Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Christian Köhlers Buch ist eine komplexe und vielschichtige Arbeit über Peter Greenaways Film Properos Bücher (NL/UK 1991). Der englische Maler und Regisseur experimentierte in seiner Adaption von Shakespeares Theaterstück Der Sturm von 1611 mit einer frühen digitalen Aufnahmetechnik, der „Paintbox“ von Sony. Vor dem Hintergrund der Filmtheorie von Gilles Deleuze analysiert Köhler die Voraussetzungen und Hintergründe dieses Films und interpretiert die Übergänge zwischen empirischem und ästhetischem Leben für die Möglichkeiten des Mediums insgesamt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
In der Einleitung erläutert der Verfasser in wenigen Strichen den Film Greenaways, diskutiert die Vorlage und Eigenständigkeit des Buches. Er verweist auf weitere Verfilmungen und musikalische Adaptionen des Sturm-Stoffes. Er gibt Hinweise auf seine Vorgehensweise und sieht Greenaways Intermedialität durch die Integration von Theater, Tanz, Schrift, Bild und Film bestimmt; das Besondere der Paintbox macht das neuartige Ineinander von analogen und digitalen Bilder aus. Köhler kommt auf seine These der Nähe von Film und Barock und einer weiteren Nähe zu Leibniz’ Monadologie zu sprechen, insbesondere interessiert ihn der gegenseitige Übergang von Schrift- und Bildzeichen („Prosperos Bücher“).
Christian Köhler

Chapter 2. Eine kurze Analyse von Shakespeares Der Sturm

Zusammenfassung
Im ersten Kapitel werden die zwei Pole der Analyse näher umschrieben: Shakespeares Stück auf der einen und die Verfilmung Greenaways auf der anderen Seite. Die Fabel des Stücks wird erklärt und es gibt Hinweise auf die Anlage der Hauptfiguren Prosperos, Miranda und Ferdinand, Caliban und Ariel. Erläutert wird weiter die barocke Realitätsauffassung einer Verbindung von Traum, Illusion und Wirklichkeit, das Theorem des Welttheaters und des Spiels im Spiel. Er gibt, in der Nähe zu Peter Sloterdijks Sphärenprojekt, Hinweise auf die Welt als Kugel im Londoner „Globe-Theatre“. Auf diese Weise entsteht eine instruktive Einführung in das Stück, die bereits auf den Film vorausweist.
Christian Köhler

Chapter 3. Erste Analyseansätze von Prosperos Bücher

Zusammenfassung
Im zweiten Kapitel geht der Autor den neobarocken Stilelementen Greenaways nach, sichtet Emblematisches und sieht die Paintboxbilder zwischen Bild- und Schriftsprache oszillieren. Er führt den Begriff der Allegorie und des Symbols ein und gibt mikrologische Studien dazu. In Überlegungen zur Differenz von Drama und Film untersucht er die unterschiedliche Wirkung von Monolog, Dialog und der damit zusammenhängenden Zeit-, und Sinndifferenzierung der Bilder Greenaways. Deutlich wird die zentrale Stellung von Prosperos als Verfasser der Zauberbücher, creator mundi und einsamer Herrscher. Im Sinne des Leibniz’schen Gottes „schreibe“ Prosperos in seinen Büchern die Welt. Der Autor kündigt an, dass die Leibnizsche Monadologie für den Film ein explizierendes Theorem abgebe, „so dass der Film tatsächlich etwas Barockes“ sei. Mit der Darstellung der weiblichen Figur Miranda, der Tochter Prosperos, widme sich Greenaway zugleich einem besonderen Gewaltmotiv: Sie übe keine direkte Gewalt aus, sei für Calibans Vergewaltigungsversuch aber „passiv Gewalt auslösend“ und durch ihre Unschuld eine Bedrohung der Männer. In diesem Zusammenhang verfolgt Köhler Greenaways Darstellung der Weiblichkeit als Kritik des Shakespeare’schen Diskurses. Des Weiteren kommt der Bezug zwischen emblematischem Theater und dem barocken selbstreferenziellen Gesamtkunstwerk zur Sprache; hier wird mit Hilfe von Schiller und Gadamer entwickelten Kategorien die Autonomie der Filmbilder untersucht. Anschließend werden verwandte Momente in früheren Filme Greenaways aufgesucht. Hier stechen insbesondere die barocken Anleihen der Musik von Newman, Greenaways bevorzugtem Filmkomponisten, hervor.
Christian Köhler

Chapter 4. Die Struktur des Films Prosperos Bücher

Zusammenfassung
Das dritte Kapitel entwickelt die zentralen Züge der Arbeit. Im Abschnitt: Zum Verhältnis von Film und Sprache analysiert Köhler mit semitischen Mitteln die Struktur des Films als Sprache. Mit einem Rekurs auf Derrida und Sklowskij will er eine strukturale Analyse als Methodik etablieren: „Greenaway spielt mit den Zeichen, entbindet sie von einer strengen Logik und führt das Unbewusste in den Film ein; das kann er nur, indem er die Zeichen variabel hält.“ Es wird deutlich, dass dadurch der Film auf seine materielle Referenz verzichten und sich im Kopf des Zuschauers abspielen soll.
Christian Köhler

