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2017 | Buch

Radio-Journalismus

Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk

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Über dieses Buch

Wie kommen Sie zum Radio? Was müssen Sie lernen und können um beim modernen Radio Erfolg zu haben? „Radio-Journalismus“ sagt Ihnen, was Sie brauchen und zeigt Ihnen, wie es geht.
Wie werden z. B. Interviews geführt oder O-Ton-Berichte gemacht? Wie wird für das Radio geschrieben, wie moderiert? Wie werden Radio-Nachrichten gestaltet, Texte gesprochen oder die Musiktitel ausgewählt? Wie wird beim Radio crossmedial gearbeitet?
Das Standard-Handbuch für die Radio-Ausbildung führt mit handfesten Anleitungen in die gesamte Radio-Praxis ein. Es beschreibt alle Ausbildungsmöglichkeiten und bringt praktische Tipps für Hospitanz, Praktikum und Volontariat beim Radio. Die Autoren sind zumeist selbst erfolgreiche Radio-Macher. Viele unterrichten außerdem an Journalistenschulen, Universitäten und sonstigen Ausbildungseinrichtungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Radio-Journalist werden

Günther Jauch war Radio-Journalist. Mehr Popularität und Geld hat ihm das Fernsehen verschafft, mehr Spaß an der Arbeit früher das Radio: ″Es ist das Medium, in dem ich am stärksten das umsetzen kann, was ich mir gerade im Moment vorstelle.″Über ein Praktikum zum Radio. ″Einfach mal anfragen″, wie Günther Jauch es tat? Es hängt von den Ansprüchen der betreffenden Radio-Station bzw. des Redaktionsleiters und von der eigenen Qualifikation ab, ob man damit Erfolg hat. Versuchen kann man es also – aber heute ist in aller Regel der Weg über ein Praktikumzielführend.

Walther von La Roche

Sprache und Sprechen

Frontmatter
Fürs Hören schreiben

Fürs Lesen zu schreiben, lernen und üben wir von der ersten Kinderpostkarte an. Gymnasium und Hochschulseminare oder die Geschäftskorrespondenz verfestigen bei jedem von uns die Vorstellung davon, wie man sich auszudrücken hat. Wenn wir unsere ersten Beiträge fürs Radio schreiben, also sollten wir zunächst einmal stutzen und innehalten. Denn fürs Hören schreiben, also einen Text verfassen, der leicht gesprochen und gehört werden kann, ist für uns ja etwas Ungewohntes.Zum Hörer sprechen. Dass Sprache von Sprechen kommt, dass wir mit jedem Radiotext zum Hörer sprechen, diese eigentlich banale Erkenntnis wird oft nicht genug beachtet. Wenn wir uns um ein Schreiben‐Wie‐Geredet bemühen wollen, hat das nicht mit einer selbstverliebten Perfektionierung des Sprechmediums Radio zu tun, sondern schlicht mit dem Wunsch, dass der Hörer besser verstehen kann, was wir ihm sagen. Also müssen wir uns die Situation des Hörers klarmachen, die so ganz anders ist als die des Lesers.Weil wir die Situation des Hörers nicht ändern können, müssen wir unseren Schreibstil ändern, ihn anpassen an die unveränderbaren Gegebenheiten des Hörens, genauer: des Radiohörens.

Walther von La Roche
Das Manuskript

Radiotexte müssen so geschrieben sein, dass alle mühelos damit zurechtkommen – der Autor/Berichterstatter bei der Präsentation (egal, ob vom Blatt oder vom Bildschirm), der Techniker (wenn es ihn noch gibt) beim Fahren der Sendung oder der Sprecher und der Regisseur bei der Feature‐Produktion.Die äußere Gestaltung des Radio‐Manuskripts ist also eine wichtige Voraussetzung für die gelungene Präsentation, Produktion und Mehrfachnutzung von O‐Ton‐Beitrag, Kommentar oder Hintergrundbericht. Unübersichtliche Texte provozieren Versprecher, falsche O‐Ton‐Einspielungen und Überlängen beanspruchen die Aufmerksamkeit, die man vor dem Mikrofon besser nutzen sollte:für die richtige Sprechhaltung und Stimmlage,für das Mithören der eingespielten Originaltöne undfür die Konzentration auf den Inhalt des Textes.Textdauer kontrollieren. Weil Autoren meist zu Überlängen neigen, muss schon während des Schreibens die Textdauer im Auge behalten werden. Dafür gilt die Faustregel: 15 Zeilen zu je 60 Zeichen – beim PC: rund 1000 Zeichen – ergeben eine Sendeminute. Das setzt allerdings voraus, dass alle Zahlen, Maßangaben und andere Abkürzungen ausgeschrieben werden. 155.000 ist nämlich im geschriebenen Text kürzer, als Einhundertfünfundfünfzigtausend beim Sprechen Zeit erfordert.Ausgeschriebene Zahlen im Manuskript sind versprecherträchtig. Wenn man sie deshalb vermeidet, muss man bedenken, dass der Text länger ist als es die Zeichenzahl signalisiert.

Birgit Schamari
Das Manuskript sprechen

Radio‐Journalisten müssen ihre Texte am Mikrofon präsentieren können. Professionelle Sprecherziehung vermittelt die Fertigkeiten dafür. Die folgenden Hinweise geben eine erste Orientierung.In Augenhöhe zum Hörer sprechen! Ob 10.000 Menschen zuhören oder eine halbe Million – der Sprecher »im« Radio und der Hörer davor sind meist miteinander allein. Aus der Sicht des Hörers ist Radio immer Kommunikation »1‐zu‐1«. Warum also am Mikrofon anders sprechen als im persönlichen Gespräch?Sich einen konkreten Hörer vorstellen für eine natürliche Ansprechhaltung.Sich wohlfühlen mit Text und Sprechsituation.Keine Rolle spielen. Keine Vorbilder kopieren. Niemanden nachahmen.Sprechen, nicht vorlesen! Das Manuskript ist nur Erinnerungsstütze. Deshalb, wann immer möglich, sich mit den Augen vom Blatt lösen. Sprechen, als formuliere man den Text gerade eben in diesem Augenblick. Den Inhalt mitvollziehen beim Sprechen.Lebhaft und zügig sprechen! Schleppendes Tempo unterfordert und langweilt den Hörer – er schaltet ab. Das geschieht auch, wenn das Tempo zu hoch ist. Dann nämlich wird es unmöglich, dem Text zu folgen. Das Sprechtempo ist formatabhängig: höher in »jüngeren«, geringer in »älteren« Formaten. Das Tempo muss atmen, d. h. zum Gewicht der jeweiligen Textstelle passen: Zentrale Passagen werden im Tempo zurückgenommen, solche mit geringerer Informationsdichte rascher präsentiert.

Norbert Linke
Frei sprechen

Warum sollte ein Radiomoderator überhaupt frei sprechen? Es sieht ihn ja niemand. Er kann doch alles aufschreiben und vorlesen. Das ist doch viel einfacher.Auf den ersten Blick ist das Lesen einfacher – aber nur auf den ersten. Tatsächlich ist das Vorlesen eines Textes eher etwas für Schauspieler als für Journalisten. Der Text soll nämlich so klingen, als sei er frei gesprochen. Das ist schwieriger, als es zunächst aussieht. Denn egal ob ich die Sätze herunterleiere, oder falsche Pausen und Melodien einbaue oder falsche Worte betone: Es gibt unzählige Möglichkeiten, an denen nicht nur der Profi sofort erkennt, dass hier ein Laie seine Moderationstexte abliest.Aufgeschriebene Stichworte, die den Moderator an Sätze erinnern, die er sich vorher ausgedacht hat, haben denselben Effekt. Ich lese diesmal nicht vom Blatt, sondern lese in meinem Gedächtnis. Beim freien Sprechen, wie ich es in diesem Beitrag verstehe, geht es nicht darum, dass der Moderator oder Interviewer keinen Zettel in der Hand hat – das wäre im Radio ohnehin egal. Stattdessen:Beim freien Sprechen im Radio soll der Sprecher den Gedanken in dem Moment formen, in dem er auf Sendung ist oder sein Beitrag aufgezeichnet wird.Freies Sprechen hat viele Vorteile:

Michael Rossié
Moderieren

Moderatoren sind oft stundenlang zu hören, viele in sog. »Schienen« immer zur selben Zeit, Tag für Tag. Dadurch werden sie die populärsten, beliebtesten und in den Begleitprogrammen (meist auch) bestbezahlten freien Radio‐Mitarbeiter. Das Wort Moderator kam aus den USA in die deutsche Radio‐Sprache und bedeutet »Vermittler« oder »Mittelsmann«. Moderatoren »vermitteln« den Hörern das Radio‐Programm. Auch was im lateinischen Wortursprung steckt, passt: »lenken«, »leiten«.»Moderator/in« ist kein Beruf, zumindest nicht im journalistischen Bereich, sondern nur eine Form journalistischer Arbeit beim Radio. Die Chance dazu bekommt oft erst, wer zuvor erfolgreich als Redakteur, Reporter oder Nachrichten‐Präsentator gearbeitet hat und natürlich die erforderlichen Voraussetzungen mitbringt. Dennoch gibt es immer wieder auch »Blitzkarrieren«, besonders bei kleineren Privatsendern, bei jungen Formaten und bei Musik‐und Unterhaltungsmoderatoren. Da geben dann Stimme und Talent den Ausschlag, auch Mut und Hartnäckigkeit bei der Bewerbung.Moderatoren/innen werden auf den Internet‐Seiten der Sender meist heraus‐ und vorgestellt. Dort finden sich oft auch interessante Informationen zum Werdegang.Die Grundanforderungen an Moderatoren sind überall dieselben, unabhängig von Sender und Einsatzgebiet – allerdings unterschiedlich gewichtet je nach Programm‐Format. Sie müssen:

Axel Buchholz
Moderationen schreiben

Viele im Radio schreiben ihre Mods vorher komplett auf und lesen sie vom Manuskript oder vom Bildschirm ab. Im Fernsehen werden die Mod‐Texte in aller Regel vom Teleprompter gelesen. Begründet wird dasmit der Kürze der für Mods zur Verfügung stehenden Zeit (freies Sprechen ist redundanter),damit, dass sich anspruchsvolle Inhalte nur schlecht beim freien Sprechen vermitteln ließen (z. B. in Kulturprogrammen),damit, dass geschliffene Formulierungen und besondere Wort‐Prägungen beim freien Sprechen kaum gelingen,mit dem Restrisiko, das mit frei gesprochenen Live‐Moderationen immer verbunden ist.Wer seine Mods vorliest, sollte dabei aber keinesfalls wie ein Vorleser klingen, weil es nicht der natürlichen Kommunikation entspricht, sich gegenseitig etwas vorzulesen – und der Hörer sich deshalb weniger »angesprochen« fühlen würde (vgl. Beitrag »Moderieren«).Es erfordert viel Übung und auch gewisse schauspielerische Fähigkeiten, Texte so zu lesen, dass sie wie frei gesprochen wirken (vgl. Beitrag »Das Manuskript sprechen«).Im Sprechstil schreiben ist außerdem eine wichtige Voraussetzung, wenn Moderatoren ihre komplett aufgeschriebenen Texte »ansprechend« präsentieren wollen. Hinweise dafür finden sich in den Beiträgen »Fürs Hören schreiben« und »Frei sprechen« (vgl. dort).Verschiedene Arten von Moderationen (Mods) gibt es:An‐ und Abmoderationen von Beiträgen,Zwischenmoderationen (s. dazu Beitrag »Moderieren«),Service‐Moderationen (s. dazu Beitrag »Moderieren«),Pflichtmoderationen (s. dazu Beitrag »Moderieren«),Unterhaltsame Moderationen/Bunte Meldungen.

Axel Buchholz
Moderatoren-, Reporter-, Kollegen- und Hörergespräch

Der Sprachgebrauch für diese journalistische Darstellungsform ist in den Redaktionen nicht einheitlich. Dennoch lässt sich sagen: Moderatoren‐Gespräche (manchmal salopp auch »Talk« genannt) sind als Oberbegriff alle Interviews, die der Moderator führt, egal ob mit einem Sender‐Kollegen oder einem externen Interviewpartner. Der Partner kann dabei mit dem Moderator im Studio sitzen oder mit ihm über Leitung/Telefon verbunden sein. Unterformen definieren sich nach den Interview‐Partnern.

Axel Buchholz
Musik-Moderation

Anhand der Musik wählen Hörer in erster Linie ihr Radioprogramm aus. Musik ist also extrem wichtig, weil sie der Einschaltimpuls zur Senderwahl ist (vgl. »Formate für Begleitprogramme« und »Medienforschung für den Hörfunk«). Gleichzeitig kann sie natürlich auch Ausschaltimpuls sein – die Kehrseite der Medaille. Deshalb muss man in jedem musikorientierten Programm sensibel und respektvoll mit der Musik umgehen, im besten Sinne liebevoll. Dies gilt für die Musikpositionierung und als einem wichtigen Teil davon auch für die Musik‐Moderation.Bei der Musik‐Moderation (wie zuvor bei der Musik‐Auswahl) gilt es zu bedenken, dass die Musik für die Hörer ein wichtiges Stimmungsregulativ ist. Sie kann (und soll das auch) schlechte Laune vertreiben oder gute verstärken, sie kann abends die Entspannung fördern oder morgens die Schlaftrunkenheit vertreiben, sie kann Abgeschlaffte wieder in Schwung bringen, Verliebte verliebter oder Träumerische verträumter machen.Den jeweiligen »Charakter« eines Titels, seine »Farbe« machen Tempo, Rhythmus, Intensität und Anmutung aus. Diesen Charakter muss die Musik‐Moderation berücksichtigen. Sie kann ihn verstärken oder abschwächen, immer aber muss ein guter und sensibler Moderator ihn aufnehmen. Er passt dazu den Klang seiner Stimme, die Intensität und das Tempo seiner Moderation der Musik an – und manchmal auch den Inhalt seiner Moderation.

Roland Welling
Aircheck

Nicht nur für den Moderations‐Anfänger ist dauernde Schulung wichtig, sondern auch für »Profis« am Mikrofon. Aircheck nennt sich diese Form des permanenten Moderatoren‐Trainings, das in jeder Station ausgiebig gepflegt werden sollte.Im Selbstfahrer‐Studio sind die Mikrofontaste oder der Mikrofonregler mit einer digitalen Aufzeichnungseinheit gekoppelt. Das Programm wird immer dann aufgezeichnet, wenn das Mikrofon des Moderators offen ist. Die langen Musikpassagen fehlen. Neue Geräte zeichnen alles auf (dazu auch die Studiokamera sowie viele Konkurrenzprogramme). Sekundengenau sind die einzelnen Programmteile ansteuerbar. Auf PCs im Funkhaus können sie abgehört werden.Nach der Sendung verfügt der Moderator über seinen persönlichen Aircheck, einen Mitschnitt, auf dem seine eigenen Sprechanteile festgehalten sind.Durch das kritische Abhören seines Airchecks sollte sich jeder Moderator regelmäßig kontrollieren. Technische Unsauberkeiten, sprachliche Ausrutscher, Längen oder Schwierigkeiten beim Live‐Interview werden so deutlich. Wichtig gerade auch für erfahrene Moderatoren: Kleine Fehler und Angewohnheiten, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen haben, können erkannt und beim nächsten Mal korrigiert werden (vgl. Beitrag »Moderieren«). Dies gilt für alle Sender – besonders aber für streng formatierte, in denen die Einhaltung der vereinbarten Programmstandards (Art und Länge der Moderation, »Fahren« der Sendung, Einsatz von Jingles) sehr ernst genommen wird.

