Skip to main content
main-content

03.09.2019 | Rating | Im Fokus | Onlineartikel

Banken erkennen Bedarf für Nachhaltigkeitsratings

Autor:
Barbara Bocks
2:30 Min. Lesedauer

Wie nachhaltig sind Kreditinstitute? Gute Frage, schwierige Antwort. Nachhaltigkeitsratings können Investoren und anderen Stakeholdern helfen, genauer herauszufinden, wie Banken in diesem Bereich tatsächlich agieren. 

Nachhaltiger zu wirtschaften wird immer wichtiger, sei es für Unternehmen oder Privatpersonen. Gerade institutionelle Investoren achten immer stärker auf Nachhaltigkeitsratings potenzieller Einstiegs- und Übernahmeziele. Diese können als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme dienen. "Die jüngste Finanz-und Wirtschaftskrise hat eindrucksvoll gezeigt, dass Ratingverfahren über konventionelle Risikomodelle zu kurz greifen", beschreibt Springer-Autor Nils Ossenbrink in dem Buch "Rating von Vermögensverwaltungen" (Seite 131). So befanden sich zum Ausbruch der Krise oftmals Anleihen der Krisenstaaten Portugal und Griechenland in konventionellen Portfolios, da diese Papiere als sicher galten, trotz erhöhter Risikoprämie. "Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten dagegen waren sie schon frühzeitig als zu riskant eingestuft worden", argumentiert Ossenbrink.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Nachhaltigkeitsmanagement deutscher Banken - im Lichte anerkannter Nachhaltigkeitskodizes

Immer mehr Banken versuchen, sich als nachhaltig zu präsentieren und orientieren sich dabei an Kriterien verschiedener Nachhaltigkeitskodizes. In welchem Maße werden diese erfüllt? Der Beitrag vergleicht die Selbstdarstellung von Banken aus Österreich und Deutschland aus dem Genossenschafts-, dem Sparkassen- und dem privaten Sektor.

Ratingagenturen stellen sich um

Durch das vermehrte Interesse an Nachhaltigkeitsratings kommt auch der deutsche Markt der darauf spezialisierten Ratingagenturen in Schwung. So hat beispielsweise die amerikanische Investmentfirma Institutional Shareholder Services im März 2018 die Münchner Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research übernommen. Diese firmiert jetzt auf dem deutschen Markt als ISS-Oekom. 

Mitte Juni diesen Jahres hat auch die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity angekündigt, dass sich das hauseigene globale Research-Team aus knapp 180 Renten- und Aktienanalysten künftig mit eigenen Nachhaltigkeitsratings beschäftigt. Das Anlageuniversum werde dabei laut Angaben der Fondsgesellschaft in 99 Teilsektoren untergliedert, um branchenspezifische Kriterien einfließen zu lassen. Die vergebenen Ratings sollen von "A" bis "E" reichen.

Agenturen setzen verschiedene Schwerpunkte

Generell unterschieden sich die Nachhaltigkeitsratings der unterschiedlichen Anbieter darin, dass sie einzelne Aspekte wie Umwelt, Soziales und Governance, kurz ESG, unterschiedlich gewichten. Dieser Meinung ist Patrick Weltin. Er ist als Nachhaltigkeitsanalyst bei der nachhaltigen Ratingagentur Imug Rating tätig. Dies liege teilweise an der unterschiedlichen Herkunft der Ratinghäuser. "Einige sind stark wertebasiert und beziehen sich vor allem auf international gültige Umwelt- und Sozialstandards, andere betonen eher die Nachhaltigkeitssrisiken und -chancen für Finanzanlagen", erklärt Weltin gegenüber springerprofessional.de.

Dass Nachhaltigkeitsratings für Kreditinstitute wichtig sind, davon ist Weltin überzeugt: "Kreditinstitute ziehen einen bedeutenden Anteil ihrer Marktposition aus Vertrauen und Reputation. Diese speisen sich neben anderen Faktoren immer stärker auch aus Nachhaltigkeitsaspekten". Durch gute Nachhaltigkeitsratings können Kreditinstitute Weltin zufolge glaubwürdig als Akteur auf dem Kapitalmarkt agieren. "Und Finanzinstitute können durch gute Nachhaltigkeitsratings auch bei Privatkunden punkten, die immer häufiger ökologische und soziale Aspekte nachfragen", so Weltin.

Kerngeschäft bestimmt Nachhaltigkeitsrating

Für das Nachhaltigkeitsrating ist das Kerngeschäft von Kreditinstituten am wichtigsten. "Für Kredite, Veranlagungen und andere Finanzprodukte sowie Eigenanlagen sollte die Prüfung von Nachhaltigkeitskriterien integriert werden", so Weltin weiter. Daneben sei es wichtig, wie stark die Belegschaft gefördert wird und "auch mit Blick auf Skandale der vergangenen Jahre ein umfassendes Compliance-System genutzt wird". 

Allerdings sind insbesondere deutsche Kreditinstitute sind Weltin zufolge im internationalen Vergleich bei der Implementierung der ESG-Kriterien im Kerngeschäft in den Rückstand geraten. Zunehmend werde der Bedarf laut des Analysten allerdings bei den deutschen Kreditinstituten erkannt und die Lücke geschlossen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise