Skip to main content
main-content

09.07.2019 | Projektcontrolling | Im Fokus | Onlineartikel

Neues Controlling-Modell macht Bauprojekte effizienter

Autor:
Sylvia Meier

Projekte können durch mangelndes Controlling schnell zum Desaster werden. Bauprojekte sind dafür ein gutes Beispiel. Das 5D-Projektcontrolling ist eine neue Methode, mit der sich Probleme automatisiert lösen lassen.

Jeden Tag entstehen in Deutschland neue Baustellen. Doch Bauprojekte haben eine Spitzenposition, wenn es um Unsicherheiten, Konflikte und Stress geht. Ein Beispiel: Stuttgart 21 verbinden heute viele Menschen vor allem mit Fehlplanungen, Kostenexplosionen und politischen Auseinandersetzungen. Auch vielen Unternehmen sind solche Themen nicht fremd. Wird ein neues Firmengebäude gebaut, läuft dies in der Regel nicht reibungslos ab: Materialkosten sind höher als erwartet, die Bauzeit verzögert sich massiv durch Kommunikationsprobleme oder technische Schwierigkeiten. Am Ende sind sowohl der Zeitplan als auch das Budget gesprengt und lassen unzufriedene Bauherren zurück. 

Empfehlung der Redaktion

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Instrumente und Methoden des Projektcontrollings

Die nachfolgenden Ausführungen geben einen Überblick über die bedeutendsten Instrumente, die im Projektcontrolling zum Einsatz kommen. Die sinnvolle Verwendung der vorgestellten Methoden ist allerdings an Bedingungen geknüpft, wie etwa die konkrete Ausgestaltung des Projektbudgets, Vorgaben des Unternehmenscontrollings oder die Art des Projekts.


Optimierung bei strategischer Planung und Bauprozessen

Eine Umfrage von EY Real Estate zeigt, dass lediglich acht Prozent der Bauherren und verantwortlichen Führungskräfte der Meinung sind, dass Bauprojekte optimal realisiert werden. Die Mehrheit der Befragten sieht vor allem Verbesserungsbedarf in der strategischen Planung in der Frühphase. 80 Prozent der Befragten empfinden außerdem digitale Lösungen als hilfreich bei der strategischen Planung. Die Baubranche will sich in diesen Punkten verbessern und effizienter zu werden.

Daniel Jovanovic berichtet in seinem Beitrag "Effizienter bauen mit 5D-Projektcontrolling" über aktuelle Entwicklungen. Eine große Rolle spielt dabei auch die Digitalisierung, die nach Aussage des Autors noch in den Kinderschuhen steckt. Dies führe jedoch auch derzeit zu Fehlplanungen. Am Beispiel von DB Netz erklärt er: "In der konventionellen Arbeitsweise erstreckt sich die Planung einer neuen Eisenbahnüberführung beispielsweise über zwölf Monate und bedarf einer Abstimmung zwischen über 30 Beteiligten. Sind in einem solchen Fall die Planungs- und Kommunikationsgrundlagen nicht klar definiert, sind mögliche Missverständnisse und Fehlplanungen vorprogrammiert." Verschiedene Großprojekte wie Stuttgart 21 oder der Flughafenbau in Berlin haben dies bestätigt. Deshalb startete die Initiative "planen-bauen 4.0" des Bundes und das Building Information Modeling (BIM). "BIM erweitert die in der Planung bereits übliche 3D-Darstellung um die Dimensionen Zeit und Kosten," erklärt Jovanovic. Ein Ansatz, der vor allem für das Controlling interessant ist.

Nur wenige Firmen nutzen BIM

Doch wie sieht es mit dem Einsatz von BIM in der Praxis aus? Obwohl diese Methode viele Vorteile mit sich bringt, scheinen sie bisher nur wenige Unternehmen einzusetzen. Für eine 2018 veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft Pwc wurden Entscheidungsträger von 100 führenden Unternehmen der deutschen Bauwirtschaft befragt. Lediglich elf Prozent der befragten Unternehmen setzten demnach BIM bereits ein. 

Obwohl gerade Zeitersparnis, mehr Flexibilität und insgesamt geringere Kosten für das Modell sprechen, schrecken Know-how-Bedarf und Investitionskosten noch viele Manager davor ab, BIM einzuführen. Dennoch erwarten die befragten Unternehmen weitreichende Auswirkungen von BIM, unter anderem eine Zunahme der Bauinvestitionen und einen Wachstumsschub des Marktes.

Implementierung des neuen Ansatzes 

Pilotprojekte zum neuen BIM-Ansatz startete die DB Netz. Ziel ist es, ab 2020 alle komplexen und standardisierten Projekte mit BIM umzusetzen. Jovanovic führt die sechs Handlungsfelder auf, die identifiziert wurden, um die BIM erfolgreich einzuführen:

  • Informationen,
  • IT-Systeme,
  • Anwendung,
  • Prozesse,
  • Menschen und
  • Strategie. 

Der Autor erklärt, dass gerade der Einsatz von IT-Systemen bei der Implementierung der BIM-Methodik eine zentrale Rolle spielt: "Die softwareunterstützte Kopplung von Kosten und Terminen an das jeweilige 3D-Modell ermöglicht eine Bauablaufsimulation, anhand derer beispielsweise die Notwendigkeit von zeitlichen Verschiebungen erfasst und entsprechend simuliert werden kann. Durch diese Funktion können Terminpläne automatisiert generiert und Zeitverschwendung durch manuelle Transferprozesse minimiert oder sogar vollständig vermieden werden." 

Davon kann dann auch das Projektcontrolling entscheidend profitieren. Den aktuellen Status zeigt der Autor anhand folgender Grafik:

Qualitätskennzahlen machen das Controlling ganzheitlich

Der Autor erklärt, dass durch den erzeugten Dreiklang von Leistungs-, Kosten- und Terminsteuerung sowie durch die zusätzliche Betrachtung von Qualitätskennzahlen ein ganzheitliches Projektcontrolling möglich wird. Dies wird anhand eines Beispiels deutlich: Bisher werden viele Planungen konventionell in Excel vorgenommen. Wenn festgestellt wird, dass ein Fehler gemacht wurde, müssen Anpassungen vorgenommen werden. Das ist oft zeitaufwendig und umfangreich. Mit BIM erfolgen die Anpassungen automatisch und der Projektcontroller wird entlastet. 

Die Hoffnungen und Erwartungen an BIM sind hoch. Das Projektcontrolling könnte durch den 5D-Ansatz allerdings revolutioniert werden. Nun braucht es jedoch noch mutige Unternehmen, die sich auch an die Umsetzung wagen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.04.2019 | Information & Technologie | Ausgabe 3/2019

Effizienter bauen mit 5D-Projekt-Controlling

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Das Projektcontrolling

Quelle:
Projektcontrolling

Das könnte Sie auch interessieren

10.06.2015 | Controlling | Im Fokus | Onlineartikel

Wenn in Projekten die Kosten explodieren

27.10.2015 | Controlling | Im Fokus | Onlineartikel

Warum viele Projekte scheitern

Premium Partner

    Bildnachweise