Hans-Dieter Hillmoth

Beiträge und Darstellungsformen

Frontmatter
Umfrage/Vox Pop

Sagen Sie mir mal bitte fürs Uni‐Radio, was Sie so über Radio‐Umfragen auf der Straße denken?So etwa könnte die Frage für eine Umfrage gestellt werden. Die Antworten ergeben dann ein zufälliges Meinungs‐ oder Stimmungsbild.Umfragen sind nicht repräsentativ. Da nur eine kleine Zufallsauswahl von Passanten befragt wird, geben solche Umfragen, auch »Vox Pop« genannt (vox populi, Volkes Stimme), wirklich nur wieder, was die jeweils Befragten denken. Deshalb darf auch durch An‐ oder Abmoderation nicht der Eindruck erweckt werden, als sei dies die Meinung »aller«, als denke »man« so. Also nicht: Hier, was die Thüringer darüber denken … Stattdessen z. B.: Hier, was Erfurter auf der Krämerbrücke dazu gesagt haben … Wer besonders gewissenhaft sein will, kann ausdrücklich auf den Zufallscharakter hinweisen.Der Stellenwert im Programm wird dadurch nicht beeinträchtigt. Umfragenvermitteln einen Eindruck davon, welche unterschiedlichen Meinungen es zu einem Thema gibt,geben diese Meinungen ungeschminkt und offen in Alltagssprache wieder,wirken authentisch, z. B. auch durch Äußerungen im Dialekt oder durch Beispiele/Begründungen aus den Alltagserfahrungen der Befragten,zeigen, dass das Programm die Bürger (und damit die Hörer) ernst nimmt und haben oft auch Unterhaltungswert.Umfragen können so im Programm Moderationen »illustrieren«, Berichte mit O‐Ton (vgl. dort) und andere Darstellungsformen ergänzen oder einen Aufhänger liefern für die Behandlung des Themas in einer anderen Form, etwa einer Experten‐Diskussion (vgl. Beitrag »Diskussion«).

Axel Buchholz
Nachrichten-Minute/Aufsager

Nachrichten‐Minuten sind kurze Berichte, oft ebenfalls Aufsager genannt, die immer häufiger auch einen O‐Ton enthalten. Sie werden vor allem in O‐Ton‐Nachrichten verwendet (vgl. Beitrag »Nachrichten‐Präsentation«). Im Privatfunk werden sie auch Einsprecher, Nachrichtenstücke, Korri‐Ns, oder Kurz‐Korris genannt. In Österreich heißen sie »Shortys«. Sie werden vom Journalisten geschrieben und selbst gesprochen.Eine nachrichtliche Darstellungsform ist der Aufsager. Er stellt im Prinzip eine längere Meldung dar, die mit Details oder Hintergrund angereichert ist. Aufsager enthalten deshalb keine kommentierenden Elemente. Die Länge der Aufsager richtet sich nach dem jeweiligen Nachrichten‐Format und liegt heute zwischen 25 und vierzig Sekunden.Als Zulieferer von Aufsagern gibt es die Korrespondenten (vgl. Beitrag »Korrespondentenbericht aus dem Ausland«).Reporter vor Ort und Mitarbeiter in der Redaktion, die sich eines Themas annehmen. Von Redaktions‐O‐Ton oder auch R‐Ton spricht man dann. In diese Redaktions‐O‐Töne können auch szenische Details aus dem Agenturmaterial eingearbeitet werden, die in einer rein vom Nachrichtensprecher gelesenen Nachricht keinen Platz finden würden.Experten.

Georg Diedenhofen
Atmo und Geräusche

Wenn Ohren Augen machen sollen, also »Kino im Kopf« entstehen lassen sollen, dann sind Atmo und Geräusche eine wichtige Hilfe dabei.Atmo(sphäre) ist die Bezeichnung für die allgemeinen Umweltgeräusche eines Ortes.Die Atmo setzt sich aus einzelnen Geräuschen zusammen. Die eines Hallenbades z. B.: Stimmengewirr, gelegentliches Gelächter, Kinderschreie und Zurufe, Wasserplätschern, das Klappen des Sprungbretts, Platscher ins Wasser, ein stimmgewaltiger Ordnungsruf des Bademeisters, alles hallig (nach großem kahlen Raum klingend). Diese einzelnen Geräusche zusammen machen den »akustischen Steckbrief« eines Hallenbades aus. Durch diese Atmo entsteht vor dem geistigen Auge des Hörers die Vorstellung eines Hallenbades.Atmo transportiert eine Aussage, malt uns akustisch ein Bild in den Kopf. Sie kann eingesetzt werdenals kurze eigenständige nonverbale akustische Information, die langsam unter dem beginnenden Text weggeblendet wird. Sie besagt: »Wir sind jetzt in einem Hallenbad«. Der Text wiederholt diese Aussage dann nicht, sondern führt gleich weiter: Am Sonntagvormittag ist im städtischen Hallenbad fast immer Hochbetrieb …um eine Textpassage zu unterstützen. Der Text beschreibt ein neues Hallenbad. Die Hallenbad‐Atmo wird unter diesen Text gelegt (geblendet) und verstärkt so seine Wirkung.Ebenso kann Atmo die Aussage eines O‐Tons unterstützen.Für einen O‐Ton »Ordnungsruf des Bademeisters« gibt es folgende Möglichkeiten:

Axel Buchholz
O-Ton

Reporter: Wissen Sie, was ein O‐Ton ist? Passanten: Nee, keine Ahnung! O‐Ton? Ich nehme an, das ist ein Selbstlaut, der nach dem A‐Ton kommt? Ein O‐Ton – nee, tut mir leid! Nee, ich nich verstehn, ich Italiener. Da müssen Sie mir erst sagen, ob das naturwissenschaftlich ist oder überhaupt von den Naturwissenschaften kommt. Ein O‐Ton? Einen Ton mit einem »O« gibt es nicht (aus einer Straßenumfrage von Studenten des Journalistischen Seminars der Universität Mainz).O‐Ton (Original‐Ton) ist im Radio‐Journalismus der Fachausdruck für authentische Wort‐Aufnahmen: kleine Ton‐Dokumente.O‐Töne zu beschaffen, ist nicht selten eine der ersten Aufgaben von Hospitanten oder Praktikanten in einer Radio‐Redaktion. O‐Töne können sein:speziell eingeholte Statements,ohne Aufforderung des Journalisten gesprochene Wort‐Passagen (»belauschtes Leben«),Ausschnitte aus Interviews, Reden und Pressekonferenzen,Wort‐Passagen aus Archivmaterial.Das Statement (meist einfach als O‐Ton bezeichnet) ist eine gezielt von einem Journalisten zur Ausstrahlung im Original‐Ton eingeholte kurze Stellungnahme. Statements werden in Moderationen einbezogen, ergänzen Text‐Meldungen in den Nachrichtensendungen (vgl. Beitrag »Nachrichten‐Präsentation«) und sind Bestandteile von O‐Ton‐Berichten, Features und Dokumentationen (vgl. jeweils dort).Auch im politischen Sprachgebrauch gibt es »Statements«, kurze amtliche/offizielle Erklärungen oder Verlautbarungen. Beim Radio‐ oder Fernseh‐Statement geht die Initiative dagegen vom Journalisten aus.

Axel Buchholz
O-Ton-Bericht/Bericht mit Einblendungen

Der O‐Ton‐Bericht (abgekürzt »OTB«) ist eine der wichtigsten Darstellungsformen im Radio‐Journalismus geblieben – auch wenn das Moderatorengespräch (vgl. dort) in den Begleitprogrammen häufig an seine Stelle getreten ist. O‐Ton‐Berichte werden auch »BME« (Bericht mit Einblendungen) genannt. Die ebenfalls übliche Bezeichnung »gebauter Beitrag« ist weniger spezifisch und umfasst auch das Mini‐Feature und die O‐Ton‐Collage (vgl. jeweils dort).Im O‐Ton‐Bericht verbinden sich die Prägnanz des Berichts und die Authentizität und Lebendigkeit des O‐Tons zu einer radiogemäßen Form.Er eignet sich dadurch nicht nur für die aktuelle Berichterstattung in den massenattraktiven Begleitprogrammen, sondern auch für die Fachredaktionen der Einschaltprogramme.Die Vorteile der O‐Ton‐Berichte überzeugen. Sie sindweniger weitschweifig als das bei Interviews der Fall sein kann undweniger trocken als ein reiner Bericht.Nachteile gibt es aber auch:Die Produktion von O‐Ton‐Berichten kostet Zeit und entsprechend ausgebildete journalistische Mitarbeiter – damit also Geld. In manchen Sendern/Redaktionen fehlt es daran.Manchem erscheinen O‐Ton‐Berichte zu wenig unmittelbar und locker.Als rein journalistische Form beißen sie sich mit Radio‐Konzepten, die eher auf Infotainment ausgerichtet sind.

Axel Buchholz
Tipps und Checkliste für den ersten O-Ton-Bericht

Immer wieder zeigt sich, dass Journalistenschülern und Journalismus‐Studenten die ersten O‐Ton‐Berichte besser gelingen, wenn sie möglichst systematisch Schritt für Schritt vorgehen.Thema und Inhalt muss genau überlegt sein. Und dies sollte schon geschehen, bevor man den Beitrag in der Redaktion anbietet. Dazu gehört es, sich diese selbst gestellten Fragen zu beantworten: Trägt das Thema? Habe ich genug Stoff dafür? Bekomme ich interessante O‐Ton‐Geber? Wie lange brauche ich dafür?Das Thema eingrenzen. Versuchen Sie, in einem Satz zu formulieren, worüber Sie im Rahmen Ihres Themas informieren wollen. Solch ein »Erzählsatz« könnte z. B. lauten:»Ich will darüber berichten, welche Erfahrungen in der Tanzschule Blau‐Gelb mit dem neuen Modetanz gemacht wurden und welche Zukunft man ihm dort gibt.«Es schadet nicht, solch einen Satz wirklich aufzuschreiben. Das zwingt Sie, Ihr Informationsziel zu durchdenken und klar zu bestimmen. Es verhindert, dass Sie sich im Thema verlieren.Ideen für den Inhalt entwickeln. Machen Sie ein Brain‐Storming mit sich selbst darüber, was Sie in der Tanzschule im Einzelnen erfahren/erfragen wollen: Wie kommt der Tanz an? Bei welcher Altersgruppe besonders? Warum wird er gern getanzt? Warum nicht? Ist es schwer, ihn zu lernen? Warum, warum nicht? Was hilft dabei? Wie lange braucht man? Hat es Probleme beim Lernen/Tanzen gegeben? Welche? Wird der Tanz sich durchsetzen? Wer hat ihn erfunden?

Axel Buchholz
Kulturbericht und Rezension

Was für Berichte (vgl. Beitrag »Ton‐Bericht/Bericht mit Einblendungen«) über politische Themen oder lokale Aufreger beschrieben wurde, gilt in den Grundzügen gleichermaßen für Berichte über Kulturereignisse. Je besser Sie vorbereitet sind, desto schneller erfassen Sie das Wesentliche, desto unabhängiger sind Sie von Pressetexten, desto ausgeprägter ist Ihr Gespür für heiße Luft.Ihre Adressaten sind in erster Linie Hörerinnen und Hörer, nicht die Künstler, über deren Arbeit Sie berichten, nicht die Kolleginnen aus anderen Kulturredaktionen.Setzen Sie nicht zu viel voraus, auch nicht beim kulturinteressierten Publikum. Wer die Oper liebt, kennt sich nicht unbedingt im Film aus. Der häufig benutzte Satz »Das kennt doch jeder« erweist sich durch eine Umfrage in nächster Umgebung meist als falsch.Spezialgebiete haben Kulturjournalisten in der Regel: Literatur, Theater, Film, Konzert, Oper, bildende Kunst, Fotografie, Architektur. Das sind die Themengebiete, die in den Kulturprogrammen und Info‐Wellen (vgl. »Formate für Einschaltprogramme«) regelmäßig vorkommen. Seltener zu hören, aber nicht weniger interessant, ist der Bericht von einer Modenschau, einer Versteigerung, einer Podiumsdiskussion usw.Nicht nur Einschaltprogramme senden Kulturberichte, auch Regional‐, Pop‐ und Jugendwellen, wenngleich in geringerem Umfang. Nur wenige Kulturjournalisten können es sich leisten, von einem einzigen Spezialgebiet in einer einzigen Welle zu leben.

Claudia Ingenhoven
Korrespondentenbericht aus dem Ausland

Viel Berufserfahrung muss jeder Anwärter auf einen Platz im Ausland mitbringen. Zudem möglichst gute Sprach‐ und Landeskenntnisse. Knapp 60 Korrespondenten arbeiten derzeit in fast 30 Auslandsstudios aus aller Welt für den öffentlich‐rechtlichen Hörfunk der ARD.ARD‐Korrespondenten bedienen in der Regel alle 64 Radioprogramme der ARD und oft auch die drei des Deutschlandradios. In Brüssel teilen sich Sender‐Gruppen die Kosten für ihre gemeinsamen Korrespondenten. Verantwortlich für die Korrespondenten ist ihr jeweiliger Heimatsender. Große ARD‐Anstalten sind für mehrere Korrespondentenplätze federführend, kleine nur für wenige.Wer als Korrespondent ins Ausland will, sollte sich schon vor der Bewerbung um ein Volontariat darüber informieren, welche Sender für welche Korrespondentenplätze zuständig sind.Für fünf Jahre (drei plus Verlängerung um zwei oder zwei plus drei Jahre) bleiben die ARD‐Korrespondenten/innen im Ausland. Nach in der Regel einiger Zeit bei ihrem Heimatsender können sie dann erneut ins Ausland oder auch ins Hauptstadtstudio Berlin geschickt werden. Korrespondenten sind meist Politikjournalisten, obwohl sie im Ausland ressortübergreifend bis hin zu Sport und bunten Themen arbeiten müssen. Dem Präsentationsstil junger, musikgeprägter Wellen müssen sie ebenso gerecht werden wie dem von Info‐Radios (www.ard.de/korrespondenten-welt).

Stefanie Markert
Mini-Feature

Der Begriff sagt alles: Kurz muss es sein, ein Feature soll es sein, ein Mini‐Hörbild. Also nehme man:O‐Ton,Atmo,Geräusche,Musik undeigenen Textund mische diese, nicht planlos, sondern sinnvoll. Ein Mini‐Feature ist ein akustischer Film. Ein Feature vom bunten Treiben am Nordseestrand muss das Möwen‐ und Kindergeschrei ebenso akustisch transportieren wie das Wellenrauschen. Und im Hörbild über eine barocke Kirche müssen die hallenden Schritte ebenso zu hören sein wie das murmelnde Geflüster der Betenden.O‐Ton, Atmo und Geräusche sind Teil der Information. Sie sind keine zufällige Beigabe (vgl. Beiträge »Feature«, »O‐Ton« und »Atmo und Geräusche«). Vor Ort, dort, wo der Reporter mit dem Recorder steht oder geht, muss alles aufgenommen werden: der Strandkorbverleiher, der Mann von der DLRG, das Möwen‐ und Kindergeschrei, das Wellenrauschen oder der Küster, die hallenden Schritte, das Gemurmel der Betenden. Die Aufnahmen sind notwendig, um bei Schnitt und Produktion »Spielmaterial« für das Mini‐Feature zu haben.Der akustische Film – als Beispiel das Thema: Die Nordsee an einem herrlichen Sommertag.

Jochen Heuer
O-Ton-Collage

Man stelle sich dieses vor: Reporter Hubert S. kommt stöhnend und schwitzend in seine Redaktion. Seit 15 Tagen Sonne, nichts als Sonne, Temperaturen ständig um die 30 Grad. Und was sagt der Chef zu ihm? »Semmelmayerling«, sagt er ihm, »Semmelmayerling, schnappen Sie sich gleich Ihren Recorder und kommen Sie erst wieder, wenn Sie die Hitze im Kasten haben«. Dem hitzegeplagten und stöhnenden Reporter bleibt das Wort im Hals stecken. Er geht grußlos; sagt nichts, als er zurückkehrt, setzt sich an den Audio‐Produktionsplatz/die Workstation, weigert sich zu texten, geschweige denn zu sprechen.Wenn Reporter nicht reden, ist das Radio? Die Antwort lautet: Ja, auch das ist Radio. Denn warum sollte der Reporter sich den bemerkenswerten Satz Puh, ist das heiß einfallen lassen und sprechen, wenn ihm das ohnehin alle Mitmenschen in Kaufhäusern, Straßencafés, Straßenbahnen oder Badeanstalten schon gesagt haben? Weil dies so war, weil alle über die Hitze stöhnten, schwieg unser Reporter. Eine O‐Ton‐Collage war entstanden.

