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Produktionskulturen audiovisueller Medien

Neuere Perspektiven der Medienindustrie- und Produktionsforschung

  • 2023
  • Buch

Über dieses Buch

Als eine der wenigen, deutschsprachigen Überblicksdarstellungen zum interdisziplinären Feld der Production Studies bzw. der Cultural Studies of Media Industries, versammelt der Band aktuelle Beiträge der sozial- und kulturwissenschaftlichen Erforschung von audiovisuellen Medienindustrien in Geschichte und Gegenwart. Neben der Präsentation neuer Erkenntnisse liegt der Schwerpunkt der Beiträge insbesondere auf der theoretischen, methodischen und forschungspraktischen Reflexion, um eine weitergehende Verankerung dieses Forschungsfeldes im deutschsprachigen Raum voranzutreiben.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Einleitung: Produktionsforschung treiben

    Dennis Göttel, Aycha Riffi, Stefan Udelhofen
    Der Fachbeitrag untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Produktionsforschung im Kontext der Medienindustrie, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Seit den 2000er-Jahren hat die Digitalisierung und die Transformation audiovisueller Produktionskulturen zu einer wachsenden Institutionalisierung der Produktionsforschung geführt, die unter Bezeichnungen wie Production Studies und Media Industry Studies bekannt ist. Der Beitrag analysiert die Rolle der Medienproduktionsforschung in der Selbstverortung und Erneuerung des Forschungsfelds, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Sichtbarmachung unsichtbarer Arbeit und die kritische Reflexion der bestehenden Forschungsmethoden gelegt wird. Die interdisziplinäre Herangehensweise, die sowohl historische als auch aktuelle Perspektiven berücksichtigt, bietet eine umfassende und kritische Betrachtung der Medienproduktionsforschung und ihrer Bedeutung für die Medienindustrie.
  3. Kartieren

    1. Frontmatter

    2. Production Studies Ethics: Human Subjects Protections in Predatory Creative Industries

      John Thornton Caldwell
      Das Kapitel vertieft sich in die komplexe ethische Landschaft produktionskultureller Studien und betont die Notwendigkeit des Schutzes menschlicher Subjekte im Kontext räuberischer Kreativindustrien. Er untersucht kritisch die Rolle der Ethik in den Forschungsmethoden des Autors und im gesamten Ökosystem der Industrie und konzentriert sich dabei auf drei Schlüsselthemen: industrielle Täuschung, Zwang und Gewinnung. Der Autor argumentiert, dass diese unethischen Praktiken innerhalb der Branche normalisiert sind und einen tieferen, reflexiveren Forschungsansatz erfordern. Das Kapitel diskutiert auch die Herausforderungen der Durchführung ethischer Forschung in einem Umfeld, das von mächtigen Konzernen dominiert wird, und die Notwendigkeit von IRBs an Universitäten, um Forscher und Fächer zu schützen. Überall betont der Autor die Bedeutung der Kultur bei der Gestaltung des Verhaltens in der Industrie und die Notwendigkeit kritischer, fundierter Forschungsmethoden, um diese Probleme zu lösen.
    3. What Is Production Studies Anyway?

      Patrick Vonderau
      Das Kapitel vertieft sich in die Debatten rund um die Methoden und Perspektiven, die in Studien der Medienindustrie verwendet werden, insbesondere die mikro- / makrobinäre. Sie argumentiert, dass Produktionsstudien als eigenständiges Feld betrachtet werden sollten, das sich von der Forschung in der Medienindustrie im weiteren Sinne unterscheidet. Der Autor stellt die herkömmliche Anwendung der Mikro- / Makrounterscheidung in Frage und schlägt einen alternativen Ansatz vor, der von der Mikrogeschichte inspiriert ist, und betont die Verwobenheit kulturellen und wirtschaftlichen Handelns in der Produktionsarbeit. Durch die Fokussierung auf Prozesse und nicht auf Strukturen bietet Production Studies ein differenzierteres und historisch bedingteres Verständnis der Medienindustrie. Das Kapitel schließt mit der Hervorhebung der Bedeutung der Vertrautheit mit Perspektiven in der Produktionswissenschaft, die eine tiefere und kritischere Analyse der Branche ermöglichen.
    4. Sociologies of Cultural Productions in Production Studies

