Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Der Band enthält die wichtigsten Beiträge des Autors zum Verständnis gesellschaftlicher Transformationsprozesse im Lichte der soziologisch informierten Akteur- und Wahlhandlungstheorie. Im Zentrum stehen die Probleme der Selbstgestaltung und Selbststeuerung, mit denen kollektive Akteure konfrontiert sind, wenn sie zentrale gesellschaftliche Institutionen in der unsicheren Ereignisumwelt zu verändern suchen.

Das besondere akteurtheoretische Interesse gilt den Bedingungen, unter denen es Parteien, Verbänden, sozialen Bewegungen oder Regierungen gelang, sich im sozialen Wandel ergebende Gelegenheitsfenster zu nutzen, um Richtung, Verlauf und Ergebnis der Transformation zu beeinflussen. Zu den untersuchten Transformationsfällen zählen einerseits die Ersteinführung sozialstaatlicher Sicherungssysteme in Westeuropa und die Transformation ehemals sozialistischer Staaten (einschließlich der DDR), andererseits unabgeschlossene Transformationsprozesse im Kontext von Globalisierung, umweltangepasster Produktion und Klimawandel.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung (2018)

Zusammenfassung
Die soziologische Theorietradition ist von zwei thematischen Schwerpunkten dominiert. Der eine betrifft die Bedingungen der Möglichkeit von Gesellschaft, die überwiegend auf mikrosoziale Beziehungen, sog. microfoundations, rekurrieren. Den anderen Themenschwerpunkt bilden Theorien und Erscheinungsformen des sozialen Wandels, die typischerweise auf makrosoziale Verhältnisse bzw. Strukturen, die sog.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 2. Emergente Strategien im Entstehungsprozess des Sozialstaats (2010)

Zusammenfassung
Die Entstehungsgeschichte moderner Wohlfahrtsstaaten ist in einer Fülle von sozialhistorischen und sozialpolitischen Studien dokumentiert. Während die meisten dieser Studien den Fokus auf die jeweils maßgeblichen Interpretationen der „sozialen Frage“, die in Betracht gezogenen und schließlich gewählten sozialpolitischen Instrumente sowie deren Praktikabilität, Akzeptanz und Verteilungseffekte richten, werden in einer kleinen Teilmenge von Untersuchungen auch die Prozesse der Politikentwicklung und der politischen Entscheidungsproduktion beleuchtet. Die berichteten Befunde sind durchaus geeignet, als Material für Sekundäranalysen der Entscheidungsprozesse und strategischen Interaktionen zu dienen.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 3. Systemtransformation als Theorientest

Eine Erkundung des politischen Möglichkeitsraums (2000)
Zusammenfassung
In den Sozialwissenschaften wurde die Transformation der sozialistischen Länder von Anfang an als willkommene Herausforderung ihrer diagnostischen und prognostischen Kompetenz betrachtet. Erschien bereits die deutsche Einheit als „sozialer Großversuch“ (Giesen/Leggewie 1991) und „natürliches Experiment“ (Offe 1991a), so galt das umso mehr für die mit ungünstigeren Startbedingungen konfrontierten Transformationsprojekte jenseits von Oder und Neiße. Nicht weniger als 27 Länder der ehemals Zweiten Welt unterzogen sich im letzten Jahrzehnt des 20.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 4. Materiale und theoretische Befunde der vergleichenden Transformationsforschung (2000)

Zusammenfassung
Die tatsächliche Entwicklung der Transformationsgesellschaften hat die pessimistischen Erfolgsprognosen widerlegt. Zwar meisterten die einzelnen Länder den Systemwechsel und die anschließende Transformation der gesellschaftlichen Teilbereiche auf recht unterschiedliche Weise, doch weisen die Veränderungen in der überwiegenden Zahl der Fälle in die von den Reformeliten gewählte Richtung. Unterschiede zwischen den Ländern werden auf ungleiche Ausgangsbedingungen, die oft erst nach dem Systemwechsel erkennbar wurden, und das je spezifische Muster der Reformpolitiken bzw. -strategien zurückgeführt.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 5. Erfolge und Misserfolge im Postsozialismus

Erträge und Lehren der vergleichenden Transformationsforschung (2010)
Zusammenfassung
Dass der nahezu gleichzeitige und flächendeckende Kollaps der sozialistischen Gesellschaftssysteme und die anschließende Transformation ihrer politischen und wirtschaftlichen Institutionen den Sozialwissenschaften einen ungewöhnlich lohnenden Forschungsgegenstand bieten, steht außer Zweifel. Immerhin hatten sich nicht weniger als 29 Länder der ehemals „Zweiten Welt“ einem mehr oder weniger tiefgreifenden Wandel ihrer grundlegenden Ordnungssysteme unterzogen. Nie zuvor hatten Sozialwissenschaftler die Gelegenheit, eine solche Serie simultaner Wandlungsprozesse zu untersuchen und – falls sie entsprechende Ambitionen hatten – systematisch zu erkunden, welche Rolle dabei allgemeinen und theoriefähigen Faktoren einerseits und „lokalen“, zeit- und länderspezifischen Faktoren andererseits zukam.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 6. Die Transformation der DDR – Grundlinien eines nicht durchweg privilegierten Sonderfalls (1995)