Jochen Heuer
Interview

Journalistinnen und Journalisten beim Radio führen häufig Interviews – aber längst nicht alle sind wirklich welche. Bei den allermeisten senden sie ihre Fragen gar nicht und von den Antworten nur wenig. Das sind O‐Ton‐Recherche‐Interviews, die geführt werden um O‐Töne einzuholen. So eingesetzt, leistet das Interview nur Vorarbeit für andere Darstellungsformen wie den O‐Ton‐Bericht. Im Beitrag »O‐Ton« (vgl. dort) ist dargestellt, was dabei zu beachten ist.Das Interview als journalistische Darstellungsform ist anspruchsvoller, weil es beides öffentlich macht:die Information (im O‐Ton) als Ausbeute des Interviewens undden Arbeitsvorgang des Interviewens selbst.Die Hörer merken, ob Interview‐Partner/innen bereitwillig Auskunft geben oder nur durch beharrliches Nachfragen zu Antworten zu bewegen sind. Das Sprechverhalten gibt ihnen Hinweise, ob die Antworten glaubwürdig sind oder nur Ausflüchte. Darin liegt zusätzlicher Informationswert. Oft sind Interviews so zugleich spannend oder unterhaltend. Von dieser Art des Interviews ist hier die Rede.Das Interview macht öffentlich, was der Interviewpartner antwortet und wie er es tut. Zugleich zeigt es, was der Interviewer kann: wonach er fragt und wie er es tut.Gesagt ist gesagt. Im Print‐Journalismus werden Interviews vor dem Druck »autorisiert«. Interview‐Partner haben damit die Möglichkeit, ihre Äußerungen vor der Veröffentlichung noch zu korrigieren, zu entschärfen, ganz zu streichen oder zu ergänzen.

Axel Buchholz
Fragetechnik im Interview

Die verschiedenen Fragearten sind wie unterschiedliche Pfeile im Köcher eines Journalisten. Richtig angewendet, verbessern sie seine Chancen, ergiebige Antworten zu bekommen.Ergiebige Antworten für die Hörer will der Reporter im Interview (vgl. dort) mit seinen Fragen erzielen. Aber wann sind sie das? Angestrebt ist eine (noch deutlicher: irgendeine) klare Antwort zur Sache, eine verständliche Begründung, eine Festlegung auf eine klare Meinung. Angestrebt wird nicht eine bestimmte Antwort zur Sache, eine bestimmte Begründung, eine Festlegung auf eine bestimmte Meinung.Der Befragte entscheidet über den Inhalt der Aussage – deshalb wird er befragt.Der Journalist sorgt im Interesse der Hörer dafür, dass es zu dieser Aussage überhaupt kommt und dass sie klar und verständlich ist – deshalb fragt er.Offene Fragen werden gern als Eingangsfragen gestellt, wenn genügend Zeit ist. Sie geben dem Interview‐Partner Gelegenheit zu einer unbeeinflussten Antwort, »führen« wenig, lassen viel Freiraum:Was wissen Sie über Fragearten?Offene Fragen mit Aufforderungs‐Charakter sollen zum besonders ausführlichen Antworten ermuntern, Einsilbige zum Reden bringen:Erzählen Sie mal, was wissen Sie so alles über Fragearten?Geschlossenen Fragen sind mit einem »Ja« oder »Nein« zu beantworten; wollen Zustimmung oder Ablehnung. Sie sind nicht dazu geeignet, den Interview‐Partner zu längeren Antworten zu veranlassen:Stimmt es, dass offene Fragen als Eingangsfragen geeignet sind?

Axel Buchholz
Auf Gegenstrategien des Interview-Partners richtig reagieren

»Ist der Interviewpartner auf unerquickliche Fragen vorbereitet, weil er beispielsweise dem Interview aus Gründen seiner öffentlichen Position nicht ausweichen kann, so wird er als letztes Mittel zur Lüge greifen oder den Sachverhalt einfach bestreiten. In günstigeren Fällen wird er die Gelegenheit benutzen, sein Verhalten in einem möglichst guten Licht darzustellen, was meist auch dazu führt, dass die Wahrheit verfälscht wird.« (Conrad Ahlers, Regierungssprecher unter Bundeskanzler Willy Brandt, früherer stv. Chefredakteur des »Spiegel«, Autor des Beitrags »Gegenstrategien des Interview‐Partners« in den ersten sieben Auflagen von »Radio‐Journalismus«)Wenn Interview‐Partner »mauern«, dann wird’s besonders spannend im Interview. Dann geht es darum, wer seine Interview‐Ziele durchsetzen kann. Bekommt der Reporter hinreichend aussagekräftige Antworten im Interesse seiner Hörer? Oder gelingt es dem Interview‐Partner, rhetorisch zu vernebeln, was eigentlich aufzuklären wäre?Auch auf solche Interview‐Situationen muss der Reporter vorbereitet sein. Hörer merken schnell, wenn sich ein hilfloser Friedlich‐Frager von einem ausgebufften Abwehr‐Antworter überfahren lässt. Zumindest Gegenwehr ist Reporterpflicht – auch wenn sie nicht immer erfolgreich sein wird. Für »harte« oder »kontroverse« Interviews dieser Art gilt:

Axel Buchholz
Am Telefon interviewen

Sehr viele Interviews, wenn nicht sogar die meisten, sind im Radio Telefon‐Interviews. Sie helfen entscheidend dabei, den Ruf des Hörfunks als schnelles Informationsmedium zu wahren. Interview‐Partner sind über Telefon weltweit blitzschnell und kostengünstig zu erreichen. Auch wenn der Terminkalender wichtiger Interview‐Partner beim besten Willen keine Zeit mehr für ein persönliches Interview hergibt – ein Telefon‐Interview lässt sich oft noch dazwischenschieben.Ein gut geführtes Telefonbuch ist besonders im aktuellen Radio‐Journalismus deshalb ein absolutes Muss (und »Kapital«) für Redaktionen und Journalisten. Von möglichst vielen Interviewpartnern auch möglichst viele Handy‐ und Geheimnummern sollten darin stehen. Dass Geheimnummern dann sorgsam gehütet und wirklich nur in dringenden Fällen selten genutzt werden, versteht sich von selbst. Wer sie missbraucht, wird so schnell von diesem Partner keine neue mehr bekommen.Die Technik beim Telefon‐Interview. Der Moderator muss beim Telefongespräch im Studio den Telefonhörer nicht in der Hand halten. Seinen Telefonpartner hört er über Kopfhörer. Was er selbst sagt, geht über das Mikrofon in die Telefonleitung. Über die Telefonleitung kann der Partner auch das Programm vor und nach dem Telefongespräch mithören.Unabhängig vom laufenden Programm ist über die Telefonleitung ebenso das Vorgespräch mit dem Interview‐Partner möglich (vgl. Beitrag »Im Studio und mit dem Ü‐Wagen produzieren«).

Axel Buchholz
Reportage

… Von meinem Balkon im 35. Stock sehe ich in einer Entfernung von drei, vier Kilometern direkt auf das World Trade Center. Es brennt der rechte Turm des 110 Stockwerke hohen, größten Büroturms der Welt, die Flammen schlagen aus dem oberen Viertel, das ist etwa der 60./70. Stock. An der Fassade sind bereits zehn Stockwerke zerstört! Dichte Rauchwolken ziehen in Richtung East River, es sind auf allen Straßen Manhattans Martinshörner zu hören und Feuerwehren zu sehen!Nur wenige Minuten, nachdem das erste Flugzeug in das World Trade Center gekracht war, meldet sich WDR‐Reporter Thomas Nehls am 11. September 2001 um 14:55 Uhr von seinem Mobiltelefon aus und reportierte live.Die Live‐Reportage wird zeitgleich ausgestrahlt. Sie verlangt hohes journalistisches Können und ist, gut gemacht, die Krönung der Reporter‐Arbeit. Der Hörer kann über die Schilderung des Reporters das Geschehen unmittelbar mitverfolgen. Nicht nur im Sport macht das einen großen Teil der Faszination dieser Darstellungsform aus.Eine knappe Viertelstunde später meldet sich Thomas Nehls wieder:

Axel Seip
Sportreportage

Egal ob Fußball, Leichtathletik, Ski‐ oder Motorsport: Ablauf und Ergebnis sportlicher Wettkämpfe sind nicht vorhersehbar. Das macht einen wesentlichen Teil ihrer Faszination aus. Deshalb verlangt der Sport – wie kein anderes Ressort – nach direkter Vermittlung. Also muss der Sportreporter vor allem auch den besonderen Anforderungen der Live‐Reportage gerecht werden. Vorab ein Beispiel, das bezüglich Struktur und Sprache als zeitlos vorbildlich gelten kann:Die Perlen des Sprints stehen unten auf der Bahn beginnt Gerd Rubenbauer seine Hörfunkreportage vom 100‐Meter‐Finale der Frauen bei der Leichtathletik‐WM 1995 in Göteborg. Mit diesem Einstieg vermeidet er zu 99 % eine Textdublette mit der Anmoderation (vgl. Beitrag »Moderieren«), und er schafft ein erstes eigenes Sprachbild.Danach stellt er die Favoritinnen vor, aber nicht mit dem oft zu hörenden »Zahlenfriedhof«, sondern auf jedermann ansprechende Art und Weise:Merlene Ottey, die Diva aus Jamaika, majestätisch; Carlette Guidry, die Amerikanerin, kräftig, fast bullig; Gwen Torrence, auf den letzten 25 Metern hinterließ sie zuletzt den stärksten Eindruck; Irina Privalova – im Gegensatz zu Merlene Ottey, die picobello zu diesem Finale erschienen ist, fast künstlerisch mit nach vorne hängenden Strähnen; Melanie Paschke, die deutsche Meisterin, fünfte oder sechste – das ist ihr Ziel, mehr ist kaum drin.

Hans-Reinhard Scheu
Eine Reportage als Beispiel

″Cholesterinspiegel‐Test auf der Internationalen Handwerksmesse in München″ – das hört sich auf Anhieb nicht sehr spannend an. Aber es war das (selbst gewählte) Thema der ersten, hervorragend gelungenen Übungsreportage einer Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München: das Thema von Sandra Maischberger. Sie ist inzwischen eine erfolgreiche Fernsehjournalistin (vgl. Autoren) und hat die Abschrift ihrer Reportage zur Verfügung gestellt.

Sandra Maischberger, Axel Buchholz
Kommentar

Der Kommentar ist Meinung – und auf nichts kommt es dabei so sehr an wie auf Fakten. Wer meinen will, muss zuvor wissen. Man kann gar nicht genug wissen von einem Thema, das man kommentieren will. Nicht um alles zu schreiben, sondern um in souveräner Kenntnis der Inhalte zu entscheiden, was wirklich wichtig ist und was nicht.Worauf wollen Sie hinaus? Machen Sie sich das vor dem Schreiben der ersten Zeile klar. Eine Hilfe ist, dies erst einmal in zwei, drei Sätzen aufzuschreiben.Verständlich, plausibel und nachvollziehbar muss im Kommentar die Meinung entwickelt werden. Auch Leser, Zuschauer, Hörer und User, die keine weiteren Informationen zum Thema haben, sollen sie verstehen. Und sie müssen nachvollziehen können, wie der Kommentator zu seiner Meinung gekommen ist.Am Anfang steht der Anlass, das Ereignis, der Vorgang. Suchen Sie einen attraktiven Einstieg: Eine Szene oder ein Zitat beispielsweise. Seien Sie plakativ, irritieren Sie, machen Sie neugierig. Der erste Satz ist meist der wichtigste. Er muss Interesse wecken und den Leser geradezu zwingen weiterzulesen.Die These des Kommentars, der argumentative Kern kommt dann. Sie formulieren, begründen und belegen Ihre Position – warum, wieso, weshalb. Sie nennen Beispiele, illustrieren mit Bildern und suchen Vergleiche. Argument für Argument entwickeln Sie den roten Faden des Kommentars. Dazu kann/sollte auch die Auseinandersetzung mit Gegenpositionen gehören – besonders, wenn sie weit verbreitet sind.

Birgit Wentzien
Glosse

»Die Glosse ist eine knappe Meinungsäußerung, ein Kurzkommentar kritischer, zugleich oft feuilletonistischer Art in Presse, Hörfunk und Fernsehen«. Das steht im Brockhaus. Die klassische Glosse ist geschriebene Prosa, unmissverständliche Prosa.Verspotten, entlarven. Die Glosse ist der gut beobachtete Augenblick zwischen zwei Wimpernschlägen. So hat das sinngemäß einmal der Dominikanerpater Rochus Spiecker gesagt. Das heißt: Die Glosse sieht einem einzigen Schritt an, ob derjenige, der ihn tut, den aufrechten Gang pflegt oder ein Kriecher ist; die Glosse hört den falschen Zungenschlag und entlarvt die feierliche Rede; die Glosse erschnüffelt aus einem Rülpserchen die Schlemmereien einer ganzen Woche.In einem Nachschlagewerk des Jahres 1897 findet sich folgender Hinweis: »In der Umgangssprache sind Glossen so viel wie spöttische, tadelnde Bemerkungen. Glossen machen«. Glossen wurden Erläuterungen genannt, die am Rande von besonders unverständlichen Bibelstellen standen. Es ist nichts Unangemessenes an dem Gedanken, dass die Glosse unserer Tage auch eine Erläuterung besonders unverständlicher Berichte über politische Zusammenhänge sein kann. Da fast alle Zusammenhänge politisch, und die Berichte darüber oft unverständlich sind, kommt der Glosse eine große Bedeutung zu. Die Glosse ist leidenschaftlich einseitig und ein erbitterter Feind der Ausgewogenheit.

Pit Klein
Radio-Comedy

Unter Comedy verstehen die Radiomacher heute eigentlich alles, was lustig ist im Programm. Mit »Radio‐Comedy« wurde der Humor im Radio nicht neu erfunden. Sketche, Parodien und Blackouts, gespielte Witze, Szenen, Telefonscherze, fiktive Typen und Stimmchargen gibt es schon lange im Radio. Aber das Tempo der Stücke zwischen wenigen Sekunden und zwei Minuten ist schneller, die Produktionsweise durch digitale Schnitttechnik kleinteiliger geworden, vor allem sind hörfunkspezifische Formen hinzugekommen, die sich an journalistische Beiträge des Programms anlehnen.»Getürkte« Interviews. Darin kann man mit erfundenen Gesprächspartnern in erfundenen Situationen die Wirklichkeit parodieren, grotesk verzerren, »eins draufsetzen«. Das sind oft szenische Satiren.Die O‐Ton‐Collage (vgl. dort) bietet die Möglichkeit, Versatzstücke von realen Reden, Gesprächen und Diskussionsbeiträgen auf wirkungsvolle, sehr suggestive Weise neu anzuordnen. So lässt sich aus einer hitzigen Haushaltsdebatte im Bundestag durch Sampling, also dem Herauspicken einzelner Wörter und deren schnelle Wiederholung, durch besonderen Schnitt und eine unterlegte Instrumentalmusik ein unterhaltsames Stück bauen. Dies ist eine genuine Hörfunkform irgendwo zwischen Sprechmotette, Rap oder Collage, die dazu noch die Möglichkeit bietet, durch Betonung, Wiederholung und Verstärkung das Geschehene zu kommentieren, zu glossieren oder ins Lächerliche zu ziehen (vgl. Beitrag »Glosse«).

