das Versäumnis, (sie) zu lesen, erwies sich nie als Handicap. Indem ich meine Stellenbeschreibung nicht gelesen hatte, war ich niemals mit dem genauen Wissen darüber belastet, wozu ich offiziell nicht befugt bin oder mit wem ich hinsichtlich meines Projektes “Einvernehmen” herzustellen hatte…. In der typischen Stellenbeschreibung entledigt sich der Chef aller Sorgen — mit Hilfe einiger Schreibmaschinenzeilen…. Die einzige Lösung besteht darin, sich von ihnen zu verabschieden”. Es gibt nur eine Altemative, so Peters weiter dazu. Sie verficht er von ganzem Herzen. Das Rezept liegt im Satz: “Sie wissen, was sie zu tun haben”.
Peter Gross

Der Mandarin — Stilisierung chinesischer Höflichkeit

Zusammenfassung
Als Lewis A. Coser 1978 eine Rezension der englischen Übersetzung von Norbert Elias’ erstem Band “Über den Prozeß der Zivilisation” publizierte, pries er dieses Werk als “a modern sociological classic of the first order” (Coser 1978, S. 566) und meinte, es gehöre in die Bücherregale aller Humanisten und Sozialwissenschaftler, die sich mit der Entstehung der modemen westlichen Kultur beschäftigten. Er hatte nur wenig an diesem Band zu kritisieren, am ehesten noch Elias’ Tendenz zu einem unilinearen Evolutionismus, die unter anderem den Zusammenbmch der “Zivilisation” in Auschwitz ausgeblendet hat, den Elias erst in den “Studien über die Deutschen” (1989) aufgearbeitet hat. Daneben war Coser das Fehlen weiterer weltgeschichtlicher Vergleiche aufgefallen, wenn er auch betonte, daß man Elias dies kaum vorwerfen könne, da er eben eine eingehende Untersuchung der Entwicklung der “Zivilisation” im neuzeitlichen Europa geleistet habe. Dennoch vermißte Coser den Vergleich mit anderen Hochkulturen “such as those of Asia, in which one can discem similar trends” (Coser 1978, S. 565). Elias hat in dem besprochenen 1. Band nur kursorisch anläßlich der Entwicklung der Tischsitten, speziell des gesitteten Gebrauchs des Messers, einen kulturvergleichenden Blick auf Asien geworfen, als er bemerkte, daß die Chinesen das Messer ganz von der Tafel verbannt haben und ihnen deshalb die europäische Art, “mit Schwertem” zu essen, barbarisch vorkommt (Elias I, 1978, S. 169).
Helga Reimann

Macht und Ohnmacht wissenschaftlicher Erkenntnis

Zusammenfassung
Jahrzehntelang war es wohl das Gefühl einer nicht immer ganz ungeteilten Hoffnung, einer zeitweise sogar ansteckenden Begeisterung und gelegentlich auch nur skeptischen Faszination mit den anscheinend unbegrenzten praktischen Erfolgen der modemen Wissenschaft und Technik, das dem Sozialwissenschaftler die Frage nach den systematischen Grenzen der Herrschaft wissenschaftlichen Wissens außerhalb des Wissenschaftssystems theoretisch als weitgehend gelöst bzw. unerheblich erscheinen ließ. Gegenwärtig dagegen scheint die Ursache eher darin zu liegen, daß die verbreitete Kritik der modemen Wissenschaftspraxis allgemein als sinnvoll und akzeptabel verstanden wird. Ergebnis dieser Abstinenz ist gleichwohl ein elementares Verständnis oder besser Mißverständnis der gesellschaftlichen Macht wissenschaftlichen Wissens.
Nico Stehr

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