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Über dieses Buch

Die Autor_innen dieses Bandes analysieren zum einen spezifische rassistische Phänomene und Widerstandsformen gegen diese in unterschiedlichen Nationalstaaten. Zum anderen arbeiten sie die Interdependenz spezifischer rassistischer Phänomene und Widerstandsformen im transnationalen Vergleich unter Berücksichtigung von Hegemonie- und Subalternitätsverhältnissen heraus. Unterschiedliche rassistische Phänomene in spezifischen nationalen Kontexten sind Teil transnationaler rassistischer Mechanismen. Der Fokus des Sammelbandes liegt in der Herausarbeitung rassistischer Mechanismen bei gleichzeitiger Beachtung der nationalstaatlichen Spezifizität sowie in der Analyse nationaler und transnationaler Widerstandsformen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Rassismuskritik und Widerstandsformen – Eine Einleitung

Rassismus ist ein historisch gewachsenes und gesamtgesellschaftliches Phänomen. Es ist ein Macht- bzw. Dominanzverhältnis (vgl. Rommelspacher 1998) und produziert materielle und symbolische Ausschlüsse, die es legitimiert, fortsetzt oder in aktualisierter Gestalt neu erschafft. Er bildet sich in allen gesellschaftlichen Teilsystemen wie dem Arbeits-, Bildungs- und Wohnungsmarkt ab.

Karim Fereidooni

Alltagsrassismus

Frontmatter

Rassismus. Eine viel zu lange Geschichte

Europas weiße Mehrheitsgesellschaften begreifen die aktuellen Flüchtlingsbewegungen nach Europa weder als Gewinn noch als Verantwortung, sondern als „Krise“. Das Recht auf Asyl wird gewährt, während es noch weiter beschnitten wird und Angsthysterien gewaltsame Übergriffe und politische Irrfahrten nähren. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt an, dass angesichts der Tatsache, dass 20% der deutschen Bevölkerung Muslim_innen sind, sich die Frage erübrige, ob der Islam zu Deutschland gehören kann.

Susan Arndt

Rassistische Diskriminierung aus der Erlebensperspektive: Theoretische Überlegungen zur Integration von sozialer Ungleichheits- und Diskriminierungsforschung

Eine systematische Analyse von 138 internationalen empirischen Studien zu erlebtem Rassismus kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich ein Viertel der Untersuchungen eine Definition ihres Forschungsgegenstandes darbot (Vgl. Paradies 2006, S. 889). Während der Rahmen und die exakte Einordnung von Rassismus diffus verbleiben, lassen sich aus den Befragungen die Aspekte „Kategorisierungen“ und „Hierarchisierungen“ durchgehend rekonstruieren. D.h., dass es auch aus der Perspektive der Betroffenen – also auf der Grundlage empirischer Befunde zur subjektiven Wahrnehmung bzw.

Aladin El-Mafaalani, Julian Waleciak, Gerrit Weitzel

Rassismus und der „undankbare Andere“ in den Niederlanden

Seit Beginn dieses Jahrhunderts lässt sich im öffentlichen Raum der Niederlanden zunehmend Rassismus gegen „den Islam“ und gegen Migrant_innen beobachten. Dies zeigt sich besonders offensichtlich in der anhaltenden Popularität der extrem rechten Bewegung „Partij voor de Vrijheid“ (Partei für Freiheit, PVV). Als 2009 ein neues Europaparlament gewählt wurde, war die PVV der große Gewinner.

Halleh Ghorashi

What’s love got to do with it? Queer lovers, hateful Others and decolonial love

In watching the mainstream media’s coverage of these events (the Ferguson uprising in 2015, Idle No More in 2012, and the Oka rebellion by Mohawks in Quebec in 1990) it seems difficult for Canadian and American society to see that love and rage are justified – to see Indigenous and Black peoples as fully human. I am repeatedly told that I cannot be angry if I want transformative change – that the expression of anger and rage as emotions are wrong, misguided and counter-productive to the movement. The underlying message in such statements is that we, as Indigenous and Black peoples, are not allowed to express a full range of human emotions.

Jin Haritaworn

Rassismus als Einübung in die neoliberale Transformation der griechischen Gesellschaft

Es wäre ein Leichtes, die Seiten dieses Artikels zu füllen mit unzähligen, dokumentierten Vorfällen gegenüber „Minderheiten“, sozusagen als Belege für die mehr als deutliche und offenbar zeitlose Präsenz rassistischer Diskurse und Praktiken in der griechischen Gesellschaft. Auch periodisch erscheinende Berichte verschiedener Einrichtungen und Stiftungen, sowie die Werte in etlichen Umfragen und Untersuchungen zeichnen nicht gerade das Bild einer toleranten und offenen Gesellschaft.

Athanasios Marvakis, Marianthi Anastasiadou

Jugendliche und Rassismuserfahrungen. Kontexte, Handlungsherausforderungen und Umgangsweisen

Längst nicht alle Menschen in Deutschland würden dieser Feststellung des Erziehungswissenschaftlers Paul Mecheril (1997, S. 196) in ihrer Grundsätzlichkeit zustimmen. Denn dem allgemein vorherrschenden Verständnis von Rassismus zufolge, ist dieser keineswegs, wie Mecheril hier erklärt, fester Bestandteil gesellschaftlicher Realität in Deutschland. Stattdessen gilt Rassismus als individualisierbares Ausnahmephänomen und Merkmal der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands, das nicht zur Beschreibung der gegenwärtigen, demokratisch verfassten Gesellschaft tauge.