Michael Bollinger

Sendungen

Frontmatter
Nachrichten

Nachrichten sind knapp gefasste, komprimierte Informationen – sie enthalten also nichts Überflüssiges.Nachrichten sind um Wertneutralität bemüht und deshalb besonders glaubwürdig. Sie unterscheiden sich dadurch grundsätzlich von Kommentaren und anderen meinungsbetonten journalistischen Beiträgen.Und Nachrichten sind relativ leicht verständlich. Sie sind deshalb nach strengen formalen Regeln verfasst.Das gilt nicht nur für Radio‐Nachrichten in klassischer Form, also für reine Textmeldungen, sondern auch für Meldungen mit O‐Ton, d. h. Meldungen, in die Statements und Kurzberichte eingebaut sind (mehr dazu im Beitrag »Nachrichten‐Präsentation«). Die oberste formale Regel für die Nachricht lautet:Das Wichtigste steht am Anfang. Das Wichtigste – die Kernaussage – herauszuarbeiten und so knapp und genau wie möglich in Worte zu fassen, das ist die erste und größte Aufgabe des Nachrichtenredakteurs: nicht spektakulär, aber journalistisch anspruchsvoll. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag einer regionalen Nachrichtenredaktion soll das klar machen. Eine Pressemeldung der Kaiserslauterer Polizei hat folgenden Wortlaut:

Josef Ohler
Nachrichten-Präsentation

Nachrichten müssen sich auf das Wesentliche konzentrieren, leicht verständlich und sachlich formuliert sein (vgl. Beitrag »Nachrichten«). Ob sie beim Hörer ankommen oder nicht, darüber entscheiden allerdings nicht nur Inhalt und Formulierung. Radio‐Nachrichten müssen präsentiert werden, um zum Hörer zu gelangen. Dafür brauchen sie eine Stimme. Und sie brauchen ein Layout. Erst wenn redaktionelle Leistung und Präsentation perfekt zusammenpassen, werden Radionachrichten wirklich für die Hörer gemacht.Nachrichten und Programmformat. Wenn die Nachrichten nicht in die Anmutung der Welle eingepasst sind, wirken sie wie ein Fremdkörper: Klassische Nachrichten im starren Vier‐ oder Fünf‐Minuten‐Format, mit traditionellen Ortsmarken und einem verlautbarenden Berufssprecher sind ohnehin nur noch selten zu hören. Überhaupt nicht würden sie mit einem schnellen, frechen, jungen Programm harmonieren. Ebenso ist eine News‐Show mit O‐Tönen, Musikbett und jungem Redakteur am Mikrofon in der anheimelnden Volksmusik‐Welle oder im Klassik‐Programm am falschen Platz.

Katja Marx
Kompaktsendung/Umschau-Sendung

Unter diesem Sendungstyp (auch Journal, Chronik‐ oder Blocksendung genannt) versteht man längere Wort‐Sendungen (meist 15, 20 oder 30 Minuten), dieaus mehreren Einzelbeiträgen bestehen,moderiert werden undMusik allenfalls als Musik‐Brücken oder akustische Akzente enthalten.Diese Sendungsform findet sich vor allem in Einschaltprogrammen (vgl. Beitrag »Formate für Einschaltprogramme«) und dort im aktuellen Zeitgeschehen und in Fachredaktionen wie z. B. Politik, Wirtschaft und Aktuelle Kultur. In den Begleitprogrammen sind Kompaktsendungen durch die Magazine ersetzt worden.Kompaktsendungen als die klassischen Informationssendungen unterscheiden sich sehr von Magazinen (Vgl. dort). Kompaktsendungenrichten sich an Zuhörer und nicht an Nebenbei‐Hörer,bringen meist längere Einzelbeiträge bis ca. vier Minuten,werden oft ausführlicher und mit mehr zusätzlichen Informationen moderiert,verzichten auf unterhaltende Musik zwischen den Beiträgen.Der größere innere Zusammenhang unterscheidet sie von den Magazinen, und zwar sowohl vom Aufbau als auch von der Moderation her.Inhaltsangaben wecken Interesse und orientieren. Der Hörer sollte zu Beginn das geplante Programm erfahren (zumindest das Wichtigste daraus), entweder in Form von Schlagzeilen oder etwas ausführlicher. Bei längeren Sendungen ist etwa zur Halbzeit ein zweiter kurzer Hinweis auf das restliche Programm sinnvoll.

Roland Machatschke
Magazin

Das Hörfunk‐Magazin verbindet Musik mit kurzen Wortbeiträgen, die von einem Moderator präsentiert werden. Es ist eine Informationssendung, die zugleich unterhält. Das aktuelle Magazin ist damit ein besonders geeignetes Sendungsformat für informationsorientierte Begleitprogramme und Einschaltprogramme (vgl. jeweils dort).Der Siegeszug der Magazine in den deutschen Funkhäusern hatte am 16. Oktober 1961 beim Rias‐Berlin begonnen. Das war zwei Monate nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August. Der Rias wollte vor allem auch die Hörer in der damaligen DDR erreichen.Der Saarländische Rundfunk folgte 1964 mit dem Abendmagazin »Zwischen heute und morgen«. Dann kam das »Mittagsmagazin« auf WDR 2, die älteste (heute noch ausgestrahlte) Sendung dieses Typs des »klassischen« Hörfunkmagazins. Seine charakteristischen Merkmale sind:tagesaktuelle Informationen mit dem Schwerpunkt Politik, Wirtschaft und Zeitgeschehen,ein Mix aller geeigneten Darstellungsformen wie vor allem: Moderatoren‐ und Reporter‐Gespräche, O‐Ton‐Berichte, Reportagen und Korrespondentenberichte (vgl. jeweils dort),Wortanteil, der deutlich über dem ansonsten format‐üblichen liegt,Präsentation durch journalistische Moderatoren/innen, die als Moderatoren‐Persönlichkeiten ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein sollen,Live‐Prinzip, das jedenfalls für die Moderation, aber auch für möglichst viele andere Inhalte gilt,Musik, die dem Format des jeweiligen Programms entspricht.Die Themen plant die Redaktion in mehreren Schritten:

Axel Buchholz
Morningshow/Frühsendung

Wer Radio hört, tut es wegen des Programms insgesamt – und schaltet ein, wann immer er mag: egal, welche Sendung gerade läuft. Und was er hört, das muss ihm möglichst immer gefallen, damit es sein Lieblingsprogramm bleibt. Jede Sendung (oder Programmfläche) ist also wichtig. Eine aber ist es besonders: die Frühsendung.Der ganze Morgen – eine Sendung. Vor allem in Begleitprogrammen wird der erste Tagesabschnitt als eine Programmfläche gestaltet, die die Hörer vom Aufstehen bis zum Schul‐ oder Arbeitsbeginn durch den Morgen begleitet. Frühsendungen dauern meistens von sechs bis neun Uhr, beginnen manchmal auch schon um fünf oder enden erst um zehn Uhr. Danach schließt der »Vormittag im Radio« an.Morgens hören die meisten Radio. Nie wieder am Tag, kann ein Sender also mehr potenzielle Hörer erreichen (vgl. Beitrag »Medienforschung für den Hörfunk«). Gelingt es ihm, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ihn auch tagsüber weiter hören oder wieder einschalten.Eine attraktive Frühsendung ist die Basis für ein erfolgreiches Tagesprogramm.Wenn dort vor allem der Kampf um die Quote zu gewinnen ist, wundert es nicht, dass Radio‐Macherin die Frühsendung besonders viel Ideen, Arbeitskraft und auch Geld stecken,sie (und die Moderatoren) von der Medienforschung sorgfältig begleiten lassen undsie aufwändig bewerben.Im Prinzip gilt das (wie das meiste in diesem Beitrag) für alle Radio‐Formate, vor allem aber für die Programme, von denen sich die Hörer durch den Tag begleiten lassen (vgl. Beitrag »Formate für Begleitprogramme«).

Axel Buchholz
Feature

Die freieste Form aller journalistischen Sendungen ist das Feature. Dokumentarisch im Inhalt, künstlerisch bis hin zu fiktional in der Form, existieren für das Feature fast keine Vorgaben – außer der, nichts Unwahres behaupten zu dürfen (wie es seine Schwester, das Hörspiel kann). Doch darf sich auch das Feature in Mutmaßungen und Erfindungen über alle Grenzen der reinen Berichterstattung hinweg setzen, solange die Grundlage eine dokumentarische bleibt und Fiktionalisierungen erkennbar inszeniert werden. So stellt beispielsweise das Feature »Gute Tante Arbeitsamt« die Behörde als eine alte Dame dar, die ihre bewegte Lebensgeschichte samt Anzüglichkeiten erzählt – inhaltlich zutreffend, in der Form frei erfunden.Viel Freiheit mag für viele erstmal verlockend klingen. Doch die Kehrseite dieser Freiheit ist die gnadenlose Stille zwischen Minute 0 und Minute 54, die mit großem Erfindungsreichtum und dramaturgischem Geschick gestaltet werden will – mit anderen Worten, diese Freiheit ist eine Herausforderung, der nicht viele gewachsen sind.Eine Kunstform mit dokumentarischem Inhalt ist das Feature. Wer ein Feature machen will, muss sich mit beidem zurechtfinden: einer Recherche unter Berücksichtigung journalistischer Sorgfaltspflichten und einer Stoffumsetzung mit kreativem Leistungszwang. Wie beim Hörspiel ist Unterhaltsamkeit für das Feature ein unabdingbares Muss. Jedoch sollte sie nie Selbstzweck sein, sondern von der Relevanz des Stoffes leben.

Jens Jarisch
Dokumentation

Vor fünf Jahren eröffnete …, vor zehn Jahren starb …, vor 2150 Jahren ersann … Solch ein Datum mit dem daran geknüpften Thema ist Ausgangspunkt für Dokumentationen, wie sie z. B. die WDR‐Reihe »ZeitZeichen« seit 1972 ausstrahlt. Darum herum erzählen Autoren ihre Geschichte. Sie machen alte, neue und neueste Geschichte erfahrbar, fördern Geschichtsbewusstsein und schärfen Gegenwartsbewusstsein.Thema einer Dokumentation können Staatsgründungen, Lebensdaten großer Frauen und Männer, Gesetzeswerke, Wendepunkte der Menschheitsgeschichte, politische Weichenstellungen, Friedensverträge oder Katastrophen sein, aber auch geflügelte Worte, Film‐ und Theaterpremieren, wichtige Momente der Kultur‐ und Zivilisationsgeschichte. Vom Westfälischen Frieden bis zur Erfindung des selbstklebenden Wundpflasters reicht die Palette. Auch Gegenwartsthemen wie Erneuerbare Energien, das Terrornetzwerk Al Kaida, das neue Namensrecht oder die Reform der Bundeswehr eignen sich für eine Dokumentation.Die Grenzen zwischen Dokumentation und Feature sind fließend, eindeutige Definitionen fehlen (vgl. Beitrag »Feature«), die Macharten und Arbeitsweisen ähneln einander.Die Dokumentation gibt den Erkenntnisstand zu ihrem Thema, also einem Ereignis, einer Entwicklung oder die Positionen einer Auseinandersetzung/Diskussion möglichst neutral, bündig und zugleich farbig wieder. Dabei verzichtet sie auf eine eigene inhaltliche Position des Autors, ist also bei den Kurzformen mit einem Bericht vergleichbar.

Helga Kirchner
Diskussion

Diskussionen sind eine Sonderform des Gesprächs, ein Streitgespräch. Sie sollen das relevante Meinungsspektrum zu einem wichtigen Thema dadurch aufzeigen, dass kompetente Vertreter der einzelnen Standpunkte diese in Konkurrenz zueinander vortragen, begründen und gegen Kritik verteidigen. Diskussionen haben das journalistische Ziel, zur Meinungsbildung der Hörer beizutragen, immer über das Diskussionsthema und meist auch über die Diskutanten selbst.Radio‐Diskussionen gibt es in vielfältiger Form, als:Studio‐Diskussion,Studio‐Diskussion über Konferenzleitung (die Teilnehmer sind nur über Leitung miteinander verbunden),Studio‐Diskussion mit Publikum,Studio‐Diskussion mit Beteiligung der Hörer über Telefon, Mail ins Studio oder Social Media,Telefon‐Diskussion nur der Hörer untereinander,Vor‐Ort‐Diskussion (meist mit Publikum).Die klassische Form ist die Studio‐Diskussion, bei der mehrere Diskussionsteilnehmer unter Leitung eines Moderators/Diskussionsleiters miteinander diskutieren. Sie wird noch in manchen Kultur‐Radios (vgl. Beitrag »Formate für Einschaltprogramme«) gepflegt.Das Diskussionsthema muss kontrovers sein. Nur wenn unterschiedliche Meinungen zu einem Thema dargestellt werden (sollen), ist eine Diskussion sinnvoll. Gäste, deren Auffassungen zum Thema im Wesentlichen übereinstimmen, können sich nur gegenseitig bestätigen und ergänzen. Sie führen ein (meist langweiliges) Gespräch miteinander, aber kein Streitgespräch.

Axel Buchholz
Hörerbeteiligung

Sendungen mit Hörerbeteiligung sind ein wichtiger Bestandteil aller Radio‐Programme. Das Internet als großes Diskussionsforum hat dem keinen Abbruch getan – sondern es im Gegenteil sogar befruchtet. Auch, weil sich Hörer im Radio mit ihrer eigenen Stimme und mit Namen äußern. Anonymes »Abkotzen«, wie häufig im Netz, gibt es nicht (s. unten).Das Ziel der Hörerbeteiligung:Radio soll nicht nur Einbahnstraße vom Sender zum Hörer sein.Radio soll hörernah sein.Die Hörer‐Sender‐Bindung soll verstärkt werden.Hörerbeiträge sollen das Programm bereichern und interessanter machen.Auch ein Risiko kann Hörerbeteiligung per Telefon sein. Ein Programm wird nicht zwangsläufig attraktiver, wenn Hörer daran mitwirken – gelegentlich ist das Gegenteil der Fall. Zum Beispiel, wenn sich Hörer‐Fragen wiederholen, zu speziell und abwegig sind oder Hörer‐Meinungen völlig abstrus sind. Hörer sollten nicht pöbeln, Dialekt nur so stark sprechen, dass man sie auch verstehen kann. Eloquenz darf nicht zur verbalen Sender‐Besetzung werden, Unsicherheit und Schüchternheit nicht zu Langeweile, zu überlangen Pausen und Gestotter führen. Gegen solche Risiken wollen sich die Redakteure in streng formatierten Begleitprogrammen absichern und senden Hörer‐Anrufe kaum noch live (vgl. Beitrag »Formate für Begleitprogramme«).Mit Hörern reden ist etwas ganz anderes als von den Hörern reden. Die anonyme Masse (»die Hörer«) löst sich dabei auf in einzelne Menschen (vgl. »Beitrag Moderatoren‐, Reporter‐, Kollegen‐ und Hörer‐Gespräch«).

Axel Buchholz
Radio-Aktionen

Ein Mann wirft 75.000 Euro aus einem Rathausfenster in Kaiserslautern und eine riesige Menschenmenge wartet darauf, etwas von dem Geldregen abzubekommen: Dies war nicht die Tat eines wohltätigen Millionärs, sondern das Ergebnis einer Radioaktion von RPR1 mit der Frage: »Was würden Sie für 100.000 Euro tun?« 10.000 hatten sich beworben.Zwei Radio7‐Moderatoren ziehen in einen Container, der 15 Meter über dem Boden baumelt, und senden von dort die Morningshow. Erst nach mehr als drei Monaten schaffen es die Hörer, sie anhand richtig beantworteter Quizfragen daraus zu befreien.Tausende Saarländer machen ihr Sportabzeichen, damit sie gesünder werden und ihr Bundesland in der landesweiten Sportabzeichen‐Tabelle nach oben rückt – dank SR1 Europawelle, die dazu aufgerufen hatte.Aufsehen erregen wollen Radioaktionen zumeist, ein besonderer Hinhörer sein und die Hörer begeistern. Sie können aber auch wesentlich weniger spektakulär daherkommen. Ihre Bandbreite reicht vom großen Radio‐Spiel (vgl. dort) bis zur kleineren Service‐Aktion, vom Sender‐Marketing im gesamten Programm bis zu Berichterstattung/Information in besonderer Form nur in bestimmten Sendungen oder Programmflächen.

