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Über dieses Buch

Politische Öffentlichkeit beruht auf Vorstellungen legitimer Formen öffentlicher Kommunikation. Gerade diese werden durch Protestkommunikation häufig herausgefordert. Hierzu versammelt der Band Beiträge, die unterschiedliche Perspektiven auf diese Protestkommunikation bearbeiten: den Streit über die Legitimität politischer Öffentlichkeit als Motor von Protest, die Anrufung von Öffentlichkeit als Symbol gesellschaftlicher Allgemeinheit sowie die vieldeutige Medialität von Protestkommunikation.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Protestkommunikation und Konflikte um die Legitimität politischer Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Die Problematisierung der Legitimität öffentlicher politischer Kommunikation begleitet demokratische Prozesse in der Moderne seit ihren Anfängen. Es ist ein kommunikativ vollzogener Legitimierungsprozess, dessen politische Rahmenbedingungen in Form von Rechten und Verfahren institutionalisiert wurden. Derzeit allerdings gewinnt die Frage nach der Legitimität politischer Öffentlichkeit vor allem in Form von Protestkommunikation und auch vor dem Hintergrund neuer Kommunikationstechnologien an Relevanz. Dieser Beitrag verortet grundlegende Linien und Phänomene dieser Protestkommunikation.
Kornelia Hahn, Andreas Langenohl

Die Frage der Legitimation von Protest als Motor politischer Semiose

Frontmatter

Die Konstruktion legitimer Öffentlichkeiten

Über zeitgenössische Krisendiagnosen, die Theorie der Akteur-Netzwerk-Öffentlichkeiten und die Kontroverse um die Klimaerwärmung
Zusammenfassung
Der Beitrag behandelt die Frage nach Gütekriterien für die Konstruktion legitimer politischer Öffentlichkeiten. Zunächst wird gezeigt, wie die Theorie der Akteur-Netzwerk-Öffentlichkeiten an verschiedene Krisendiagnosen gegenwärtiger Öffentlichkeit und Demokratie anschließt und sie miteinander verbinden kann. Anhand weniger Beispiele aus der Kontroverse um die Klimaerwärmung wird dann nachvollzogen, welche Legitimität erzeugende Gütekriterien von Öffentlichkeit Latour definiert und wie an den Grenzen von Öffentlichkeiten Unvereinbarkeiten mit sog. ‚Feinden‘ erzeugt werden.
Hagen Schölzel

Strittige Öffentlichkeiten

Autonome Kulturzentren zwischen Rechtsstaatlichkeit, Kulturproduktion und urbanen Commons
Zusammenfassung
Der Beitrag geht der Frage nach, wie politische Öffentlichkeiten in autonomen städtischen Kulturzentren leiblich-praktisch hergestellt werden und wie sie diskursiv (de-) legitimiert werden. Protestkommunikation im urbanen Raum wird als eine Artikulationsform agonistischer Öffentlichkeiten im Kontext performativer Raumproduktionsprozesse gefasst. Dieses ‚doing public spaces‘ – die wechselseitige (Re)Produktion von Räumen und Öffentlichkeiten – und die Diskurse um ihre Legitimität werden mittels dreier Fallbeispiele näher beleuchtet: Arena Wien 1976, AT Rog 2006 ff. und Gängeviertel Hamburg 2009 ff.
Xenia Kopf

Frames der Protestberichterstattung. Eine Analyse der medialen Protestberichterstattung im Zeitverlauf

Zusammenfassung
Demonstrationen spielen seit jeher eine relevante Rolle für die Entstehung und Entwicklung von Demokratien. Eine der wichtigsten Zielgruppen von Demonstrationen stellen Massenmedien dar. Sie werden genutzt, um die Reichweite der Demonstration zu erhöhen und ein größeres Publikum zu erreichen. Anhand ausgewählter Demonstrationen wird im vorliegenden Beitrag analysiert, wie Medien über Proteste berichten und inwiefern sich diese Berichterstattung im Zeitverlauf geändert hat. Insgesamt lassen sich fünf Frames der Berichterstattung identifizieren: „Standardberichterstattung“, „Abneigung gegen Protestierende“, „Kritik an der Polizei“, „Delegitimierung des Protests“ und „Verständnis für die Polizei“.
Helmut Scherer, Jule Scheper, Leonie Pfeiffer

Die Anrufung von Öffentlichkeit als Marker gesellschaftlicher Generalität

Frontmatter

Grassroots, Astroturf und andere Hybridbildungen zwischen Partei und Bewegung. Turbulenzen im Verhältnis der inneren und äußeren Peripherie des politischen Systems

