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Proteste für Zeitungen, Fernsehen und Insta?

Wie sich Protestbewegungen (nicht) an wahrgenommene Medienlogiken anpassen

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

Das Buch widmet sich dem Verhältnis von Protestbewegungen zu journalistischen und sozialen Medien. Das Ziel ist, die strategischen Überlegungen von Aktivist:innen im Umgang mit Medien systematisch zu vergleichen und dabei zu ergründen, wie und warum sie sich (nicht) an wahrgenommene Medienlogiken anpassen. Der theoretische Rahmen verknüpft auf innovative Weise die Perspektive der Medialisierungsforschung mit dem Konzept der Laientheorien. Die empirische Basis bilden Leitfadeninterviews mit 38 Aktivist:innen aus einem breiten Spektrum an Protestbewegungen. Damit grenzt sich das Buch in vielerlei Hinsicht von der bisherigen Forschung ab. Denn trotz des traditionsreichen Forschungsfeldes liegen bislang kaum Studien vor, die über Einzelfallbetrachtungen hinausgehen, die gleichzeitig journalistische und soziale Medien in den Blick nehmen, und empirische Befunde zur Orientierung an (wahrgenommenen) Medienlogiken zutage fördern.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Einleitung
Zusammenfassung
Das Buch widmet sich dem Verhältnis von Protestbewegungen zu journalistischen und sozialen Medien. Das Ziel ist es, die strategischen Überlegungen von Aktivist:innen im Umgang mit Medien systematisch zu vergleichen und dabei zu ergründen, wie und warum sie sich (nicht) an wahrgenommene Medienlogiken anpassen. Der theoretische Rahmen verknüpft dazu die Perspektive der Medialisierungsforschung mit dem Konzept der Laientheorien. Die empirische Basis bilden Leitfadeninterviews mit 38 Aktivist:innen aus einem breiten Spektrum an Protestbewegungen. Die Ergebnisse dieser Studie liefern einzigartige Einblicke und grenzen sich damit in vielerlei Hinsicht von der bisherigen Forschung ab. Denn trotz des traditionsreichen Forschungsfeldes liegen bislang kaum Studien vor, die über Einzelfallbetrachtungen hinausgehen, die gleichzeitig journalistische und soziale Medien in den Blick nehmen, und empirische Befunde zur Orientierung an (wahrgenommenen) Medienlogiken zutage fördern.
Marlene Strehler-Schaaf

Über das Verhältnis von Protestbewegungen zu journalistischen und sozialen Medien aus theoretischer und empirischer Sicht

Frontmatter
2. Protestbewegungen als Untersuchungsgegenstand
Zusammenfassung
Protestbewegungen sind Phänomen und Bestandteil moderner Demokratien zugleich. Diese intuitive Zuschreibung verleiht ihnen als Untersuchungsgegenstand in der Literatur meist schon ausreichend Relevanz. Forschende prognostizieren darüber hinaus, dass ihr Auftreten in Politik und Gesellschaft künftig eine noch gewichtigere Rolle spielen wird. Dieses Kapitel greift die grundlegenden Erkenntnisse der Protest- und Bewegungsforschung auf, um in den zentralen Untersuchungsgegenstand dieser Untersuchung einzuführen – ohne das Feld der Protest- und Bewegungsforschung in all seinen Facetten nachzuzeichnen, aber den notwendigen Detailgrad an Hintergrundwissen zu liefern.
Marlene Strehler-Schaaf
3. Medialisierung und Protestbewegungen
Zusammenfassung
‚Medien‘ können für Protestbewegungen eine zentrale Bedeutung einnehmen – etwa in ihrer Funktion als Interessenvermittler oder im Entstehungsprozess. Das Spannungsfeld zwischen Medien und Protestbewegungen wird in der Literatur gemeinhin als Abhängigkeitsverhältnis beschrieben. Diese Beschreibung gleicht den Grundannahmen des Medialisierungsparadigmas. Das Kapitel greift die theoretische Perspektive des Medialisierungsparadigmas in der Politischen Kommunikation auf und diskutiert dessen Entwicklung (Abschnitt 3.1). Darauf aufbauend werden Ursachen (Abschnitt 3.1.1), (wahrgenommene) Medienlogiken (Abschnitt 3.1.2), die Aneignung dieser (Abschnitt 3.1.3) sowie (Nicht-)Anpassungsleistungen (Abschnitt 3.1.4) erörtert. Es gibt zugleich einen Überblick über den Forschungsstand, wie Aktivist:innen ‚Medien‘ wahrnehmen und welche Kommunikationsstrategien sich bei Bewegungen empirisch beobachten lassen (Abschnitt 3.2).
Marlene Strehler-Schaaf
4. Zusammenfassung der bisherigen Befunde und Konzeption der Forschungsfragen
Zusammenfassung
Diese Studie hat sich das Ziel gesetzt, die Fragen zu beantworten, welche Rolle journalistische und soziale Medien in einem hybriden Medienumfeld für Protestbewegungen spielen und inwieweit diese sich an wahrgenommenen Medienlogiken orientieren. Als theoretischer Rahmen dient im Kern der (institutionelle) Medialisierungsansatz. Vor diesem Hintergrund adressiert diese Untersuchung drei zentrale Desiderate der bisherigen Forschung. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Forschungsfragen der empirischen Untersuchung, legt diese einzeln dar und begründet sie.
Marlene Strehler-Schaaf

