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Über dieses Buch

In dieser zweiten Auflage des essential wird mit aktualisierter Literatur das traditionelle Qualitätsmanagement als verdeckt herrschaftliches Disziplinarsystem entschlüsselt und die Frage diskutiert, was unter Qualität substanziell zu verstehen ist. Der Autor argumentiert dafür, dass die Qualitätsfrage in den Kontext der großen Thematik eines guten Lebens in einer gerechten Gesellschaft gehört. Daher wird sowohl das Gute als auch das Gerechte kurz skizziert. Daraus werden die Voraussetzungen einer entsprechend gelingenden Qualitätsentwicklung abgeleitet, um schließlich beispielhaft für den Bereich der personenbezogenen sozialen Dienstleistungen ein Qualitätsentwicklungssystem vorzustellen, das den Fallen der Disziplinierung entgeht und die Entscheidung über die Definition guter Arbeit – als Prozess und Ergebnis – in die Hände der Arbeitenden gibt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Qualitätsmanagement als Disziplinarsystem

Zusammenfassung
Qualitätsmanagement ist heute unverzichtbar – so heißt es üblicherweise. Niemand wagt, dem offen zu widersprechen. Trotzdem beteiligen sich viele nur mit »zusammengebissenen Zähnen«. Wirtschaftsunternehmen, Krankenhäuser, Bildungs- und Kulturorganisationen, Behörden, Verbände, Jugendhilfe- und Pflegeeinrichtungen, Beratungsfirmen etc. – fast alle unterziehen sich dem Zwang externer Zertifizierungen, ohne den ein »ernstzunehmendes« Qualitätsmanagement heute nicht mehr auszukommen glaubt. Ob dadurch allerdings Qualität gefördert wird, ist eine offene Frage. Die These dieses skeptischen Kapitels ist, dass die in Industrie und Dienstleistung gebräuchliche Form des Qualitätsmanagements nicht Qualität managt, sondern die möglichst reibungslose Anpassung der Arbeit an ökonomische Erfolgskriterien; für Wirtschaftsorganisationen kann man auch sagen: an den Kapitalverwertungsprozess.
Rainer Zech

Kapitel 2. Die Klassiker: DIN EN ISO und EFQM

Zusammenfassung
Nachdem die Skeptiker eines Qualitätsmanagements zu ihrem Recht gekommen sind, sollen für die Einsteiger die beiden verbreiteten Systeme möglichst neutral dargestellt werden.
Rainer Zech

Kapitel 3. Was ist eigentlich Qualität?

Zusammenfassung
Die bisherige Diskussion war von der Kritik getragen, dass in den verbreiteten Klassikern des Qualitätsmanagements die Thematik des Managements zwar differenziert behandelt wird, die Frage der Bestimmung von Ergebnisqualität aber eine Leerstelle bildet bzw. nicht inhaltlich bestimmt, sondern auf die Kunden und deren Beurteilung oder auf die Bewertung des finanziellen Ertrags verschoben wird. Das liegt in der Logik einer Wirtschaft, der es vor allem um den Absatz von Waren und Dienstleistungen geht.
Rainer Zech

Kapitel 4. Gute Arbeit in einer gerechten Gesellschaft

Zusammenfassung
Arbeit ist für den modernen Menschen so allumfassend und damit »normal« geworden, dass wir übersehen, dass unser modernes Arbeitsverständnis eben nur so alt ist wie die Moderne selbst. Ältere Gesellschaften unterschieden verschiedene Tätigkeitsformen, für die der Überbegriff Arbeit fehlte. Im klassischen Griechenland gab es z. B. die subsistenzsichernde landwirtschaftliche Tätigkeit, vornehmlich der Heloten und Sklaven (ponos), die werkschaffende Tätigkeit der in der Regel freien Handwerker und Künstler (poiesis), die auf die Gestaltung des sozialen Zusammenlebens in der Polis bezogene Tätigkeit des Adels (praxis) und die tätige Muße der (Selbst)Bildung der Philosophen (schole). Heute nennen wir alles einfach Arbeit – mittlerweile heißt sogar die Pflege des zwischenmenschlichen Umgangs Beziehungsarbeit.
Rainer Zech

Kapitel 5. Gelingende Qualitätsentwicklung und ihre Voraussetzungen

Zusammenfassung
Das Gute und das Gelingen sind Geschwister. Bereits das von den griechischen Vorsokratikern verwendete »to eu para mikron« wird mit »das Gelingen durch Kleinigkeiten« übersetzt (Diels 1922, S. 296). Wir haben den Begriff »eudaimonia« bereits in unserer Qualitätsdefinition kennengelernt. Die gemeinte Glückseligkeit war die richtige Einstellung zum Guten bzw. das gelingende Leben in einer gerechten Gesellschaft (vgl. Kap. 3). Diogenes Laertius (1990, S. 89) zieht dann das Gute und das Gelingen zusammen, wenn er über Sokrates schreibt, dass das „gute Gelingen“ bereits „mit Kleinem“ anfange, auch wenn es „nichts Geringes“ sei.
Rainer Zech

Kapitel 6. Besonderheiten einer Qualitätsentwicklung bei personenbezogenen sozialen Dienstleistungen

Zusammenfassung
Nachdem das Thema einer gelingenden Qualitätsentwicklung bisher grundsätzlich, d. h. für jegliche gute Arbeit in allen Organisationsformen, abgehandelt wurde, soll die Fragestellung abschließend auf einen Bereich zugespitzt werden, in dem in einer besonderen Weise eine ethisch bedeutsame Arbeit erledigt wird, weil Dienstleistungen direkt für und am Menschen erbracht werden. Es geht also – wie man generell sagt – um personenbezogene soziale Dienstleistungen in der Bildung, Beratung und sozialen Arbeit. Bei diesen Dienstleistungen ist ein rein ökonomisches Denken, das von dem Bedarf der Betroffenen absieht, unmöglich. Ohne die Berücksichtigung derjenigen, die die Leistungen brauchen und gebrauchen, kann die Arbeit hier nicht funktionieren. Dieses abschließende Kapitel dient als Beispiel, wie eine gelungene Qualitätsentwicklung aussehen könnte.
Rainer Zech

Backmatter

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