Mareike Brombacher
Radio-Spiele

Wenn spitze Jubelschreie aus dem Radio tönen, dann ist Spiel‐Zeit. Macht das Spielen also hörbar Spaß und gibt es dabei auch noch mächtig was zu gewinnen, dann scheint das Radio zu einem einzigen großen Spielplatz geworden zu sein.Zu programmprägenden Groß‐Ereignissen werden dann die Radio‐Spiele. Dabei sind sie im Prinzip nur eine Unterform von Radio‐Aktionen. Alles Grundsätzliche und wie man Radio‐Spiele plant und durchführt, ist deshalb in den Beiträgen »Radio‐Aktionen« und »Radio‐Projekte umsetzen« dargestellt (vgl. jeweils dort).Als Major Promotions (Majorpromos) werden solche großen Radio‐Spiele bezeichnet, die möglichst unmittelbar und schnell messbar für mehr Hörer sorgen sollen. Die Medienforschung hat zwar herausgefunden, dass nur ein geringer Teil der Hörer sie gut findet oder gar dabei mitmacht. Bei Programm‐Machern und beim Programm‐Marketing tut das dem Spaß am Spielen aber keinen Abbruch. Denn so lassen sich tatsächlich die Hörerzahlen kurzfristig positiv beeinflussen. Und das ist im Zeitraum der Erhebung der Zahlen für die Media Analyse (MA) (vgl. »Die Media Analyse« im Beitrag »Medienforschung für den Hörfunk«) sehr wichtig. Schließlich richten sich die Werbepreise nach den ermittelten Hörer‐Zahlen. Oft kommt die Anregung für solch ein Radio‐Spiel deshalb vom Programm‐Marketing des Senders.Das Programm‐Marketing kann bei dem Ziel, mit Radio‐Spielen die Hörer‐Zahlen zu steigern, unterschiedliche Ansatzpunkte wählen:

Mareike Brombacher, Jürgen Köster

Programme

Frontmatter
Formate für Begleitprogramme

Der Begriff »Format« – von den Radiomachern heute ganz selbstverständlich im Munde geführt – bezeichnet den Typ eines durchgestylten Hörfunkprogramms, der bestimmt wird vonseiner musikalischen Farbe,der Wort‐Musik‐Mischung,den Informationsanteilen undder Art der Präsentation.Engen Regeln folgen die Formate bei diesen Inhalten, um mit dem Programm möglichst genau den Interessen und dem Geschmack der angestrebten Zielgruppe(n) zu entsprechen und gleichzeitig »durchhörbar« zu sein. Privatrechtliche wie öffentlich‐rechtliche Begleitprogramme sind heute weitestgehend formatiert, seitdem sich Ende der 80er‐Jahre die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich im Wettbewerb solche Programme besser behaupten.Begleitprogramme sind auf der Grundlage der Erkenntnis konzipiert, dass die allermeisten Hörer Radio begleitend nutzen – also parallel zu Tätigkeiten in ihrem normalen Tagesablauf: vom Wachwerden morgens, bei der Arbeit und in der Freizeit, zu Hause und unterwegs bis zum Einschlafen abends. Die Programme sind deshalb im Prinzip in Programmflächen gegliedert, die sich an den Tagesabschnitten orientieren.

Maria Gerhards, Hermann Stümpert
Formate für Einschaltprogramme

Vom Kinderfunk bis zu Foren für Neue Musik, vom Umweltmagazin bis zur Klassik für Kenner – Einschaltprogramme enthalten nach wie vor ganz unterschiedliche Hörangebote.Kulturradios sind die allermeisten Einschaltprogramme. Aber auch die Nachrichtenradios (vgl. »Formate für Nachrichtenradios«) gehören in diese Kategorie. Klassikprogramme sind als Musikspartenprogramme dagegen eher zu Begleitradios zu zählen.Viel Inhalt, spezielle Inhalte. Ein Einschaltprogramm will wegen seiner speziellen Inhalte gezielt eingeschaltet werden, zielt also nicht darauf ab, immer von möglichst allen Hörern gehört zu werden. Es nimmt damit auch in Kauf, wegen des Wechsels seiner Angebote von einem Teil seiner Hörer zwischendurch mal ausgeschaltet zu werden. Das macht die Nutzung von Einschaltprogrammen in Teilen nur schwer quantifizierbar – zumindest mit den auf werbetragende Programme ausgerichteten Quotenmessungen der Media Analyse (vgl. Beitrag »Medienforschung für den Hörfunk«). Meistens senden solche Programme denn auch keine Werbung. Sie sind deshalb in Deutschland nahezu ausschließlich im öffentlich‐rechtlichen System zu finden. Rund 20 Einschaltprogramme gibt es in der ARD.Ein Einschaltprogramm ist keine »Dauer‐Welle« – im Gegensatz zu den Begleitprogrammen. Wer es einschaltet, der ist als aufmerksamer Zuhörer gefordert. Einschaltprogramme geben sich nicht wie die Begleitprogramme mit dem Nebenbeihörer zufrieden. Mittlerweile wandeln sich allerdings auch diese Angebote: Zunehmend setzen auch sie auf Durchhörbarkeit.Unterscheidungskriterien zu Tagesbegleitprogrammen sind unter anderem:

Tobias Geißner
Formate für Nachrichtenradios

Information immer und überall – das Nachrichtenradio konnte das schon lange vor der Einführung von mobilem Internet und Smartphone. In Deutschland populär wurden Nachrichtenradios (auch Inforadios genannt) seit der ersten Hälfte der 90er‐Jahre. Vorbilder gab es zum Beispiel in den USA und in Frankreich. Im Wettbewerb mit der privaten Konkurrenz nutzte der öffentlich‐rechtliche Rundfunk hier eine Chance, sich mit Informationskompetenz auf dem Radiomarkt durchzusetzen. Den Anfang machte am 6. Mai 1991 B5 aktuell vom Bayerischen Rundfunk aus München, es folgten MDR INFO ab 1. Januar 1992, das Inforadio aus Berlin (als Gemeinschaftsprogramm von SFB und ORB), NDR Info, hr‐INFO und SWRinfo. Nachrichtenradios sind in Deutschland öffentlich‐rechtliche Sender. Privat finanziertes Nachrichtenradio zu etablieren, wurde ebenfalls versucht. »Radioropa info« von der Firma TechniSat in Daun/Eifel begann schon am 3. Oktober 1990. Der Privatradiopionier Hermann Stümpert (ein Ko‐Autor dieses Lehrbuchs) probierte es ab 22.11.1991 mit »InfoRadio Berlin 101,3«. Diese und weitere Anläufe scheiterten jedoch, weil sich die hohen Programmkosten durch Werbung nicht finanzieren ließen.

Alexander Krahe
Musik-Programme mit dem Computer erstellen

»Die richtige Musik« entscheidet weitgehend über den Erfolg eines Radioprogramms. Das gilt besonders für die populären Begleitprogramme und natürlich die Musik‐Spartenprogramme, aber auch für die Akzeptanz der Einschalt‐ oder Kultur‐Programme. In den Beiträgen »Formate für Begleitprogramme« und »Formate für Einschaltprogramme« (vgl. jeweils dort) ist dargelegt, nach welchen Kriterien Musikredakteure (und nicht die Moderatoren) die Musik im Rahmen einer einheitlichen Musikfarbe auswählen. Dies geschieht mit Hilfe der Musikforschung (vgl. Beitrag »Medienforschung für den Hörfunk«). Bei Hitradios umfasst das Repertoire/die Playlist meist zwischen drei‐ und fünfhundert Titel, bei anderen Formaten mehr.Wichtig ist aber auch, die ausgewählten Titel formatgerecht zu mischen. Sie müssen so aneinander gereiht werden, dass eine Vielzahl von Vorgaben der Musikredakteure erfüllt wird. Die wichtigsten sind: einerseits möglichst viel Abwechslung insgesamt, andrerseits häufigerer Einsatz bestimmter Hits sowie die Abfolge von Musik‐Stilrichtung, Tempo und Stimmung der Titel. Und dies unterschiedlich in den verschiedenen Tagesabschnitten (Dayparts).Ohne die Hilfe einer Musik‐Planungssoftware sind diese hohen Anforderungen an die Musik‐Zusammenstellung kaum zu verwirklichen. Deshalb werden im privaten wie im öffentlich‐rechtlichen Rundfunk die Spiellisten computergestützt geplant. In den Begleitprogrammen und bei Musik‐Spartenprogrammen ist das die Regel, zunehmend ebenfalls bei Einschaltprogrammen mit einem hohen Anteil an klassischer Musik.

Roland Welling
Verpackungselemente

Ein Radioprogramm setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen wie Musik, Moderation, Nachrichten, Beiträgen und Werbung. Die Sender versuchen, ihren Hörern diese Teile schön verpackt wie ein Geschenk zu präsentieren. Dazu benutzen sie Verpackungselemente: das sind Jingles (ein Oberbegriff für viele Unterformen),Drop‐Ins,Musikbetten oderSound Effekte.Die Funktion von Verpackungselementen. Sie kündigen Sender, Sendungen und Rubriken an, trennen und verbinden Programmteile, bewerben Frequenzen oder Moderatoren und transportieren Image‐Slogans (Claims). Verpackungselemente sollen das Programm gefälliger und wie aus einem Guss klingen lassen. Viele dienen aber auch der Programm‐Promotion (vgl. dort). Es gibt eine Vielzahl von Kategorien und Bezeichnungen, von Sender zu Sender gelegentlich unterschiedlich. Hier eine Auswahl von Verpackungselementen in alphabetischer Reihenfolge:Backtimer: Instrumentals mit einem komponierten musikalischen Abschluss, die die Zeit zwischen dem letzten Musiktitel einer Sendestunde und dem folgenden Werbe‐ bzw. Nachrichtenblock überbrücken. Sie sollen einen angenehmen Übergang schaffen und werden »auf Zeit abgefahren« (gestartet), damit sie, ohne ausgeblendet werden zu müssen, genau vor dem folgenden Programm‐Element beendet sind. Musikalisch attraktiver ist es allerdings, eine Sendestunde genau mit dem Ende eines Titels abzuschließen (vgl. Beitrag »Sendung fahren«).

Werner G. Lengenfelder
Archive als Partner

Fast immer soll es im Hörfunk‐Journalismus schnell gehen, oft ist das Thema kompliziert, nicht selten ist wichtig, was früher einmal dazu gesagt und gesendet wurde. Kompetente Informationsprofis in den Archiven sind deshalb wichtige Recherche‐Partner.Archive als Partner können meist helfen, wenn Radio‐Journalisten z. B. suchen:eine passende Hintergrundmusik,einen Artikel aus den »Buffalo News«,Experten, die sich eloquent und kompetent äußern können,Töne zum Phänomen der Sonnenfinsternis oderPromis, die geizig sind,Zeitzeugen, die im Zweiten Weltkrieg Flakhelfer waren,Dokumente zu Ereignissen, die am 9. November stattfanden,Stimmen für ein Hörspiel,den Klang der Kölner Dom‐Glocken oderden Gesang des Dompfaffs.Archive richtig nutzen. Volontäre werden in die Zusammenarbeit mit dem Archiv systematisch eingeführt. Für Praktikanten und freie Mitarbeiter/innen gibt es oft Informationsblätter oder gelegentlich Einführungskurse.Es empfiehlt sich für angehende Hörfunk‐Journalisten sehr, Informationsmaterial über die Archive sorgfältig zu lesen und Einführungskurse zu besuchen. Was man dabei lernt, bereitet den Weg zu interessantenO‐Tönen und erleichtert die journalistische Recherche‐Arbeit ungemein.

Sigrid Kiefer, Ulrike Höflein
Medienforschung für den Hörfunk

Der Hörfunk kann in Deutschland imposante Zahlen aufweisen:Gut drei Viertel (76 %) aller in Deutschland in Privathaushalten lebenden deutschsprachigen Personen ab 10 Jahren hören an einem durchschnittlichen Wochentag von Montag bis Sonntag Radio (Tagesreichweite).Knapp drei Stunden (177 Minuten) beträgt die sogenannte Hördauer im Schnitt (gemessen an allen – also der Gesamtheit – an einem durchschnittlichen Wochentag, Montag bis Sonntag).Das sind Ergebnisse der Medienforschung zum Thema Hörfunk (Basis: Media Analyse/ma 2015 Radio I – wie immer im Folgenden, wenn nichts anderes angegeben ist).Die Medienforschung ist ein wichtiger Partner für Programmmacher. Sie liefert Daten für dieProgrammplanung,Programmsteuerung undfür die Optimierung des Programms.Der Radio‐Journalist muss die wichtigsten Fachbegriffe der Medienforschung verstehen, wenn er davon profitieren will.Die Hördauer z. B. besagt, wie lange alle Bundesbürger bzw. EU‐Ausländer im Durchschnitt Radio hören (egal ob der Einzelne überhaupt am Tag Radio gehört hat oder nicht). Wer mindestens einmal in einer Viertelstunde gehört hat und dies in der Befragung (siehe oben ma) angibt, wird dabei als Hörer an einem Tag gezählt (Tagesreichweite). Alle Viertelstunden werden addiert und durch die Zahl der Befragten geteilt (Hördauer).Nicht nur ob gehört wird sondern auch wo, wird abgefragt: Von den insgesamt täglich ca. 177 Minuten Hördauer entfallenrund 60 Prozent auf »zu Hause« undrund 40 Prozent auf »außer Haus« gehört (z. B. am Arbeitsplatz oder im Auto).

Maria Gerhards, Walter Klingler
Das Programm als Markenartikel

Letztlich gibt es keine strategischen Unterschiede: Die Margarine darf heute nicht salziger schmecken als morgen, wenn sie sich behaupten soll. Und auch beim Radioprogramm erwartet der Hörer Verlässlichkeit. Er will wissen: Welche Musik wird gespielt – und wie viel? Welche Moderatoren begleiten mich? Wie viele Informationen bekomme ich bei dem Sender – und wann? Margarine und Radio‐Programm – beide Produkte müssen sich als »Marke« behaupten. Und wenn sie neu im Markt sind, dann müssen sie sich im Idealfall zu einer Marke entwickeln – unverwechselbar und wiedererkennbar werden. Normale Marketing‐Strategien sind also gefragt.Marke und Mitarbeiter. Die Marken‐Philosophie eines Senders ist die Richtschnur der täglichen Arbeit dort – auch für die journalistischen Mitarbeiter. An ihr sollen sie sich orientieren, damit das Produkt Programm täglich aufs Neue umsetzt, was den Kern der Marke ausmacht. Deshalb müssen sie sie kennen und verstehen, warum sie so wichtig für den Programm‐Erfolg ist.Wie in der klassischen Werbung werden einige wenige Kern‐Aussagen benutzt, um aus dem Produkt Radioprogramm ein Markenprodukt werden zu lassen, welches sich abhebt. Alle On air‐ und Off‐air‐Elemente eines Programms sollten dem Ziel dienen, die Marke zu kreieren oder zu festigen. Das sind die Aufgaben des klassischen Marketings: eine unternehmerische Konzeption, die davon ausgeht, dass sich alle Unternehmensaktivitäten zur optimalen Erfüllung der Unternehmensziele am Markt zu orientieren haben (vgl. Beiträge »Verpackungselemente«, »Programm‐Promotion« und »Dem Programm Profil geben«).

Hans-Dieter Hillmoth
Dem Programm Profil geben

In einem stark besetzten Hörfunkmarkt müssen Programme unterscheidbar bleiben oder werden, sich also auch bei identischem Format und ähnlichen Zielgruppen voneinander abheben.Dafür brauchen sie ein eigenes Profil, also eine Differenzierung des Angebots innerhalb des Formats.Das Profil beim Wort ist wichtig, wenn ein Sender mehr sein will als ein Musikradio. Um diese Profilierung im Wort‐Bereich geht es hier vor allem, also bei den Inhalten, die das Arbeitsgebiet der Radio‐Journalisten sind.Zwei grundsätzliche Profilierungsmöglichkeiten gibt es. Dafür zwei Beispiele:eine formale Unterscheidung(»Wir senden die Nachrichten immer fünf Minuten früher«) oder/undeine inhaltliche Profilierung (»Wir sind der Heimatsender, bei uns sind Sie zu Haus«).Formale Unterschiede können vor allem deutlich werden durch:mehr Wort im Vergleich zur Musik (vgl. Beitrag »Formate für Begleitprogramme«/Musik‐Wort‐Verhältnis),die besondere Platzierung des Worts (vgl. weiter unten),Zahl und Länge der Sendeplätze,Nachrichten mit O‐Tönen oder ohne (vgl. Beitrag »Nachrichten‐Präsentation«),gebaute Beiträge oder Präsentation von O‐Tönen durch die Moderatoren (vgl. Beitrag »Moderieren«),Interviews live (und manchmal dann zwangsläufig auch länger) oder aufgezeichnet (»quasi‐live«) und immer auf Formatlänge gekürzt und bearbeitet (vgl. Beitrag »Interview«).