Zusammenfassung
Im Laufe der letzten 200 Jahre haben sich zwei komplementäre politische Akteure herausgebildet, die das Publikum moderner Staaten in spezifischer Hinsicht zu mobilisieren versuchen. Politische Parteien haben sich darauf spezialisiert, das Publikum der Wähler für politische Programme zu mobilisieren und soziale Bewegungen konkurrieren darum, in der Öffentlichkeit die Konstruktionen gesellschaftlicher Probleme zu etablieren und die gewählten Regierungen für deren Lösung verantwortlich zu machen. Der Artikel rekonstruiert die Prozesse der Ausdifferenzierung dieser beiden politischen Akteure und analysiert deren Interdependenzen. Er unterscheidet dabei einen routinegesteuerten Modus im Verhältnis dieser beiden politischen Akteure von einem krisenhaften Modus, bei dem es zur Gründung von Bewegungsparteien, zu Formen der asymmetrischen Mobilisierung und zur feindlichen Übernahme etablierter Parteien durch Bewegungsaktivisten kommen kann.
Adrian Itschert

Die öffentliche Meinung und ihre Medien als aufsehende Gewalt

Zur Aktualität von René Marcic in digitalen Räumen
Zusammenfassung
Dem Salzburger Rechtsphilosophen René Marcic wird zugeschrieben, das Konzept der Vierten Gewalt ab den 1950er-Jahren ins Deutschsprachige gebracht zu haben. Mit dem Gedanken einer aufsehenden Gewalt sind diverse Erweiterungen angesprochen: Zum einen sollten nicht nur Staatsgewalten, sondern auch private Mächte kontrolliert werden. Darüber hinaus sollten hieran nicht nur staatliche Stellen mitwirken, sondern möglichst die gesamte Rechtsgenossenschaft. Dieses Konzept vermag also ebenso die gegenwärtig Mächtigen aus dem Silicon Valley wie auch deren (mediale) Kontrolleure zu erfassen.
Marc Mölders

„Mikroaggressionen“ – Konturen eines politischen Konflikts in Hochschulöffentlichkeiten

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt den im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannten, in der US-amerikanischen universitären Campus-Öffentlichkeit seit den 2010er Jahren hingegen allgegenwärtigen Diskurs um Mikroaggressionen vor. Mikroaggressionen sind Gegenstand von Protestkommunikationen, die einen eigentümlichen Konflikttyp ausprägen. Mikroaggressionen-Konflikte, die sich sowohl in Alltagsinteraktion niederschlagen als auch eine kulturelle Makrostruktur bilden, sind vornehmlich in akademischen Milieus beobachtbar. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag zum einen der spezifischen Konfliktform von Mikroaggressionen nach; zum anderen fragt er nach den Voraussetzungen, die ein Auftauchen von Mikroaggressionen-Konflikten auch in der deutschen Hochschulöffentlichkeit wahrscheinlich machen.
Il-Tschung Lim

Die vieldeutige Medialität von Protestkommunikation

Frontmatter

Gegen den Mainstream: Eliten- und Medienkritik in digitalen Öffentlichkeiten

Zusammenfassung
Protest hat im Zuge des digitalen Wandels neue Ausdrucksmöglichkeiten erfahren. War in den 1960er und 1970er Jahren noch vereinzelt die Alternativpresse eine Möglichkeit sozialer Bewegungen, politische Meinungen wie auch Kritik und Protest zu äußern, brachte die digitale Transformation der Öffentlichkeit neue Kommunikationsmöglichkeiten hervor. Via Blogs, selbst erstellten Websites oder auf Social-Media-Plattformen können raum- und zeitunabhängig von laienhaften und „pseudojournalistischen Akteuren“ selbstständig Inhalte aufbereitet und verbreitet werden.
Lisa Schwaiger

Zwischen Ermächtigung und Überwachung. Protestkulturen in mediatisierten Öffentlichkeiten

Zusammenfassung
Die sozialwissenschaftliche Debatte um die Mediatisierung von Öffentlichkeit fokussierte sich bisher entweder auf Kontrollaspekte oder ihren partizipativen Charakter. Der Beitrag argumentiert, dass jenseits von Vereinseitigungen die Ambivalenzen der digitalen Medien offengelegt werden müssen. Dazu wird auf einen Sichtbarkeitsbegriff zurückgegriffen, der an die komplementären Arbeiten von Hannah Arendt und Michel Foucault anschließt und sowohl Kontrolle als auch demokratische Ermächtigung fassen kann. Die Wirkung dieser Ambivalenzen veranschaulicht der Beitrag anhand dreier Protestkulturen.
Philipp Knopp

Zur Melodie der Bilder. Äußerungen als und über Protest im Medium künstlerischer Produktion

Zusammenfassung
Bilder spielen als Kommunikationsmittel in der Protestkommunikation eine maßgebliche Rolle. Die Bildende Kunst beansprucht hierbei verschiedene Rollen, Mechanismen und Funktionen und kann auf ein spezifisches Potenzial zurückgreifen. Welche Bezugnahmen der Kunst auf Protest sich unterscheiden und wie sie sich kunsttheoretisch sowie unter der Frage ihrer Legitimität als Kunst und als Protestkommunikation einordnen lassen, untersucht dieser Beitrag. Im Zentrum stehen die künstlerischen Arbeiten des Hagener Zeichners und Videokünstlers Patrick Borchers, die durch eine kontrastierende Auseinandersetzung mit verschiedenen anderen künstlerischen Positionen näher bestimmt werden.
Ansgar Schnurr
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