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Über dieses Buch

Der Band enthält die wichtigsten Beiträge des Autors zur Theorie rationaler politischer Akteure. Ihr Grundthema betrifft die Möglichkeiten des Umgangs mit Unsicherheit, sei es im Bemühen um konsequenzenbedachte Entscheidungen, sei es im Wege der Organisationsgestaltung. Die einzelnen Kapitel behandeln entweder Anwendungen der soziologisch informierten Rational Choice-Theorie oder sind systematische Reflexionen auf die Eigentümlichkeiten dieses Theorietyps.

Im Fokus der organisationstheoretischen Texte stehen Analysen kollektiver Akteure (Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen) und zwar im Hinblick auf deren selbstbezügliche und umweltbezogene Entscheidungsproduktion. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Strategiekompetenz kollektiver Akteure in unsicherer Umwelt sowie den unterschiedlichen Modi des Organisationslernens.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung Elemente einer Theorie rationaler politischer Akteure (1991/2017)

Zusammenfassung
Das Verlangen nach Rationalität im Umgang mit Wirklichkeit verdankt sich zum beträchtlichen Teil der Allgegenwart von Unsicherheit. Das Erleben von Unsicherheit betrifft nicht nur die Möglichkeit von Naturkatastrophen und mancherlei scheinbar zufälligen Ereignissen, sondern ebenso sehr das Denken, Wollen und Tun unserer Mitmenschen, genauer: von autonomen Individuen. Für den Umgang mit „unsicheren“ Naturereignissen wie für die Bearbeitung, Verringerung, im Extremfall auch Beherrschung „menschlicher“ Unsicherheit existiert ein sozialer Mechanismus: die Organisation der zwischenmenschlichen, d. h. sozialen, Beziehungen.
Helmut Wiesenthal

Rational Choice: Grundlinien, Theoriefelder und Themenakquisition (1987)

Zusammenfassung
Sozialwissenschaftliche Untersuchungen, vornehmlich solche im Bereich der Politikforschung, offenbaren einen zunehmenden Gebrauch von Erklärungskonzepten, die als Rational choice-Ansatz firmieren. Unter diesem Etikett versammeln sich verschiedene Axiome der Mikroökonomik, der Spieltheorie und der Theorie öffentlicher Güter, mit deren Hilfe Ereignisse auf intentionale Handlungen individueller und kollektiver Akteure zurückgeführt werden.
Helmut Wiesenthal

Methodologischer Individualismus als Akteurtheorie (1993/96)

Zusammenfassung
Mit dem spürbar gestiegenen Interesse an Rational-choice-Erklärungen reagieren die Sozialwissenschaften sowohl auf Veränderungen im Bereich der zu erklärenden Gegenstände als auch auf das Ungenügen struktur- und systemtheoretischer Theorieansätze. Auf der einen Seite scheint der Anwendungsbereich dieser Theorien deutlich begrenzt durch die Allgegenwart strategischer Interaktionen, dezisionistischer Handlungswahlen und diskontinuierlicher Sachverhalte.
Helmut Wiesenthal

Markt, Gemeinschaft, Organisation – Bausteine empirischer Koordinationsweisen (2000)

Zusammenfassung
Die Sozialwissenschaften zählen nicht zu jenen Disziplinen, denen man einen deutlichen Einfluss auf die gesellschaftliche Wirklichkeit attestieren mag. Anders als Naturwissenschaften oder Mathematik beziehen sie die Anlässe des Erkenntnisfortschritts weniger aus sich selbst als aus dem Wandel ihrer Gegenstände. Dabei wirken die Sozialwissenschaften ausgesprochen heterogen, ja fragmentiert – und zwar nicht nur im Verhältnis zwischen den Disziplinen Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Ökonomik usw., sondern auch innerhalb der Einzelwissenschaften.
Helmut Wiesenthal