Wiebke Scharathow

Diskriminierungserfahrungen türkeistämmiger Zuwanderer_innen

Erfahrungen der Ausgrenzung, vor allem wenn sie nicht zufällig und marginal, sondern systematisch erfolgen, zählen zu den einschneidenden verletzenden Erlebnissen des Menschen. Hilflosigkeit, Empörung und Wut sind oft die unmittelbaren Folgen. Bei Zuwanderer_innen markieren Diskriminierungen in einer klaren Sprache auch gesellschaftliche Positionierungen: Sie indizieren, wer „dazu gehört“, und wer „nicht dazu gehört“ und deshalb als „fremd und unerwünscht“ bewertet wird.

Haci-Halil Uslucan

Rassismus und psychische Gesundheit in Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und etwas zu ihrer Gemeinschaft beitragen kann“ (vgl. Bericht über die 63. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa 2013). Die psychische Gesundheit steht nach dieser Definition in einem engen Zusammenhang mit den sozioökonomischen Umständen im Lebensverlauf eines Menschen. Auf der gesellschaftlichen Ebene trägt die psychische Gesundheit zur sozialen Gerechtigkeit, zur Solidarität, zum Wohlstand und zum Frieden bei.

Amma Yeboah

Rassistische Gesellschaftsdiskurse

Frontmatter

Diskursive Verfestigungen ‚muslimischer Alterität‘

Das öffentliche Sichtbarwerden des einst in der ‚Gastarbeiter-Ära‘ unsichtbaren Islams ist ein Ausdruck der zunehmenden kulturell-religiösen Heterogenisierung der deutschen Gegenwartsgesellschaft. Im Modus der Sichtbarmachung und in der Rezeption eines sichtbargemachten Islams lassen sich jedoch kulturkontrastive und -klassifizierende Muster im Umgang mit kulturell-religiöser Heterogenität dechiffrieren, der in seinem Grundtenor auf eine Verfestigung der im Prozess der Sichtbarmachung hervorgebrachten kulturellen Dichotomien und Divergenzen abzielt.

Nurcan Akbulut

Diskursverschränkungen des antimuslimischen Rassismus

Studien zu Islamophobie, Islamfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus belegen übereinstimmend, dass es sich dabei um ein gesellschaftlich relevantes Thema handelt. Differenzen in der Benennung des Gegenstandes verweisen auf unterschiedliche bzw. wenig ausgeprägte Theoretisierungen des Phänomens hin. So wird in einigen Studien Islamophobie in den Zusammenhang von (berechtigter oder übersteigerter) Angst vor ›dem Islam‹ oder ›muslimischen‹ Anschlägengestellt (vgl. Heitmeyer 2012).

Iman Attia

Die Kopftuchdebatte in Deutschland

Es gibt viele Facetten der Kopftuchdebatte, wahrscheinlich ebenso viele wie des Kopftuchs selbst, das bunt, gemustert oder einfarbig sein kann, auf hundert verschiedene Art gebunden wird und nicht nur von Musliminnen, sondern auch von anderen Frauen z.B. aus christlicher Demut, aus modischen Gründen, als Altersoder Witwentracht oder gegen Schmutz, Kälte und bei Haarausfall getragen wird. Hier ist indes die Rede vom „islamischen“ Kopftuch, von Hijab oder Veil, weniger von der Burka oder dem Niqab und weiteren Ganzkörperbedeckungen, die auch das Gesicht verhüllen.

Sabine Berghahn

Ethnisch-nationale Homogenitätsvorstellungen, Ethnozentrismus und Migrationsdiskurse im transnationalen Raum

In den Diskussionen der letzten fünf Jahrzehnte um die Migrations- und Integrationsthematik in der Bundesrepublik erfuhren Begrifflichkeiten wie beispielsweise Rassismus, Nationalismus, Ethnizität, Kulturalisierung und multikulturelle Gesellschaft eine neue Konjunktur. Ob im wissenschaftlichen Kontext oder in der (politischen) Praxis, in den Medien oder im gesellschaftlichen Alltag wurden über diese Begriffe die wichtigsten Diskurse zur Einwanderungsgesellschaft geführt. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass diese Begriffe hierzulande auch den Raum für kontroverse Auseinandersetzungen geebnet und zur Konstruktion von gesellschaftlicher Ungleichheit und Hierarchisierung beigetragen haben.

Kemal Bozay

1915-2015: Hundert Jahre ungelöste Armenierfrage in der Türkei

Im Jahre 2015 jährte sich der Völkermord an den Armenier_innen zum hundertsten Mal. Die Bewertung dieser Ereignisse war lange Zeit umstritten bzw. wurde aus Sicht der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung kontrovers gehalten. Jedoch lässt sich heute konstatieren: Der Völkermord an den Armenier_innen unter der Herrschaft der jungtürkischen Bewegung Komitee für Einheit und Fortschritt (İttihat ve Terakki Cemiyeti) im Osmanischen Reich während des 1.

Burak Çopur

Rassismus in Kinderbüchern: Lerne, welchen Wert deine soziale Positionierung hat!

Die Frage nach Rassismus in Kinderbüchern polarisiert. Rassismuskritische Stimmen an Neuerscheinungen oder Nachdrucken von Klassikern werden entweder wenig ernst genommen, oder eine emotionale Empörung schwappt durch die Feuilletons.

