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Über dieses Buch

Dieser Sammelband setzt sich zum Ziel, wesentliche Beiträge und Potenziale der Psychologie für (globale) Nachhaltigkeit herauszuarbeiten, innerhalb der psychologischen Disziplin (weiter) für den gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs zu sensibilisieren und künftige Forschungs- und Anwendungsperspektiven in den interdisziplinären Dialog einzubringen. Die Psychologie als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen bietet in vielfältiger Weise konzeptionelle sowie empirische Anknüpfungspunkte für den aktuellen Diskurs um nachhaltige Entwicklung – insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der als Agenda 2030 im September 2015 von den UN proklamierten Sustainable Development Goals.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Relevanz und begriffliche Einordnung

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung in den aktuellen Nachhaltigkeitsdiskurs: Relevanz, Begriff, Bezüge

Das Kapitel führt in den aktuellen, gesellschaftspolitischen Nachhaltigkeitsdiskurs ein. Als Bezugspunkte einer global-politischen Betrachtungsebene werden die Sustainable Development Goals der UN sowie das Weltaktionsprogramm zur Bildung für nachhaltige Entwicklung der UNESCO kurz vorgestellt. Anschließend geht es um eine begriffliche Einordnung der Konstrukte Nachhaltigkeit (als Merkmal, Zielzustand) und nachhaltige Entwicklung (als Prozess). Besondere Herausforderungen im Umgang mit dem Nachhaltigkeitsbegriff werden spezifiziert. Vor diesem Hintergrund werden anstelle einer (zwangsläufig reduktionistischen) Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs verschiedene Ordnungsoptionen vorgestellt. Abschließend wird die Vielfalt an Ansatzpunkten skizziert, welche die Psychologie als akademische Disziplin für eine interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung und -praxis bietet.

Claudia Thea Schmitt, Eva Bamberg

Grundlagen und Theorien

Frontmatter

Kapitel 2. Theoretische Konzepte zu Nachhaltigkeit – unter besonderer Berücksichtigung von Handlungs- und Moraltheorien

Die eine psychologische Theorie zum Thema Nachhaltigkeit gibt es nicht, denn ganz unterschiedliche Prozesse und Faktoren tragen zur Erklärung von Nachhaltigkeit bei. Dazu gehören bewusste, rationale Entscheidungen, bei denen ähnlich wie bei Problemlöseprozessen Handlungserfordernisse abgewogen, Normen und Verbindlichkeiten aktiviert, Möglichkeiten wahrgenommen, Barrieren geprüft werden müssen. Dazu gehören auch emotionsgeleitete und intuitive Entscheidungen, bei denen Heuristiken und Verhaltensprogramme automatisiert abgerufen werden können. Neben der damit angesprochenen individuellen Perspektive sind soziale Prozesse zentral. Die hier vorgestellten Theorien beziehen sich zum einen Teil, wie etwa sozial-kognitive Handlungstheorien, grundlegend auf Einstellungen, Motivation und Verhalten und werden zu nachhaltige Entwicklung in Bezug gesetzt. Sie betreffen zum anderen Teil Konzepte zu verwandten Themenbereichen; dazu gehören zum Beispiel entwicklungs- und sozialpsychologische Ansätze zu prosozialem Verhalten, Altruismus, Ethik, Werten, Normen. Modelle zu Moral und moralischem Urteilen sind im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung von besonderer Bedeutung, deshalb wird auf diese verstärkt eingegangen.

Eva Bamberg, Claudia Thea Schmitt, Carolin Baur, Marlies Gude, Grit Tanner

Kapitel 3. Was kann die Umweltpsychologie zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen?