Empirische Untersuchung

Frontmatter
5. Untersuchungsanlage und Methode
Zusammenfassung
Um die Forschungsfragen dieser Arbeit zu beantworten, wurden 33 Leitfadeninterviews mit kommunikationsverantwortlichen Aktivist:innen diverser Protestbewegungen in Deutschland geführt. Der qualitative Ansatz folgt einerseits einer Forschungstradition in der Erforschung von Bewegungen, Medialisierung und Laientheorien. Andererseits trägt er dem Zugang und der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes Rechnung und gewährt so die notwendige Offenheit und Flexibilität. Eine besondere Prämisse der (qualitativen) Forschung ist es, explizit und präzise den Forschungsprozess darzulegen, um sicherzustellen, dass das Vorgehen wie die Ergebnisse intersubjektiv nachzuvollziehen sind. Diesem Anliegen nehmen sich die nachfolgenden Abschnitte an und machen transparent, warum die Methode der qualitativen Leitfadeninterviews gewählt wurde (Abschnitt 5.2), wie diese durchgeführt wurde (Abschnitt 5.2.1 bis 5.2.5) und wie die Daten schließlich ausgewertet wurden (Abschnitt 5.3). Für die Untersuchung wurden verschiedene, gegenwärtige Protestbewegungen ausgewählt. Die Überlegungen zur Auswahl dieser Protestbewegungen legt Abschnitt 5.1 dar.
Marlene Strehler-Schaaf
6. Befunde der empirischen Untersuchung
Zusammenfassung
Die Ergebnisse der qualitativen Interviewstudie werden im nachfolgenden Kapitel entlang der Forschungsfragen aufgearbeitet und dargelegt. Entsprechend gliedert sich der Ergebnisteil in drei Abschnitte: Abschnitt 6.1 blickt auf die Voraussetzungen von Medialisierung und fasst Erkenntnisse dazu zusammen, welche Bedeutung Aktivist:innen journalistischen und sozialen Medien zuschreiben, welche Medienwirkungen sie annehmen und welche Medienlogiken sie wahrnehmen (FF1–FF3). Darauf aufbauend legt Abschnitt 6.2 Anpassungsleistungen der Protestbewegungen als Indikatoren von Medialisierung dar (FF4–FF10). Die in Vermeidungsstrategien und Abwehrreaktionen anmutenden Herausforderungen sind abschließend Gegenstand von Abschnitt 6.3, der die Grenzen von Medialisierung im Bewegungskontext (FF11) und die Abwägung unterschiedlicher Handlungsmaxime der Aktivist:innen aufzeigt.
Marlene Strehler-Schaaf
7. Zusammenfassung und Diskussion der Befunde
Zusammenfassung
Einige prominente, aufsehenserregende Protestbewegungen der Gegenwart oder der vergangenen Jahre legen den Schluss nahe, dass Aktivist:innen in ihrer Kommunikation und in der Organsiation von Aktionen äußerst strategisch vorgehen, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren. In der kommunikationswissenschaftlichen und der weiteren Bewegungsforschung stand ausgehend von solchen Beobachtungen heraus lange unbestritten fest, dass Protestbewegungen im Grunde „immer schon medialisiert“ waren oder sich zunehmend professionalisieren. Die vorliegende Untersuchung hat sich diesen Annahmen empirisch genähert und einen detaillierten Einblick in die Kommunikationsbemühungen von Protestbewegungen und damit verbundene strategische (Nicht-)Anpassungsleistungen gegeben. Ausgehend davon formuliert das nachfolgende Kapitel acht Thesen und ordnet entlang dieser die Ergebnisse der Untersuchung ein. Diese Thesen sind keinesfalls als forschungsgerichtete Hypothesen zu verstehen, sondern haben den Charakter, die theoretischen Forschungsannahmen im Sinne des Medialisierungsparadigmas pointiert wiederzugeben, um daran die Erkenntnisse dieser Arbeit zu diskutieren und der Ausgangsthese mit einem ausdifferenzierten, empirischen Blick zu begegnen.