Chapter 5. Bewegung und Raum im Film

Zusammenfassung
Hier bringt Köhler kritische Momente gegen Gilles Deleuzes Filmtheorie aus dessen Cinema I et II vor. Er registriert zunächst den paradoxalen Bezug auf Bergson, kritisiert dann die Fassung des Filmraumes als Diskontinuität und Kontinuität der Bewegung zugleich. In Deleuzes Reduktion der abgebildeten Gegenstände auf Licht fände zudem eine Ausblendung des Haptischen statt; er erwähnt gegen Deleuzes Vorstellung der Welt als „Meta-Film“, dass dem Film keine umfassende ganzheitliche Wahrnehmung zugrunde läge; er lebe vielmehr von der Kadrierung und damit vom Ausschnitthaften: „Die Welt ist kein Film, vielmehr der Film eine Welt.“ Damit lehnt Köhler offiziell Deleuzes überzogene Konstruktion ab, spricht dem Film aber zugleich den Status einer autonomen ästhetischen Sphäre zu.
Christian Köhler

Chapter 6. Der Barock im allgemeinen: Grundzüge der Epoche und Filmbezüge

Zusammenfassung
Das fünfte Kapitel gilt der Darstellung des Barock. Köhler diskutiert zunächst die Problematik der Verwendung des Begriffs für das jakobäische Zeitalter in England und weist dann auf die Schwierigkeiten der Einordnung Shakespeares zwischen Renaissance und Barock hin. Anschließend rekurriert er auf das Motiv der Bücher und die barocke Welt als Buch-Taxonomie, erläutert Selbsterkenntnis und Selbstverständnis der Epoche und gelangt zur Strukturierung des untersuchten Films durch Prosperos’ Welt-Bücher. Im Abschnitt über die Emblematik zeigt den Einfluss der Emblematik und Hieroglyphik auf das europäische Barockdrama, widmet sich dem Verhältnis von Emblem und Symbol, Emblem und Sinn und dem Nebeneinander von Text und Bild. Im zweiten Abschnitt führt er Barocktheorie und Filmtheorie eng. Köhler erwähnt eine Strukturähnlichkeit von Barock und Film, die von Gilles Deleuze und Walter Benjamin ebenfalls ähnlich beurteilt wird. Im Monadenhaften des Einzelbildes ist diese Konstruktion fruchtbar.
Christian Köhler

Chapter 7. Analysen ausgewählter Einzelszenen und Elemente

Zusammenfassung
Das sechste Kapitel gilt der Analyse ausgewählter Einzelszenen. Anhand des Monologs Prosperos’ (IV, 1) wird zunächst das Deleuzesche „Affektbild“ untersucht, das mit der Fiktion eines zurückblickenden Filmes zusammenhängt, die Köhler zustimmend aufgreift. Dafür bemüht er die Passagen über den Blick in Sartres „Sein und Nichts“. Mit Bezug auf Jacques Lacan erläutert Köhler dann, dass der Zuschauer, wenn er sich mit dem Filmdarsteller identifiziert, das mit einem kadrierten = zerstückelten = kastrierten Körper tut. Hier soll der Film nun nicht als Ganzheit wirken. Die sich anschließenden Abschnitte handeln über das von Köhler bei Greenaway ausgemachte Moment der Kritik am patriarchalen Umgang mit Frauen und ihren Bildern in Sprache und Film. Dieses Motiv bildet den zweiten großen Schwerpunkt der Arbeit. Köhler legt mit Barthes, Lyotard, Lacan, dann hauptsächlich mit Kristeva die Frau überzeugend als Leerstelle nahe. Insbesondere das „Buch der Geburt“ ist im Bild und doch nicht da, weil die Frau aus den Diskursen herausfällt. Dieser Abschnitt über Film und Geschlechtlichkeit, sowie die Analyse der Treppenszene (IV, 1) zeigt eine malerische hierarchische Darstellungsform bei Shakespeare, die Greenaway nach Köhlers Ansicht kritisiert.
Christian Köhler

Chapter 8. Zum Verhältnis von Bild und Text

Zusammenfassung
Im siebten Kapitel untersucht der Autor umfassend die verschiedenen Verfremdungseffekte bei Greenaway. Er nimmt als Beispiel die Bootsszene der Flucht und sieht diese nach Sinnzusammenhang, Antagonismus, Spiegelung und eben kritischer Verfremdung durch. Im Anschluss gelangt er zur Differenz von Sprache und Bild. Hierbei geht er von den Unterschieden zwischen gesprochener und geschriebener Sprache aus, überträgt das auf die Unterscheidbarkeit zwischen Fotografie und Kennnummer zu grafischen Bildern und für Überlegungen zum Zeit Bezug in Fotografie und Film hinzu. Umfassend geht er auf den psychoanalytischen Diskurs des Blicks mit Kristeva ein und untersucht anschließend Verhältnisse von Raum und Zeit in Verbindung mit Bild und Schrift im Film.
Christian Köhler

Chapter 9. „Noch einmal!“ Schlussbemerkungen zur Analogie von Film und Barock

Zusammenfassung
Das letzte Kapitel widmet sich erneut zuvor bereits vorgenommenen Fragestellungen und fasst sie noch einmal bündig zusammen. So geht es um den Verfremdungseffekt bei Greenaway, der Differenz von Sprache und Bild, gesprochener und geschriebener Sprache, Repräsentation der Gegenstände und der Analyse des Repräsentationsbegriffes.
Christian Köhler

Backmatter

Weitere Informationen