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04.12.2014 | Public Relations | Im Fokus | Onlineartikel

Infrage stellen als Normalzustand

2:30 Min. Lesedauer

Unternehmen, Institutionen, Politiker oder Projekte treffen immer mehr auf Widerstand in der Bevölkerung. Springer-Autor Felix Krebber analysiert das Phänomen in einem Gastbeitrag.

Gesellschaftliche Akzeptanz ist eine der großen Fragen unserer Zeit. War Akzeptanz vor Jahrzehnten eine schier endlos scheinende Ressource einer nach Wohlstand strebenden bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft, wird sie heute zur „Mangelware“. Akzeptanz wird zur zentralen Zielstellung für Kommunikation und Management von Projekten in Wirtschaft und Politik. Die Debatten um neue Technologien und große Infrastrukturprojekte zeigen, mit welcher Vehemenz Konflikte in unserer Gesellschaft zu Tage treten können. Um diese Auseinandersetzungen verstehen zu können, müssen zentrale gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick genommen werden.

Bürger sehen ihre Interessen nicht mehr vertreten

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Spätestens dieser Tage wird greifbar, was der Soziologe Urich Beck bereits 1993 unter dem Schlagwort der Subpolitik zusammenfasste: Bürger sind nicht mehr bereit, die Entscheidungen der alten Autoritäten vorbehaltlos zu akzeptieren. Sie stellen infrage und fühlen sich von den traditionellen Institutionen nicht mehr oder kaum noch vertreten. Bei konkreter Betroffenheit, die für viele auch erst der Impuls zu sein scheint, sich (wieder) mit Politik auseinanderzusetzen, wächst das Gefühl, Dinge selber in die Hand nehmen zu müssen, weil „die Politik“ die eigenen Interessen nicht mehr zu vertreten scheint.

Besonders die sozioökonomisch besser gestellten Profiteure einer bis dato nie gekannten Bildungsexpansion melden sich zu Wort. Kaum ein (Infrastruktur-) Projekt, dem sich keine Bürgerinitiative als Konterpart gegenüberstellt. Aus dieser Gesamtsituation ergeben sich ganz konkrete Repräsentationsdefizite: Während die gewählten Institutionen dem Gemeinwohl verpflichtet sind, kämpfen die Bürgerinitiativen für zumeist strategisch motivierte Partikularinteressen. Das ist vollkommen legitim in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft, wird aber gefährlich, wenn ihnen alleine die Deutungshoheit überlassen wird.

Skandalisierte Debatten im Internet und in den traditionellen Massenmedien

Verzerrungen zeigen sich in der medialen Repräsentation dieser Diskurse. Mobilisierungsfähige Initiativen nutzen die publizistischen Möglichkeiten des Internets, um ihre Positionen zu verbreiten. Hinzu kommt, dass sie sich auch in den journalistischen Medien Gehör verschaffen: Die kampagnenartigen Inszenierungsmuster vieler Initiativen, die das Narrativ von David und Goliath bedienen, passen ihre Dramaturgie ideal an die Erfordernisse des aktuellen journalistischen Betriebs an.

Starke Bilder und Skandalisierungen helfen auch den Massenmedien in ihrem Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers. Langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse widersprechen jedoch der medialen kurzlebigen Darstellungs- und Aufmerksamkeitslogik einer Gesellschaft, deren Erregungsspannen immer kürzer und heftiger zu werden scheinen. Gefragt wäre hingegen viel mehr eine fundierte, auch (aber nicht nur) journalistisch begleitete, gesellschaftliche Debatte über den Industriestandort Deutschland und die zu akzeptierenden Einschränkungen Einzelner im Interesse der Fortentwicklung eines ganzen Landes.

Das Buch „Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft“ will einen Beitrag zu diesem Diskurs leisten, indem es die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse analysiert und die betroffenen Akteure zu Wort kommen lässt.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Lokale Akzeptanzdiskurse

Der kommunikative Nahraum als kritische Resonanzfläche bei Infrastrukturprojekten
Quelle:
Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft
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