      Sara Malou Strandvad
      Dieses Kapitel vertieft sich in die Soziologie kultureller Produktionen und untersucht, wie Kulturgüter hergestellt, verteilt und verwendet werden. Er beginnt mit einer Einführung in das Feld und unterstreicht die Verschiebung von der beschränkten Kategorie der "kanonisierten Kunst" hin zum breiteren Begriff "kulturelle Produktionen". Das Kapitel vergleicht dann die Ansätze der einflussreichen Soziologen Howard Becker und Pierre Bourdieu und konzentriert sich dabei auf Beckers Kunstwelten und Bourdieus Feldanalyse. Becker betont die kollektive Natur des Kunstschaffens, das von gesellschaftlichen Konventionen bestimmt wird, während Bourdieu Machtkämpfe innerhalb kultureller Felder hervorhebt. Das Kapitel stellt auch einen alternativen Ansatz vor, der von der Theorie des Akteurs-Netzwerks inspiriert ist, und schlägt das Konzept der "Vermittlungsketten" vor, um die sich entwickelnden Kulturgüter und ihre Auswirkungen auf Produktionsprozesse zu analysieren. Diese innovative Perspektive ermöglicht ein differenzierteres Verständnis der sozialen und materiellen Aspekte kultureller Produktion. Das Kapitel schließt, indem es diese theoretischen Rahmenwerke mit empirischen Beispielen aus der dänischen Filmindustrie illustriert und eine überzeugende Fallstudie anbietet, die Interesse an den umfassenderen Implikationen dieser soziologischen Perspektiven weckt.
    5. Failure Studies

      Eva Novrup Redvall
      Das Kapitel "Failure Studies" befürwortet die Bedeutung der Untersuchung des Scheiterns in der Film- und Fernsehbranche. Sie argumentiert, dass Wissenschaftler und Praktiker durch die Untersuchung gescheiterter Prozesse und Produktionen tiefere Einblicke in die Komplexität kreativer Arbeit gewinnen können. Der Autor greift auf verschiedene akademische Felder und Fallstudien zurück, um zu veranschaulichen, wie Scheitern zu Innovation und Verbesserung führen kann. Das Kapitel diskutiert auch die Herausforderungen und Vorteile der Durchführung von Fehlerstudien und hebt das Potenzial für wertvollen Wissensaustausch und wertvolles Lernen hervor. Indem der Autor den Fokus vom Erfolg auf das Scheitern verlagert, zielt er darauf ab, das Verständnis des kreativen Prozesses zu erweitern und zu besseren Praktiken in der Branche beizutragen.
    6. Evidenzbasiert, nicht datengetrieben: Herausforderungen beim Einsatz quantitativer und digitaler Forschungsmethoden für die Festivalforschung

      Skadi Loist, Zhenya Samoilova
      Das Kapitel untersucht die Herausforderungen beim Einsatz quantitativer und digitaler Forschungsmethoden in der Filmfestivalforschung. Es beginnt mit der historischen Entwicklung der Filmfestivalforschung, die zunächst von qualitativen und historisch orientierten Studien dominiert wurde. Die Einführung quantitativer Methoden erfordert eine sorgfältige Operationalisierung von Netzwerkstrukturen und Hierarchien, um bestehende Theorien in quantitative Fragestellungen zu überführen. Die Verfügbarkeit von Daten zur Filmzirkulation und Distribution stellt eine zentrale Herausforderung dar, da kommerzielle Datenquellen rar sind und oft nicht zugänglich sind. Das Projekt 'Filmzirkulation im internationalen Festivalnetzwerk' nutzt digitale und computational methods, um neue Datenquellen zu erschließen und neue Forschungsfragen zu stellen. Es untersucht die Zirkulationsprozesse von Filmen im gesamten Festivalnetzwerk und die Rolle verschiedener Festivals in der Hierarchie des Netzwerks. Das Projekt zeigt, dass große Datenmengen notwendig sind, um die Vielfalt der Festivals im Sektor zu erfassen und Muster sichtbar zu machen. Es hebt die Notwendigkeit hervor, traditionelle und digitale Methoden zu kombinieren, um die komplexen Datenstrukturen zu bewältigen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.
    7. Das Kapital der Medien. Zur Vermittlung von Produktion und Zirkulation durch das Format am Beispiel des Films