Umweltpsychologische Forschung zu globalen Umweltproblemen und Ressourcenkonsum

Der vorliegende Beitrag betrachtet die umweltpsychologische Forschungstradition und deren Beiträge zu Themen der nachhaltigen Entwicklung. Orientierung bieten dabei Leitfragen der Umweltpsychologie. Der Beitrag befasst sich zunächst mit der Wahrnehmung von nachhaltigkeitsrelevanten Umweltproblemen, insbesondere des Klimawandels. Im Fokus stehen Modelle und Befunde zur Erklärung von nachhaltigkeitsrelevanten Verhaltensweisen wie etwa Energiekonsum oder Mobilitätsentscheidungen. Schließlich werden Möglichkeiten der kurz- und langfristigen Steuerung bzw. Förderung eines „solidarischen Lebensstils“ aufgezeigt.

Ellen Matthies, Hannah Wallis

Kapitel 4. Soziale Identität und nachhaltiges Verhalten

Nachhaltige Entwicklung ist per Definition eine Gruppenangelegenheit, da Nachhaltigkeit nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden kann. In diesem Beitrag wird beschrieben, welchen Einfluss soziale Identität – das „Wir“ in jeder und jedem von uns – auf nachhaltiges Verhalten hat. Konkret beschreiben die AutorInnen Grundlagen der Theorie der sozialen Identität und erläutern anhand dieser, inwiefern unsere Fähigkeit, uns in Gruppen zu organisieren, zu nachhaltigem Verhalten beitragen kann. Sie fokussieren dabei unter anderem darauf, wie wir als Gruppen wirksam agieren können und legen damit dar, wie soziale Gruppen als Vehikel für sozialen und ökologischen Wandel genutzt werden können.

Gerhard Reese, Karen R. S. Hamann, Claudia Menzel, Stefan Drews

Zielgruppen/Anwendungskontexte

Frontmatter

Kapitel 5. Nachhaltigkeit in primären und sekundären Bildungseinrichtungen

Gerechtigkeit als nachhaltigkeitsrelevantes psychologisches Konstrukt

Im Diskurs um eine nachhaltige Entwicklung ist unter anderem die Frage nach distributiver Gerechtigkeit, das heißt der gerechten Verteilung von begrenzten Ressourcen, von hoher Bedeutung Dem Bildungsbereich wird hier eine bedeutende Rolle zugewiesen, Individuen soll der Kompetenzerwerb zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft ermöglicht werden. Ziel dieses Beitrages ist es, aufzuzeigen, dass es in diesem Kontext auch notwendig ist, die Institutionen selbst als Orte zu gestalten, die als gerecht wahrgenommen werden, da diese wichtige Sozialisationsinstanzen darstellen. Psychologische Erkenntnisse bezüglich der Wahrnehmung und der Effekte von Gerechtigkeit können Hinweise dazu liefern, wie Schule gestaltet werden könnte, um zur Leitidee einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Hier sind Modelle zur Gerechtigkeitswahrnehmung und relevante Persönlichkeitskonstrukte wie der Gerechte-Welt-Glauben oder die Ungerechtigkeitssensibilität von Bedeutung. Die hier vorgestellten empirischen Ergebnisse stellen nachhaltigkeitsrelevante Effekte von erfahrener (Un)gerechtigkeit im Schulalltag vor. Hieraus lassen sich Implikationen sowohl für die Lehrerbildung als auch für die Schulorganisation ableiten.

Natalie Ehrhardt-Madapathi, Carla Bohndick, Anne-Katrin Holfelder, Manfred Schmitt

Kapitel 6. Transformation und Nachhaltigkeit: Perspektiven für eine nachhaltigkeitsorientierte Hochschul-, Organisations- und Personalentwicklung

