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2022 | Buch

Quantitative Forschung in Masterarbeiten

Best-Practice-Beispiele wirtschaftswissenschaftlicher Studienrichtungen

herausgegeben von: Prof. Dr. Silvia Boßow-Thies, Prof. Dr. Bianca Krol

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

Buchreihe : FOM-Edition

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Über dieses Buch

Dieses Buch unterstützt Studierende bei der Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten mit einem quantitativen Fokus. Mittels Best-Practice-Beispielen aus Masterarbeiten werden das wissenschaftliche Vorgehen sowie die Anwendung unterschiedlicher quantitativer Methoden anwendungsnah präsentiert. Die Masterarbeiten verdeutlichen ein breites quantitatives Methodenspektrum von strukturentdeckenden Verfahren wie Clusteranalyse oder Conjoint-Analyse bis hin zu strukturprüfenden Verfahren wie Interventionsstudien, Regressions- oder Mehrgleichungsstrukturanalysen. Die Analyseschritte sind über die verwendeten R Codes nachvollziehbar dargestellt. Die Masterarbeiten wurden mit Hintergrundinformationen, Tipps sowie Hinweisen auf alternative Vorgehensweisen angereichert. Der empirisch-quantitative Forschungsprozess wird Schritt für Schritt erklärt und es wird erläutert, wann ein qualitativer Forschungsansatz für die Lösung des vorliegenden Forschungsproblems besser geeignet ist. Ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen und Möglichkeiten im Rahmen von quantitativen Abschlussarbeiten rundet das Buch ab.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Grundlagen empirischer Forschung in quantitativen Masterarbeiten
Zusammenfassung
Das Verfassen einer Masterarbeit ist eine komplexe Herausforderung. Masterand*innen müssen in ihrer Abschlussarbeit davon überzeugen, dass sie eine Befähigung zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten im Verlauf ihres Studiums erlangt haben. Um diese wahrgenommene Komplexität zu reduzieren, hilft es, sich die einzelnen Stufen des Forschungsprozesses vor Augen zu führen und sich somit gedanklich schrittweise der Masterarbeit zu nähern. In einem ersten wesentlichen Schritt ist zunächst ein interessantes Forschungsthema zu finden, auf Basis wissenschaftlicher Literatur eine konkrete Forschungslücke offenzulegen und ein entsprechendes konkretes Forschungsproblem zu spezifizieren. Für die Lösung des Forschungsproblems oder auch Beantwortung der Fragestellung der Untersuchung gilt es dann in einem weiteren Schritt, ein geeignetes Untersuchungsdesign zu kreieren. Dabei werden gerade quantitative Designs häufig als besondere Hürde betrachtet. Auch hier hilft das Herunterbrechen in kleinere Einheiten, die sequenziell durchlaufen werden: Operationalisierung, Stichprobenziehung und Datenerhebung, Datenaufbereitung und -analyse, deren Grundzüge bereits mit dem Untersuchungsdesign festgelegt werden. Letztere sollten bereits bei der Planung einer quantitativen Masterarbeit durchdacht und entsprechend mit der/dem Betreuer*in abgestimmt werden. Auf dieser Basis steht einer erfolgreichen quantitativen Masterarbeit dann (fast) nichts mehr im Wege.
Silvia Boßow-Thies, Oliver Gansser

Strukturentdeckende Verfahren

Frontmatter
2. Choice-based-Conjoint-Analyse: Präferenzanalyse für Lieferservices im Apothekenmarkt
Zusammenfassung
Die Digitalisierung gilt als eine der bedeutendsten Transformationen der heutigen Gesellschaft und erfasst Bereiche des Geschäfts- und Alltagslebens gleichermaßen (vgl. Hagberg et al. 2016, S. 694). So hat sie auch einen entscheidenden Einfluss auf den Gesundheitsmarkt, der sich in einem fundamentalen Wandel befindet. Diese Entwicklung setzt somit auch neue Rahmenbedingungen für Anbieter und Kunden in der Arzneimittelversorgung. Die Art, wie Kunden sich informieren, kommunizieren und konsumieren, wandelt sich gänzlich (vgl. Hagberg et al. 2016, S. 698). So werden z. B. transparente Preisvergleiche, Onlineshopping und Lieferung an die Haustür auch beim Bezug von Medikamenten vermehrt vorausgesetzt. In der vorliegenden Arbeit wurde eine quantitative Studie (n = 251) zur Präferenzmessung von Endverbrauchern für Lieferservices im deutschen Apothekenmarkt durchgeführt. Das Untersuchungsdesign der Studie stützt sich auf die Analyse relevanter wissenschaftlicher Fachliteratur, eine qualitative Vorstudie mit Apothekerinnen und Apothekern zur Identifikation der präferenzrelevanten Merkmale und Merkmalsausprägungen und eine Marktanalyse. Als Methodik kommt die auswahlbasierte Conjoint-Analyse (Choice-based-Conjoint-Analyse) zur Anwendung. Die Untersuchung zeigt, dass günstige Lieferkosten das wichtigste Kriterium für potenzielle Kunden im Zusammenhang mit einem Medikamentenlieferservice darstellen, gefolgt von einer hohen Umweltfreundlichkeit in der Auslieferung und einer kurzen Lieferzeit. Die Form der Bezahlung hat für die befragten Personen keine hohe Relevanz.
Corinna Held, Oliver Gansser
3. Choice-based Conjoint-Analyse: Designerstellung mithilfe von Lighthouse Studio (Sawtooth Software)
Zusammenfassung
Die Schätzung einer Choice-based Conjoint-Analyse ist durch vorgefertigte Funktionen in R leicht durchführbar und kann individuell angepasst werden. Die Designerstellung ist in R jedoch eher als komplex zu bezeichnen. Für diesen Schritt kann es daher sinnvoll sein, auf eine speziell entwickelte Software wie z. B. Lighthouse Studio von Sawtooth Software zurückzugreifen. Unter anderem ermöglicht diese neben der Designerstellung, Umfragedurchführung und Modellschätzung, das Design und die Umfrageergebnisse für eine Schätzung in R zu exportieren. In diesem Artikel wird dargelegt, wie eine auswahlbasierte Conjoint-Analyse in Lighthouse Studio erstellt und durchgeführt werden kann. Dabei wird insbesondere auf die Designerstellung mit den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten und auf den Datenexport zur weiteren Analyse in R eingegangen.
Lisa Wamhoff
4. Clusteranalyse: Analyse der Bedürfnisse und Segmentierung von Einpersonenhaushalten beim Lebensmittelkauf
Zusammenfassung
Die Struktur der privaten Haushalte in Deutschland unterliegt seit Dekaden einem stetigen Wandlungsprozess. Diese Entwicklung wurde insbesondere durch die steigende Anzahl an Einpersonenhaushalten, die gegenwärtig die häufigste Haushaltsart in Deutschland darstellt, geprägt. Einpersonenhaushalte unterscheiden sich von den übrigen sämtlich dadurch, dass nur auf die eigenen Bedürfnisse, aber auch Ressourcen geachtet werden muss. Dennoch ist davon auszugehen, dass innerhalb der Einpersonenhaushalte keine homogenen Bedürfnisstrukturen vorliegen. Dies gilt auch mit Blick auf den immer komplexer werdenden Lebensmittelbereich. Eine bedürfnisorientierte Segmentierung der Einpersonenhaushalte in diesem Kontext ist für Deutschland in der Literatur jedoch bisher nicht zu finden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, relevante Bedürfnisse von Einpersonenhaushalten in Bezug auf den Lebensmittelbereich zu identifizieren und mittels einer Primärerhebung (n = 335) eine bedürfnisorientierte Segmentierung durchzuführen. Die Ergebnisse verweisen auf eine Unterteilung in fünf unterschiedliche Cluster. Auf Basis dieser Ergebnisse können Handlungsempfehlungen für die Praxis mit Blick auf segmentspezifische Marketingmaßnahmen getroffen werden.
Marie-Luise Stahlberg, Tabea Griesenbeck, Silvia Boßow-Thies
5. Ereignisstudie und Text Mining: Untersuchung der Wirkung von Ad-hoc-Meldungen auf den Kapitalmarkt im Kontext der Behavioral Finance
Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Sentiment einer Ad-hoc-Meldung und der Stärke der Kapitalmarktreaktion auf diese Meldung. Er reiht sich in eine anwachsende Anzahl an behavioristischen Untersuchungen ein, die neben quantitativen auch qualitative Daten aus Unternehmensveröffentlichungen betrachten. In diesem Kontext ist zu betonen, dass sich der Großteil der aktuellen veröffentlichten Studien auf den US-amerikanischen Raum beziehen. Durch den Untersuchungsfokus auf den deutschsprachigen Raum liefert diese wissenschaftliche Arbeit weitere standortspezifische Ergebnisse. Untersuchungsgegenstand sind Ad-hoc-Meldungen zu Vorstandswechseln. Mittels Text-Mining-Ansatz wurde zunächst das sogenannte Sentiment der Meldungen ermittelt. Daraufhin wurde eine Ereignisstudie zur Quantifizierung der Kapitalmarktreaktionen, gemessen mittels abnormaler Rendite und abnormalem Handelsvolumen, durchgeführt. Methodisch wurden Korrelationsanalysen nach Pearson vorgenommen. Die durchgeführte empirische Untersuchung zeigt einen geringen linearen Zusammenhang zwischen dem Sentiment der Ad-hoc-Meldungen und der Kapitalmarktreaktion. Festzuhalten ist abschließend, dass ein geringer linearer Zusammenhang zwischen dem textuellen Sentiment der Ad-hoc-Meldung und der Kapitalmarktreaktion, gemessen mittels der kumulierten abnormalen Renditen im Zeitraum vom Ereignistag bis drei Tage nach dem Ereignis, ermittelt werden konnte. Dieser lineare Zusammenhang ist zwar gering, übersteigt aber die von anderen Autoren berichteten Werte für die lineare Korrelation. Somit kann die eingangs formulierte Forschungsfrage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem textuellen Sentiment der Ad-hoc-Meldungen und der auf die veröffentlichten Meldungen folgenden Kapitalmarktreaktion gibt, nicht eindeutig beantwortet werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Framing-Effekte die Kapitalmarktreaktion auf Ad-hoc-Meldungen beeinflussen.
Tobias Lemke, Philippe Krahnhof, Alexander Zureck

