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04.03.2021 | Projektmanagement | Gastbeitrag | Onlineartikel

Im Interaction Room KI-Anwendungen entwickeln

Autor:
Prof. Dr. Volker Gruhn
4 Min. Lesedauer

Die richtigen Anwendungsfälle für Künstliche Intelligenz zu erkennen, die zu Daten, Abläufen, Kunden und Mitarbeitern passen, ist die entscheidende Managementaufgabe im KI-Umfeld. Das Projektwerkzeug Interaction Room unterstützt die Verantwortlichen dabei.

"Ich sehe was, was du nicht siehst": Dieser Kinderspielklassiker trifft die Gemengelage in Projekten zur Künstlichen Intelligenz (KI). Data-Analystin treffen auf Sachbearbeiter, Marketingexperten auf KI-Fachleute, das Serviceteam auf die IT-Abteilung. Gemeinsam sollen sie das Potenzial von KI-Technologien abschätzen, vorhandene Daten bewerten, Anwendungsfälle herausarbeiten und Lösungen entwickeln. Geschäftsprozesse zu verstehen, ist dabei für die Entwicklung datengetriebener Anwendungen genauso wichtig wie KI-Know-how oder Datenexpertise. Alle Beteiligten bringen zudem ihren Blickwinkel auf das Projekt mit ins Team. So treffen verschiedenartige Vorstellungen und unterschiedliches Vorwissen aufeinander.

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Warum KI-Projekte anders sind

Was für viele IT-Projekte gilt, wird rund um KI-Anwendungen noch komplexer, da diese für viele Unternehmen noch neu sind. Es mangelt an etablierten Projektabläufen und Erfahrungen. Hinzu kommt die Besonderheit von KI-Projekten: die Bedeutung von Daten. Denn die Datenbasis spielt im Vergleich zu klassischen IT-Themen eine ungleich wichtigere Rolle. Von diesen Daten – der Qualität, der Verfügbarkeit, der Möglichkeit zur Nutzung – hängt ab, ob KI-Anwendungen überhaupt ein gangbarer Weg für das Projektteam sind. Dieses Datenpotenzial zu bewerten, fällt gerade zu Projektbeginn nicht leicht.

Bei diesen Projekthürden setzt die Idee des Interaction Room KI (IR:KI) an. Experten der Universität Duisburg-Essen designten den IR eigentlich, um Anforderungen aus der klassischen Softwareentwicklung zu erfüllen. Beim IR handelt es sich ursprünglich um einen begehbaren Raum. Inzwischen erweiterten die IR-Macher das Konzept um eine Remote-Variante. Diese Version eignet sich für Projektarbeit in verteilt arbeitenden Teams.

Der Interaction Room KI in der Praxis

Der Interaction Room bietet allen Projektbeteiligten eine organisierte Kommunikationsplattform. Und er sorgt für das dringend notwendige einheitliche Verständnis im Team. Der IR verbessert die Projektarbeit auf drei Ebenen:

  1. Er unterstützt die Zusammenarbeit und etabliert eine gemeinsame Projektverantwortung aller Beteiligten, gleichgültig aus welchen Abteilungen sie stammen.
  2. Er lenkt den Fokus auf die erfolgskritischen Aspekte eines Projektes. 
  3. Er hilft mit seinen intuitiven Visualisierungsmethoden, Risiken zu erkennen.

Der Interaction Room macht die Zusammenhänge zwischen Prozessen, Daten und Anwendungslandschaft transparent und schafft die Basis für effiziente Abstimmungsprozesse. Er ist eine Methode, die das Interesse der Beteiligten auf den Projektfortschritt lenkt. So trägt er dazu bei, dass alle eine gemeinsame Vision von der zu entwickelnden Software kontinuierlich weiterentwickeln.

Visualisierung mit Canvases

Typisch für den IR ist der Aufbau des Workshops: Teilnehmer kommen in einem Raum zusammen und arbeiten gemeinsam daran, diverse Landkarten zu erstellen, in der IR-Terminologie auch "Canvases" genannt. Diese Landkarten sind das zentrale Hilfsmittel, um zu verstehen, zu identifizieren und zu priorisieren. Insbesondere, um umsetzbare KI-Anwendungsfälle zu ermitteln, leistet der Interaction Room gute Dienste.

Dieses strukturierte Darstellen von Erkenntnissen und Ergebnissen in Form handschriftlicher Notizen und grafischer Ergebnisse auf Flipcharts und Whiteboards ist zentral für einen IR-Workshop. Es sorgt für einen Detaillierungsgrad, den alle Teilnehmer verstehen. Dank der Canvases ist der Fortschritt der Bearbeitung jederzeit sichtbar.

Landkarten im Interaction Room

Um den Besonderheiten der Entwicklung von KI-Anwendungen gerecht zu werden, setzt der IR:KI auf vier spezielle Landkarten. Mit ihrer Hilfe erarbeiten die Beteiligten mögliche KI-Anwendungsfälle in ihrem Unternehmen:

  1. Auf der Kontextlandkarte erfassen die Teams die fachlichen und technischen Herausforderungen. 
  2. Die Visions- und Ziellandkarte dient dazu, mögliche Zielsetzungen von KI-Anwendungen zu sammeln und zu systematisieren. Die Arbeit an dieser Landkarte hilft dem Projektteam beim Entwickeln einer gemeinsamen Zielsetzung. Zu Beginn stellt ein KI-Experte Anwendungsfälle aus der Praxis im Rahmen eines Impulsvortrages vor. Dies sorgt dafür, dass die Beteiligten schneller in den Kreativprozess, neue Ideen zu finden, kommen. In der folgenden Identifikationsphase werden KI-Anwendungsfälle mithilfe von Use-Case-Steckbriefen dokumentiert. 
  3. Auf der Prozesslandkarte entwickelt das Team erste Konzepte für Anwendungsfälle. 
  4. Anschließend bewerten und priorisieren die Beteiligten die zuvor identifizierten Use Cases hinsichtlich ihres Business Values und ihrer Umsetzbarkeit.

Am Ende des Workshops liegt eine priorisierte Liste möglicher KI-Anwendungsfälle vor, die die Experten angehen können. Statt des "Ich sehe was, was du nicht siehst"-Gefühls haben alle Beteiligten nun ein einheitliches Bild der Aufgaben vor Augen, die vor ihnen liegen.

Fazit: Der richtige Umgang mit Ungewissheit gerade zu Beginn von KI-Projekten von großer Bedeutung für den Erfolg. Wie eingangs erläutert, wird das Team am Anfang kaum sagen können, ob es die gewünschte Lösung auf der vorhanden Datenbasis aufbauen kann. Das Visualisieren auf den Landkarten hilft den Beteiligten dabei, das KI-Anwendungsfälle schnell zu erfassen und zu durchdenken. Das Projektteam ist so in der Lage, in kurzer Zeit sichtbare Ergebnisse zu erzielen.

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