Dieses Kapitel beleuchtet zunächst aktuelle Transformationsprozesse des Wissenschaftssystems und damit einhergehende Konfliktfelder. Wie auf nachhaltige Entwicklung an Hochschulen derzeit eingegangen wird und welche Handlungsfelder dabei eine Rolle spielen, wird skizziert. Besonders der Anspruch eines „Whole Institution Approach“ wird betont und Forschungsergebnisse zu Förder- und Hemmfaktoren von Nachhaltigkeit an Hochschulen werden überblicksartig dargestellt. Als praktisches Anwendungsfeld wird nachhaltigkeitsorientierte Organisations- und Personalentwicklung spezifiziert und erläutert, anhand verschiedener Kategorien sowie exemplarischer Maßnahmen, Methoden und Instrumente. So wird etwa als analytische Methode zur Konkretisierung von nachhaltigkeitsorientiertem Handeln am Arbeitsplatz das sogenannte ATIS-Modell vorgestellt, bevor abschließend weiterführende Forschungsperspektiven für die Psychologie sowie vor allem für eine inter- und transdisziplinäre, innovative Nachhaltigkeitsforschung gezeichnet werden.

Claudia Thea Schmitt

Kapitel 7. Hochschulbildung für eine nachhaltige Entwicklung: Wie kann man Nachhaltigkeit wirksam lehren und lernen?

Der vorliegende Beitrag behandelt die Frage, wie das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfolgreich an Hochschulen umgesetzt werden kann. Neben einer curricularen Einbindung des Lehr-Lern-Gegenstands Nachhaltigkeit, braucht es eine wirksame Ausgestaltung der Hochschullehre. Nach Prinzip des Constructive Alignments aus der pädagogischen Psychologie ist die Gestaltung der Lehre dann wirksam, wenn die Lernziele klar definiert und die Lehr-Lern-Methoden und Prüfungsmethoden im Einklang mit den Lernzielen stehen. Ausgehend von dem Lernziel in der BNE, der Weiterentwicklung der Gestaltungskompetenz, werden im Beitrag passende Lehr-Lern-Formate (interdisziplinäres Problembasiertes Lernen, interdisziplinäres Projektbasiertes Lernen, interdisziplinäres Fallbasiertes Lernen, interdisziplinäres Forschendes Lernen) und passende Prüfungsformate (Studientagebuch/Lernjournal, interdisziplinäre mündliche Gruppenprüfung, interdisziplinärer Projektbericht) vorgestellt. Im Abschluss werden aktuelle Herausforderungen und mögliche Strategien der Implementation von BNE auf Mirko-, Meso- und Makroebene der Hochschulen diskutiert.

Mirjam Braßler

Kapitel 8. Medien und ihre Wirkung auf umwelt- und gesundheitsbezogenes Verhalten

In einer zunehmend differenzierten Medienlandschaft mit konventionellen Massenmedien wie Zeitungen und TV sowie neuen internet-basierten Medien hat sich die Funktion der Medienberichterstattung signifikant geändert: es geht weniger um Informationsübertragung als um Meinungsbestätigung. Das hat zwei Ursachen: Erstens unterstützt das Internet den Hang zur Beliebigkeit in der Begründung von Urteilen. Zweitens kann das Internet zu einer Verzerrung der Außenwelt beitragen. Eine kritische und selbstkritische Haltung zu den Inhalten der Medien tut also not. Es gibt viele Risiken zu Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen, die in den Medien hochgespielt und künstlich aufgeladen werden (etwa Lebensmittelskandale oder Kriminalitätsrisiken), während andere Risiken wie Klimawandel oder zunehmende Resistenz gegen Antibiotika zwar erwähnt, aber kaum handlungsrelevant behandelt werden. Von daher ist ein Ausharren in den bequemen Echoräumen der öffentlichen Kommunikation ein großes Problem für die Förderung eines sachgerechten Wissens über Umwelt- und Gesundheitsrisiken und eine Herausforderung für den demokratischen Diskurs.

Ortwin Renn

Kapitel 9. Nachhaltigkeit in der ehrenamtlichen Hilfe

Ehrenamtliche Hilfe erfolgt auf der Basis prosozialen Verhaltens, wobei eine längerfristige Perspektive und die Bindung an eine Organisation gegeben ist, die sich mit der Lösung von ökologischen, gesellschaftlichen, sozialen und individuellen Problemen befasst. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Frage, wie der Anspruch auf eine nachhaltige Entwicklung mit ehrenamtlicher Arbeit verwirklicht werden kann. Bei der Beantwortung dieser Frage sind Umwelt- und Naturschutz von zentraler Bedeutung, um den Globus auch für kommende Generationen als lebenswert zu erhalten. In diesem Zusammenhang befassen wir uns mit der Frage, wie sich die große Bereitschaft der Menschen ehrenamtliche Hilfe zu leisten erklären lässt. Daraus lassen sich praktische Hinweise über die psychologischen Triebfedern des ehrenamtlichen Engagements ableiten.

