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19.12.2013 | Public Relations | Im Fokus | Onlineartikel

Warum Lobbyarbeit direkte PR ist

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Das Kabinett von Kanzlerin Merkel steht, der Koalitionsvertrag ist unterschrieben. Durchatmen kann auch die Lobbyszene, die als Stichwortgeber im Hintergrund mitgewirkt hat.

Zahlreiche Interessenvertretern haben in den vergangenen Wochen Gesetzentwürfen ihre Handschrift verliehen. Christina Deckwirth, Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin von Lobbycontrol e.V., befürchtet im Tagesspiegel eine Professionalisierung der Lobbyarbeit, die diejenigen benachteiligt, die "über weniger Ressourcen und Zugänge verfügen“. Lobbyismus ist ein Vor-Ort-Geschäft, das mit ständigen Repräsentanten oder Public-Affairs-Agenturen in der Hauptstadt besser floriert. Deckwirth fordert, dass politische Interessenvertretung reguliert und registriert wird.

Lobbying: Ethisch, transparent und höchstpersönlich?

Dass Lobbyisten im politischen Meinungsbildungsprozess geschätzt werden, spiegelt eine von Burson-Marsteller veröffentlichte und dem Marktforschungsinstitut Penn Schoen Berland (PSB) durchgeführte Studie wider. Die Befragung "Effective Lobbying in Europe – The View of Policy-Makers“ unter 600 Abgeordneten und Beamten der EU sowie Politikern aus 19 europäischen Ländern zeigt: Neun von zehn Befragten halten Lobbyarbeit für nützlich, wenn sie transparent und ethisch korrekt ist. Politische Entscheider aus Deutschland bewerteten den Einfluss kritischer als der Durchschnitt ihrer EU-Kollegen (30 zu 24 Prozent), hielten sich in der Frage nach einer verpflichtenden Registrierung der Lobbyisten aber zurück (44 zu 53 Prozent). Politische Meinungsbildung bevorzugt zudem das persönliche Gespräch. Nur 22 Prozent setzen auf Social-Media und nur 36 Prozent greifen auf die klassischen Medien zurück.

Lobbyisten setzen auf Meetings und Briefings

Marco Althaus zitiert im seinem Buchkapitel "Unternehmen und Grassroots-Lobbying“ den amerikanischen Lobbyismus-Forscher Lester W. Milbrath, der bereits 1960 feststellte, dass Lobbyisten zwar direkte Gespräche mit Entscheidungsträgern bevorzugten, "doch der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit zwinge zunehmend dazu, Druck über Medien und Bürger in den Wahlkreisen zu erzeugen“ (Seite 68). Gemeint waren damit großangelegte Kampagnen mit Waschkörben voller Formbriefe und Telegrammen. Es folgten in den 70er Jahren Direktmarketing und Massenfaxversand. "Public Affairs hieß jetzt direktes Lobbying plus PR plus Mobilisierung eigenen Unterstützernetzwerke“ (Seite 69). Was in den USA längst erprobt ist, muss in Deutschland erlernt werden. Althaus erklärt das am Beispiel des Grassroots-Lobbying: "Unternehmen gehen mit Grassroots-Lobbying ein Wagnis ein, mehr noch als Verbände. [...] Ein relevanter Katalysator scheint die Online-Kommunikation zu sein, mit deren Logik sich Unternehmen breit auseinander setzen – vom Marketing bis zur CSR.“ (Seite 82)

12 Lobbying-Tipps von Burson-Marsteller:
  • Sei kreativ und unverwechselbar in allen Aktivitäten, die Aufmerksamkeit auf deine Inhalte lenken
  • Verstehe nationale Unterschiede und die Vielfalt Europas
  • Versichere dich, dass deine Botschaft online abrufbar ist
  • Mobilisiere Menschen für dein Anliegen

  • Kenne die Menschen mit denen du dich unterhalten solltest

  • Identifiziere dein Publikum
  • Sei transparent
  • Sei achtsam
  • Beachte dein Timing

  • Verstehe alle Prozesse der Gesetzgebung
  • Denke politisch
  • Stütze politische Argumente mit Beweisen

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Unternehmen und Grassroots-Lobbying

Quelle:
Grassroots-Campaigning

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