Werner Dieste
Programm-Promotion

Programm‐Promotion ist das Bemühen, dem Programm im Radio‐Markt eine »Position« zu geben, es als eine eigenständige »Marke« zu positionieren. Damit sollen seine Vorteile herausgestrichen werden. Gleichzeitig soll es gegen die Konkurrenz innerhalb des Formats abgrenzt werden. Dies geschieht on air (im Programm) und off air (außerhalb des Programms).Claims, Slogans. Hörer wissen (oder ahnen), warum sie ein bestimmtes Programm hören. Programm‐Promotion mit einem Claim oder Slogan fasst diese Hörer‐Entscheidung in Worte, sagt ihm, warum er sich für dieses (und kein anderes) Programm entschieden hat – oder entscheiden soll. Der vermutliche Hauptgrund für die Programm‐Wahl wird damit dem Hörer bewusst gemacht. Seine Entscheidung soll so gefestigt und verstärkt werden. Programm‐Promotion versucht also, Missverständnisse zwischen Sender und Empfänger über das Besondere am Programm auszuschließen. Claims sollen auch off air, also in Anzeigen und auf Plakaten einsetzbar sein und immer mit dem Sendernamen verbunden werden: »Hörsinnig gut – Radio xy« oder »xy – Wir sind der Sender«.Positionierung über die Musik ist in den Begleitprogrammen die übliche Methode. Weil die meisten Hörer wegen der Musik ein bestimmtes Programm wählen, wird sie auch in den Slogans (oder Claims) herausgestellt. Durch die Musik‐Forschung (oder wenn es in einem Markt leicht ist, auch ohne Forschung allein durch Konkurrenzanalysen) hat der Sender herausgefunden, mit welcher Musik er die größte Chance hat, in seinem Sendegebiet Marktführer zu werden bzw. einen möglichst großen Marktanteil zu erobern.

Ina Rumpf
Programm-Projekte umsetzen

Wie verbessern wir unsere Morningshow? Wodurch lässt sich der Wochenend‐Alarmplan optimieren? Oder wie verknüpfen wir unseren Online‐Auftritt noch besser mit dem Radio‐Programm? In der Radio‐Arbeit gibt es viele unterschiedliche Projekte: manche direkt zum Programminhalt, andere zu Fragen der Programm‐Organisation. Für alle ist hier Grundsätzliches dazu erläutert, wie man sie effektiv plant, organisiert und durchführt. Diese Verfahrensregeln gelten immer. Je nach Projekt aber ändern sich die Einzelfragen, die es zu bedenken und zu lösen gilt. Die sind für die Sendungsformen »Radio‐Aktionen« und »Radio‐Spiele« (vgl. jeweils dort) detailliert beschrieben.Das Projektziel genau festlegen. Was immer man im Programm an Projekten auch plant, zuerst muss man sich darüber klar werden, was genau man erreichen will. Erst wenn man das Ziel kennt, kann man sich erfolgreich auf den Weg dorthin machen. Manchmal wird es von der Programmleitung definiert und dann vorgegeben, manchmal in der Redaktion oder im Team erarbeitet.Am Projektziel richten sich dann alle darauf folgenden Arbeitsschritte aus: von der Planung, Ausarbeitung, Abwicklung bis zur Nachbereitung.Ein festes Projektteam gibt es in manchen Sendern für wiederkehrende Projekte wie etwa Radio‐Aktionen. Häufig werden Projekte aber auch von speziell dafür zusammengestellten Projektteams oder von Redaktionen umgesetzt. In jedem Fall muss eine Projektleitung bestimmt werden.

Mareike Brombacher

Produktion

Frontmatter
Mit Mikrofon und Flash-Recorder richtig aufnehmen

Welches Mikrofon nimmt der Reporter für welchen Anlass?Zwei Arten von Mikrofonen gibt es im Prinzip. Sie unterscheiden sich nach der Art und Weise wie sie den Schall aufnehmen:die »Kugel« unddie »Niere«.Für besondere Aufnahme‐Situationen werden auch noch andere Mikrofon‐Typen eingesetzt, z. B. die »Keule«, die »Superniere«, die »Hyperniere« (alle um Lärm von störenden Schallquellen abzuschwächen) und das »Grenzflächenmikrofon« (für große Gesprächsrunden).Die Niere ist das gebräuchlichste vom Typ der gerichteten Mikrofone. Die zurzeit gängigen Geräte haben in der Regel Nierenmikros (in Stereoanordnung) als eingebaute Mikrofone. Ebenso sind die gängigen externen Mikros Nieren. Sie sind etwas »wählerischer« als die Kugel und nehmen vor allem den Schall auf, der nierenförmig von vorne kommt. Von den Seiten bekommen sie schon wesentlich weniger mit, von hinten fast gar nichts mehr.Meistens gilt: Je länger und dünner ein Mikrofon aussieht, desto stärker ist es ausgerichtet. Und je stärker seine Richtwirkung ausgeprägt ist, desto weniger Hintergrundgeräusche – wie Stimmengewirr oder andere Atmo – nimmt es auf (vgl. Beiträge »O‐Ton« und »Atmo und Geräusche«).Es empfiehlt sich, prophylaktisch auch immer Aufnahmen von der »reinen« Atmo mitzubringen. Eine bis zwei Minuten einfach ohne Sprache, das kann man dann im Notfall unterlegen.Der Nachteil des stark gerichteten Mikrofons: Es wird auch »handempfindlicher«, d. h. Geräusche durch die Handhabung verursachen.

Johannes Marchl
Regeln fürs Schneiden

Radio‐Journalisten müssen selbst schneiden können. Im Beitrag »Radio‐Beiträge schneiden und produzieren« sind die technischen Arbeitsabläufe beim digitalen Schneiden dargestellt. Hier geht es zunächst um die journalistische und die technisch‐handwerkliche Seite.Der Schnitt beginnt bei der O‐Ton‐Aufnahme. Wer diesem Leitsatz folgt, der wird, während er noch Worte und Geräusche einfängt, Ohren‐ und Augenmerk bereits auf die spätere Bearbeitung richten. Der geübte Autor oder Reporter hat Zeitgefühl. Er weiß, wann die ihm für sein Interview zur Verfügung stehende Zeit verstrichen ist. Er merkt sich, welche Passagen der O‐Ton‐Aufnahme er bei der Bearbeitung verwenden will. Wer dieses Zeitgefühl und Übersicht (noch) nicht hat, behilft sich bei längeren Aufnahmen mit den Markierungsmöglichkeiten des Recorders (»Marker setzen«) oder auch (manchmal noch) mit Stoppuhr und Notizblock. Sonst ist die Gefahr groß, dass er im Rohmaterial ertrinkt.Auf die Hintergrundgeräusche achten. Sie können in ungünstigen Fällen ganze Beiträge verderben:

Angela Siegel, Alexander Kulpok
Der eigene Audio-Produktionsplatz

Radiobeiträge selber zu produzieren ist kein Hexenwerk: Wer einmal die wichtigsten Abläufe und Regeln von Audio‐Bearbeitungsprogrammen verstanden hat, kann schnell, professionell und unabhängig von Techniker‐Teams und Produktionszeiten sendefertige Beiträge erstellen – und zwar nicht nur in den Radiosendern, sondern auch zu Hause oder im freien Journalistenbüro.Zum Einstieg reichen gute Computerkenntnisse und das grundlegende Verständnis, wie Aufnahme‐ und Abspielfunktionen, z. B. bei der eigenen Stereoanlage, funktionieren. Darauf lässt sich gut aufbauen.Der eigene Audio‐Arbeitsplatz von Hörfunkjournalisten sowohl für die technische Bearbeitung von Beiträgen als auch für die Textverarbeitung besteht im Wesentlichen aus den folgenden Komponenten:Computer, Monitor,Software für die Audio‐Bearbeitung,Headset (Kopfhörer mit Mikrofon),Ausspiel‐/Übertragungswege (Internet‐Anschluss; eventuell Software für den Filetransfer), um den fertigen Beitrag innerhalb des Senders oder von zu Hause/dem Journalistenbüro zum Sender zu übermitteln (zu den Einzelheiten vgl. Beitrag »Im Studio und mit dem Ü‐Wagen produzieren«).Die Basisausstattung kann ergänzt werden miteinem Mini‐Mischpult (zum Mischen verschiedener externer Tonquellen) undEinspiel‐Geräten, um O‐Töne oder Musik zur Bearbeitung in das System einzuspielen (wie z. B. digitale Rekorder mit Speicherchips, Minidisk‐Rekorder, DAT‐Rekorder, CD‐Spieler o. ä.).

Annette Moll
Radio-Beiträge schneiden und produzieren

Wie das Einspielen und Bearbeiten von O‐Tönen sowie das Produzieren eines fertigen Radiobeitrags funktioniert, wird im Folgenden beispielhaft anhand der DigAS‐Software (vgl. Beitrag »Der eigene Audio‐Produktionsplatz«) beschrieben, da diese weit verbreitet ist. Natürlich gibt es auch Schnittprogramme, die auf Apple oder Linux laufen. Hier sind deshalb Arbeitsabläufe dargestellt, die im Grundsatz programmübergreifend gelten.DigAS bietet drei große Bearbeitungs‐Programme:SingleTrack Editor mit einer Tonspur,EasyTrack Editor mit drei Tonspuren,MultiTrack Editor mit beliebig vielen Tonspuren.Andere Audio‐Bearbeitungsprogramme bieten in der Regel ebenfalls eine Mehrspur‐Funktion, oft als sogenanntes Plug‐in (Programmmodul zur Erweiterung der Basis‐Software).Das Arbeiten mit einer Tonspur (wie beim SingleTrack Editor) reicht, wenn der Reporter seinen Text nur mit einzelnen O‐Tönen versetzen will, also:Abgesehen von der reinen O‐Ton‐Nachrichten‐Produktion arbeitet aber kaum noch jemand mit einem Einspur‐Programm. Deshalb soll im Folgenden das Produzieren mit dem dreispurigen EasyTrack Editor erklärt werden.Ein Dreispursystem (wie EasyTrack) empfiehlt sich für etwas aufwändigere Produktionen. Denn damit lassen sich O‐Töne mischen, Text‐Clips mit O‐Tönen blenden, Beiträge mit Musikbett unterlegen usw. Musik und Atmo, O‐Töne, Text liegen dann in einer eigenen Spur:

Annette Moll
Im Studio und mit dem Ü-Wagen produzieren

Der Standardarbeitsplatz im Funkhaus ist die digitale Workstation, also das kompakte rechnergestützte und vernetzte Aufzeichnungs‐ und Bearbeitungssystem (vgl. Beitrag »Radio‐Beiträge schneiden und produzieren«). Damit sind einfache Produktionen sowohl in Technikräumen als auch in Redaktionen möglich. An den Workstations und in vielen Sendestudios (vgl. »Sendung fahren«) ist der Radio‐Journalist in der Regel (im Privatfunk immer) auch sein eigener Techniker.Bei besonders aufwendigen Produktionen werden aber Tontechniker/Producer eingesetzt. Dabei gilt: Radio‐Journalisten sind für den Inhalt verantwortlich, die Technik‐Kollegen für die technische Umsetzung.Trotz dieser grundsätzlichen Arbeitsteilung sollten (nicht nur) Anfänger durchaus die Ratschläge erfahrener Techniker auch bei inhaltlichen Fragen in ihre Entscheidung einbeziehen. Die Techniker/innen sind die ersten Hörer.Mit den Kollegen/innen von der Technik zusammenzuarbeiten ist einfacher, wenn man einig Ratschläge beherzigt. Man sollte

Thomas Peiler
Sendung fahren

Der rein journalistische Moderator, der sich allein auf das gesprochene Wort konzentriert und per Handzeichen seinen Techniker dirigiert, gehört in den meisten Funkhäusern der Vergangenheit an. Eher wie ein Pilot sitzt sein Nachfolger heute in einem Cockpit voller HighTech und fährt seine Sendung ohne Unterstützung selbst. Techniker sind zunehmend mit vorbereitenden und abwickelnden Tätigkeiten für das Programm befasst und helfen den Moderatoren während der Sendung nur noch in Notfällen. So sind die Anforderungen an das Technik‐Verständnis der Moderatoren einerseits kontinuierlich gestiegen, andererseits erleichtern Digitalisierung und automatisierte Abläufe das Fahren der Sendung enorm.Das Selbstfahrerstudio ist der Raum, in dem die Technik aufgestellt ist, mit der der Moderator seine Sendung »selbst fährt«. In technisch baugleicher Ausstattung gibt es direkt daneben meist ein zweites (Havarie‐) Studio. Bei nicht gleich lösbaren technischen Problemen kann der Moderator schnell dorthin wechseln und kennt sich sofort problemlos aus. Das Ausweich‐Studio wird ansonsten als Produktionsstudio genutzt. Ein kleineres Nachrichten‐Studio ist den beiden Selbstfahrerstudios zugeordnet. Es ist ebenfalls zum Selbstfahren ausgelegt. Große Glasfenster ermöglichen die Sicht von jedem Raum in jeden anderen. Dies ist das Grundprinzip der Anordnung der Sendestudios bei fast allen Privatsendern.

Stefan Braun

Beim Radio arbeiten

Frontmatter
Die Radio-Landschaft

Wer Radio‐Journalist werden möchte, für den sollte die akustische Wanderung durch die Radio‐Landschaft zur Gewohnheit werden, über den Äther und im Netz, zu Hause und im Auto. Was er dabei zu hören bekommt, das kann sich hören lassen – zumindest von der Menge her. Ob sie sich nun Radio Paradiso oder mephisto, Ostseewelle oder Wüste Welle, Radio Regenbogen oder sunshine live, Radio Lippe oder Radio Ohr, bigFM oder Smart Radio nennen – ob sie Lotte oder Lora, Prima 1 oder 1Live, BR‐Klassik oder hr‐info, nur Star, oder gleich Planet oder gar Galaxy heißen: An Radio‐Programmen herrscht kein Mangel.Um erste Radio‐Erfahrungen zu sammeln, sind fast alle Sender interessant, längst nicht alle bieten allerdings Arbeits‐ und Ausbildungsplätze für Radio‐Journalisten.Wer plant, sich um ein Radio‐Volontariat zu bewerben, sollte sich vorab (z. B. in einem vorgeschalteten Praktikum, im Netzauftritt des Senders oder beim SJV und anderen Gewerkschaften) darüber informieren, in welchem Umfang bei einem ins Auge gefassten Sender journalistische Tätigkeiten anfallen und wie dort eine Ausbildung abläuft (vgl. Beiträge »Aus‐ und Fortbildung in der ARD« und »Aus‐ und Fortbildung beim Privatfunk«).

Axel Buchholz
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk

Der öffentlich‐rechtliche (ö.‐r.) Rundfunk hat neben dem allgemeinen Rundfunkauftrag insbesondere den der Grundversorgung im Sinne einer Vollversorgung.Danach soll er sorgen für »ein umfassendes, sowohl Unterhaltung, Bildung, Information und Politik berücksichtigendes Programm,das die gesamte Bandbreite gesellschaftlichen Lebens und die kulturelle Vielfalt widerspiegelt,(das) sich an alle richtet undfür alle erreichbar ist.«Dieser Grundversorgungsauftrag ist von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts entwickelt worden und in den Rundfunkgesetzen sowie im Rundfunkstaatsvertrag gesetzlich geregelt.Damit ist dem ö.‐r. Rundfunk im Rahmen der dualen Rundfunkordnung (vgl. Beitrag »Die Radio‐Landschaft«) eine fundamental wichtige Aufgabe für die Meinungsbildung in unserer Demokratie zugewiesen, gleichzeitig ist er in seinen Aktivitäten aber auch darauf beschränkt. So sind ihm Grenzen gesetzt z. B. bei der Zahl der Programme und den auf Programmbegleitung beschränkten Aktivitäten im Internet.Die Bestands‐ und Entwicklungsgarantie, ebenfalls vom Bundesverfassungsgericht entwickelt, sichert dem ö.‐r. Rundfunk die Möglichkeit, auch an neuen Entwicklungen teilhaben zu können, um publizistisch konkurrenzfähig zu bleiben. Dies bezieht sich z. B. auf neue technische Verbreitungswege (wie das Internet), aber auch auf Inhalte. Auf die Finanzierung hat die Entwicklungsgarantie ebenfalls Auswirkungen. Sie muss gesichert sein, damit der ö.‐r. Rundfunk entsprechend Schritt halten kann.