Hans-Werner Bierhoff

Kapitel 10. Corporate Social Responsibility: Verständnis, Bedingungen und Wirkungen

Im Beitrag werden zunächst theoretische Grundlagen zum Verständnis von Corporate Social Responsibility (CSR) vorgestellt, um anschließend auf das Fehlen eines einheitlichen Verständnisses in der Praxis einzugehen. Darauf aufbauend wird die Vielfältigkeit von CSR-Aktivitäten dargestellt. Es werden theoretische Annahmen sowie empirische Befunde angeführt, um Voraussetzungen für CSR im organisationalen Kontext darzulegen und aufzuzeigen, über welche Wirkmechanismen CSR auf verschiedene Stakeholder-Gruppen wirkt. Abschließend wird auf die Bedeutung von CSR eingegangen und Bedarfe in Bezug auf Beschäftigte formuliert.

Grit Tanner, Eva Bamberg, Marlies Gude

Kapitel 11. Nachhaltigkeit und Investment: Psychologische Aspekte von nachhaltigkeitsorientiertem Investitionsverhalten

Das folgende Kapitel behandelt soziales Verhalten am Markt in Bezug auf nachhaltiges Investieren. Das dem Menschen innewohnende Grundbestreben zu sozial verantwortlichem Verhalten wird beleuchtet an den folgenden psychologischen Motiven: Ökonomische Nutzenmaximierung, Altruismus, Vertrauen und Reziprozität, unternehmerisches Innovationsstreben, strategische Führungsvorteile durch sozialen Status, Nutzen durch Transparenz und Informationsaustausch, interne Kontrollüberzeugung, Selbstwertsteigerung durch Identifikation und Selbst-Konsistenz sowie die Verkörperung von sozialen und langfristig-orientierten Werten. Umweltökonomisch gesehen behandelt das Kapitel einerseits den Ausschluss von umweltschädigendem Verhalten durch negatives Screening von natürliche Ressourcen schädigende Marktallokationen, gleichzeitig werden aber auch die positiven Potenziale des Finanzmarktes beschrieben, um Nachhaltigkeit finanzierbar zu machen. Insgesamt liefert das Kapitel Potenziale und Problematiken von Nachhaltigkeit und Investitionen. Lösungen zur Klimawandelfinanzierung über Generationen sowie Implementierung von Nachhaltigkeit werden beschrieben mit dem Ziel, dem ökologischen Fairnessmandat für diese und folgende Generationen gerecht zu werden.

Julia M. Puaschunder

Kapitel 12. Konsumhandlungen und Nachhaltigkeit: (Wie) passt das zusammen?

In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern Nachhaltigkeit und Konsum miteinander vereinbar sind. Es werden in diesem Rahmen zunächst verschiedene Konsummuster diskutiert, die an Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Außerdem werden Einflussfaktoren der Person, der sozialen Beziehungen sowie des Kontextes diskutiert, die mit nachhaltigkeitsorientiertem Konsumhandeln in Zusammenhang stehen. Abgeschlossen wird der Beitrag durch einen kurzen Abriss über Maßnahmen, die zur Förderung nachhaltigkeitsorientierten Handelns und Konsums beitragen können.