Jens Mätschke

Der NSU-Prozess aus Sicht der türkischsprachigen Teilöffentlichkeit

Die Aufdeckung des terroristischen Netzwerks des Nationalsozialistischen Untergrundes sowie der NSU-Prozess finden ihren medialen Niederschlag auch in der türkischsprachigen Presse – respektive in den sogenannten Europaausgaben türkischsprachiger Tageszeitungen in Deutschland. Obwohl sich hier mittlerweile eine gewisse Indifferenz (Vgl. Kulaçatan 2015) bei der Berichterstattung breit gemacht hat, besaßen die Pressemedien in ihrer Form als Vertreterin und Sprachrohr der türkischsprachigen Teilöffentlichkeit in Deutschland eine durchaus relevante Funktion mit Blick auf die Hochphase im Zeitraum des Akkreditierungsverfahrens im Jahr 2013 (Vgl. Kulaçatan 2013).

Meltem Kulaçatan

“The Speaker is using the N-Word”: A Transnational Comparison (Germany-Great Britain) of Resistance to Racism in Everyday Language

On the evening that Mekonnen Mesghena refused to continue reading Die Kleine Hexe (The Little Witch) to his then seven-year old daughter, he found himself having to explain – once again – about racism in the German language. Encouraged by his daughter, Mesghena initiated an exchange of correspondence in 2012 with Thienemann Verlag, the publishers of the classic German children’s book. This exchange was to have a happy ending: the racist vocabulary did not appear in the following edition of the book.

Sharon Dodua Otoo

Anti-Roma-Rassismus

Diejenigen, die historisch als „Zigeuner“ und gegenwärtig als Roma bezeichnet werden, gelten in Europa als geradezu prototypische Fremde (vgl. Bogdal 2011. Lucassen 1996). Dies geht mit Praktiken der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung einher, deren Auswirkungen im Diskurs des Antiziganismus als vermeintlich typische Eigenschaften von Roma dargestellt werden. Roma wurde und wird mit unterschiedlichen Begründungen unterstellt, dass sie sich in die gesellschaftliche Ordnung nicht einfügen wollen: Sie wurden und werden als Nomaden in Differenz zur Sesshaftigkeit der Mehrheitsbevölkerung dargestellt und alsdiejenigen, die sich den Zwängen der Arbeitsgesellschaft nicht unterwerfen wollen. Sie gelten zudem als unverschämte Arme, welche die Hilfsbereitschaft der „Bürger_innen“ und des Wohlfahrtsstaates ausnutzen.

Albert Scherr

Moscheedebatten in Deutschland zwischen Religionsfreiheit und antimuslimischer Propaganda

Obwohl in Deutschland inzwischen 3,8 bis 4,3 Millionen Muslim_innen leben (vgl. Haug u.a. 2009, S. 80-83) ist die Mehrzahl der Moscheen weiterhin nicht in eigens errichteten Gebetshäusern, sondern in umgewidmeten Zweckbauten wie ehemaligen Fabrik- und Lagerhallen oder den sprichwörtlichen Hinterhöfen untergebracht. In den letzten Jahren haben allerdings mehr und mehr Moscheegemeinden Projekte zur Realisierung repräsentativer Gebetshäuser initiiert und damit das Recht eingefordert als sichtbarer Teil der städtischen Öffentlichkeit auftreten zu dürfen. Die Errichtung repräsentativer Moscheen in Städten wie Duisburg, Köln, Berlin, Frankfurt oder München ist auch ein Zeichen dafür, dass Muslim_innen, die zum Teil als sogenannte „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen, keineswegs „Gäste“ in diesem Land, sondern aktiver Teil der Gesellschaft sind. Trotz der seit Jahrzehnten bestehenden Normalität muslimischen Lebens werden Moscheeprojekte jedoch vielerorts hitzig diskutiert und muslimische Gemeinden müssen sich oft mit Protesten von Anwohner_innen, antimuslimischen Vorurteilen und Rassismen in den Medien sowie mit extrem rechten Vereinnahmungsversuchen auseinandersetzen.

David Christopher Stoop

Antiziganismus im neuen Netz. Eine Kritische Diskursanalyse zu Diskussionsforen deutscher Online-Zeitungen

‚Sozialtourismus‘, ‚Armutszuwanderer‘ oder ‚Armutsflüchtlinge‘ sind im gegenwärtigen medialen Einwanderungsdiskurs gängige, vorgeblich objektivneutrale Termini zur Beschreibung der Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien. Der Mythos um die Einwanderung in die Sozialsysteme hält sich seit mehr als 20 Jahren: Ängste, die auf einer vermeintlich wirtschaftlichen Bedrohung des Wohlfahrtstaates beruhen, richteten und richten sich in den 1990er Jahren und teilweise im aktuellen Zeitgeschehen gegen Geflüchtete und Asylsuchende. Der Mythos wird gegenwärtig aber ebenfalls auf eine Zielgruppe fokussiert, die bereits seit Jahrhunderten als Feindbild und Antagonist der bürgerlichen ‚westlichen‘ Gesellschaften fungiert: Sinti und Roma (vgl. hierzu Bogdal 2011).