Akteurrationalität

Zur Steuerungsfähigkeit politischer Akteure in der Beschäftigungskrise (1988)
Zusammenfassung
Wann immer sozialer Wandel zum Anlass genommen wird, veränderte Problemlagen und damit die Unangemessenheit von vertrauten Vorstellungen zu identifizieren, erliegen Beobachter, ob Politiker oder Wissenschaftler, leicht der Versuchung, „Aufgaben“ an Dritte zu verteilen. Parteien, Verbände oder Gewerkschaften werden aufgefordert, andere Ziele zu verfolgen und andere Maßnahmen zu treffen als die, die ihnen selbst als zweckmäßig erscheinen. Welche Maßnahmen den Ratgebern als die „richtigen“ vorschweben, scheint sich mit zwingender Logik aus der Situation selbst, d. h. aus objektiven Parametern der analysierten Problemlage zu ergeben.
Helmut Wiesenthal

Sozialverträglichkeit ist nicht gleich Betroffenenpartizipation (1990)

Zusammenfassung
Die strategischen Auseinandersetzungen zwischen kollektiven Akteuren haben Eigenschaften, die nicht angemessen analysiert werden können, wenn man sich ausschließlich der von den Akteuren verwendeten Konfliktsprache bedient. Indem die Akteure ihre Handlungsabsichten mit „gewiss“ scheinenden (i. d. R. als linear unterstellten) Kausalwirkungen begründen, neigen sie dazu, sich und ihre Gegenspieler zu überschätzen. Dem intentionalen Handeln werden mehr Wirkungen zugerechnet, als Akteure „beim besten Willen“ absichtsvoll bewirken können.
Helmut Wiesenthal

Constraint-Soziologie als Risiko

Zur begrenzten Diagnosefähigkeit der Sozialwissenschaften für Globalisierungsfolgen und -optionen (1998/2017)
Zusammenfassung
Die Globalisierung kommunikativer und ökonomischer Beziehungen ist mit Veränderungen des kognitiven Zugriffs auf Wirklichkeit verbunden. Zum einen haben wir es ganz allgemein mit komplexen Wirkungen der wachsenden Inzidenz von Wissen – Stichwort „Wissensgesellschaft“ (Stehr 1994) – zu tun. Dabei mag es sich um eine bloße Koinzidenz von Veränderungen produktions- und innovationstechnologischer Art und solchen des ökonomischen Verkehrs handeln, vielleicht aber auch um mehr.
Helmut Wiesenthal

Optionensonde und Entscheidungshelfer

Zur unausgeschöpften Beratungskompetenz der Soziologie (2006)
Zusammenfassung
Es gehört zu den wenigen Konstanten in der Umwelt der Sozialwissenschaften und speziell der Soziologie, dass sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit zum Gegenstand von Zweifeln und Enttäuschungen werden. So wurde nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Gesellschaften gefragt, wieso die „zuständigen“ Wissenschaften versagt hatten, das Ende der Zweiten Welt beizeiten anzukündigen. Und bald darauf ließ sich mit bescheidenem intellektuellen Aufwand eine Debatte initiieren, die sich in einem Bändchen mit dem Titel „Wozu heute noch Soziologie?“ niederschlug (Fritz-Vannahme 1996).
Helmut Wiesenthal

Rationalität und Unsicherheit in der Zweiten Moderne (2009)

Zusammenfassung
Die These, dass der Prozess der Modernisierung moderner Gesellschaften nicht notwendig kontinuierlich erfolgt, sondern mit markanten Diskontinuitäten aufwartet, ist Gemeingut vieler Modernisierungstheorien. Die Kontingenz prominenter Modernisierungs-„Ereignisse“, die sich einem naiven Betrachter auch als Stufen präsentieren mögen, hat ergiebige Quellen bekanntlich in der Wissenschafts- und Technikentwicklung, aber auch in Politik und Wirtschaft.
Helmut Wiesenthal

Akteurkompetenz: Das Trilemma strategisch ambitionierter Mitgliederverbände (1993)

Zusammenfassung
Parteien, Verbänden und Verwaltungen wird in soziologischen Theorien kein einheitlicher Status zugeschrieben. In Anlehnung an die Theorie sozialer Systeme (Luhmann 1984) werden sie oft als subjektlos, eigenlogisch und selbstbezüglich operierende Sinnprovinzen verstanden, die sich jedem steuernden Zugriff entziehen.
Helmut Wiesenthal

Kritischer Rückblick auf die emphatische Gewerkschaftstheorie (1988)

Zusammenfassung
Die folgenden Überlegungen gelten einem Typ von gewerkschaftszentrierter Forschung, der zwischen den späten 1960er und dem Ende der 1970er Jahre einen Höhepunkt an Produktivität und Rezeptionsbereitschaft erlebte. Gemeint sind Arbeiten zur Gewerkschaftspolitik und zum Arbeiterbewusstsein, wie sie v. a. am Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) und am Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen (SOFI) durchgeführt wurden und dabei, wie Gerhard Brandt (1984) feststellte, entweder einem Produktionsmodell oder einem Subsumtionsmodell der Marx-Rezeption folgten.
Helmut Wiesenthal

Konventionelles und unkonventionelles Organisationslernen (1995)

Zusammenfassung
Diagnosen der postmodernen Gesellschaft sind, ihrem Selbstverständnis entsprechend, weder durch eine prominente Gesellschaftstheorie noch durch ein evidentes Muster der Sozialstruktur informiert. Funktionale Differenzierung und selbstreferentielle Kommunikationsweisen auf der Makro-Ebene gesellschaftlicher Teilsysteme, Individualisierung, Polykontextualität und Unsicherheit auf der Mikro-Ebene sozialen Handelns – sie dementieren jede Hoffnung, der gesellschaftliche Wandel folge Mustern, die gleichermaßen zuverlässig Veränderung und Varianzbegrenzung verbürgten.
Helmut Wiesenthal

Organisationslernen revisited

Weiterführende Überlegungen und Grenzerfahrungen (2005)
Zusammenfassung
Weil Organisationslernen und Organisationswandel eng verwandte Konzepte sind, empfiehlt sich zunächst ein Blick auf das Thema „Organisationswandel“. Dass Organisationen sich im Laufe ihrer nicht a priori limitierten Lebenszeit wandeln, ist ein trivialer Sachverhalt. Organisationen wandeln sich, um ihren Fortbestand in veränderter Umwelt zu sichern. Das gelingt bekanntlich nicht allen Exemplaren so gut wie z. B. der römisch-katholischen Kirche. Andere sind beim Versuch, Macht und Bestand zu sichern, untergegangen.
Helmut Wiesenthal

Forschungsevaluation als Organisationslernen (2007)

Zusammenfassung
Die regelmäßige Evaluation der sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen wird – von unterschiedlichen Seiten – als ebenso unverzichtbar wie unerträglich wahrgenommen. Anhaltende Mittelknappheit und ein vermutlich übergeneralisierter Inferioritätsverdacht konvergieren in der Maxime, dass die dem deutschen Wissenschaftsbetrieb eigenen Stratifizierungs- und Gratifikationsmechanismen der Ergänzung durch extern autorisierte Bewertungsverfahren bedürfen.
Helmut Wiesenthal

Unsicherheit und Multiple-Self- Identität (1989/2017)

Zusammenfassung
Handlungskompetenz – als hoch geschätzte und oft erstrebte Fähigkeit, ein schwieriges Ziel trotz entgegenstehender Hindernisse zu verwirklichen – scheint an zwei Voraussetzungen gebunden. Eine ist, dass der Akteur über Mittel verfügt oder sich Mittel zu verschaffen versteht, die zur Realisierung seiner Ziele geeignet sind. Die zweite ist, dass er auch tatsächlich gemäß seinem einmal gefassten Willen handelt, ihn also nicht vorzeitig aufgibt oder durch die gleichzeitige Verfolgung von widerstreitenden Zielen durchkreuzt.
Helmut Wiesenthal

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