Marlies Gude

Kapitel 13. Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette: Das Problem des eingeschränkten moralischen Bewusstseins

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich unsere Wertschöpfungsmodelle dramatisch verändert. Lieferketten sind heute zumeist global, äußert komplex und in der Folge zunehmend intransparent und anfällig. Drängende Probleme, wie Korruption und Betrug, Menschenrechtsverletzungen, prekäre Arbeitsbedingungen und schwerwiegende Umweltbelastungen, sind vielfach das Ergebnis von Verhaltensweisen einzelner Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Eine wichtige aber bislang nicht ausreichend erforschte Frage ist, warum Akteure entlang der Wertschöpfungskette vielfach Verhalten zeigen, welches nicht mit den eigenen moralischen Standards im Einklang steht und zuweilen ethische Richtlinien verletzt. Auf der Grundlage von etablierten Theorien aus der Psychologie und modernen Konzepte aus dem Bereich Behavioral Ethics ist davon auszugehen, dass nachhaltiges, verantwortliches Handeln im Kontext von komplexen Lieferketten häufig bereits am fehlenden oder eingeschränkten moralischen Bewusstsein scheitert. Auf Grundlage der vorgestellten theoretischen Konzepte und basierend auf Ergebnissen empirischer Untersuchungen wird in diesem Beitrag ein konzeptioneller Bezugsrahmen zur Förderung von moralischem Bewusstsein im Kontext von Wertschöpfungsketten präsentiert und Lösungsperspektiven aufgezeigt.

Carolin Baur

Kapitel 14. Evaluation von Nachhaltigkeitsprojekten: Wirkung verbessern und Wirksamkeit bewerten

Evaluation kann als wissenschaftliche Dienstleistung dazu beitragen, Nachhaltigkeitsprojekte wirksamer zu planen und umzusetzen sowie die Wirksamkeit nachvollziehbar zu untersuchen. Ausgehend von einem Überblick zu Konzepten und Ansätzen von Evaluationen wird die Bedeutung von Wirkungsmodellen und Qualitätsstandards für Evaluationen aufgezeigt. Für die drei Hauptphasen Planen, Untersuchen und Bewerten wird die Rolle psychologischer Ressourcen und Erklärungsmodelle bei der Evaluation von Nachhaltigkeitsprojekten exemplarisch erläutert, insbesondere für die Evaluation von Projekten zur Einstellungs- und Verhaltensänderung. Gerade bei partizipativen Evaluationen sind psychologische Erkenntnisse und Methoden wichtig für deren Durchführbarkeit, Genauigkeit, Fairness und Nutzen und benötigen angemessene Ressourcen für die Beteiligung der Akteure. Eine Herausforderung für Evaluationen und notwendige Bedingung zur Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung sind aussagekräftige, teils projektspezifisch zu entwickelnde Indikatoren und akzeptierte Bewertungskriterien nachhaltiger Entwicklung.

Dirk Scheffler

Praxis- und Projektbeispiele

Frontmatter

Kapitel 15. Nachhaltigkeitsberichterstattung: Betriebswirtschaftliche und psychologische Aspekte von Reporting

Die Entscheidung zur Implementierung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung an privat- oder öffentlich-rechtlichen Organisationen (zum Beispiel Unternehmen oder Hochschulen) kann unterschiedliche Gründe haben. Aus einer interdisziplinären Perspektive analysiert der Beitrag daher betriebswirtschaftliche und psychologische Aspekte von Reporting. Betriebswirtschaftliche Funktionen, wie etwa die Rechenschafts- und Entscheidungsunterstützungsfunktionen, spielen vor allem für Unternehmen eine Rolle im Rahmen der transparenten Berichterstattung gegenüber ihren Stakeholdern. Dies greift für andere Organisationsformen jedoch zu kurz, was am Beispiel von Hochschulen verdeutlicht wird. Vor diesem Hintergrund fokussiert der Beitrag darüber hinaus auf psychologische Aspekte von Nachhaltigkeitsberichterstattung und spezifiziert die Lern- und Entwicklungsfunktion sowie die Selbstdarstellungsfunktion. Im Ergebnis werden interdisziplinäre Handlungs- und Forschungspotenziale zur Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgezeigt.

