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06.07.2017 | Rating | Im Fokus | Onlineartikel

Das Rating im Blick behalten

Autor:
Eva-Susanne Krah

Digitale Strategien der Unternehmen, die in Geschäftsmodelle einfließen, werden zum wichtigen Rating-Kriterium. Was Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Kapitalgebern beachten sollten.

Bisher zählten vor allem harte Kennzahlen als Hauptkriterium für die Bewertung der Geschäftsmodelle von Unternehmen, wenn Investitionen mit Fremdkapital finanziert werden sollen. Doch inzwischen sind Unternehmen stark auf Digitalisierungskurs und müssen für entsprechende Projekte auch andere Faktoren berücksichtigen, die im Rating-Dialog mit Banken oder anderen Kapitalgebern zur Hürde werden können. Eigene Kapitalreserven, etwa Rücklagen oder laufende liquide Mittel des Unternehmens, könnten bei den notwendigen wachsenden Investitionen von Digitalprojekten künftig nicht ausreichen, denn eine Finanzierungswelle ist erst noch zu erwarten. 

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Die KfW Bankengruppe schätzt beispielsweise, dass 2017 von deutschen Mittelständlern erst rund zehn Milliarden Euro in die digitale Vernetzung von Lieferketten, Produktionsstätten, Kundenbeziehungen, Produkten und Dienstleistungen investiert werden. Neben klassischen Bankkrediten kommen auch Darlehen aus Förderprogrammen der Förderbanken ins Spiel. Seit dem 1. Juli 2017 hat die KfW etwa einen "ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit" im Programm. Gefördert wird die Digitalisierung von Produkten, Produktionsprozessen und Verfahren. Finanzierungen gibt es für 

  • die Vernetzung der Produktionssysteme unter Industrie 4.0, 
  • Maßnahmen zur Ausrichtung der Unternehmensstrategie oder -organisation auf die Digitalisierung und
  • Innovationsvorhaben, bei denen Unternehmen neue oder substanziell verbesserte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen entwickeln.

Nach den Zahlen des Reports zur Digitalisierung im Mittelstand von KfW und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) werden Ausgaben für Digitalisierungsprojekte zu 77 Prozent durch Cash-flow und zu 17 Prozent durch Leasingfinanzierungen getragen. Bankkredite machen hier weniger als fünf Prozent aus. Bei anderen Sachinvestitionen erreichen Bankkredite hingegen 20 Prozent des Finanzierungsvolumens. Umgekehrt erschweren ungeeignete Finanzierungsmöglichkeiten auch den Einsatz digitaler Technologien in den Unternehmen, wie das ZEW aufzeigt.

Hürden des Ratings meistern

Das Finanzrating als Teil des internen Ratingverfahrens der Banken wird aus Sicht von Springer-Autor Frank Sicking bei Darlehen an Relevanz zunehmen, da es die Kreditkonditionen unmittelbar beeinflusst. Gerade bei Investments in Digitalisierungsprojekte setzen die Fremdkapitalgeber verstärkt auf eine Einzelfallbetrachtung in der Rating-Analyse der Unternehmen. "Bei der Risikoeinschätzung werden die qualitativen Faktoren rund um die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens und die Betrachtung des zukünftigen Geschäftsmodells immer wichtiger", führt dazu Manfred Schwarz, Senior Risk Manager der Hypovereinsbank, an. Die Auswirkungen digitaler Strategien auf das Rating sollten Unternehmen daher nicht aus dem Blick verlieren, vor allem in der Zusammenarbeit mit Hausbanken.

Risikoaspekte der Banken bei Digitalprojekten Ja Nein

Ist das komplette Geschäftsmodell digital ausgerichtet oder nur Teilbereiche?



Dient das Projekt der Bestandssicherung oder der Positionierung im Wettbewerb?

Werden mit dem Digitalisierungsschritt neue Märkte erschlossen?

Sichern neue Services rund um die Digitalisierung dem Unternehmen zusätzliche Erträge?

Bieten die künftigen digitalen Geschäftsprozesse einen Mehrwert?

Stimmt die Erlöslogik, auch im Branchenvergleich?

"Mit dem Rating hat sich das Kreditgeschäft verändert. Es kommt bei der Bonitätsbewertung nunmehr zu einer Abstufung zwischen insolventen und solventen Unternehmen", erklärt Christian Bartruff im Kapitel "Bewertung von Kreditrisiken" des Buchs "Nachhaltigkeitsinduzierte Kreditrisiken". Mit der Abbildung einer Ausfallrate auf einer Skala erhalte das Rating eine zentrale Bedeutung bei der Zins- und Konditionengestaltung sowie der Forderung von Sicherheitsleistungen des Kreditnehmers. Springer-Autor Christoph Schulz schreibt im "Praxishandbuch Firmenkundengeschäft", dass mit den Beschlüssen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht zudem die Bonität der Kunden an Bedeutung gewonnen hat. Die Bonität sowie das damit einhergehende Rating könnten durch die Ausstattung mit Eigenkapital maßgeblich verbessert werden, meint Schulz. 

Im internen Rating von Banken sind diese aufgrund der Mindestanforderungen für das Risikomanagement (MaRisk) dazu verpflichtet, aussagekräftige Verfahren zur Risikoklassifizierung einzurichten. In die Kreditwürdigkeitsprüfung und am Ende das Rating-Ergebnis fließen etwa Gesamtkapital-Rentabilität, Entschuldungsdauer, Eigenkapitalquote, Cash-Flow-Marge, Umsatz- und Eigenkapital-Rentabilität sowie der Return on Asset und der Verschuldungsgrad ein. Aus dem Rating folgen die Kreditentscheidung und die Konditionen. 

Digitalisierungserfolg ist schwerer einzuordnen

Häufig berücksichtigen bei klassischen Firmenkrediten die herkömmlichen Regeln bei Ratingverfahren den Aspekt der Digitalisierung jedoch nicht umfassend. Eine Hürde für Unternehmen ist, dass gerade Faktoren wie der Cash-flow bei Digitalisierungsmaßnahmen, die finanziert werden sollen, in der Anfangsphase häufig nicht genau beziffert werden können. Auch hybride Vermögenswerte wie eigene Datenbanken, Investitionen in die digitale Datensicherheit oder digitale Infrastrukturen können nicht zur Besicherung im Rahmen der Risikoanalyse durch Banken in Betracht gezogen werden. Sie sind aber dennoch entscheidend für das Gesamtbild des Unternehmens in Finanzierungsphasen. Die einzelnen Rating-Komponenten und Details zur Umsetzung ihrer Digitalisierungsprojekte sollten Unternehmen daher auch vor dem Hintergrund der digitalen Ausrichtung belastbar gegenüber Finanzierungspartnern, wie etwa der Hausbank, darstellen können.

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