Zusammenfassung
Der Ausnahmecharakter der DDR als Transformationsfall steht außer Frage. Nicht grundlos wird der Beitritt zur Bundesrepublik gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes als Selbstaufgabe und „Anschluss“ interpretiert. Folgerichtig erscheint er aus westdeutschem Blickwinkel als „Übernahme“, erfolgte doch die Integration der deutschen Staaten im Wege der Übertragung der westdeutschen Staats- und Gesellschaftsordnung auf das Beitrittsgebiet.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 7. Einheitsmythen

Zur kognitiven „Bewältigung“ der Transformation Ostdeutschlands (1995)
Zusammenfassung
Waren die Implosion des politischen Systems der DDR und die Vereinigung beider deutscher Staaten alles andere als vorhersehbare Ereignisse, so gilt dasselbe auch für den anschließenden Prozess des tiefgreifenden sozio-ökonomischen Wandels in Ostdeutschland und die zeitgleich einsetzenden, wenngleich begrenzt bleibenden Rückwirkungen der DDR-Integration auf Gesellschaft und Politik im neuen Gesamtdeutschland. So trägt das Ereignispaket „Deutsche Einheit“ Merkmale der Exzeptionalität, zu denen auch die rasche Gewöhnung an eine Serie von Großereignissen zählt. Im Zuge der Profanisierung des Unwahrscheinlichen geraten allerdings nicht nur dessen Dimensionen leicht in Vergessenheit, sondern auch die Bedingungen seiner erwiesenen Möglichkeit. Um diese beiden Aspekte geht es im Folgenden.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 8. Globalisierung als Epochenbruch – Maximaldimensionen eines Nichtnullsummenspiels (1998)

Zusammenfassung
Die weltweite Ausdehnung der Kommunikationsnetze, die Zunahme transnationaler Interaktionen und die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften – bezeichnen sie tatsächlich etwas Neues? Und wenn das der Fall ist, haften diesem Sachverhalt überwiegend Nachteile an oder ist auch eine positive Bilanz der Folgen – und wenn ja, unter welchen Umständen – erwartbar? Oder ist die vielzitierte Globalisierung lediglich fiktiver Natur, nur eine von mehreren Optionen auf die Zukunft, vielleicht auch nur eine neue Waffe im Kampf um eine günstige Position im Verteilungskonflikt? Die einen suggerieren neue Spiele mit neuen Regeln, die anderen glauben, drohende Verluste abzuwenden, indem sie die alten Regeln bekräftigen.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 9. Raumschiff Erde?

Dilemmata des Ökologiekonflikts (1983)
Zusammenfassung
Die Raumschiffmetapher kam zu einer Zeit in Gebrauch, als die Umweltfolgen der Industriegesellschaft zum öffentlichen Thema wurden und Weltraumfahrten fast gleichzeitig einen spektakulären Beleg für den Stand technologischer und finanzieller Machbarkeit lieferten. So war es nur konsequent, die soeben erkannten Probleme mit den gerade erfahrenen Möglichkeiten zusammenzudenken und die Menschheit vor einer epochalen Schwelle zu wähnen: dem Übergang von der naiv-brutalen cowboy economy der industriellen Blütezeit zu einer behutsamen, weil umweltsensiblen spaceship economy der postindustriellen Zukunft.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 10. Lernchancen der Risikogesellschaft: Innovationspotentiale und die Grenzen der Risikosoziologie (1994)*

Zusammenfassung
Mit der Risikoforschung haben die Sozialwissenschaften ein Themenfeld erobert, das seit den achtziger Jahre kontinuierlich an öffentlicher und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit gewinnt. Risikoforschung hat sich zu einem „multidisziplinären Unternehmen“ (Bechmann 1993: VIII) entwickelt und speziell in der Soziologie Fuß gefasst. Ökologische und gesellschaftliche Risiken, die in sozialen Konflikten und im Medium einer allgegenwärtigen „Risikokommunikation“ thematisiert werden, wobei letztere sogleich ein Spezialthema der Risikosoziologie wurde, scheinen den industriellen Konflikt als Problemfokus und Stichwortgeber für die sozialwissenschaftliche Forschung abzulösen.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 11. „Kooperative“ Verfahren versus politische Verhandlungen