Michalina M. Trompeta

"(Institutioneller) Rassismus in Institutionen"

Rassismus vor Gericht: weiße Norm und Schwarzes Wissen im deutschen Recht

Rassistische Diskriminierung ist Alltag in Deutschland. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verleiht den Betroffenen Rechtsansprüche, mit denen sie gegen erlittene Benachteiligungen vorgehen und Kompensation der Schäden und Verletzungen erlangen können. Obwohl rassistische und religionsbezogene Diskriminierung in Umfragen, Medienanalysen und Berichten von Antidiskriminierungsstellen eine große Rolle spielen, gibt es – im Vergleich zu anderen Diskriminierungskategorien wie Lebensalter, Behinderung und Geschlecht – kaum gerichtliche Verfahren (vgl. Rottleuthner/Mahlmann 2011, S. 469f.). Die wenigen veröffentlichten Urteile beruhen fast ausschließlich auf Klagen, in denen Antidiskriminierungsverbände die Kläger_innen bei der Vorbereitung und während des Verfahrens begleitet und unterstützt haben.

Daniel Bartel, Doris Liebscher, Juana Remus

Zur Entwicklung von institutionellem Rassismus: Rassistische Routinen in der kommunalen Praxis

Bis heute wird der Rassismus ganz überwiegend am rechten Rand der Gesellschaft lokalisiert und meist geht man davon aus, dass es sich bei denjenigen, die sich für rassistische Orientierungs-, Deutungs- und Handlungsmuster empfänglich zeigen, um Menschen in schwierigen Lebenslagen handelt. Diese aus der Frustrations-Aggressionstheorie bekannte Einschätzung wird häufig noch durch eine genderspezifische Komponente ergänzt. Entsprechend dieser Verortung geht es dann um junge Männer in schwierigen Lebenslagen.

Wolf-Dietrich Bukow, Karin Cudak

Racial Profiling: Eine menschenrechtswidrige Praxis am Beispiel anlassloser Personenkontrollen

Am 3. Dezember 2010 steigt ein deutscher Student in einen Regionalzug von Kassel nach Frankfurt/Main. Er studiert in Kassel und möchte über das Wochenende seine Eltern besuchen. Nach dem zweiten Zwischenstopp des Zuges verlässt er das Abteil, um sich einen Tee zu holen. Auf dem Weg zurück zu seinem Platz wird er von zwei Beamten der Bundespolizei wahrgenommen, angesprochen und aufgefordert, sich auszuweisen.

Hendrik Cremer

Rassismus? – Die Entscheidung des UN-Ausschusses gegen rassistische Diskriminierung (CERD) im „Fall Sarrazin“

Im September 2009 veröffentlichte die Kulturzeitschrift Lettre International ein mit Thilo Sarrazin geführtes Interview unter der Überschrift „Klasse statt Masse“. Anlass des Interviews war, dass die Zeitschrift zwanzig Jahre nach dem Mauerfall prominente Personen zur Entwicklung der Stadt Berlin befragt hat. Sarrazin, seit über dreißig Jahren in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, war zu dieser Zeit Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank und damit Inhaber eines hohen öffentlichen Amtes.

Hendrik Cremer

Die Aufarbeitung des NSU als deutscher Stephen-Lawrence-Moment? – Thematisierung von institutionellem Rassismus in Deutschland und Großbritannien

Der rechtsterroristischen Gruppierung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), die nach bisherigen Erkenntnissen aus der rechtsextremen Szene der 1990er Jahre hervorging und der Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe angehörten, werden zehn Morde, die in den Städten Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund, Kassel und Heilbronn begangen wurden, zugerechnet. Neun der Opfer wurden mutmaßlich aufgrund eines rassistischen Tatmotivs ermordet; acht Personen waren türkischer, eine Person griechischer Herkunft. Darüber hinaus werden dem NSU mindestens zwei Bombenanschläge, bei denen mehrere Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, sowie mindestens 15 bewaffnete Raubüberfälle in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zugerechnet.

Pascal Dengler, Naika Foroutan

Warum nicht jede Sprache in aller Munde sein darf? Formelle und informelle Sprachregelungen als Bewahrung von Zugehörigkeitsordnungen

Die nationalstaatliche Regulation der migrationsgesellschaftlichen Tatsache ist ganz sicher nicht die einzige bedeutsame Regulationsebene, aber eine relevante. Sie antwortet einem strategischen Bedarf, der dadurch entsteht, dass die imaginierte Einheit ‚Nation‘ durch Prozesse, die nicht allein mit Migrationsphänomenen, aber auch mit diesen einhergehen und aus ihnen resultieren, bei denen Phänomene des faktischen und symbolischen Überschreitens und Infragestellens der nationalen Grenzen eine prominente Rolle spielen, in eine Krise gerät. Es können hier zwei Typen von Krisen unterschieden werden: eine Art Identitätskrise, die zentral darauf verweist, dass die Plausibilität eines Wir-Phantasmas in Bedrängnis gerät, und eine Funktionskrise, in der es um die quantitativ-qualitative Regelung des Nachschubs an Subjekten für den funktionalen Bestand nationalstaatlicher Realität geht.