      Vinzenz Hediger
      Das Kapitel 'Das Kapital der Medien. Zur Vermittlung von Produktion und Zirkulation durch das Format am Beispiel des Films' untersucht die zentrale Rolle der Distribution in der Medienindustrie, insbesondere am Beispiel des Films. Karl Marx' Definition von Kapital als unmittelbare Einheit von Produktion und Zirkulation wird dabei als Ausgangspunkt genommen. Die Forschung zu Kulturindustrien hat die Distribution oft als betriebswirtschaftlichen Dreischritt von Produktion, Distribution und Konsum betrachtet, wobei die Distribution wenig Beachtung fand. Das Kapitel füllt diese Lücke und argumentiert, dass die Distribution als Schlüssel zur Marktkontrolle fungiert und die Vermittlung von Produktion und Zirkulation ermöglicht. Die Distribution wird als produktiver Prozess und topologisches Problem verstanden, das Räume der Zirkulation hervorbringt. Besonders hervorgehoben wird der Einfluss der Distribution auf die Wertschöpfungsketten und die Rolle der Distribution in informellen Märkten und Streaming-Plattformen. Die Analyse zeigt, wie die Distribution die Produktion von Räumen der Zirkulation und die Selektion von Content durch das Publikum beeinflusst. Das Kapitel schließt mit der These, dass das Format das Kapital der Medien darstellt, da es die Räume der Zirkulation ebenso wie den Content definiert und die unmittelbare Einheit von Produktion und Zirkulation herstellt.
  4. Materialisieren

    1. Frontmatter

    2. Papiergebundene Pfade. Effizienz, Büroarbeit und Frauen in der frühen Filmbranche

      Erin Hill
      Das Kapitel 'Papiergebundene Pfade. Effizienz, Büroarbeit und Frauen in der frühen Filmbranche' untersucht die Veränderungen in der Filmproduktion während der späten 1910er- und frühen 1920er-Jahre, als die Effizienzsteigerung durch Taylorismus die Arbeitsprozesse und -rollen in der Filmbranche revolutionierte. Vor der Einführung des Taylorismus waren Frauen in der Filmproduktion präsenter und hatten vielfältigere Aufgabenbereiche. Die Reorganisation der Studios führte jedoch zu einer stärkeren Geschlechtertrennung und einer Verschiebung von Frauen in feminisierte Arbeitsbereiche, insbesondere in der Büroarbeit. Diese Veränderungen wurden durch die zunehmende Bürokratisierung und die Notwendigkeit einer effizienten Massenproduktion vorangetrieben. Der Beitrag zeichnet ein detailliertes Bild der frühen Filmbranche und analysiert, wie die neuen Organisationsstrukturen die Rolle und die Arbeitsbedingungen von Frauen in der Filmproduktion beeinflussten. Besonders interessant ist die Betrachtung der räumlichen und ideologischen Veränderungen in den Studios, die durch die Einführung von Büroarbeit und die Zunahme von Verwaltungsprozessen geprägt wurden. Der Text hebt hervor, dass die Frauen trotz ihrer Bedeutung in der frühen Filmproduktion zunehmend in weniger angesehene und repetitive Tätigkeiten abgedrängt wurden. Die Analyse bietet einen tiefen Einblick in die historischen und soziologischen Aspekte der Filmproduktion und zeigt auf, wie die frühen Erfolge von Filmemacherinnen letztlich zu einer Verschärfung der Geschlechtertrennung führten.
    3. Space for Filmmaking in 1960s and 1970s Italy: Production Companies and Studios

      Andreas Ehrenreich
      Das Kapitel untersucht die räumlichen Bedingungen und Machtdynamiken der Filmproduktion im Italien der 1960er und 1970er Jahre, wobei der Schwerpunkt auf dem Genre des Giallo liegt. Es untersucht die organisatorischen Synergien und Repräsentationslogiken von Produktionsfirmen und Studios und beleuchtet die politischen und wirtschaftlichen Aspekte des Filmemachens. Die Analyse der Unternehmen von Martino zeigt die Entwicklung der Produktionsunternehmen von bescheidenen Untervermietungen zu Immobilieneigentümern und zeigt das ständige Streben nach Synergien, um Kosten zu sparen. Das Kapitel untersucht auch die Nutzung verschiedener Räume und räumlicher Anordnungen im Filmschaffen, von gemeinsamen Büros bis hin zu Privatwohnungen und Studios wie Cinecittà und Cave Film Studio. Abschließend wird auf die widersprüchliche Logik der Ambitionen der Filmemacher hingewiesen, Geld zu sparen und gleichzeitig eine Aura der Macht und des Wohlstands aufrechtzuerhalten, was ein differenziertes Verständnis der Medienproduktion in dieser Zeit bietet.
    4. Produktionsforschung als Anekdotenwissenschaft: Geschichten aus der Zettelwirtschaft des Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann

      Sven Grampp, Sophia Stiftinger
      Das Kapitel beleuchtet die Produktionsforschung als Anekdotenwissenschaft, indem es die Arbeitsweise und Produktionsprozesse des Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann untersucht. Drei Anekdoten dienen als Einführung und veranschaulichen Rademanns Arbeitsstil und seine Interaktionen mit Schauspielern, Sendern und anderen Beteiligten. Die Anekdoten werden als heuristisches Werkzeug genutzt, um Einblicke in die komplexen Produktionsnetzwerke zu gewinnen, die sonst schwer zugänglich wären. Besonders interessant ist die Analyse der Rolle Rademanns als zentraler Knotenpunkt in diesen Netzwerken und die Einblicke in seine Entscheidungsfindungsprozesse. Die Verwendung von Anekdoten als Findekunst ermöglicht es, auch banale Details zu erfassen, die oft überraschende Erkenntnisse über die Produktionsabläufe liefern. Durch die detaillierte Auswertung von Briefwechseln und Archivmaterial wird deutlich, wie Rademanns Arbeitsweise und seine Beziehungen zu den verschiedenen Akteuren die Produktionsprozesse beeinflussten. Diese Herangehensweise bietet neue Perspektiven auf die Erforschung von Fernsehproduktionen und zeigt, wie Anekdoten als wertvolle Quelle für die Produktionsforschung genutzt werden können.
    5. ‚Stoff‘ der Filmhistoriografie: Materialisierungen von Filmkostümen durch Die Flamme (1922/23)

      Bianka-Isabell Scharmann
      Das Kapitel beleuchtet die Materialisierungen von Filmkostümen am Beispiel des Films 'Die Flamme' (1922/23) und die damit verbundenen Praktiken und Diskurse. Es wird gezeigt, wie das Kostüm als zentrales Element des Films verstanden werden kann und welche Bedeutung es für die Filmhistoriografie hat. Besondere Aufmerksamkeit gilt der heterogenen Filmkostümpraxis, die filmwissenschaftlich bisher kaum in Erscheinung trat. Die Analyse zeigt, wie das Kostüm durch verschiedene Versionen und Praktiken instabil wird und der Film nur eine Durchgangsstation darstellt. Die Perspektive der Production Studies wird genutzt, um die Materialität des Films selbst in den Vordergrund zu rücken und eine epistemologische Verschiebung der Perspektive auf Film als Gegenstand zu vollziehen. Der Film 'Die Flamme' markiert den Schlusspunkt in Lubitschs deutschem Filmschaffen und wird als Schwellenwerk betrachtet. Die Produktion des Films erfolgte unter der Ägide der EFA und die Verantwortung für die Kostüme wird Ali Hubert zugeschrieben, was jedoch problematisiert wird. Die Analyse zeigt, dass multiple Akteure an der Produktion beteiligt waren und die Kostüme oft aus einem Fundus stammten. Die Verleihfirma Theaterkunst spielte dabei eine zentrale Rolle. Durch die Untersuchung der Kostümpraxis und der paratextuellen Materialien wird die Bedeutung des Kostüms für die Filmproduktion und -rezeption deutlich. Die Erinnerungs-Montage von Ernst Stern, der an der Produktion beteiligt war, wird als einzigartiges Artefakt hervorgehoben, das die Materialität des Kostüms und die Erinnerung an den Film in den Vordergrund stellt.
    6. Öffentlicher Rundfunk und affektiver Kapitalismus: der Drehbericht als audiovisuelle Quelle der Production Studies

