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Über dieses Buch

Katharina van Elten untersucht in ihrer vergleichenden Analyse, wie Professionsidentitäten die Unterstützung der in die Kritik geratenen Kammern beeinflussen. Die Autorin zeigt, warum Professionsvorstellungen und soziale Vergemeinschaftung für die Legitimität von Berufs- und Wirtschaftskammern ausschlaggebend sind. Im Diskurs um die Legitimität der funktionalen Selbstverwaltung wird damit eine Binnenperspektive angeboten, welche die Handlungslogik der Mitglieder in den Blick nimmt und zeigt, dass Sinngebungsprozesse nicht nur von Dienstleistungslogiken, sondern durch Identitätsangebote bestimmt werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung: Implikationen differenter Self-Governance und binnenperspektivische Legitimation

Zusammenfassung
Das Kammerwesen in Deutschland stellt eine traditionsreiche, etablierte Form der Self-Governance dar. Die „funktionale Selbstverwaltung“ (Kluth 1997) zeichnet sich durch die weitreichende Übertragung hoheitlicher Aufgaben in wichtigen gesellschaftsrelevanten Bereichen und einer gesetzlichen Privilegierung durch pflichtmitgliedschaftliche Verfassung und Rechte der Selbstregulierung ausgewählter Gruppen aus. Als „ein Zwitter aus Interessenverband und Behörde – ein Fall der ‚privaten Interessenregierung‘ unter Staatsaufsicht“ (Schmidt 2007: 115) stellen die Kammern einen Sonderfall der assoziativen Interessenvertretung dar, die bisher sozialwissenschaftlich kaum Beachtung gefunden haben.
Katharina van Elten

Kapitel 2. Forschungsstand

Zusammenfassung
Das Kammersystem ist aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive stark unterforscht. Die Kammern und ihre Mitglieder sind weder in der Ehrenamtsforschung präsent, noch haben sie im weiten Feld der Verbändeforschung Beachtung gefunden. Ihre Rolle als wichtige Akteure wirtschaftlicher Koordination und Verantwortliche sensibler gesellschaftlicher Versorgungsbereiche ist daher bisher ebenso unbeleuchtet geblieben, wie ihr Stellenwert als ‚alte‘ Form der Self-Governance.
Katharina van Elten

Kapitel 3. Theoretische Überlegungen zur Legitimation und Anpassungen von Self-Governance Organisationen

Zusammenfassung
Wie legitimieren sich Kammern mit Pflichtmitgliedschaft? Welche Legitimationsanforderungen werden an die funktionale Selbstverwaltung gestellt, auf welchen verschiedenen Ebenen finden Legitimationsprozesse statt und wie lässt sich Legitimität erfassen? In diesem Kapitel soll zunächst eine Klärung des Legitimitätsbegriffs vorgenommen und geklärt werden, welche Aspekte der Legitimität im Kontext der Selbstverwaltung diskutiert werden (und werden können). Daran anschließend erfolgen Überlegungen zu einer konzeptuellen Strukturierung von Legitimität im empirischen Kontext.
Katharina van Elten

Kapitel 4. Profession, Sozialisation und Gemeinschaft – Quellen diffuser Unterstützung

Zusammenfassung
Die dargestellten Legitimitätskonzepte ermöglichen es, die Selbstverwaltung als Organisation und als politisches System zu analysieren. Sie ermöglichen eine Identifizierung der Legitimationsobjekte und der Unterstützungsarten. Allerdings kann mittels dieser Heuristik zunächst keine Aussage über die eigentlichen Quellen der Unterstützung getroffen werden.
Katharina van Elten

Kapitel 5. Fallauswahl und Methode

Zusammenfassung
Die Arbeit beruht auf einem fallstudienbasierten qualitativen Studiendesign. Ausgangspunkt ist dabei die Studie zur Legitimität der handwerklichen Selbstverwaltung, d. h., es handelt sich um eine Sekundäranalyse des vorliegenden empirischen Materials zu einem bestimmten Fall funktionaler Selbstverwaltung, der einem Vergleich mit divergierenden Kammertypen unterzogen wird, um so weitergehende Erkenntnisse zur Legitimation assoziativer Self-Governance zu gewinnen. Ein fallstudienbasierter Ansatz bietet sich hier auch deshalb an, da diese besonders für die Theoriegenese und -modifikation gewinnbringend sind und die Möglichkeit bieten, deskriptive und kausale Schlussfolgerungen zu validieren (Blatter et al. 2007: 125).
Katharina van Elten