Zur Kritik eines umweltpolitischen Schlagworts (1998)
Zusammenfassung
Wenn Krieg nach dem Bonmot von v. Clausewitz (1973: 210) „eine Fortsetzung des politischen Verkehrs (…) mit anderen Mitteln“ ist, so darf man annehmen, dass die Normalform von Politik im Durchschnitt der Fälle weniger gewaltsam und antagonistisch geprägt ist als ihre kriegerische Variante. In der differenzierten Begriff lichkeit des angelsächsischen Politikkonzepts, das zwischen polity, policy und politics zu unterscheiden erlaubt, ist das Spannungsfeld exakt durch zwei Begriffe markiert: den der politisch-institutionellen Ordnung des Gemeinwesens (polity), welche die Akteure auf friedliche Mittel der Konfliktaustragung verpflichtet, und den des politischen Prozesses (politics), der ein Produkt aus Assoziation, Machtkommunikation und strategischem Handeln ist – letzteres in sehr unterschiedlichen medialen Formen.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 12. Klimawandel und Klimaschutz als politische Resonanzphänomene (2009)

Zusammenfassung
Klimawandel und Klimapolitik sind seit mehr als einem Jahrzehnt wohletablierte Politikthemen in Deutschland, in vielen OECD-Staaten und in den internationalen Beziehungen. 1997 wurde auf einem Weltklimagipfel der Vereinten Nationen das sog. Kyoto-Protokoll vereinbart.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 13. Das „ökologisch“ lernende Unternehmen – zwischen Adaption und Innovation (1997)

Zusammenfassung
Unternehmen geraten unweigerlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit, sobald es um „bessere“ Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur geht. Die auf Gewinnerzielung unter Wettbewerbsbedingungen angelegten Erwerbsorganisationen sind bevorzugte Adressaten für umweltpolitische Reformen. Sie, und erst in zweiter Linie die Konsumenten, bestimmen Art und Umfang des Stoffwechsels mit der Natur.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 14. Die deutschen Grünen vor ihrem zweiten Start (1991)

Zusammenfassung
Die deutschen Grünen sind eine Ausnahme. Nicht weil ihre Parteikarriere vergleichsweise frühzeitig begann und den ökologischen Themen schon in der ersten Hälfte der achtziger Jahre zur stärkeren Beachtung im politischen System Westdeutschlands verhalf. Sondern weil sie ungleich mehr als alle anderen „grünen“ Parteigründungen in Westeuropa zum Gegenstand, ja zum Opfer, eines Mythos wurden. Selbst wenn die wohlmeinenden Mythen über Deutschlands Grüne dazu beitrugen, die Chancen für grüne Parteien auch in anderen Ländern positiv einzuschätzen, so erschweren sie doch das Verständnis des verschlungenen Entwicklungsgangs der Partei „DIE GRÜ- NEN“.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 15. Parteiprogramme zwischen Selbsterkundung und Umweltaktion – am Beispiel der frühen Grünen (1993)

Zusammenfassung
Parteiprogramme sind neben prominenten Führungspersonen und deren öffentlichen Äußerungen die wichtigsten Identitätsmerkmale einer Partei. Das gilt umso mehr, je jünger und von vergangenen Aktivitäten unbelastet sich eine Partei präsentiert. Infolge dessen sehen sich Parteigründungen durch ihre „liability of newness“ geradezu genötigt, ihrer „Programmarbeit“ nicht nur großes Gewicht beizumessen, sondern dieser auch ein Maximum an Aufmerksamkeit in den Medien und bei potentiellen Wählern zu verschaffen. Das gilt für die 1980 als Bundespartei gegründeten Grünen ebenso wie für spätere, bundesweit erfolgreiche Parteigründungen wie z. B. die Alternative für Deutschland (AfD).
Helmut Wiesenthal

Kapitel 16. From “Prime Mover” to “Victim of Change”: Political Environmentalism in Central and Eastern Europe (1998)

Zusammenfassung
Rather than being an overview of the actors and the strategies promoting the rise of ecologically sound post-socialist societies in East Central Europe (ECE), the function of this paper is to provide a set of background information. In the following section (no. 2), the reader will be reminded of the precarious relationship between socialism and environmental protection, both in terms of institutions and excessive pollution. The subsequent section (no. 3) will throw some light on the impact of environmental groups in the breakdown of socialist regimes in ECE. Section no. 4 aims at an assessment of what is happening to the environment in the process of wholesale societal reform and, in particular, through the influence of external pressure and financial assistance following the transition from socialism.
Helmut Wiesenthal

Kapitel 17. Transformationschancen der Gegenwartsgesellschaft (2015/2017)

Zusammenfassung
Mit den Umbrüchen von 1989 und 1990, die sich in den Ländern des so genannten Realsozialismus ereigneten, schien die Frage, wie sich die modernen Gesellschaften des Westens weiterentwickeln werden, obsolet geworden. Den Transformationsländern diente der „Westen“ als institutionelles Vorbild und ihren neuen Eliten als Beleg, für die postsozialistische Zukunft eine gute Wahl getroffen zu haben. Nach dem Schwinden der Revolutionsillusion im Niedergang der 68er Studentenrebellion war die Vorstellung von einem Radikalumbau der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft nur noch in spätmarxistischen Sekten oder in Schriften konsequenter Industriekritiker beheimatet.
Helmut Wiesenthal

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise