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25.10.2013 | Public Relations | Im Fokus | Onlineartikel

Das Lobbying der Quandts ist typisch für Familienunternehmen

Die CDU-Spende der Familie Quandt hat die Watch-Bewegung auf den Plan gerufen. Politische Kommunikation in Familienunternehmen ist noch keine Corporate Affair, schreibt Springer-Autor Lars Schatilow dazu in einem Gastbeitrag.

Wenn 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland (über 80% in der Schweiz und in Österreich) kein professionelles, politisches Kommunikationsmanagement betreiben, kann von einem "Aufschwung des Lobbyismus“ nicht die Rede sein, den manche Medien rund um die Quandt-Parteispende konstatieren. Es sind eben diese Familienunternehmen, die häufig als 'Hidden Champions' globale Märkte bestimmen, hohe Umsätze generieren und mit international agierenden Publikumsgesellschaften konkurrieren. Diese Großkonzerne nehmen mit Hilfe von Lobbyisten Einfluss auf die EU-Gesetzgebungsprozesse und dominieren die Arbeit in Wirtschaftsverbänden.

Wenige Konzerne dominieren das Lobbying

Durch die Dominanz der großen Konzerne ist die Mehrheit der Unternehmenstypen vom Lobbying weniger, ressourcenstarker Wirtschaftsakteure betroffen. Insbesondere Familienunternehmen ist ihre Machtlosigkeit bewusst. In den Branchenverbänden haben sie seit Jahren das Nachsehen, wenn es darum geht, ihre unternehmensspezifischen Issues auf die Agenda zu setzen. Nicht sie selbst, sondern ein Stab von Konzernlobbyisten steht im permanenten Kontakt mit den Funktionären. Dass Verbandsarbeit Zeitverschwendung sei und sich die überregionale Politik (inklusive der Verbände) ja sowieso nur an den Medien ausrichte, wird häufig als Meinung geäußert. Dieses grundlegende Misstrauen bestimmt die Professionalisierungsbereitschaft: Der Einsatz von Personal auf dem politischen Parkett in Berlin oder Brüssel, das die Interessen des Familienunternehmens vertritt, ist meist undenkbar: "Wer weiß schon, was so einer da oben macht?“, wird in einem Atemzug mit einem angeblichen Mangel an Ressourcen als Vorwand genannt.

Ist politische Kommunikation wirklich eine Familienangelegenheit?

Familienunternehmer haben in der Regel kein Wissen über die Arbeit von politischen 'Kommunikationsprofis‘ beziehungsweise über die Einrichtung eines entsprechenden betriebsinternen Prozesses. In der Managementausbildung gibt es diese Disziplin bis heute nicht. Bei diesen Unternehmenstypen kommt erschwerend hinzu, dass politische Kommunikation generationenübergreifend als eine Familienangelegenheit betrachtet wird, die wertrational für die Region erfolgt. Die daraus entstehende politische Kommunikationskultur ist mit den überregionalen politischen Ebenen nicht vereinbar: Zu viele Stakeholder machen ihre Ansprüche geltend. Die Bereitschaft, politische Kommunikation von der Family zur Corporate Affair zu machen, ist daher unabdingbar, um gewisse Praktiken - wie Parteispenden - selbstkritisch reflektieren zu lernen.

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