Kapitel 6. Self-Governance der Wirtschaft und Berufe

Entwicklungen, Charakteristika und Gegenwart
Zusammenfassung
Um einen Überblick über das gegenwärtige Kammersystem und die bestehenden Wirtschafts- und Berufskammern zu erhalten, werden im Folgenden die zentralen Entwicklungspfade der Selbstverwaltung nachgezeichnet und die wichtigsten Strukturmerkmale skizziert. Dabei wird zunächst auf die Historie des Kammerwesens eingegangen, um alsdann die heutigen Strukturen der ausgewählten Kammern zu portraitieren.
Katharina van Elten

Kapitel 7. Die Konstruktion professioneller Gemeinschaften

Zusammenfassung
Neben den funktionalen Strukturen, Aufgaben und Herausforderungen an die Kammern stellen die Organisationen der funktionalen Selbstverwaltung auch institutionelle Rahmen für professionelle Gemeinschaften dar. Solche spezifischen Vorstellungen einer professionellen Gemeinschaft lassen sich für alle drei untersuchten Kammertypen identifizieren. Die Verbindung von Organisations- und Professionsidentität werden im Folgenden in ihrer Entwicklung und Ausprägung dargestellt.
Katharina van Elten

Kapitel 8. Legitimitätserzählungen

Zusammenfassung
Auf Grundlage der in Kapitel 5 dargestellten Fallauswahl und Methoden konnten in den Fallstudien und Interviews Narrative der Legitimation und der Delegitimation identifiziert werden. Bei diesen Narrativen handelt es sich um Kristallisationspunkte von Sinnzuschreibungen, die aus normativen Bezügen, Handlungen, Erfahrungen und Ereignissen sowie Selbstverortungen zusammengesetzt sind. Die Interpretationen der eigenen institutionenbezogenen Handlungen und die Wertung des politischen Systems der Selbstverwaltung können dabei Legitimation und Delegitimation ausdrücken und mit Engagement, Indifferenz, Passivität oder offener Kritik einhergehen.
Katharina van Elten

Kapitel 9. Narrative der Delegitimation

Zusammenfassung
Neben den Narrativen, welche die Unterstützung der Selbstverwaltung begründen, können auch kritische Erzählungen identifiziert werden, die sich in Anzahl und Intensität unter den Kammern unterscheiden. Interessanterweise weichen die Erzählungen allerdings zwischen Wirtschaftskammern und Ärztekammern stark voneinander ab. Hier gruppieren sich die Kammern also anders als bei den legitimierenden Erzählungen.
Katharina van Elten

Kapitel 10. Exit & Voice und Umgang mit Kritik

Zusammenfassung
Exit und Voice werden in erster Linie als Instrumente von Organisationsmitgliedern betrachtet, die auf unerwünschte Entwicklungen reagieren. Im Gegensatz zu den vorgestellten Motiven in den Narrativen der Delegitimation geht es dabei also in erster Linie um Handlungsstrategien der Mitglieder. Formen von Exit sind in der pflichtmitgliedschaftlichen Selbstverwaltung der Austritt aus den angeschlossenen freiwilligen Organisationen wie den Innungen, aber auch die formale (aber unwirksame) einseitige Kündigung der Pflichtmitgliedschaft unter Verweigerung der Beitragszahlung.
Katharina van Elten

Kapitel 11. Konfliktlinien in den Kammern: Heterogene Wirtschaft, homogene Ärzteschaft?

Zusammenfassung
In den vorgestellten Mustern von Exit und Voice sowie dem Umgang mit Kritik ist deutlich geworden, dass eine unterschiedliche Anzahl von Spannungslinien in den Kammern zu identifizieren sind, die aber auch unterschiedliche Auswirkungen auf die Legitimation oder Delegitimation der jeweiligen Kammer haben. Den spezifischen Konfliktlinien soll sich im Folgenden detailliert gewidmet werden um letztlich auch der Frage nach zu gehen, inwiefern sich die Mitgliedschaftsstruktur als distinktes Merkmal der Kammertypen auf die Legitimation und die Anfälligkeit von Dissens auswirkt.
Katharina van Elten

Kapitel 12. Fazit: Sinngebung der Selbstverwaltung im Vergleich

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie befasste sich mit einem Vergleich der Sinngebung der berufsständischen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung aus Binnenperspektive. Ausgangspunkt war der Befund, dass die funktionale Selbstverwaltung als ‚alte‘ Form der Self-Governance bisher trotz ihrer umfassenden Mitgliedschaft und wichtigem Stellenwert hinsichtlich Regulierungs- und Verwaltungsleistungen kaum Beachtung gefunden haben. Des Weiteren hat sich in den letzten Jahren ein massiver Anpassungsdruck auf die Kammern ergeben, der durch Akteure der EU, nationale Politik und unzufriedene Mitglieder entstanden ist und den institutionellen Konsens der Selbstverwaltung unter Druck gesetzt hat.
Katharina van Elten

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