Strukturprüfende Verfahren

Frontmatter
6. Interventionsstudie: Einfluss von appbasiertem Achtsamkeitstraining auf Gesundheit und Wohlbefinden von Berufstätigen
Zusammenfassung
Damit Berufstätige langfristig gesund und leistungsfähig bleiben, benötigen sie adäquate Erholung. Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass sich Achtsamkeitstraining positiv auf diverse Erholungsprozesse auswirken kann. Im Rahmen der vorliegenden Masterthesis wurde untersucht, wie sich eine appbasierte Achtsamkeitsintervention auf zwei zentrale Erholungsprozesse – Abschalten von der Arbeit nach Feierabend (Psychological Detachment) und Schlaf – auswirkt. Die statistische Auswertung ergab, dass das Training nach zehn Tagen zu einem signifikanten Anstieg der Tendenz zu achtsamem Verhalten (Trait Mindfulness) in der Interventionsgruppe führte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Ergebnisse unterstützen außerdem die Annahme, dass nach zehn Tagen ein positiver Zusammenhang besteht zwischen Achtsamkeit während des Arbeitstages (State Mindfulness) und Psychological Detachment. Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen State Mindfulness und Schlafqualität wurde in der gesamten Stichprobe ebenfalls ein positiver Zusammenhang aufgezeigt. Die weiterführende Analyse ergab, dass sich das zehntägige appbasierte Achtsamkeitstraining in der Interventionsgruppe signifikant auf den Grad des Abschaltens auswirkte. Die Schlafqualität der Teilnehmenden konnte hingegen nicht verbessert werden, bewegte sich jedoch bereits vor dem Training auf relativ hohem Niveau. Insgesamt legen die Forschungsergebnisse nahe, dass sich appbasiertes Achtsamkeitstraining förderlich auf State Mindfulness und Trait Mindfulness sowie Psychological Detachment auswirkt und dass der positive Effekt bereits innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne von zehn Arbeitstagen einsetzt.
Jennifer Sandermann, Stephanie Kurzenhäuser-Carstens
7. Varianzanalyse: Experimentelle Studie zum Einsatz von haptischen Produktbeschreibungen in virtuellen vs. realen Kaufumgebungen
Zusammenfassung
Produkte können vor dem Kauf in virtuellen Läden nicht physisch erfahren werden. In Onlineshops und im stationären Handel wird überwiegend Bekleidung eingekauft, für die der haptische Sinn wichtig ist. Die experimentelle Studie untersucht die Effekte von haptischen Produktbeschreibungen auf die Produktbeurteilung und die Kaufabsicht in virtuellen vs. realen Kaufumgebungen. Der Vergleich von Versuchspersonen in den Kaufumgebungen hat gezeigt, dass das Anfassen des Produktes die Produktbeurteilung signifikant positiv beeinflusst. Die Art der Produktdarstellung (haptisch vs. nicht-haptisch) und die Ausprägung des Need for Touch (NFT; hoch vs. gering) haben einen signifikanten Einfluss auf die Produktbeurteilung. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass sich die Produktbeurteilung und die Kaufabsicht der haptischen und nicht-haptischen Produktbeschreibung in den verschiedenen Kaufumgebungen signifikant voneinander unterscheiden. Abschließend ergeben sich Empfehlungen für den stationären Handel und Forschungsanregungen zu Onlineshops.
Katharina Liebel, Mandy Nuszbaum
8. Einfaktorielle Varianz- und Moderationsanalyse: Bedeutung haptischer Informationen in Alltagssituationen bei eingeschränkter visueller Wahrnehmungsfähigkeit
Zusammenfassung