      Theodor Frisorger, Dennis Göttel
      Der Beitrag beleuchtet die Bedeutung von televisuellen Drehberichten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk der BRD als historische Quelle für die Erforschung von Filmproduktionskulturen. Diese Drehberichte, die in den 1960er und 1970er Jahren produziert wurden, bieten Einblicke in die Arbeits- und Produktionsbedingungen im Kontext des Postfordismus und der sexuellen Liberalisierung. Der Text untersucht, wie diese Drehberichte die Transformation von Arbeitsbedingungen und die zunehmende Affektivierung der Arbeit widerspiegeln. Besonders interessant ist die Analyse der televisuellen Affektivierung und Ästhetisierung von Arbeit sowie die Rolle des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in der Produktionsöffentlichkeit. Der Beitrag hebt hervor, dass diese Drehberichte nicht nur Werbemaßnahmen waren, sondern auch die Popularisierung kreativer Schaffensprozesse und eine sich verändernde Diskursivierung von Arbeit indizieren. Die historische Aufarbeitung dieser Drehberichte bietet wertvolle Einblicke in die visuelle Kultur des latenten Postfordismus und die Rolle des Fernsehens in der Transformation kapitalistischer Arbeitskulturen.
    7. Offene Maschinen: Die Erfindungen der Rear Projection und das Unbewusste der Filmtechnik in Hollywood

      Johannes Binotto
      Das Kapitel beleuchtet die technischen und psychologischen Aspekte der Filmproduktion im klassischen Hollywood. Es wird gezeigt, wie die Rear Projection, ein Verfahren zur Simulation von Außenaufnahmen im Studio, unvorhersehbare Effekte und ein technisches Unbewusstes hervorbringt. Dieses Unbewusste wird als ein zentraler Aspekt von Technik beschrieben, der die Filme auf innovative Weise prägt. Anhand von Beispielen wie Alfred Hitchcocks Vertigo und Edgar Ulmers Detour wird die Bedeutung der Rear Projection als Mittel zur Metareflexion und zur Erschaffung von Metanarrativen in Filmen untersucht. Die Analyse verdeutlicht, wie technische Geräte und Verfahren nicht nur funktionale, sondern auch kreative und stilistische Auswirkungen auf die Filmproduktion haben.
  5. Agieren

    1. Frontmatter

    2. „Ringelmann, hol’ schon mal das Drehbuch“ – Produktionsorte und deren Akteure als transnationales Erfolgsdispositiv von Der Kommissar

      Haydée Mareike Haass
      Das Kapitel beleuchtet die enge Zusammenarbeit zwischen dem Drehbuchautor Herbert Reinecker und dem Produzenten Helmut Ringelmann bei der Entwicklung der erfolgreichen deutschen Fernsehserien 'Der Kommissar' und 'Derrick'. Es untersucht die Produktionsorte und Akteure dieser Serien und hebt hervor, wie die Serien trotz ihrer Fiktionalisierung gesellschaftliche Werte und Normen der 1960er und 1970er Jahre reflektierten. Die Analyse basiert auf umfangreichem Archivmaterial aus dem ZDF-Unternehmensarchiv und zeigt, wie die Serien nicht nur in Deutschland, sondern auch international erfolgreich vermarktet wurden. Besonders interessant ist die Darstellung der transnationalen Netzwerke und Geschäftsbeziehungen, die zur erfolgreichen Vermarktung der Serien beitrugen. Die Korrespondenzen und Zuschauerbriefe bieten zudem tiefe Einblicke in die Rezeption und die moralischen Diskussionen um die Serien.
    3. Der Produzent und seine Produktionen. Artur Brauner und seine ‚Filme gegen das Vergessen‘ zwischen Produktionsforschung und Filmgeschichtsschreibung

