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30.09.2021 | Produktion + Produktionstechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Mit der CP-Strategie zu einer nachhaltigen Produktion

Autor:
Christoph Berger
4:30 Min. Lesedauer

Die Cleaner Production-Strategie (CP) hat zwei Ziele: Umweltaspekte in Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zu integrieren, um Risiken für Mensch und Umwelt zu reduzieren sowie die Effizienz der Produktion zu steigern. Beides zusammen ist möglich.

"Schlüsselbegriffe wie "Pollution Prevention" und "Cleaner Production" entstanden in der Zeit, in der der präventive Ansatz dominant war. Ziel des präventiven Ansatzes ist es, die Abfallproduktion direkt an der Quelle, das heißt vor dem Auftreten im Produktionsprozess, zu reduzieren und so die Kosten für Behandlung und Endlagerung zu senken", schreiben die Autoren des Springer-Kapitels "Ökodesign" im Springer-Fachbuch "Pahl/Beitz Konstruktionslehre". Mit "in der Zeit" ist Anfang der 1970er-Jahre gemeint.

Empfehlung der Redaktion

2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Cleaner Production (CP)

Cleaner production (CP) is “the continuous application of an environmental strategy integrated with processes, products, and services to increase efficiency and reduce risks to humans and the environment.”

Ähnlich datieren die Autoren des Kapitels "Cleaner Production (CP)" im Springer-Fachbuch "Life Cycle Engineering and Management of Products" den Start der Entwicklung der CP-Strategie. Allerdings sprechen sie nicht von einem präventiven, sondern einem proaktiven Ansatz. Dabei starten sie mit einer aus dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) entnommenen Definition. Demnach ist Cleaner Production "die kontinuierliche Anwendung einer Umweltstrategie, die in Prozesse, Produkte und Dienstleistungen integriert ist, um die Effizienz zu steigern und Risiken für Mensch und Umwelt zu reduzieren". Kurz: eine saubere und auf Effizienz ausgerichtete Produktion

Eine erste große Initiative, die sich damit beschäftigt habe, sei das Programm Pollution Prevention Pays (3P) von 3M gewesen, das noch heute darauf abzielt, die Umweltverschmutzung bei Produkten und Herstellungsverfahren an der Quelle zu vermeiden, anstatt die bereits entstandene Verschmutzung zu beseitigen.

Eine Win-Win-Win-Strategie für Umwelt, Gemeinschaften und Unternehmen

UNEP legte auch wichtige und für CP relevante Punkte fest. Dazu zählt,

  • dass es sich bei CP um einen kontinuierlichen Prozess handelt und nicht um eine spezifische und isolierte Aktivität,
  • dass CP nicht auf bestimmte Branchen, Größen oder Geschäftsbereiche beschränkt ist,
  • dass die Strategie die Produktion auf ein Gleichgewicht zwischen Verfügbarkeit und Verbrauch von Materialien (einschließlich Wasser) und Energie ausrichtet, wobei Wachstum nicht ausgeschlossen wird, dieser aber ökologisch und nachhaltig sein müsse,
  • dass CP auch ein Ansatz für Güter und Dienstleistungen mit minimalen Umweltauswirkungen ist, dass sich CP nicht auf die Minimierung von Abfällen reduziert, sondern auf Umweltauswirkungen im Lebenszyklus fokussiert,
  • dass auch Gesundheits- und Sicherheitsfragen einbezogen werden und
  • dass es um eine Steigerung der Effizienz und Effektivität geht.

Laut den Autoren des Kapitels handelt es sich daher nicht um eine Umwelt-, sondern eine Nachhaltigkeitsstrategie, eine Win-Win-Win-Strategie, die Umwelt, Gemeinschaften und Unternehmen schützt, die die Ursachenbekämpfung einbezieht.

CP zielt auf Ökoeffizienz ab

Sie schreiben außerdem: "Daraus lässt sich schließen, dass CP bei der Anwendung seiner Praktiken auf Ökoeffizienz abzielt." Ökoeffizienz sei ein sich entwickelndes Konzept, das es Unternehmen ermögliche, sich an die sich ändernde Dynamik des aktuellen Marktes anzupassen. Organisationen, die ökoeffiziente Praktiken umsetzen, könnten positiver auf den Wettbewerbsdruck reagieren, Bedürfnisse von Kunden antizipieren und gleichzeitig Umwelt, Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter schützen. Oder: Mit weniger Ressourcen mehr Produkt herstellen und weniger Umweltbelastungen verursachen, da Abfall, Umweltverschmutzung, Energieverbrauch sowie der Rohstoffverbrauch reduziert würde – ebenso die Unternehmenskosten.

"Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal?", fragt demnach auch Michael Wühle im Kapitel "Strategischer Ansatz für neue Geschäftsmodelle" des Springer-Fachbuchs "Nachhaltigkeit – einfach praktisch!". Und gibt direkt selbst die Antwort: "Ja, denn inzwischen spielt das verstärkte Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein der Konsumenten eine große Rolle für deren Kaufentscheidungen."

Die Implementierung eines CP-Programms

Doch welche Voraussetzungen müssen Unternehmen für die Einführung einer CP-Strategie schaffen? Hierzu stellen die Autoren des Kapitels "Cleaner Production (CP)" ein ebenfalls von der UNEP entwickeltes CP-Implementierungsprogramm vor. Dieses unterteilt sich in fünf Schritte, die sich der Reihenfolge nach auf die Planung und Organisation, die Diagnose, ein Assessment, eine Machbarkeitsstudie und schließlich die Umsetzung und Überwachung beziehen:

  1. Bereitstellung und Einrichtung von Aktivitäten und Ressourcen, die für das Programm erforderlich sind.
  2. Der aktuelle Stand des Unternehmens in Bezug auf Umweltmanagementpraktiken muss ermittelt werden.
  3. Im Rahmen des Assessments werden aktuelle Daten gesammelt und analysiert sowie die bestehenden CP-Optionen zur Anpassung der zuvor priorisierten Aspekte ermittelt.
  4. Über die Machbarkeitsstudie werden die im vorherigen Schritt identifizierten Chancen bewertet und so die praktikabelsten für die Umsetzung im Hinblick auf das größtmögliche Ökoeffizienzpotenzial ausgewählt.
  5. Schließlich werden die ausgewählten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt und die Planungsergebnisse mit den dann in der Praxis erreichten Ergebnissen abgeglichen, um eventuell Anpassungen vorzunehmen.

Detailliert wird diese grobe Skizze nochmals im besagten Kapitel beschrieben. Darin werden außerdem konkrete Beispiele und die zu berücksichtigenden Variablen vorgestellt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei all dem die gesetzlichen Anforderungen nicht aus dem Blick verloren werden dürften.

Um diesen Weg hin zu einer nachhaltigen Produktion zu unterstützen, hat auch das Umweltbundesamt das Internetportal "Cleaner Production Germnay" aufgebaut. Dort wird über deutsche Umwelttechniken und Umweltdienstleistungen informiert, nationale und internationale Förderinstrumente vorgestellt und Ansprechpartner im Bereich des Techniktransfers aufgelistet. Zudem sind dort über 3.000 Publikationen zu Forschungsergebnissen und Best Practice-Beispielen zum Thema "Umwelttechnologien – Made in Germany" zu finden.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Entwicklung von Produkten mit verbesserter Ökobilanz
Quelle:
Pahl/Beitz Konstruktionslehre

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Quelle:
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