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18.11.2021 | Quantum Computing | Im Fokus | Onlineartikel

Finanzindustrie hat Quantencomputing auf dem Schirm

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Quantencomputing gilt als Enabler der Informationsverarbeitung. Eine aktuelle Umfrage hat nun ermittelt, dass sich vor allem Finanzdienstleister davon Vorteile versprechen. Dennoch bleiben konkrete Pläne und Maßnahmen in der Praxis noch selten. 

"Die Forschungsergebnisse und erste praktische Anwendungsmodelle haben gezeigt, dass Quantencomputing vielversprechende Ansätze liefert und zum Gamechanger in Industrie und Wirtschaft werden kann. Der Vorteil der neuen Technologie liegt in ihrer enormen Leistungsfähigkeit, die klassisches Computing auf kurz oder lang übertrumpfen wird", erläutert Thomas Ehmer in einem Gespräch mit der Zeitschrift "Digitale Welt" (Ausgabe 4 | 2021). Der promovierte Biophysiker untersucht im Forschungs- und Entwicklungsbereich von Merck neue Technologien wie neuromorphes Computing und Quantentechnologie auf ihren möglichen Wertbeitrag. 

Laut einer aktuellen Umfrage von Sopra Steria und dem FAZ Institut gehen 24 Prozent der mehr als 150 befragten Entscheider aus Industrie, Banken und öffentlichen Einrichtungen davon aus, dass der Einfluss von Quantencomputing bereits 2025 spürbar werde. Mit Blick auf das Jahr 2030 sind sogar 64 Prozent davon überzeugt. 

Kaum konkrete Maßnahmen in Sachen Quantencomputing 

Unter den befragten Führungs- und Fachkräften aus der Finanzdienstleistung glauben 59 Prozent, dass die neue Technologie für ihrer Branche "relevant" oder sogar "sehr relevant" ist. Und immerhin 51 Prozent meinen, dass das auch für das eigene Unternehmen gilt. Im verarbietenden Gewerbe geben nur 19 Prozent eine Branchenrelevanz an und gerade einmal 15 Prozent gehen von einer Bedeutung für den eigenen Betrieb aus. 

Allerdings bleiben laut Studie konkrete Pläne und Strategien meist in der Schublade. Fast die Hälfte aller Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in Deutschland belasse es im Hinblick auf Quantencomputing derzeit bei einer Beobachtung des Marktes. "Es gibt ein gewaltiges Gap zwischen der Rolle, die Quantentechnologie künftig spielen wird, der Erwartungshaltung der Unternehmen und ihren eigenen Vorbereitungen", so Matthias Frerichs, Leiter Unit Digital Banking Sopra Steria. Dabei werde laut Umfrage die beschleunigte und effizientere Verarbeitung komplexer Daten vor allem in der IT (70 Prozent), im Finance- und Controlling-Bereich (59 Prozent) und in der Forschung (49 Prozent) der Finanzbranche künftig eine große Rolle spielen. 

Qantum Applications als Instrument im Risikomanagement

Konkrete Anwendungsbeispiele, wie Quantum Applications die Finanzindustrie verändern können, nennen Dominik Friedel, Juris Ulmanis, Niklas Hegemann und Christopher Zachow in der Zeitschrift "Digitale Welt" (Ausgabe 4 | 2021): 

Bei der Optimierung eines Investmentportfolios gilt es eine Vielzahl von Parametern zu berücksichtigen. Eine Investitionssumme soll auf verschiedene Assets so verteilt werden, dass ein hoher Return on Investment erzielt und gleichzeitig das Risiko minimiert wird. Sollen dabei jedoch diskrete Stückzahlen berücksichtigt werden, liefern klassische Algorithmen trotz langer Laufzeiten meist keine optimalen Ergebnisse. Gilt es nun auch noch stochastische Werte, wie zum Beispiel Zinsentwicklungen, wirtschaftliche Faktoren und Unsicherheiten bei der erwarteten Rendite als Eingangsparameter zu berücksichtigen, wird aus dem gemischt-ganzzahligen ein stochastisches Optimierungsproblem. In diesem Fall können Quantencomputer die Unsicherheiten der Eingangsparamater innerhalb der Optimierung berücksichtigen, um damit die kombinatorische Optimierung effizienter zu lösen und bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit zu erzielen."

Optimierte Evaluation von Risiken und Finanzinstrumenten

Das gleiche gelte auch für "hochdimensionale Monte-Carlo-Simulationen, wie sie beispielsweise für die Evaluation von Finanzinstrumenten genutzt werden". Hierzu müssen Millionen unterschiedlicher Szenarien entwickelt und deren Ergebnisse kalkuliert werden. Das Ergebnis ist eine Verteilung, aus der Risikokennzahlen und Erwartungswerte hervorgehen. 

"Mittels Quantenalgorithmen kann die Simulation der Szenarien und der damit verbundenen Risiken deutlich beschleunigt beziehungsweise durch die Berücksichtigung einer größeren Anzahl an Möglichkeiten genauer kalkuliert werden." Mit diesen Simulationen lassen sich den Autoren zufolge nicht nur Derivate genauer bepreisen, sondern auch alle Arten von Risiken - etwa systemische oder Kreditrisiken.

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