Marlene Strehler-Schaaf
8. Kritische Reflexion
Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung liefert einen detaillierten Einblick in das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen Protestbewegungen und ‚Medien‘. In all diesen Facetten förderte sie zugleich theoretische Grenzen und methodische Einschränkungen zutage, die in der nachfolgenden kritischen Reflexion diskutiert werden. Aus der Untersuchungsanlage lassen sich zudem einige lehrreiche Erfahrungen für Folgestudien ableiten, die das Kapitel ebenfalls aufzeigt.
Marlene Strehler-Schaaf
9. Fazit und Ausblick
Zusammenfassung
Ausgangspunkt dieser Untersuchung stellte die Beobachtung dar, dass Protest in der Gesellschaft, der Berichterstattung wie auch in sozialen Medien allgegenwärtig ist. Im Allgemeinen wie öffentlichen Diskurs dominiert vor diesem Hintergrund die Vorstellung, dass sich einige Protestbewegungen dabei bewusst ‚medial‘ in Szene setzen, um ihr Anliegen in Politik und Gesellschaft zu tragen. Zweifelsohne finden sich gegenwärtige Protestbewegungen in einem hybriden Mediensystem wieder, was ihre Optionen vervielfacht hat, öffentlich in Erscheinung zu treten. Während einige Protestbewegungen von all diesen kommunikativen Möglichkeiten intensiv Gebrauch machen, geben sich andere dagegen eher zurückhaltend. Angesichts dieser Entwicklungen hat sich diese Arbeit das Ziel gesetzt, das Verhältnis zwischen Protestbewegungen und ‚Medien‘ neu zu evaluieren. Eine breitangelegte Interviewstudie (N = 33) mit kommunikationsverantwortlichen Aktivist:innen diverser Protestbewegungen in Deutschland gab dazu über das übliche Fallstudien-Niveau hinaus einen systematisch-vergleichenden, detaillierten Einblick in deren Kommunikationsbemühungen. Sie zeigt auf, dass Berichterstattung für viele der Protestbewegungen (immer noch) Gewicht hat, sie in einem hybriden Medienumfeld aber auch sozialen Medien ein großes Wirkpotential zuschreiben. In dieser Hinsicht erwiesen sich Protestbewegungen als prädestiniert für Medialisierungsprozesse. Allerdings geht daraus nicht zwangsweise hervor, dass sie sich an deren Spielregeln anpassen. Vielmehr konnten in ihrer Ausrichtung zur Berichterstattung und dem Einsatz sozialer Medien in dieser Studie vier Typen von Protestbewegungen identifiziert werden.
Marlene Strehler-Schaaf
Backmatter
Titel
Proteste für Zeitungen, Fernsehen und Insta?
Verfasst von
Marlene Strehler-Schaaf
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-49959-4
Print ISBN
978-3-658-49958-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-49959-4

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