İnci Dirim, Paul Mecheril

Stärkung des Diskriminierungsschutzes in Deutschland am Beispiel des AGG

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das in Deutschland seit 2006 in Kraft ist, stellt einen wichtigen symbolischen und rechtspraktischen Schritt auf dem Weg zu mehr gleichberechtigter Teilhabe aller Bürger_innen dar. AchtJahre nach Verabschiedung des AGG haben zahlreiche Stellungnahmen, Beschwerden, außergerichtliche Einigungen und gerichtliche Verfahren gezeigt, wie notwendig das Gesetz ist. Die EU-richtlinienkonforme Auslegung einzelner Vorschriften durch Gerichte wurde angemahnt bzw. geklärt, es haben sich Lücken und widersprüchliche Regelungen beim Anwendungsbereich und auf der Rechtfertigungsebene herauskristallisiert und richterliche Auslegungspraktiken wurden aufgrund von Rechtsprechung etabliert.

Vera Egenberger

Rassismus im Lehrer_innenzimmer

Dass Rassismus ein Strukturierungsmerkmal der gesamten deutschen Gesellschaft und nicht nur ein Problem einiger weniger arbeitsloser Jugendlicher aus Ostdeutschland ist, beweisen Studien, die Rassismus als Ideologie der Mitte identifizieren (vgl. Decker/Kies/Brähler 2012. Heitmeyer 2012. Hentges 2014). Wenn beispielsweise jede_r achte Untersuchungsteilnehmer_in (12,8 Prozent) der Aussage zustimmt: „Die Weißen sind zu Recht führend in der Welt“ (Heitmeyer 2012, S. 38); jede fünfte Person (22,6 Prozent) der Ansicht ist: „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“ (ebd., 38) und knapp die Hälfte der Befragten (47,1 Prozent) glauben: „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland“ (ebd., S. 38), ist erkennbar, dass rassistisches Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft (re)produziert wird. Rassismus ist ein historisch gewachsenes und gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Karim Fereidooni, Meral El

Race, Racism and Resistance in British Academia

In 21st century Britain, racial inequality remains deeply embedded in the fabric of society (cf. Institute for Public Policy Research 2010) and especially so within academia, where White racial power and privilege is accurately encapsulated in the term ‘ivory tower’(cf. Schick 2000). With the exception of academics of Indian and Chinese descent; people of colour from other ethnic groups remain under-represented in academia in proportion to their populations in the UK, especially at senior levels. For example, academics from the Black British population account for only 1.48% of total academic staff and 0.45% of professors. But when gender is factored in, the disparities are even more pronounced, as only 0.1% of all professors are Black females.

Deborah Gabriel

Muslim_innen als Bedrohungsfigur für die Schule – Die Bedeutung des antimuslimischen Rassismus im pädagogischen Setting der Lehramtsausbildung

Die in diesem Artikel analysierten Phänomene des Othering (vgl. Velho 2010) betrachten wir als Ausdrucksformen des antimuslimischen Rassismus. Bevor anhand des empirischen Materials nachgewiesen werden kann, inwiefern dieser Blickwinkel bezogen auf die beobachteten Phänomene gerechtfertigt ist, soll hier der Begriff genauer bestimmt und zu ebenfalls in ähnlichen Kontexten häufig verwendeten Begriffen wie Islamfeindlichkeit, Islamophobie und Antiislamismus abgegrenzt werden.

Yasemin Karakaşoğlu, Anna Aleksandra Wojciechowicz

Polizei, Justiz und rassistische Diskriminierungen in Frankreich

Behandelt die französische Polizei alle Personen, die ihrem Zugriff unterliegen, gleich, auch wenn diese verschiedener Herkunft sind? Praktiziert die Strafjustiz gegenüber Menschen verschiedener Herkunft, die ihrer Gerichtsbarkeit unterworfen sind (Opfer, Beschuldigte und Verurteilte), einen diskriminierungsfreien Umgang?

Fabien Jobard, René Lévy

Institutionelle Diskriminierung: Rechtliche Möglichkeiten in Deutschland und Großbritannien

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss, der sich mit dem Versagen der Sicherheitsbehörden bei den Ermittlungen zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) befasst hat, hat eine breitere öffentliche Diskussion über das Phänomen der institutionellen Diskriminierung entfacht. Auch wenn der Untersuchungsausschuss selbst sich nicht dazu durchringen konnte, institutionelle Diskriminierung zu diagnostizieren (vgl. Lewicki 2014b), hat sein umfassender Bericht doch die Konturen des Phänomens umfassend beschrieben (vgl. Deutscher Bundestag 2014). Explizit fokussierte sich der Untersuchungsausschuss auf direkte Diskriminierung, die darin besteht, dass Personen aufgrund bestimmter Merkmale, wie zum Beispiel ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Religion, ethnischen Zugehörigkeit, ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung oder ihrer Hautfarbe, eine nachteilige Behandlung erfahren.

Aleksandra Lewicki

„Man denkt, man kann sich alles erlauben, weil sie Schwarz sind“ – Schüler_innen afrikanischer Herkunft über Rassismus in ihren Schulbüchern

Die Diskussion um Rassismus bei der Darstellung von „Afrika“ und Schwarzsein in deutschen Schulbüchern hat sich festgefahren. Während zahlreiche Schulbuchanalysen die Aufrechterhaltung kolonialer Perspektiven kritisieren, bestehen einige Schulbuchverlage und Kultusministerien darauf, sich weitgehend an eine politisch korrekte Darstellung zu halten. Es gibt jedoch kaum Untersuchungen darüber, was diese umstrittenen „Afrika“-Bilder bei Schülerinnen und Schülern eigentlich bewirken.