      Johannes Praetorius-Rhein
      Das Kapitel beleuchtet die komplexe Rolle des Produzenten Artur Brauner und seine ‚Filme gegen das Vergessen‘ im Spannungsfeld zwischen Produktionsforschung und Filmgeschichtsschreibung. Es wird untersucht, wie die Produktionsforschung die Zentrierung auf einzelne Akteure in Frage stellt und welche methodischen Herausforderungen sich bei der Analyse der Werkgeschichte eines Produzenten ergeben. Besonders interessant ist die Diskussion darüber, wie Brauners Filme über die NS-Verbrechen trotz ihrer künstlerischen und ökonomischen Einbindung in das deutsche Nachkriegskino als eigenständige Werke betrachtet werden können. Die Analyse zeigt, dass die Filme Brauners nicht nur als historische Dokumente, sondern auch als Teil eines umfassenderen kulturellen und historischen Kontexts verstanden werden müssen. Dies führt zu einer tiefgehenden Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Werkgeschichtsschreibung und die Rolle des Produzenten in der Filmindustrie.
    4. Hollywood in Mexiko: Grenzen und grenzenlose Image-Probleme der Extras

      Alexander Karpisek
      Der Beitrag 'Hollywood in Mexiko: Grenzen und grenzenlose Image-Probleme der Extras' untersucht die prekäre Position von Extras in der Filmindustrie, insbesondere in Mexiko. Vicki Mayer lehnt den Begriff 'background artists' als Euphemismus ab, da Extras oft unsichtbar bleiben und ihre Bilder im Spielfilm schwer nachweisbar sind. Der Beitrag beleuchtet die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich für Extras ergeben, und zeigt anhand von Beispielen wie 'Titanic' und 'Lost', wie Extras in der Filmproduktion behandelt werden. Besonders interessant ist die Analyse der Wahrnehmung und Wahrnehmungsprobleme von Extras, die oft als austauschbare Massen dargestellt werden. Der Beitrag schließt mit einer Betrachtung der Rechtsstreitigkeiten und der Suche von Extras nach Anerkennung und fairen Arbeitsbedingungen.
    5. „[T]rès difficile, cette représentation du ‚beur‘. J’avais du mal!“ – Überlegungen zum Begriff des filmischen Felds anhand des postmigrantischen Werks von Abdellatif Kechiche

      Burrhus Njanjo
      Der Beitrag untersucht die Anwendung von Pierre Bourdieus Feld-Begriff auf die Filmwissenschaft, insbesondere im Kontext der postmigrantischen Werke von Abdellatif Kechiche. Bourdieus Konzept des kulturellen Feldes wird genutzt, um die Konstituierung des Sinngehaltes kultureller Produktionen zu analysieren. Der Text beleuchtet, wie Machtverhältnisse und Anerkennungskämpfe in der Gesellschaft durch das kulturelle Feld repräsentiert werden. Besondere Aufmerksamkeit wird Kechiches Film 'L’Esquive' geschenkt, der als Beispiel für die Distanzierung von stereotypen Darstellungen des 'cinéma de banlieue' dient. Die Analyse zeigt, wie Kechiche durch seine Filme versucht, sich von ethnischen Klassifizierungen zu distanzieren und einen eigenen Platz innerhalb der französischen Filmlandschaft zu erobern. Die Untersuchung verdeutlicht, wie die Ästhetik und Themen von Kechiches Filmen in den Kontext der französischen Gesellschaft und des postkolonialen Diskurses eingebettet sind.
    6. Dreharbeiten mit Kleinkindern: Produktionsästhetische Überlegungen zu geschlechtsspezifischen Differenzen

      Bettina Henzler
      Das Kapitel beleuchtet die spezifischen Herausforderungen und geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Dreharbeiten mit Kleinkindern im französischen Kino. Es wird betont, dass Kinder nicht einfach als Requisiten oder Puppen behandelt werden sollten, sondern dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf einer tiefen Beziehung zwischen Kindern und den am Set Beteiligten basiert. Besonders interessant ist die Untersuchung, wie weibliche und männliche Regisseur*innen unterschiedlich mit Kinderdarsteller*innen umgehen und welche Rolle intergenerationelle Affekte und ein geschlechtlich kodiertes Verständnis von Autorschaft dabei spielen. Der Text analysiert anhand von Beispielen wie 'La Maternelle' und 'Ponette' die verschiedenen Ansätze und Haltungen der Regisseur*innen und zeigt auf, wie diese die filmische Ästhetik und die Darstellung von Kindern beeinflussen. Die produktionsästhetische Herangehensweise des Textes bietet einen tiefen Einblick in die kreativen Prozesse hinter den Kulissen und weckt das Interesse, die dargestellten Filme in einem neuen Licht zu betrachten.
    7. Projektnetzwerk und Screen Idea Work Group: Zugänge zur Fernsehindustrie und Drehbuchforschung