Claudia Thea Schmitt, Remmer Sassen

Kapitel 16. Die Praxis der Energiewende, ihre zwei Determinanten aus psychologischer Sicht und wie man Rebound vermeiden kann

Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird eine Reduktion des Energiekonsums über Effizienzmaßnahmen angestrebt. Allerdings werden die Effizienzgewinne durch zusätzlichen Konsum oft zum großen Teil wieder aufgefressen – dem Rebound. Nur wenn Konsumenten auf diesen zusätzlichen Konsum verzichten und generell sparsamer mit Energie umgehen, kann die Energiewende gelingen. In diesem Kapitel wird dargestellt, warum diese psychologische Betrachtung so wichtig ist und dazu beitragen kann, den Pro-Kopf-Energieverbrauch tatsächlich zu reduzieren. Hierzu wird Energiesparen als Umweltschutzverhalten basierend auf den zwei Determinanten Verhaltenskosten und Umweltschutzmotivation erklärt und anhand aktuell relevanter Beispiele (der Anschaffung von Fotovoltaikanlagen und der Smart-Meter-Nutzung) veranschaulicht. Anschließend wird darauf eingegangen, wie die Umweltschutzmotivation, und damit das Energiesparen, zum Beispiel durch Naturerfahrung gefördert werden kann und ein suffizienter Lebensstil zur Vermeidung von Rebound beitragen kann.

Siegmar Otto, Inga Wittenberg

Kapitel 17. Psychologische Aspekte nachhaltiger Mobilität: Struktur und Dynamik von Einstellungen zu Mobilitätsinnovationen

Technologische und soziale Innovationen scheinen derzeit viele Perspektiven für eine Transformation des Mobilitätssektors hin zu mehr Nachhaltigkeit zu eröffnen. Ob und wie sich das menschliche Mobilitätsverhalten den neuen Möglichkeiten anpasst, ist allerdings eine offene Frage, die psychologischer Forschung bedarf. Wir stellen in unserem Beitrag eine neue Theorie der Mobilitätseinstellungen vor, die Ansätze zur emotionalen Kohärenz menschlicher Entscheidungen aus der Kognitionswissenschaft mit soziologischen Theorien der Informationsdiffusion in sozialen Netzwerken kombiniert. Daten aus einer aktuellen, groß angelegten empirischen Studie zeigen, dass die emotionale Verankerung des Autos mit Verbrennungsmotor im individuellen Privatbesitz immer noch groß ist. Für die erfolgreiche Verbreitung innovativer und nachhaltiger Mobilitätskonzepte in der Gesellschaft wird entscheidend sein, ob neben technologischen Entwicklungen auch eine breite Transformation von Einstellungen in der Bevölkerung erreicht werden kann.

Tobias Schröder, Ingo Wolf

Kapitel 18. Nachhaltigkeit in der Lokalpolitik: Interviews mit deutschen Bürgermeistern nachhaltiger Kommunen

Woran mag es liegen, dass führende Politiker vieler Staaten der Erde seit 25 Jahren immer wieder gute Absichten zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung formulieren, aber bislang keine Trendwende hin zu einer nachhaltigen Entwicklung bewirkt wurde? Der Beitrag prüft die These, nach der individuelles Verhalten für nachhaltige Entwicklung der ursprünglichen Natur der menschlichen Psyche nicht zuwiderläuft, sondern in dieser angelegt ist - und dass individuelles Engagement für nachhaltige Entwicklung, also für faire Regeln des sozialen Zusammenlebens sowie für ein Aufblühen ökologisch balancierter Lebensräume, zum individuellen Wohlbefinden beiträgt. Die These wird anhand von Interviews mit 16 Bürgermeistern von deutschen Kommunen geprüft, welche sich erfolgreich für nachhaltige Entwicklung vor Ort engagieren. Die These kann durchgängig in allen Interviews gestützt werden. Daraus lässt sich als wissenschaftliches Fazit des Kapitels inferieren, dass bei stärkerer Berücksichtigung von menschlichem Wohlbefinden als Kriterium für nachhaltige Entwicklung der Weg zur Nachhaltigkeitstransformation auch auf höheren politischen Ebenen geebnet werden kann.

