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22.05.2018 | Projektmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Starke Teams lassen Risiken zu

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

"Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

Wer sich fragt, warum manche Teams nicht nur außerordentlich effektiv arbeiten, sondern dabei auch noch vor Kreativität die Funken sprühen lassen, während andere sich im immer gleichen Trott verfangen, stößt schnell auf Aristoteles These über die Zusammenarbeit. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, so das verkürzte Zitat aus "Metaphysik". Aber was ist dieses "Mehr", das über Erfolg oder Mittelmaß entscheidet? Wie lässt es sich fassen und nutzen? Mit dem Project Aristotle machte sich Google auf die Suche nach dem Schlüssel zur erfolgreichen Teamarbeit. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit lassen an den Heimwerker denken, der mit seinem Projekt so verwachsen ist, dass ihm kein Wagnis zu gewagt und keine Idee zu abgedreht ist. Die Hingabe machts, nicht das persönliche Know-how. 

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Wertemanagement auf Teamebene

Der Wertaufbau in einem Team kann nicht durch die Bündelung der individuellen Werte der Teammitglieder erfolgen, sondern erfordert einen eigenen Prozess. Dieser wird durch die Führungskräfte auf mittlerer Ebene, die eine zentrale Rolle als Wertemanager auf Teamebene und auf individueller Ebene übernehmen, in ihren jeweiligen Teams gesteuert.

Effektive Gruppen finden keine Meinung peinlich

Vertrauen in die eigene Schaffenskraft, Mut zu Risiken und die Zuversicht, im Team damit akzeptiert zu werden. Psychologische Sicherheit listet die Google-Studie als den wichtigsten der fünf Schlüsselfaktoren für effektive Teamarbeit. Rund 180 interne Teams und 200 Interviewpartner untersuchte und befragte der Internet-Konzern in seiner Forschungsarbeit. Die Studie teilte er mit der "New York Times". Sie dreht sich im Kern darum, wie Mitglieder sich in ihrem Team aufgehoben fühlen. Dürfen sie Ideen frei äußern? Fragen, ohne verurteilt zu werden? Ist Scheitern eine Option? 

Im perfekten Team ist wertschätzendes Miteinander auf eben diese Weise geregelt, fand Google heraus. Ausschlaggebend sind außerdem die persönliche Bindung an das jeweilige Projekt, der Glaube an dessen Gelingen und höhere Bedeutung, die Verlässlichkeit der Mitglieder und eine klare Aufgabenteilung. "The researchers found that what really mattered was less about who is on the team, and more about how the team worked together", fasst das People-Analytics-Team auf seiner Seite re:Work zusammen. 

Fünf Faktoren für effektive Teamarbeit
  • Psychologische Sicherheit: Die Teammitglieder sind selbstsicher und trauen sich zwischenmenschliche Risiken einzugehen
  • Zuverlässigkeit: Die Teammitglieder erledigen ihre Arbeit pünktlich und verantwortungsvoll
  • Struktur und  Klarheit: Die Teammitglieder kennen ihre Rollen, Ziele und Erwartungen
  • Sinn: Die Teammitglieder erkennen die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, sie ist ihnen von persönlicher Bedeutung
  • Einfluss und Effekt: Die Teammitglieder erkennen, dass die Ergebnisse ihrer Arbeit wichtig sind und zum Unternehmenserfolg beitragen

Quelle: re:Work

Positive Denker haben Visionen

In der Studie zählen die Sozialforscher auch diejenigen Parameter auf, die innerhalb ihrer Untersuchungen nicht spürbar auf die Gruppeneffektivität gewirkt hatten. Dazu gehören individuelle Leistungen, Teamgröße, räumliche Nähe oder das Arbeitspensum. In anderen Unternehmen und Kontexten könnten diese Größen dennoch von Bedeutung sein, räumten die Experten ein: "It’s important to note though that while these variables did not significantly impact team effectiveness measurements at Google, that doesn’t mean they’re not important elsewhere."

Die Wirkung von Prinzipien aus der positiven Psychologie auf die Effektivität von Gruppen und Teams, beschäftigt die Wissenschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts. So wurde früh erkannt, dass positive soziale und emotionale Signale innerhalb von Teams die Leistung einzelner Mitglieder beflügeln können. Dennoch bleibt das Management von Teamprojekten bis heute vielfach in überholten Methoden stecken, wie die Springer-Autoren Joanne Lyubovnikova und Michael A. West kritisieren (Seite 153). Positive Emotionen werden nicht eingebunden, Konzepte von Zugehörigkeit vernachlässigt und die negativen Aspekte von Teamprozessen – Groupthink im Sinne von Herdentrieb oder sozialem Faulenzen – überakzentuiert. Wie lassen sich Projektteams auch mit traditionellen Methoden positiv betrachten und managen?

Was das Kollektiv stärkt

Positives Projektmanagment gestattet dem Team Visionen, wie die Autoren beschreiben (Seite 154). Die Gruppenaufgaben sind gleichermaßen inspirierend und sinnhaft. Kurz, sie gehen das Team etwas an. Damit gewähren sie den Mitgliedern Autonomie bei der Bewältigung von Aufgaben und helfen ihnen bei der Entscheidungsfindung. Es entstehen kollektive positive Emotionen. Diese werden verstärkt durch Gefühle der Zugehörigkeit. Die vier Beziehungsmerkmale, die Zugehörigkeit schaffen sind (Seite 155):

  • Häufige Interaktionen
  • Beständigkeit von Projektteams
  • Sachliche Konflikte zulassen, zwischenmenschliche Konflikte vermeiden
  • Gegenseitige Unterstützung und Ausgewogenheit

Fazit: "Positive Emotionen sind eine Quelle der Kraft und ermutigen zu flexibler und offener kognitiver Verarbeitung. Diese hilft Teammitgliedern zu erkennen, was getan werden muss, und bestärkt sie darin, das meiste aus der Umgebung zu machen, in der sie arbeiten." (Seite 154)

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