      Florian Krauß
      Der Beitrag beleuchtet die aktuelle Fernsehindustrie und ihre Netzwerke, insbesondere die kollaborative Drehbucharbeit an Fernsehserien. Dabei werden die Modelle des Projektnetzwerks und der Screen Idea Work Group vorgestellt, die menschliche Akteure in den Vordergrund stellen. Die Analyse konzentriert sich auf Interviews zur Drehbucharbeit und diskutiert Samplebildungen sowie die Rolle von Experteninterviews als zentralen Forschungszugang. Besonderes Augenmerk wird auf die dynamischen Beziehungen und Hierarchien innerhalb der Projektnetzwerke gelegt, wobei auch ökonomische Rahmenbedingungen und Abhängigkeiten berücksichtigt werden. Die Methodenreflexion und die Betonung des kollaborativen Charakters der Drehbucharbeit machen den Beitrag besonders relevant für die Produktionsforschung.
    8. Die Grimme-Preis-Produktion: Nachdenken über Methoden zur Preis- und Fernsehgeschichtsschreibung

      Tanja Weber
      Das Kapitel beleuchtet die Geschichte und Bedeutung des Adolf-Grimme-Preises, der 1964 erstmals verliehen wurde. Es untersucht die Entwicklung des Preises von seiner Initiierung durch Bert Donnepp bis zu seiner heutigen Rolle als wichtiger Fernsehpreis in Deutschland. Besondere Aufmerksamkeit wird der Methodik der Preisvergabe geschenkt, die sich über die Jahre verändert hat und heute als umfassender Kritikpreis für Fernsehproduktionen gilt. Der Text analysiert auch die kulturellen und politischen Implikationen des Preises, insbesondere seine Funktion als Kritikinstrument und seine Rolle in der Fernsehgeschichte. Die Auszeichnung wird in den Kontext der Fernsehästhetik und -geschichte gestellt, wobei die ästhetischen Kriterien, die zur Preisvergabe führen, oft unreflektiert bleiben. Die Produktionsstudien werden als mögliche Methode zur Erforschung des Grimme-Preises vorgeschlagen, da sie die komplexen Prozesse und Akteure hinter der Preisvergabe beleuchten können. Der Text hebt hervor, dass der Grimme-Preis nicht nur ein Gütesiegel ist, sondern auch ein Spiegel der gesellschaftlichen und politischen Diskurse um das Fernsehen.
  6. Erratum zu: „Ringelmann, hol’ schon mal das Drehbuch“ – Produktionsorte und deren Akteure als transnationales Erfolgsdispositiv von Der Kommissar

    Haydée Mareike Haass
    Das Kapitel dient als Erratum für die zuvor veröffentlichten Arbeiten an den Produktionsstandorten und an den Hauptdarstellern der Fernsehserie "Der Kommissar". Aufgrund eines Produktionsfehlers enthielt das Originalkapitel falsche Abbildungen und Bildunterschriften. Diese korrigierte Version geht auf diese Probleme ein und liefert präzise visuelle Hilfsmittel und Beschreibungen, die für ein umfassendes Verständnis der transnationalen Erfolgsfaktoren im Zusammenhang mit der Produktion von "Der Kommissar" unverzichtbar sind. Durch die Korrektur dieser Fehler stellt das Kapitel sicher, dass Leser Zugang zu präzisen und verlässlichen Informationen haben, wodurch die Qualität der Forschung und Analyse im Bereich der Medienwissenschaften insgesamt verbessert wird.
Titel
Produktionskulturen audiovisueller Medien
Herausgegeben von
Stefan Udelhofen
Dennis Göttel
Aycha Riffi
Copyright-Jahr
2023
Electronic ISBN
978-3-658-38412-8
Print ISBN
978-3-658-38411-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38412-8

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