Peter Schmuck

Kapitel 19. Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen durch den Einsatz von Servicerobotik

Digitalisierung, digitale Assistenzsysteme und Robotik machen auch vor dem Gesundheitsbereich nicht Halt. Pflegekräfte sollen im Bereich schwerer körperlicher und logistischer Arbeit durch Serviceroboter entlastet werden, gleichzeitig soll Patientinnen und Patienten Möglichkeit geboten werden, im Servicesegment den Genesungsprozess selbstbestimmt zu gestalten. Der Erfolg beider Strategien hängt zentral davon ab, ob eingeführte Serviceroboter die Belastungs- und Interessenprofile beider Gruppen treffen. Das ist die Basis jeglicher Akzeptanz. Ohne hinreichende Passung und Akzeptanz verpuffen auch wohlgemeinte Verbesserungsbemühungen.

Dominic Bläsing, Nora Warner, Johannes Fischbach, Manfred Bornewasser

Kapitel 20. Nachhaltigkeit durch die Förderung einer autonomen Selbstregulation in Coachingausbildungen

Wie können Coachingausbildungen und Coachingprozesse gestaltet werden, um eine autonome Persönlichkeitsentwicklung zu erzielen?

In unserer digitalisierten, vernetzten und flexiblen Welt werden nicht mehr nur rein fachspezifische Kompetenzen erwartet. Gefordert werden auch solche Kompetenzen, die es ermöglichen, Wissen in verschiedenen Situationen zu reflektieren, anzuwenden, Verantwortung für eigenes Verhalten zu übernehmen und so zu Problemlösungen beitragen. Aufgabe der Universitäten ist es, eine qualitativ hochwertige Bildung anzubieten, die Studierende unter anderem in diesen Kompetenzen ausbildet. Das heißt, dass Universitäten die Entwicklung einer Persönlichkeit, die diese Kompetenzen langfristig aufweist, fördern sollen. Am Beispiel der Karrierecoaching-Ausbildung des Psychologie-Masterstudiums an der Universität Salzburg wird gezeigt, wie bereits während des Studiums Kompetenzen vermittelt werden, die sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext langfristig und wirkungsvoll Bestand haben. Die Kompetenzvermittlung erfolgt dabei durch eine Verbindung zwischen fachlichem Wissen, praktischem Handeln, der Verankerung des Wissens und Handelns in psychologischen Theorien und einer Persönlichkeitsentwicklung.

Christina Mühlberger, Isabell Braumandl, Eva Jonas

Fazit und Ausblick

Frontmatter

Kapitel 21. Perspektiven: Psychologie und Nachhaltigkeit oder Psychologie der Nachhaltigkeit?

Die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes zeigen die Bedeutung der Psychologie für transdisziplinäre nachhaltigkeitsorientierte Theorieentwicklung, Analyse und Intervention. Vor dem Hintergrund der Theorien und im gesellschaftlichen Diskurs können Indikatoren zur Bewertung von Nachhaltigkeit entwickelt und operationalisiert werden. Eine fundierte Analyse, bei der das verfügbare Methodeninventar reflektiert angewendet wird, ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für die Bewertung von Nachhaltigkeit – der gesellschaftliche und politische Diskurs ist hier unerlässlich. Bedingungs- und personenbezogene, beteiligungsorientierte Interventionen zielen auf die Gestaltung der Lebensweise und der Lebensbedingungen ab. Ziel ist eine nachhaltigkeitsorientierte Entwicklung von Personen, Organisationen und von Bedingungen. Der vorliegende Band verweist auf einen guten Fundus an wissenschaftlichen und praktischen Grundlagen, die für globale nachhaltige Entwicklung weiter ausdifferenziert, gefördert, genutzt und gelebt werden können.

Eva Bamberg, Claudia Thea Schmitt
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