Elina Marmer

Internationale Mobilität ohne reflexive Mobilität? Eine rassismuskritische Auseinandersetzung mit studienbezogenen Auslandsaufenthalten in der Lehrer_innenbildung

Internationalisierung wird in Deutschland als zentrales Element für ein innovatives Hochschulprofil betrachtet (vgl. GWK 2013, S. 2). Auch wenn der Begriff Internationalisierung vielfältige Gesichtspunkte beinhaltet, wird diesbezüglich vor allem die internationale Mobilität von Studierenden und Lehrenden durchgängig als zentraler Bestandteil verstanden (vgl. Hahn 2004, S.13).

Mona Massumi

Koloniale, nationalsozialistische und aktuelle rassistische Kontinuitäten in Gesetzgebung und der Polizei am Beispiel von Schwarzen Deutschen, Roma und Sinti

Weltgeschichtlich kann in Bezug auf den europäischen Kolonialismus von historischen Traditionen und aktuelle Praxen verweigerter gleicher Rechte, verweigerter gleicher Möglichkeiten und verweigerten Mitgefühls (compassion) gegenüber den intern oder extern als „anders“ angesehenen natio-ethno-kulturellreligiös-rassistisch eingeteilten und vergeschlechtlichten „Anderen“ gesprochen werden (Vgl. Essed 1991. Plumelle-Uribe 2004. Melter 2013). Die europäischen Nationalstaaten waren und sind seit ihrer Gründung konstitutiv mit vergeschlechtlichten und rassistischen Abwertungspraxen und -ideologien verwoben (Vgl. Pateman/Mills 2008. Kilomba 2008). Während koloniale Praxen und sogar Genozide wie der von Deutschen an den Herero und Nama begangene Völkermord 1904-1908 im heutigen Namibia sowie der 1915-1916 von Türk_innen an den Armenier_innen begangene Völkermord 1914 (Vgl. Zimmerer 2011) nicht international von der Staatengemeinschaft mit Wirtschafts- oder Militärinterventionen beantwortet wurden, reagierte die Weltgemeinschaft – auch im Kontext der deutschen Angriffskriege gegen verschiedene Länder im Ersten und Zweiten Weltkrieg – auf die nationalsozialistischen Völkermorde des Zweiten Weltkrieges mit militärischen Interventionen sowie politischer, moralischer und rechtlicher Verurteilung der rassistischen Ideologie und der Massenmorde (Vgl. Geiss 1997).

Claus Melter

Uttering “race” in colorblind France and post-racial Germany

The lack of discussion, academic and otherwise, on race in continental Europe has far-reaching implications for the fight against structural racial inequalities and discrimination. In fact, European race-blindness and post-racialism are highly problematical in a social context where all forms of racism continue to reflect the privileges, positions and biases of the white dominant population (see Eggers et al., 2005). Instead of confronting all dimensions of racism, the discourse focuses on the individual aspect of racism, failing to address historical, structural and institutional racism.

Emilia Roig

Der Fall Sarrazin im Kontext des anti-muslimischen und institutionellen Rassismus

Der anti-muslimische Rassismus tritt nicht als offener, biologisch konnotierter Rassismus auf, sondern vorwiegend als „Islamkritik“ im Rahmen von Debatten über „Integrationsdefizite“ usw., zum Teil unter dem Deckmantel eines „Kampfes um Meinungsfreiheit“ und auch in der Form einer Ablehnung des Antisemitismus. Der renommierte Vorurteils-Forscher Wolfgang Benz, der lange Zeit die Antisemitismusforschung an der Berliner Technischen Universität geleitet hat, macht in seinem 2012 erschienen Buch „Die Feinde aus dem Morgenland – Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet“ die interessante Beobachtung, dass der Philosemitismus in Deutschland mit einer Abneigung gegenüber dem Islam verknüpft wird: „Neuerdings werden gegenüber dem Islam die Traditionen eines christlich-jüdischen Abendlands beschworen. Als hätten Juden und Christen in Europa zwei Jahrtausende lang in tiefstem Frieden und höchster Harmonie gelebt, im Bewusstsein gemeinsamer Werte und gemeinsamer religiöser Tradition.

Eberhard Schultz

Was fokussieren (schul-)pädagogische „Inklusionsperspektiven“ (eher nicht)? Ein rassismuskritischer Kommentar

„Rassismuskritik beinhaltet macht- und selbstreflexive Betrachtungsperspektiven auf Handlungen, Institutionen, Diskurse und Strukturen“ (Mecheril/Melter 2010, S. 172). Im Hinblick auf Bildungsinstitutionen und Bildungszusammenhänge ist sie ein entscheidendes Merkmal einer Pädagogik, die nach den „sozialen und politischen und schließlich subjektiven Bedingungen der Möglichkeit [fragt], nicht dermaßen auf einschränkende und beschneidende Handlungs-, Erfahrungs- und Denkformen angewiesen zu sein“ (Mecheril 2010, S. 20).

Saphira Shure

Rechtsextremismus

Frontmatter

Rechtsextremismus und Demokratieentwicklung: Der offensive Ansatz der Auseinandersetzung auf kommunaler Ebene

Der Rechtsextremismus zielt auf die Überwindung der demokratischen Gesellschaft und des demokratischen Verfassungsstaates. Er versteht sich als revolutionäre Kraft und kämpft mit den Mitteln der Moderne für eine überkommene Gesellschaftsidee des vorvorherigen Jahrhunderts. Statt Vielfalt soll die Reinheit dominieren, Rassenideologien statt Konzepte der Vielfalt, Führerprinzipien statt Mitbestimmung.

