Steigerung der Resilienz in der Metallindustrie
- 18.11.2025
- Produktion + Produktionstechnik
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Der Großteil der metallbe- und -verarbeitenden Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist bis heute allenfalls in Ansätzen digitalisiert. Ein Forschungsteam vom Fraunhofer IPA will das ändern.
Fraunhofer IPA
Covid-19, der Ukrainekrieg und plötzliche Störungen entlang der Lieferkette wie etwa die Blockade des Suezkanals im Frühjahr 2021: Das sind drei der schwersten Schocks, mit denen metallbe- und -verarbeitende Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum in den vergangenen zehn Jahren fertig werden mussten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in der bislang unveröffentlichten Studie "Schocks und Risiken in der Metallindustrie". "Krisen treffen diese Unternehmen häufig völlig unvorbereitet", sagt Mirko Schneider vom Forschungsteam Digitalisierungsstrategie und Technologiemanagement am Fraunhofer IPA. "Dann wird hastig ein Krisenstab einberufen, der nach geeigneten Gegenmaßnahmen sucht. Die sind in der Regel aber nicht nachhaltig, steigern also nicht die Resilienz des Unternehmens. Vorgesorgt wird, indem große Vorräte angelegt oder mehrere Lieferanten qualifiziert werden. Damit betreibt man dauerhaft mehr Aufwand als nötig wäre."
Krisenfest machen wollen die Forscher um Schneider die Branche, indem sie Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette miteinander vernetzen. Bis Ende 2027 soll deshalb eine digitale Plattform entstehen. Zentraler Bestandteil wird ein Resilienz-Managementsystem sein. Darüber sollen die beteiligten Unternehmen untereinander Informationen austauschen über ihre Bedarfe, vorrätigen Materialien und Fertigungskapazitäten. So soll in Krisenzeiten ein Ausgleich geschaffen werden. Aus lauter Einzelkämpfern soll also eine schlagkräftige Truppe geformt werden, die Krisen frühzeitig erkennt und gemeinsam abwendet.
Grundstein für die Digitalisierung der Branche
Mit der digitalen Plattform verfolgen die Fachleute um Schneider aber noch ein weiteres Ziel: Sie soll gewissermaßen den Grundstein legen für die Digitalisierung von metallbe- und -verarbeitenden Unternehmen. Das Resilienz-Managementsystem soll nämlich nicht nur Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette miteinander vernetzen, sondern auch unternehmensintern Transparenz über die eigenen Produktionsprozesse und Lagerbestände schaffen. Nur so lassen sich Maschinenstillstände und Qualitätsabweichungen frühzeitig erkennen und vermeiden. "Voraussetzung ist aber, dass man eben doch den ein oder anderen Prozess automatisiert oder digitalisiert, einzelne Sensoren anbringt und die Zettelwirtschaft abschafft", sagt Schneider.
Die dritte Maßnahme zur Steigerung der Resilienz in metallbe- und -verarbeitenden Unternehmen sind Resilienz-Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Einführung von agilen Organisationsstrukturen. Schließlich ist es in Krisenzeiten wichtig, dass alle Beschäftigten wissen, was zu tun ist, und ihre Kompetenzen schnell und unbürokratisch einbringen können.
Erster Klick-Dummy auf Basis der Studienergebnisse
Die Erkenntnisse aus der Studie wollen die Forscher um Schneider nun für die Entwicklung der digitalen Plattform nutzen. Als erstes in Angriff nehmen wollen sie eine Übersicht über die Materialbestände der Unternehmen, die am Forschungsprojekt „Resilienzsteigerung in metallbe- und -verarbeitenden Unternehmen durch ein vernetztes Plattform-Ökosystem“ (RESIPLAT) teilnehmen. „Zunächst wollen wir das als Klick-Dummy umsetzen und unseren Projektpartnern zur Verfügung stellen. Ihr Feedback nutzen wir dann, um diesen ersten Bestandteil der digitalen Plattform weiterzuentwickeln“, sagt Schneider. Parallel dazu sollen erste Konzepte für die Resilienz-Schulungen entstehen.