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09.09.2014 | Produktmanagement | Interview | Onlineartikel

"Social Media steigert mittelständische Innovationskraft"

Autor:
Andrea Amerland

Der Mittelstand nutzt die Potenziale, die Social Media bietet, derzeit wenig. Dabei könnten Produktivität und Innovationsprozesse davon profitieren, urteilt Springer-Autor Johannes Krämer.

Social Media bringen KMUs keinen Nutzen, hat 2013 eine Studie der Uni Liechtenstein ergeben. Zu welchem Ergebnis kommen Sie in Ihrer Analyse?

Die besagte Studie bezog sich überwiegend auf vergleichsweise kleine Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern, während meine Analyse Unternehmen mit bis zu 3.000 Mitarbeitern und 600 Millionen Euro Jahresumsatz einschließt, sofern qualitative Kriterien diese als mittelständisch kennzeichnen. Da es den klassischen Mittelstand allerdings nicht gibt, habe ich stärker differenziert und verschiedene Typen mittelständischer Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Insbesondere für innovative Mittelständler mit geringem Formalisierungsgrad sowie diversifizierte Mittelständler mit hoher Produktvielfalt bietet Social Media enorme Potenziale.

Konnten Sie sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten für Social Media im Mittelstand ermitteln?

Ja, es existiert eine Vielzahl sinnvoller Anwendungsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette mittelständischer Unternehmen. Insbesondere die sekundären Wertschöpfungsaktivitäten sowie funktionsübergreifende Prozesse wie das Projekt-, Wissens- und Dokumentenmanagement lassen sich mit Hilfe von Social Media sehr gut unterstützen. Beispielhaft sei das Innovations- und Produktmanagement genannt. Dabei können zahlreiche Social Media basierte Kommunikations- und Kollaborations-Tools genutzt werden. Social Media steigert die mittelständische Innovationskraft und die Effizienz des Innovationsprozesses nachhaltig.

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Wie werden Enterprise-2.0-Technologien genutzt und in den Unternehmen integriert?

Der aktuelle Nutzungsgrad von Social Media im Mittelstand ist im Vergleich zu Großunternehmen nach wie vor gering. Viele Unternehmen experimentieren zurzeit mit unterschiedlichen, in der Regel öffentlich zugänglichen Plattformen und Tools, verfolgen dabei jedoch keine konkrete Social-Media-Strategie. Entsprechend befindet sich auch die Integration von Social Media in die Führungs-, Organisations- und Anreizsysteme mittelständischer Unternehmen noch im Anfangsstadium. Zukünftig sollen die Investitionen in Social Media nach Ansicht der Befragten allerdings deutlich steigen und vermehrt auch Social Media Manager rekrutiert werden, die die Einführung, die Integration und den laufenden Betrieb der Enterprise 2.0-Technologien verantworten und vorantreiben.

Welche konkreten Handlungsempfehlungen können Sie für den Social-Media-Einsatz in mittelständischen Unternehmen geben?

In einem ersten Schritt rate ich, einen so genannten Social Media Readiness Check durchzuführen, um die konkreten Einsatzmöglichkeiten und Potenziale von Social Media im jeweiligen Unternehmen zu überprüfen. Wichtig ist dabei, mögliche Konflikte zwischen den Eigenschaften von Social Media und den Eigenheiten mittelständischer Unternehmen, beispielsweise im Hinblick auf den Führungsstil, die Unternehmenstransparenz oder die hierarchische Ausprägung der Organisation. Aufbauend hierauf sollte ein strukturierter Ansatz zur Ableitung einer Social-Media-Strategie verfolgt werden – von der Erstellung einer Strategy Map unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette über die Detailplanung und Implementierung bis hin zur zeitlich nachgelagerten Social-Media-Erfolgskontrolle. 

Zur Person
Dr. Johannes Krämer ist Senior Consultant in der Practice Group Restructuring beim Beratungsunternehmen goetzpartners. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler verfügt über umfassende Projekterfahrung in den Bereichen Social-Media-Strategie und Restrukturierung.

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