Axel Buchholz
Der Privatfunk

Der Privatfunk hat seit dem sogenannten »Ludwigshafener Urknall« 1984 die Radio‐Landschaft nachhaltig verändert. Die Geschwindigkeit, mit der Privatsender entstanden, war rasant. Immer neue Namen tönten aus dem Äther – und verstummten teilweise auch wieder.Bundesweit, regional und lokal sendet das Privatradio. 2014 gab es der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten zufolge 179 lokale oder regionale, 72 landesweite und 17 bundesweite Privatradios.Privat‐wirtschaftliche Unternehmen sind die einzelnen Sender. Sie sollen vor allem mit Einnahmen durch die Rundfunkwerbung Gewinne erzielen. In der Regel (wenn auch nicht nur) halten Zeitungs‐ und Zeitschriftenverlage die Mehrheit der Gesellschafteranteile. Großverlage beteiligen sich oft bei mehreren Privatradios. Auch Privatsender sind Gesellschafter bei anderen Privatsendern.Sender‐Familien sind so entstanden (z. B. Regiocast mit zahlreichen Sendern und auch anderen Unternehmen; RTL‐Group). Die Entwicklung geht weiter in diese Richtung (auch mit gemeinsamen »Funkhäusern«), um Synergie‐Effekte und Vorteile bei der Vermarktung von Werbezeiten zu erzielen.Über die wirtschaftlichen Verflechtungen informiert in regelmäßigen Abständen die Fachzeitschrift Media‐Perspektiven.Eine gute Zusammenfassung der Beteiligungsverhältnisse im deutschen Privatfunk erstellt regelmäßig auch die »Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich« (KEK): www.kek-online.de/medienkonzentration/medienrelevante-verwandte-maerkte/hoerfunk.html

Axel Buchholz
Die Sender, die Jobs

»Hallo! Am Mikrofon ist Kerstin Kaloff.«»Hier ist Janett Jäger im Waldstadion.«»Nun die Nachrichten mit Thomas Thaler.«Moderatorin, Reporterin, Redakteur – das sind Jobs beim Radio, die alle kennen. Diese Radioleute stehen mit ihrem Namen für das Programm und sind meist vielen Hörern bekannt. Doch wer kennt schon die Chefin vom Dienst Maria Günther, den Musikredakteur Michael Lehmann, die On‐Air‐Designerin Marit Reinecke oder die Assistentin Anja Müller? Kaum einer, denn viele Radioleute arbeiten im Hintergrund, kommen im Programm kaum oder nie zu Wort – und sind trotzdem unentbehrlich.In einer Radiostation gibt es die unterschiedlichsten Aufgaben, vor und hinter dem Mikrofon. Wie die Arbeit organisiert ist, hängt von der Größe des Senders und vom Programm ab. Die Bandbreite reicht vom journalistischen Allrounder bis zum hoch spezialisierten Fachredakteur.Die ARD‐Rundfunkanstalten sind heute zumeist nach Programmen (auch Wellen genannt) organisiert – so wie beim Privatfunk auch. Der Grund ist: Jedes einzelne Radio‐Programm ist eine »Marke«, die im Radio‐Markt erfolgreich sein will. Um das zu können, müssen die Programme auch als Einheit mit eigenem Team und eigener Leitung organisiert sein.Die Programme (Wellen) haben meist einen großen Wortbereich und einen sehr wichtigen Musikbereich (vgl. Beiträge »Musik‐Programme mit dem Computer erstellen« und »Musik‐Moderation«).

Dietz Schwiesau
Fest oder frei

Zunächst die Situation bei den Privatradios: Nicht alle dort Beschäftigten fallen unter Tarifverträge. Zwar konnten die Journalistengewerkschaften 1991 erstmals einen Manteltarifvertrag mit dem Tarifverband Privater Rundfunk (TPR) abschließen. Dieser gilt jedoch nur für die Mitgliedsunternehmen des TPR, zu denen nur noch einige landesweite Hörfunksender gehören.Der Manteltarifvertrag mit dem TPR gilt für alle fest angestellten Mitarbeiter dieser Unternehmen. Er enthält Arbeitszeitregelungen, schafft Ansprüche auf Überstundenausgleich, sieht die Zahlung einer Jahresleistung (Weihnachts‐ und Urlaubsgeld) vor und sichert die Zahlung von Nacht‐, Sonn‐ und Feiertagszuschlägen. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 38 Stunden auf der Basis der Fünf‐Tage‐Woche. Der Urlaubsanspruch beträgt 30 Tage. Der Tarifvertrag verpflichtet die Unternehmen, für programmrelevante Bereiche Dienstpläne einzuführen. Dem Interesse der Beschäftigten nach planbarer Freizeit wurde dadurch Rechnung getragen.Der Entgelttarifvertrag mit dem TPR besteht seit 1993. Das Einstiegsgehalt für Redakteure bei landesweiten Hörfunksendern liegt im Jahr 2015 bei 3872 € monatlich, Volontäre erhalten im ersten Ausbildungsjahr 1614 €, im zweiten Ausbildungsjahr 1915 € monatlich. Die Gehälter werden 13,7‐mal pro Jahr gezahlt.

Michael Klehm
Eigene Beiträge vermarkten

Crossmediales Arbeiten entwickelt sich allmählich zum Standard. Mitarbeiter der Sender sollen daher ihre Beiträge multimedial für die Ausstrahlung im Radio, Internet und evtl. auch Fernsehen aufbereiten. Manchmal werden sie gebeten, nur ihre Recherche‐Ergebnisse oder Rohmaterial zur Verfügung zu stellen, damit Kollegen/innen dann daraus Beiträge für andere Medien erstellen. Bei Festangestellten sind solche crossmedialen Tätigkeiten grundsätzlich vom Gehalt abgedeckt.Bei freien Mitarbeitern/innen der ARD ist in den Tarifverträgen oder auch den Honorarbedingungen geregelt, ob – und wenn ja, in welchem Umfang – crossmediale Zusatzarbeiten gesondert honoriert werden. Dies kann über ein erhöhtes Grundhonorar oder über (kleine) Zusatzhonorare für zusätzliche Leistungen erfolgen. Einmal erbrachte Rechercheleistungen kauft der Sender in der Regel mit dem ersten Beitrag ein und bezahlt eine crossmediale Aufbereitung durch andere Redaktionskollegen z. B. als Audio im Netz oder als Podcast nicht gesondert. Bei aktuellen Magazinbeiträgen gilt das meist ebenfalls für Wiederholungen des Beitrags, auch in anderen Programmen des Senders.Die Regeln für die Honorierung sind von Sender zu Sender unterschiedlich. Man erfährt sie bei den jeweiligen Sendern und bei den Gewerkschaften.Beiträge auch bei anderen Sendern vermarkten. Festangestellte und Freie sollten dies nach Möglichkeit tun – aus zwei Gründen:

Axel Buchholz
Medienrecht für Radio-Journalisten

Die verfassungsrechtliche Grundlage für die Arbeit beim Radio ist Artikel 5 des Grundgesetzes (GG). Absatz 1 dieser »Magna Charta« für jede publizistische Arbeit überhaupt lautet wie folgt:»Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.«Die Vorschrift gewährleistet in Satz 1 das Recht auf Meinungs‐ und Informationsfreiheit; in Satz 2 wird die Presse‐, Rundfunk‐ und Filmfreiheit garantiert.Die Rundfunkfreiheit dient der Aufgabe, die freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung zu ermöglichen. Sie ist daher – so das Bundesverfassungsgericht – eine »dienende Freiheit«. Der Rundfunk, der neben dem herkömmlichen Hörfunk und Fernsehen auch alle neuartigen Dienste umfasst, hat in möglichster Breite und Vollständigkeit zu informieren. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe darf der Staat keine Zensur oder sonstige Einflussnahme auf das Programm ausüben. Diese »Staatsfreiheit« ist ein wesentliches Element der Rundfunkfreiheit und ist nicht auf die Berichterstattung im eigentlichen Sinn beschränkt, sondern umfasst das gesamte von der Rundfunkfreiheit geschützte Verhaltenvon der Beschaffung der Information,über die Produktion von Sendungen,bis zu ihrer Verbreitung.Träger der Rundfunkfreiheit sind neben den öffentlich‐rechtlichen Rundfunkanstalten auch die privaten Rundfunkveranstalter.

Katrin Neukamm
Trennung von Programm und Werbung, Ausloben von Preisen, Sponsoring

Die gesetzlichen Regelungen für diesen Bereich sind nicht einheitlich. Das ist eine Folge des Nebeneinanders von öffentlich‐rechtlichem und privatem Rundfunk in Deutschland (Duales System). Ein allgemeiner Teil der Vorschriften im Rundfunkstaatsvertrag (RStV) und in den Ländergesetzen gilt aber für beide Systeme. Spezielle Vorschriften beziehen sich dann entweder auf den ö.‐r. Rundfunk oder den Privatfunk. Was darin für den Privatfunk vorgeschrieben ist, darf der ö.-r. Rundfunk als Mindestnorm nicht unterschreiten (vgl. »Medienrecht für Radio‐Journalisten« und »Ethische Maßstäbe für die Radio‐Arbeit«).Werbung und Teleshopping müssen als solche klar erkennbar und vom redaktionellen Inhalt unterscheidbar sein (§ 7 Abs. 3 Satz 1 RStV). Darin kommt das Kennzeichnungs‐ und Trennungsgebot zum Ausdruck. Grundsatz:Der Hörfunk‐ oder Fernsehteilnehmer soll immer wissen, wann ihm eine vom Hersteller bezahlte Werbung angeboten wird und wann er von einem unabhängigen Rundfunk‐Redakteur im normalen Programm über Produkte oder Dienstleistungen informiert wird.Durch diese Verpflichtung soll auch Schleichwerbung ausgeschlossen werden (vgl. weiter unten).

Dieter Dörr
Praxis der Hörfunkwerbung

Hörfunkwerbung kann sehr rasch, relativ kostengünstig und national, regional und lokal gezielt eingesetzt werden. Die Produktionskosten für einen Hörfunk‐Spot sind (im Verhältnis zum Fernsehen) gering. Der Hörfunk ist das Begleitmedium für den ganzen Tag und erreicht die Kunden in allen Lebenslagen – beim Frühstück, bei der Fahrt zur Arbeit, am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Durch die Formatierung der Radio‐Programme kann Werbung im Hörfunk noch zielgruppengerechter als in der Vergangenheit platziert werden: beim reichweitenstarken Landessender, beim kurz genutzten Infokanal, im Begleitprogramm für ältere Hörer oder beim Hitradio für den Nachwuchs. Rund 400 Radiostationen bemühen sich in Deutschland um die Gunst der Hörer. Die meisten davon senden auch Werbung. Werbetreibende Kunden können durch diese Vielfalt des Radioangebots ihre Zielgruppe genau erreichen.

Hans-Dieter Hillmoth
Ethische Maßstäbe für die Radio-Arbeit

Während ethische Standards für die journalistische Radioarbeit in der Schweiz und in Großbritannien existieren, fehlen in Deutschland solche für alle Hörfunkanbieter verbindliche Leitlinien, die über die Vorschriften des Rundfunkstaatsvertrages und der Landesrundfunk‐ und Landesmediengesetze hinausgehen.Im Buch »Radio‐Journalismus« finden sich die Hinweise und Empfehlungen zu gesetzlichen Regelungen und radio‐ethischen Fragen vor allem in den Beiträgen »Medienrecht für Radio‐Journalisten« und »Trennung von Programm und Werbung, Ausloben von Preisen, Sponsoring« sowie jeweils dort, wo solche Fragen bei der praktischen Radio‐Arbeit auftauchen. So sind zum Beispiel im Beitrag »Moderatoren‐, Reporter‐ und Hörer‐Gespräch« auch rechtliche und radio‐ethische Fragen im Zusammenhang mit vorproduzierten, getürkten (unechten), Baukasten‐ und PR‐Interviews behandelt.Programmgrundsätze regeln neben den Anforderungen an den Programminhalt auch Fragen des Verhaltens bei der Erstellung des Programms. Sie sind für den Privatfunk wie für den öffentlich‐rechtlichen Rundfunk verbindlich in den Landesrundfunk‐ und Landesmediengesetzen festgeschrieben. Laut ARD sind »mit unterschiedlichen Formulierungen im einzelnen für die Landesrundfunkanstalten heute zumeist folgende Punkte geregelt«:

Ludwig Maaßen
Fachsprache

Wenn Radioleute über ihre Arbeit sprechen, bedienen sie sich oft einer Sprache, die für den Außenstehenden und den Neuling im Beruf ein Buch mit sieben Siegeln ist. Teils ist sie Fachsprache im engeren Sinn, teils recht handfester Radio‐Jargon. Wenn etwa davon die Rede ist, ein »Take« sei »gestorben«, dann ist damit schlicht gemeint, ein Abschnitt einer Aufnahme sei gelungen, also »im Kasten«.

Norbert Linke

Radio und Internet

Frontmatter
Der Radio-Auftritt im Netz

Fangen wir mit einer kleinen Zeitreise an – mit einem Blick auf die ersten Webseiten von Radiosendern vor 20 Jahren. Das Design ist spartanisch, das Layout erst recht, und man findet meist nur dies:den Livestream,das Programm,Bilder der Moderatoren,Informationen rund um Sender‐Aktionen wie Konzerte und Gewinnspiele,Mailformulare und simple Chats, aus denen bald erste eigene Sender‐Communities wachsen sollten.Genau diese Dinge suchen auch heutige Hörer auf der Sender‐Homepage. Mal abgesehen von den Sender‐Communities, die inzwischen Facebook und Co. übernommen haben, sind die zwei Jahrzehnte alten Ansätze ein guter Orientierungspunkt dafür, was ein Radio‐Begleitangebot im Internet ausmacht, nämlich:Service rund ums Programm,die wichtigsten Informationen aus dem Programm,Interaktion der Hörerinnen und Hörer zum Programm undKommunikation zwischen Radio‐Leuten und Hörern.Bei Konzeption und Umsetzung von Internet‐Angeboten müssen Radiosender eine klare Entscheidung treffen, was sie ihren Hörerinnen und Hörern bieten wollen:Programmbegleitung, also einen zusätzlichen Service für die Fans der Radiomarke, oderOnlinejournalismus, also ein Internet‐Angebot, das unabhängig vom Radiosender konkurrenzfähig ist.

Jan Eggers
Crossmediale Radio-Formate

Magicicada, die Periodische Zikade, hat eine sehr eigenwillige Überlebensstrategie. Das 2–3 cm große Insekt entkommt seinen zahlreichen Fressfeinden, indem es in der Masse seiner eigenen Artgenossen abtaucht: Die Zikaden schlüpfen alle gleichzeitig, wachsen auf, fressen, paaren sich, legen Eier – die dann 17 Jahre in der Erde auf die nächste Zikaden‐Fiesta warten.Was das mit crossmedialen Radio‐Formaten zu tun hat? Viel!»Cicada Tracker« als crossmediales Radioprojekt. Die amerikanische Wissenschafts‐Sendung »Radiolab« hat es sich ausgedacht, denn für die Bewohner der US‐Ostküste sind diese Zikaden‐Schwärme ein Riesenereignis. Wann die Zikaden genau schlüpfen, hängt von der Bodentemperatur ab. Also entwickelte das »Radiolab«‐Team den Bausatz für ein kleines, computerkontrolliertes Bodenthermometer. Über 1000 Freiwillige bauten es auf und meldeten ihre Messwerte. Dadurch ermöglichten sie dem »Radiolab« die Prognose, wann die Zikaden bei ihnen schlüpfen würden. Nachdem es passiert war, konnten sich Hörer beteiligen, indem sie die Schwärme über ein Web‐Formular melden, das Wissenschaftler mitentwickelt hatten. Auf einer Karte im Netz wurden die Bewegungen der Schwärme sichtbar.Im Radio‐ und im Podcast‐Programm ließ das »Radiolab« einen Musiker über das Zikadenzirpen improvisieren oder diskutierte über Zikaden als Nahrungsmittel. Rund um das Naturereignis gelang den Radiomachern so eine einzigartige Aktion (Hashtag: #swarmageddon).