Die vorliegende Studie geht der Frage nach, inwiefern sich Sehende von Sehbeeinträchtigten hinsichtlich der Nutzung haptischer Informationen in zwischenmenschlichen Beziehungen oder bei Kaufentscheidungen unterscheiden. Weiterhin wird untersucht, ob der Zusammenhang zwischen der Sehfähigkeit und dem interpersonalen Vertrauen durch das Need for Interpersonal Touch (NFIPT) beeinflusst wird. Im Rahmen einer Online-Erhebung wurden 242 sehende, sehbehinderte sowie blinde Menschen zu ihren individuellen Präferenzen und Bedürfnisse für haptische Informationen sowie Berührungen in Alltagssituationen mittels verschiedener validierter Skalen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass mit zunehmender visueller Beeinträchtigung eine intensivere Nutzung von haptischen Informationen in Alltagssituationen beobachtet werden kann. Im Hinblick auf das interpersonale Vertrauen ergab sich kein signifikanter Effekt. Der moderierende Effekt durch das NFIPT auf das interpersonelle Vertrauen blieb aus. Es resultieren verschiedene Implikationen für die Praxis, wie z. B. für Verkaufsgespräche, die diskutiert werden.
Ann-Kathrin Hesse, Mandy Nuszbaum
9. Korrelationsanalyse und Gruppenvergleiche: Chronotyp, chronischer Stress und Konzentrationsleistung von nebenberuflich Studierenden
Zusammenfassung
Die vorliegende Forschung beschäftigt sich mit den Einflüssen von Chronotyp und chronischem Stress auf die Konzentrationsleistung nebenberuflich Studierender. 60 Studierende nahmen an einem Konzentrationstest nach Ibrahimovic und Bulheller (Konzentrationstest – KT: Ein Testverfahren zur Erfassung von konzentrierter Arbeitsleistung und Arbeitsqualität. Entwicklung, Evaluation und Normierung. Human-Factor-Services, Schwelm, 2004/2005) teil und füllten Fragebögen zur Bestimmung ihres Chronotyps (Roenneberg et al., J Biol Rhythms 18(1):80–90, 2003) und ihrer Stressbelastung (Schulz et al., Trierer Inventar zum chronischen Stress. Hogrefe, Göttingen, 2004) aus. Mithilfe von Korrelationstests, Varianzanalyse und t-Test zeigte sich, dass die chronische Stressbelastung der Studierenden, die in ihrer Selbsteinschätzung die Mehrfachbelastung von Studium, Beruf und Privatleben als Herausforderung empfanden, größer war als derjenigen Studierenden, die die gegenteilige Selbsteinschätzung hatten. Die Ergebnisse von überdurchschnittlicher Stressbelastung der gesamten Stichprobe zeigen den Bedarf an Unterstützungsleistung und Aufklärung zur Minderung chronischen Stresses. Die Uhrzeiten von Vorlesungen und Prüfungen sollten Rücksicht auf die Chronotypen nehmen, um gleiche Bedingungen für alle unterschiedlichen Chronotypen herzustellen.
Marelina Hüls, Tabea Griesenbeck, Thomas Kantermann
10. Ereignisstudie und lineare Regression: Short Selling am deutschen Aktienmarkt – Eine empirische Analyse über den Zusammenhang der Veröffentlichung von Leerverkaufspositionen und Aktienrenditen
Zusammenfassung
Als Reaktion auf die Finanzkrise 2007/2008 hat die Europäische Union (EU) im Jahr 2012 die sogenannte „Leerverkaufsverordnung“ verabschiedet. Ziel dieser Verordnung ist es, einen einheitlichen und transparenten regulatorischen Rahmen für Leerverkäufe in der EU zu schaffen. Ein wichtiger Aspekt der Verordnung ist die darin eingeführte Veröffentlichungspflicht für wesentliche Netto-Leerverkaufspositionen. Bisherige Arbeiten zum Thema Leerverkäufe haben sich insbesondere mit dem amerikanischen Aktienmarkt beschäftigt, da für den europäischen Markt in dieser Granularität zuvor keine Daten verfügbar waren. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieser Arbeit, herauszufinden, ob die Veröffentlichung meldepflichtiger Leerverkaufspositionen einen nachweisbaren Einfluss auf die Aktienmarktrenditen am deutschen Aktienmarkt hat. Zunächst wird eine Ereignisstudie zur Ermittlung abnormaler Renditen durchgeführt. Im Anschluss wird eine Regressionsanalyse verwendet, um diese Renditen mithilfe geeigneter Variablen zu erklären. Der in der Studie verwendete Datensatz umfasst 6679 Ereignisse zu 58 verschiedenen Unternehmen des deutschen HDAX über einen Zeitraum von November 2012 bis Dezember 2017. Als Ergebnis dieser Arbeit ist festzuhalten, dass es sich bei den Marktteilnehmern, die ihre Leerverkaufspositionen veröffentlichen müssen, um gut informierte Investoren handelt, die gezielt abnormale Renditen auf Basis von Leerverkäufen generieren.
Jannis Kepper, Matthias Gehrke
11. Logistische Regression: Einflussfaktoren auf die Wahl einer privaten Hochschule
Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Wettbewerbs im Hochschulsektor gewinnt das Hochschulmarketing seit geraumer Zeit an Bedeutung. Dies gilt umso mehr für private Hochschulen in Deutschland, da üblicherweise anfallende Studiengebühren einen Wettbewerbsnachteil gegenüber staatlichen Hochschulen darstellen. Um eine zielgruppengerechte Ansprache von Studieninteressierten leisten zu können, müssen Erkenntnisse über die ausschlaggebenden Faktoren im Rahmen der Hochschulwahl vorliegen. Während insbesondere im englischsprachigen Raum schon länger nach den Motiven geforscht wird, fehlen für den deutschsprachigen Raum Erkenntnisse, die insbesondere private Hochschulen in den Fokus rücken. Daher wird in der vorliegenden Arbeit eine empirische Studie über die Entscheidungsmotive von Studierenden für die Wahl einer privaten Hochschule in Deutschland durchgeführt. Auf Grundlage des aktuellen Forschungsstandes und einer qualitativen Vorstudie wurde ein Untersuchungsmodell aufgestellt, welches an einem Datensatz von mehr als 600 Personen überprüft wurde. Die Analyse erfolgte mittels logistischer Regression. Einen positiven Einfluss auf die Entscheidung für eine private Hochschule haben insbesondere der Ruf der Hochschule, gute Berufsaussichten und die Qualität der Lehre. Kosten und auch Marketingmaßnahmen scheinen hingegen keine Rolle bei der Entscheidung zu spielen.
Nina Khan, Bianca Krol
12. Logistische Regression und Random Forests: Der Einfluss der Financial Literacy auf die Aktienmarktpartizipation in Europa
Zusammenfassung
Ziel des Beitrags ist die Ermittlung des Einflusses der Financial Literacy auf die Aktienmarktpartizipation in Europa. Dabei interessiert insbesondere die Variablenwichtigkeit der Financial Literacy unter Kontrolle einer Vielzahl weiterer Einflussgrößen. Frühere Studien stützen sich mehrheitlich auf eine einzige Klassifikationstechnik, in der Regel eine Form der Regression. Da die Variablenwichtigkeit aber von der verwendeten Methode abhängen kann, kommt in diesem Beitrag neben der traditionellen logistischen Regression die Random-Forest-Technik zum Einsatz, die zu den Machine-Learning-Verfahren zählt. Die Analyse basiert auf den Daten der siebten Befragungswelle des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), die 2019 veröffentlicht worden sind. Die Ergebnisse sowohl der logistischen Regression als auch des Random Forests zeigen, dass die Prognosegenauigkeit für die Aktienmarktpartizipation zwar zunimmt, wenn die Financial Literacy berücksichtigt wird. Jedoch leisten Kontrollvariablen wie die individuelle Risikoeinstellung und Dummy-Variablen, die die Region des Wohnorts der Befragten abbilden, einen deutlich höheren Erklärungsbeitrag als Financial Literacy.
Anna Maria Matthies, Joachim Rojahn