Dierk Borstel

Hate Speech im Rechts-Rap. Analyse eines rassistischen Phänomens

Das Internet entwickelt sich zu einer Kommunikationsplattform, auf der Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und allgemein diskriminierende Äußerungen auch in Form von Hassreden in beängstigendem Ausmaß zunehmen. Diese Entwicklung stellte der im Juli 2015 veröffentlichte Jahresbericht des Europarats-Ausschusses gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) in den Mittelpunkt seiner Bilanz des Jahres 2014 (vgl. Council of Europe 2015). Sie umfasst fast alle europäischen Länder, so auch Deutschland, wobei Ländergrenzen hier immer weniger von Belang sind.

Karim Hassan

Pegida – Deus ex machina?

Seit Oktober 2014 macht ein Akronym von sich reden, hinter dem sich ein Wortungetüm verbirgt: PEGIDA steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Doch was genau meint „Patriotische Europäer“, und was verbirgt sich hinter der vermeintlichen Gefahr einer „Islamisierung des Abendlandes“? Einleitend sollen diese Begriffe kurz erläutert werden.

Gudrun Hentges

Staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der radikalen Rechten in Frankreich

Maßnahmen zur Bekämpfung der radikalen Rechten sind in zahlreichen europäischen Ländern nach den Wahlerfolgen entsprechender Parteien auf die politische und mediale Agenda gesetzt worden. Dabei erscheinen die politischen Parteien als Hauptakteur des politischen Kampfes gegen die radikale Rechte. In der Wissenschaft ist bisher insbesondere deren Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg rechtsradikaler Parteien zum Thema gemacht worden (vgl. Downs 2012. Van Spanje/Van der Brug 2007. Meguid 2005).

Bénédicte Laumond

Strategien gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Drei Jahre nach Entdeckung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU)

Rassistische und extrem rechte Gewalt bis hin zu Mord und Terror sind in der Bundesrepublik Deutschland keine Einzelfälle. Dass „Rechtsextremismus“ von staatlichen Behörden übersehen, unterschätzt und unzureichend bewältigt wird, zeigt beispielhaft die Mordserie des “Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Darüber hinaus manifestieren sich rassistische Vorurteile durch Diskriminierung und Ausgrenzung.

Britta Schellenberg

Die türkischen Ülkücüs im transnationalen Raum. Ein Blick auf die historischen und ideologischen Grundlagen der Ülkücü-Bewegung und ihre Netzwerke in Deutschland

Im vorliegenden Artikel geht es um die Analyse der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) im transnationalen Raum, spezifisch in Deutschland. Im deutschsprachigen Raum ist die MHP-Bewegung eher unter den Namen Graue Wölfe (Bozkurtlar) oder Ülkücüs (Ülkücüler) bekannt. Ich werde in diesem Artikel die Bezeichnung MHP und Ülkücüs verwenden.

Savaş Taş

Widerstand und Empowerment

Frontmatter

Wem gehört der Campus? Weiße Unilandschaften und Widerstandsformen von Student_innen of Color in Deutschland

Der Titel dieser Arbeit ist ein politischer Slogan, der aus weißen herrschaftskritischen Kreisen bekannt ist und meiner Meinung nach in den meisten Debatten zu kurz greift. Er tauchte schon mehrfach in kapitalismuskritischen Kontexten in Form von „Wem gehört die Stadt?“, wenn es etwa um leerstehende Gebäude, oder „Wem gehört die Uni?“, wenn es um teure Baumaßnahmen an Universitäten ging, auf. Mit meiner Frage, wem der Campus nun gehört, möchte ich aber eine Problematik betrachten, die weder in weißen studentischen Interessenvertretungen, noch in den weißen Strukturen der Universität als solches zum Diskurs gehört.

Emine Aslan

Empowerment im Lehramtsstudium

Der Beitrag befasst sich mit der Frage nach der Bedeutsamkeit von Empowerment-Räumen für angehende Lehrer_innen in der universitären Lehramtsausbildung. Am Beispiel des Seminars „Kreatives Empowerment für Lehramtsstudierende mit Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen“, das im Wintersemester 14/15 an der Universität Bremen stattgefunden hat, sollen Erfahrungen mit dieser Durchführungsphase diskutiert werden. Zunächst wird eine Standortbestimmung vorgenommen, in der die Impulse für die Umsetzung des Empowermentseminars verdeutlicht und die hier eingenommene Perspektive auf Empowerment, Bezeichnungspraxen und Orte des Sprechens in rassistischen Verhältnissen skizziert werden.

Aysun Doğmuş

Beschwerdestellen gegen Diskriminierungen in Bildungseinrichtungen

Bei Diskriminierungsvorfällen in Schulen fragen sich Betroffene oftmals: Werde ich diskriminiert? An wen kann ich mich wenden, um wirksam dagegen vorgehen zu können? Schulen sind, wie alle staatlichen Akteure, gebunden an das Grundgesetz und somit auch an das Gleichbehandlungsgebot gemäß Art. 3.

Meral El, Maryam Haschemi Yekani

Empowerment als Erziehungsaufgabe: Verarbeitungsstrategien gegen Rassismuserfahrungen von binationalen Kindern und Jugendlichen

Ablehnungserfahrungen vom sozialen Umfeld aufgrund der eigenen Herkunft führen zu Akkulturationsstress bei Migranten_innen. Dieser Stress stellt gerade binationale Kinder und Jugendliche (mit Migrationshintergrund) in Deutschland vor eine permanente Herausforderung und Belastung: den Umgang mit Rassismuserfahrungen im Alltag, in Kindertageseinrichtungen und der Schule. Studien belegen, dass hier Benachteiligung, Rassismus und institutionelle Diskriminierung stattfinden.

Nkechi Madubuko

Kritik der Rassismuskritik

Frontmatter

Rassismuskritische Bildungsarbeit. Herausforderungen – Dilemmata – Paradoxien

In diesem Beitrag will ich den Zumutungen, Chancen und Grenzen einer rassismuskritischen Bildungsarbeit nachgehen. Dafür ist es sinnvoll, den diesem Beitrag zugrunde liegenden Rassismusbegriff zu erläutern, die Ursachen und Wirkungsweisen des Rassismus zu beschreiben, einzelne Herausforderungen, Dilemmata und Paradoxien zu benennen sowie Rahmenbedingungen einer angemesseneren Thematisierung und Problematisierung der rassismuskritischen Bildungsarbeit aufzuzeigen.

Anne Broden

Rassismus und Rassismuskritik: Kritische Anmerkungen zum neuen Rassismusdiskurs in der deutschsprachigen Öffentlichkeit und Sozialwissenschaft

Von Rassismus zu sprechen, wurde in Deutschland während der Nachkriegsdekaden bis weit in die 1990er-Jahre hinein weitgehend vermieden. Der Hauptgrund hierfür mag gewesen sein, dass mit dem Begriff „Rassismus“ das Konzept der Rasse impliziert ist und dieses Konzept untrennbar mit der in der frühen Anthropologie entwickelten Rassenlehre verbunden ist, die u.a. dem Nationalsozialismus die Grundlage dafür bot, Menschen als Angehörige verschiedener Rassen zu identifizieren, sie in höher- und niedriger wertige Rassen zu unterteilen und ihnen eine dieser Unterteilung entsprechende Behandlung zukommen zu lassen (vgl. hierzu und zur – noch deutlich weiter in die Vergangenheit reichende – Geschichte des Begriffs der Rasse Bargatzky 1997 sowie Geulen 2007). Rassismus wurde daher mehr oder weniger als ein historisches Phänomen angesehen, das entweder für überwunden gehalten wurde oder von dem man meinte, dass man es besser auf sich beruhen lassen würde, besonders angesichts der Tatsache, dass sich die Vorstellung von der Existenz verschiedener biologischer Menschenrassen als wissenschaftlich nicht haltbar erwiesen hat (vgl. Ferraro, Trevathan/Levy 1994, S. 142-145.

Heike Diefenbach

Rassismusthematisierungen in den Nachwirkungen des Nationalsozialismus und seiner Aufarbeitung

Als postnationalsozialistische Konstellation betrachte ich den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext, aus dem heraus über gegenwärtigen Rassismus in Deutschland gesprochen werden kann. In dieser Konstellation wirkt das Erbe der Ideologie der Volksgemeinschaft nach (vgl. Messerschmidt 2009), ohne dass es sich dabei um eine ungebrochene Tradition handelt. Schließlich ist es neben Abwehr, Leugnung und Relativierung zu vielfältigen Formen der Aufarbeitung der NS-Verbrechen gekommen.

Astrid Messerschmidt

Kritisches Weißsein

Frontmatter

Whiteness and White Privilege: Problematizing Race and Racism in a “Color-blind” World and in Education

Whiteness and White privilege are not terms that are easily identifiable, well known and or universally accepted. They are terms that have been traditionally overlooked from local and national discussions in the public, cultural, political, and educational realms. While issues of multiculturalism, diversity, and cultural pluralism, and other necessary themes related to identity and cultural integration are generally discussed within an air of assurance and simplicity, there is an immense salience to, and lack of, critical discussion surrounding racism in Canada, the United States of America, and elsewhere around the globe, particularly in relation to Whiteness, and White privilege (Cf. Carr/ Lund, 2007. Sullivan 2006. Tochluk 2010).

Paul R. Carr

Die Vermittlung von herrschaftskritischem Wissen: Kindheitswissenschaftlich relevante Interventionen in rassistischen und sexistischen Gesellschaftsverhältnissen

Die im obigen Zitat erwähnten Worte von Foucault lassen darauf schließen, dass menschliches Leben regiert wird. Auch wir Autorinnen sind der Ansicht, dass unser Leben von Herrschaftsstrukturen durchzogen ist. Unsere soziale Position als weiße, cis-lebende Frauen verdeutlicht einen Teil unserer persönlichen, strukturellen Verwobenheit in Ungleichheitsverhältnisse.

Annika Stark, Anika Noack

Seeing through race: Der Fokus auf die eigene Rezeptionsgewohnheit als Ansatzpunkt rassismuskritischer Bildungsarbeit mit dem Medium Bild

Bilder sind Dokumente, die ebenso wie geschriebene oder gesprochene Texte einen etablierten Zugang zu sozialen Strukturen und Prozessen bieten. Hinsichtlich rassismusrelevanter sowie migrationsgesellschaftlicher Thematiken sei an dieser Stelle z.B. die Arbeit von Stuart Hall (1997) oder auch der Essay von John Berger und Jean Mohr (1975) genannt.

Tim Wolfgarten

Backmatter

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