Jan Eggers
Social Media und Radio

Die Hörerinnen und Hörer kommunizieren in den sozialen Netzen. Dort tauschen sie Neuigkeiten und ihre Meinungen aus, verbreiten Interessantes weiter, urteilen darüber, ob ihnen etwas gefällt oder nicht. Wenn das Radio im Gespräch bleiben will, muss es seine Hörer also über social media erreichen.Facebook, WhatsApp, Twitter, Tumblr? Der Begriff »Social Media« umfasst zahlreiche Plattformen zur vernetzten Gruppenkommunikation. Sie unterscheiden sich nicht nur in den Funktionen, die sie anbieten, sondern auch in Ansprache und Nutzergewohnheiten. Gemeinsam ist allen, dass sie sich rapide entwickeln – was man jetzt schreibt, ist morgen schon veraltet.Facebook wird trotzdem auf absehbare Zeit die dominante und wichtigste Plattform bleiben – etwa jeder zweite deutsche Online‐Nutzer hatte 2015 ein Facebook‐Konto. Auch wenn es gerade bei den Jüngeren den Trend gibt, verstärkt WhatsApp und andere Messenger zu nutzen: die Reichweite von Facebook ist ebenso global wie der Anspruch.Facebook will das Betriebssystem fürs Internet werden: Videos auf der eigenen Plattform machen der Google‐Tochterfirma Youtube zunehmend Konkurrenz. Inhalte sollen nach Facebooks Vorstellung zunehmend direkt bei Facebook hochgeladen werden, statt auf der eigenen Website – und so ihr Publikum besser erreichen. Zwei Facebook‐Einkäufe flankieren die Haupt‐Plattform:WhatsApp zur persönlichen Kommunikation undInstagram für emotionale, in Bildern festgehaltene Momente.

Jan Eggers
Radio im Web und Musikstreams

Radio im Web: Das Internet wird zunehmend wichtig für die Übertragung von Radio. In Deutschland ist das Web nach UKW mittlerweile der zweitmeist genutzte Übertragungsweg, vor Kabel, Satellit und DAB+. Weltweit senden 25.000 Webradios, in Deutschland etwa 3000. Folgende Formen von Radio im Web gibt es:Simulcast: Das normale (UKW‐)Radioprogramm wird zusätzlich (simulcast) auch als Live‐Stream über das Internet verbreitet.Webcast/Web only: Spezielle Radioprogramme, die nur im Internet zu empfangen sind.Channels/Streams: Radiosender, die das Netz nutzen, um zusätzlich zu ihrem UKW‐Programm weitere Web‐Programme mit unterschiedlichen Musikfarben und Inhalten zu streamen.Für Nachwuchs‐Radioleute bietet sich mit dem Webradio die Möglichkeit, Radio auszuprobieren. Der Aufwand ist gering, manchmal nur einige hundert Euro. Andere Webradio‐Macher erstellen und verbreiten neue Angebote für spezielle Zielgruppen.Die Bayerische Landesmedienanstalt (BLM) unterstützt Schüler und Lehrer in Bayern beim Aufbau von Schulradios. Sie hilft mit Schulradio‐Coaches, einem Starterpaket mit Infos und einer Schulradio‐Plattform, auf der Schüler Beiträge veröffentlichen können.Vielleicht bietet auch Ihre Landesmedienanstalt Unterstützung an, wenn Sie im Internet Radio machen wollen.Wird Musik im Webradio gespielt, muss vorher auf der Homepage der Gema und der GVL eine »Lizenz‐Vereinbarung« geschlossen werden. Die Kosten liegen derzeit bei 500 Euro aufwärts pro Jahr.

Hans-Dieter Hillmoth
Crossmedial beim Radio arbeiten

Das Internet als zentrale Drehscheibe für Text, Bild, Audio und Video hat dafür gesorgt, dass sich die Berufsbilder angepasst und damit auch die Anforderungsprofile für Einsteiger/innen verändert haben. Crossmediales Arbeiten ist zunehmend wichtig geworden. Darunter ist nach einer Definition von Prof. Klaus Meier (Katholische Universität Eichstädt‐Ingolstadt) zu verstehen:Crossmediales Arbeiten ist das »Kreuzen« der »traditionellen Medien« (Radio, TV, Print) mit den digitalen Plattformen wie dem Internet und der mobilen Kommunikation (Smartphones, Tablets).Mindestens zwei Kernkompetenzfelder brauchen die neuen Journalist/innen von heute. Hans Helmreich, Leiter Redaktion Telemedien des Bayerischen Rundfunks (BR): »Redakteure sollten heute neben ihrem Hauptmedium, für das sie sich spezialisiert haben, zumindest die Regeln und grundsätzlichen Anforderungen eines zweiten Mediums beherrschen.« Thomas Jung, der Programmchef von SWR3 drückt es so aus: »Wichtig ist, dass Internet mit in den Genen drin ist. Wir nennen das den Reporter 2.0.«»Ganz crossmedial« oder »auch crossmedial« arbeiten – das sind dann die beiden grundsätzlichen Möglichkeiten in der Berufspraxis beim Radio:Ausschließlich crossmedial arbeitet man als Online‐ oder Multimedia‐Redakteur meist in den Multimedia‐Redaktionen, manchmal aber auch speziell mit diesem Aufgabenbereich in Radio‐Redaktionen.Auch crossmedial muss, zumindest zeitweise, fast jeder Radio‐Redakteur arbeiten, indem er für sein Arbeitsgebiet beim Radio entweder der Multimedia‐Redaktion zuarbeitet oder selbst Inhalte in den Online‐Auftritt eingibt.

Günther Lindinger
Eigenes Webradio, eigene Podcasts

Im Netz konkurrieren die verschiedensten Formen von »Radio« um die Aufmerksamkeit der Hörer. Darunter auch hunderte von privaten, nicht‐kommerziellen Webradios – gemacht von Radiofreaks, die ihre Themen einfach selbst streamen. Gemeinsam ist allen die regelmäßige Programmübertragung – vom 5 Minuten Podcast zum 24‐Stunden Webradiostream (vgl. Beiträge »Radio im Web und Musikstreams« und »Die Radio‐Landschaft«). Radioenthusiasten, ob Profis oder Laien, können ohne viel technisches Know‐How und Kosten Live‐Sendungen oder Podcasts regelmäßig im Internet übertragen oder on‐demand veröffentlichen. Entgegen dem klassischen Verständnis der Radiojournalisten ist dabei im Netz der Anspruch ein anderer: Vor allem subjektive Berichterstattung ist gewollt und gewünscht – und nicht die objektive. Im Kontrast zur durchformatierten Medienlandschaft bieten eigene Podcasts oder Webradios die Chance für Kreativität, Partizipation und Selbstverwirklichung. Anders als bei Privatsendern oder im öffentlich‐rechtlichen Rundfunk können so alle Radiofreaks für ihre Themen Öffentlichkeit herstellen.

Tina Täsch

Aus- und Fortbildung

Frontmatter
Aus- und Fortbildung in der ARD

Eine journalistische Ausbildung zur Redakteurin, zum Redakteur ist im Rahmen eines Volontariats bei allen öffentlich‐rechtlichen Rundfunkanstalten möglich. Manche Sender schreiben von Zeit zu Zeit auch Spezialvolontariate aus, zum Beispiel in den Bereichen Dokumentation und Recherche oder Musik‐Journalismus. Außerdem bietet die ARD in jedem Jahr viele tausend Praktika und Hospitanzen in unterschiedlichen Bereichen an. Sie bezeichnet sich selbst als den größten journalistischen Ausbilder in Deutschland.So rekrutieren die ARD‐Sender, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle einerseits ihre Nachwuchskräfte und erfüllen andererseits einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag, indem sie ausbilden oder vertiefte Einblicke in ihre Arbeitsweise ermöglichen.Zugangsvoraussetzungen und Ablauf der Ausbildung unterscheiden sich von Sender zu Sender und können auf den jeweiligen Internetseiten nachgelesen werden. Eine Übersicht hat daserste.de unter dem Suchbegriff »Ausbildung« zusammengestellt. Sie zeigt:Das Praktikum. Die öffentlich‐rechtlichen Sender ermöglichen es Journalistenschülern und Journalistik‐Studenten, im Rahmen Ihrer Ausbildung Praxiserfahrung in den Medien Radio, Fernsehen oder Online zu sammeln. Diese Praktika sind durch den Lehrplan der Ausbildungsgänge vorgeschrieben.

Anja Miller
Aus- und Fortbildung beim Privatfunk

Die Mehrzahl der privaten Hörfunksender bildet mittlerweile auch Volontäre aus. Ein Ausbildungstarifvertrag liegt allerdings nur mit dem Tarifverband Privater Rundfunk (TPR) vor und hat rechtliche Bindung nur bei dessen Mitgliedern. Bei den nicht gebundenen Sendern ist die Qualität der Ausbildung sehr unterschiedlich.Auskünfte über Anzahl und Anschriften der Sender in den jeweiligen Bundesländern geben die zuständigen Landesmedienanstalten. Informationen über ausbildende Sender erhält man bei den Arbeitgeber‐Organisationen des Privatfunks, der »Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR)« und dem »Tarifverband Privater Rundfunk (TPR)« oder direkt bei den Sendern.Art der Ausbildung: Vor allem bei den kleinen Lokalsendern ist die Ausbildung in der Regel auf die besonderen Bedürfnisse des Betriebes zugeschnitten. Vermittelt wird, was erforderlich ist, um Sendungen zu machen. Dazu gehört neben Kenntnissen im Umgang mit der Technik die Fähigkeit, kurze und prägnante Beiträge zu produzieren. Eine wirkliche Ausbildung, wie zum Beispiel in den Printmedien üblich, ist bei diesen Sendern eher die Ausnahme. Selbst nicht alle größeren (in den meisten Fällen finanzstarken) Privatradios bieten ihren Volontären einen Ausbildungsplan, Ausbildungsredakteur oder überbetriebliche Ausbildung.

Michael Klehm
Aus- und Fortbildung in Österreich

Neben der Ausbildung beim ORF gibt es Lehrgänge an Universitäten, Fachhochschulen und von privaten Veranstaltern (s. unten).Der ORF als Ausbildungsstätte. Der redaktionelle Einstieg in den ORF erfolgt über das sogenannte Assessment‐Center: In einem eintägigen standardisierten, mehrstufigen Testverfahren werden Allgemeinwissen, journalistische Neugier, Schreibfähigkeit, Mikrofonstimme etc. abgetestet. Entsprechende Ausschreibungen werden auf http://jobs.ORF.at veröffentlicht.Die Schulung des ORF bietet Mitarbeitern vielfältige Seminare zur Förderung der Fach‐, Methoden‐und Sozialkompetenz an. Das reicht von PC‐Schulungen über Technikseminare aller Art, Projektmanagement oder Selbst‐ und Zeitmanagement bis hin zu Schulungen in allen Details der Programmarbeit in Radio, Fernsehen und Internet. Der Wissenstransfer erfolgt auf mehreren Ebenen: in (offenen) Kursen, bei Workshops oder – nach Bedarf – maßgeschneidert für individuelle Anforderungen. Auch eine Onlinebibliothek kann zu Rate gezogen werden. Weitere Angaben zum Schulungsangebot werden auf http://zukunft.ORF.at im Public‐Value‐Bericht des ORF veröffentlicht.Für Radiojournalisten bietet der ORF neben Spezialseminaren im Rahmen der Ausbildung der Lehrredaktionen eigene Curricula an. Diese erstrecken sich über mehrere Wochen und reichen von »theoretischem Wissen« (Rundfunkgesetz, Verwaltungstechnisches, etc.) bis zur praktischen Kenntnis des Handwerks (Umgang mit dem Mikrofon, Gestalten von Beiträgen, etc.).

Konrad Mitschka
Aus- und Fortbildung in der Schweiz

Ausbildungsmöglichkeiten bestehen bei der Schweizerischen Radio‐ und Fernsehgesellschaft SRG‐SSR und bei den privaten Lokalradios. Diese schicken ihre Auszubildenden in der Regel an die Schweizer Journalistenschule (MAZ). Das Schwergewicht in allen Ausbildungsangeboten hat einen starken Praxisbezug (Verbindung der Kurse mit dem »Training on the job«).Bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF (Teil der SRG‐SSR, der für die deutsche Schweiz Radiogramme, Fernsehprogramme und den Internet‐Auftritt produziert) ist die wichtigste Ausbildungsmöglichkeit der Stage (Volontariat).Ein Stage bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF bietet eine umfassende journalistische Grundausbildung in den Bereichen Radio, Fernsehen und Online. Ziel sind also trimediale Journalist/innen. Der Stage dauert zwei Jahre. Angeboten werden insgesamt 12 Stellen.

Gabriela Brönimann
Erfolgreich in Praktikum und Hospitanz

Die allermeisten sammeln ihre ersten Radio‐Erfahrungen als Praktikant oder Hospitant – manche schon als »Schülerpraktikant«. Gleich als freier Mitarbeiter anzufangen, gelingt immer seltener. Vor allem beim öffentlich‐rechtlichen Rundfunk wird es zunehmend schwerer. Die Regelungen für Praktika und Hospitanzen sind unterschiedlich von Sender zu Sender. Die ARD‐Anstalten machen dazu auf ihren Internetseiten unter »Ausbildung« genaue Angaben.Ein Praktikum dauert zwischen vier bis sechs Wochen und einem halben Jahr, häufig drei Monate. Es soll gezielte Berufsvorbereitung sein, etwa als Teil der Ausbildung an Journalistenschulen oder in Medien‐Studiengängen.Hospitanzen werden seltener angeboten und sind mit eher vier Wochen Dauer kürzer. Sie bieten entweder Gelegenheit zum Hineinschnuppern, zu ersten Informationen über die Arbeit beim Radio (z. B. SWR), oder um nach »ersten publizistischen Gehversuchen bei anderen Medien« die »Eignung für den Radio‐, Fernseh‐ oder Online‐Journalismus praxisnah zu testen« (BR).Die oft unbezahlten Hospitanzen und Praktika sind sehr begehrt und deshalb meist nicht einfach zu bekommen. Ein Anspruch auf Bezahlung nach dem Mindestlohngesetz besteht nur selten (s. u. »Weiterführende Web‐Links«).Bei Bewerbungen versuchen Universitäten und journalistische Ausbildungsstätten zu helfen, wenn Praktika zum Ausbildungsgang gehören. Aber selbst so kann es schwer werden, besonders bei einem bestimmten Sender oder in einer gewünschten Redaktion, einen Platz zu finden.

Axel Buchholz
Radio-Kurse

Radiomachen in Kursen vor Ort lernen? Je nachdem, ob für den Beruf, neben dem Beruf oder als Hobby, im Rahmen eines Studiums, in der Schule oder im Rahmen ehrenamtlichen Engagements, lassen sich fünf Arten von Anbietern unterscheiden: Journalismus‐Schulen und Medienakademien,Landesmedienanstalten und Ausbildungskanäle,Hochschulen mit Uni‐Radios oder Lehrveranstaltungen,kirchliche und politische Bildungsträger,Schulen sowie Einrichtungen der Jugend‐ und Erwachsenenbildung.Journalismus‐Schulen und Medienakademien veranstalten mehrtägige Kompakt‐Kurse, einige daneben auch Langzeit‐Lehrgänge. Praktisches Üben und Selbermachen stehen im Vordergrund.Mitarbeiter der öffentlich‐rechtlichen Sendeanstalten schult die ARD‐ZDF‐Medienakademie (www.ard-zdf-medienakademie.de). Sie bietet auch offene Seminare und Auftragsseminare an.In Kulmbach bei der Akademie für Neue Medien (www.bayerische-medienakademien.de) gibt es Volontärseminare und eine umfassende Hörfunkausbildung. Die Kurse der Akademie für Neue Medien sind als Einstieg für ein Volontariat konzipiert. Hier erwerben Nachwuchstalente Grundqualifikationen: Programmplanung, Reporterkenntnisse, Redaktion und Moderation, Musikauswahl, Konzeption von Sendeuhren, Produktion von Jingles und Werbespots.Fachspezifische Radio‐Seminare zu den Themen Radio‐Denken, Moderation in Radio und TV, Redaktion und Nachrichten, Produktionscoaching, Volontärskurse und mehr stehen auf dem Programm der BCI‐Rundfunkberatung (www.bci.de).Die Deutsche Pop Akademie (www.deutsche-pop.de) hat Seminarmodule vom Moderator bis zum Tonmeister im Programm.

Gabriele Hooffacker
Backmatter
Metadaten
Titel
Radio-Journalismus
herausgegeben von
Walther von La Roche
Axel Buchholz
Copyright-Jahr
2017
Electronic ISBN
978-3-658-10796-3
Print ISBN
978-3-658-10795-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-10796-3