13. Kovarianzstrukturanalyse: Analyse der Einflussfaktoren auf die Akzeptanz autonomer Automobile in Deutschland
Zusammenfassung
Durch die fortschreitende technologische Entwicklung rücken autonome, selbstfahrende Autos immer mehr in den Fokus einer zunehmend breiten Öffentlichkeit. Während erste technische Lösungen bereits verfügbar sind, stellt sich auch die Frage, ob es ein Marktpotenzial für autonome Autos gibt. Vor diesem Hintergrund ist die Kenntnis von Einflussfaktoren auf die Akzeptanz dieser Technologie von zentraler Bedeutung. In der vorliegenden Studie werden potenzielle Einflussfaktoren auf die Akzeptanz aus bisherigen Erkenntnissen abgeleitet und in einer Onlinebefragung mit mehr als 200 Teilnehmenden hinsichtlich eines signifikanten Einflusses auf die Akzeptanz geprüft. Die Analyse erfolgte mit Methoden der Strukturgleichungsmodellierung, hier insbesondere der Kovarianzstrukturanalyse, als Verfahren zur Prüfung der Hypothesen. Als wesentlich für die Akzeptanz stellt sich die wahrgenommene Nützlichkeit der autonomen Autos heraus, während der empfundene Spaß am Fahren eher hinderlich für die Akzeptanz ist. Aspekte der Sicherheit, empfundene Überwachung durch Digitalisierung sowie ethische Aspekte hingegen weisen keinen Einfluss auf die Akzeptanz auf.
Thomas Kröller, Joachim Schwarz
14. Partial Least Squares (PLS-SEM): Analyse der Einflussfaktoren auf die Akzeptanz mobiler Kundenkarten in der Generation der Digital Natives
Zusammenfassung
Kundenkartenprogramme gehören seit Jahren zu den Instrumenten der Kundenbindung. Die begrenzte physische Mitführbarkeit und fortschreitende Digitalisierung führte zur Entwicklung der mobilen Kundenkarte. Es stellt sich somit die Frage, welche Faktoren die Akzeptanz der mobilen Variante beeinflussen. Dies gilt insbesondere für die Generation der Digital Natives, welche sich besonders affin für mobile Anwendungen zeigt. Grundlage der Untersuchung bildet das Technology Acceptance Model (TAM) von Davis (1989), welches literaturbasiert erweitert wurde. Zur Modellprüfung wurden primäre Daten mittels einer Onlinebefragung generiert und mit PLS-SEM ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die finanziellen Vorteile als auch die permanente Verfügbarkeit auf die Nützlichkeit einwirken. Auch die Meinung dritter Personen sowie eine einfache Bedienbarkeit besitzen hier einen Einfluss. Im Einklang mit dem Privacy Paradoxon haben Vorbehalte gegenüber der Nutzung persönlicher Daten keinen negativen Impact.
Sandra Schneider, Silvia Boßow-Thies
15. Partial Least Squares (PLS-SEM): Eine Analyse mithilfe von plspm in R
Zusammenfassung
Für die Durchführung einer PLS-SEM-Analyse stehen unterschiedliche Software-Lösungen zur Verfügung. Hierunter fallen verschiedene, auf PLS-SEM spezialisierte Angebote. Darüber hinaus ist eine Analyse auch mit R unter Heranziehung z. B. des Paketes plspm möglich. Für eine Anwendung mit R spricht insbesondere die Integration aller Datenanalyseschritte von der Datenbereinigung und -aufbereitung, über explorative Datenanalysen bis hin zur eigentlichen Durchführung des PLS-Algorithmus mit der Gütebeurteilung der Messmodelle sowie des Strukturmodells. Als nachteilig gegenüber spezialisierten Software-Lösungen werden die komplexeren Anforderungen im Coding empfunden. Aus Masterandensicht stellt die Verwendung von unbekannten R Codes z. T. ein Hemmnis dar. Der vorliegende Beitrag zeigt eine schrittweise PLS-SEM-Analyse mit R anhand eines konkreten Beispiels aus einer Masterarbeit und gibt eine Hilfestellung für die eigene Umsetzung.
Silvia Boßow-Thies, Bianca Krol

Ausblick

Frontmatter
16. … oder doch lieber ein qualitatives Untersuchungsdesign? Einblicke in die qualitative empirische Sozialforschung
Zusammenfassung
Bei der Planung einer Studie, z. B. im Rahmen einer empirischen Abschlussarbeit, ist die Wahl eines geeigneten Untersuchungsdesigns von essenzieller Bedeutung. Je nach Forschungsgegenstand eignen sich unterschiedliche Ansätze zur Untersuchung des relevanten Phänomens. Die Stärke qualitativer Forschung und ihrer Methoden ist ihre Offenheit für neue und disruptive Fragestellungen und damit ihr Beitrag zur Untersuchung unbekannter Sachverhalte. Ausgehend von einer wissenschaftstheoretischen Einordnung qualitativer empirischer Sozialforschung gibt der folgende Beitrag Einblicke in den qualitativen Forschungsprozess. Die Ausführungen orientieren sich entlang der Studienplanung und richten den Fokus auf das Verfassen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten. Angefangen von der Frage nach einem geeigneten Forschungsdesign, der Stichprobengenerierung, der Wahl adäquater Datenerhebungs- und Analysemethoden bis hin zur Diskussion wissenschaftlicher Gütekriterien werden wichtige Ansätze und Methoden vorgestellt und diskutiert.
Anja Liebrich, Wolfgang Neubarth
17. Empirisch-quantitative Abschlussarbeiten – Ein Blick nach vorne
Zusammenfassung
Empirische Abschlussarbeiten haben sich im Laufe der Zeit verändert. So haben sich Forschungsfragen gewandelt, aber auch die Möglichkeiten der Datennutzung und Datenanalyse werden in den letzten Jahren immer vielfältiger. Die Replikationskrise und die anhaltenden Fehlinterpretationen von statistischen Ergebnissen sind Herausforderungen, die auch Erstellerinnen und Ersteller von Abschlussarbeiten betreffen. Aktuell steht z. B. der p-Wert in der Kritik, die auch in Abschlussarbeiten Beachtung finden sollte. Neue Möglichkeiten hingegen ergeben sich beispielsweise unter den Schlagwörtern Big Data, Künstliche Intelligenz und Open Science. In diesem kurzen Kapitel wird ein kleiner Ausblick versucht, wie die Kritik und die Möglichkeiten im Zusammenhang mit Abschlussarbeiten aufgegriffen werden können. Insbesondere werden Hinweise auf vertiefende Literatur gegeben.
Karsten Lübke, Bianca Krol
Metadaten
Titel
Quantitative Forschung in Masterarbeiten
herausgegeben von
Prof. Dr. Silvia Boßow-Thies
Prof. Dr. Bianca Krol
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-35831-0
Print ISBN
978-3-658-35830-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-35831-0