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"Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren"

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Im Interview berichtet Datacenter-Experte Jerome Evans, welche Signale der Digitalgipfel der Bundesregierung vom 18. November 2025 an die hiesige Rechenzentrumsbranche gesendet hat – und wie sich echte digitale Souveränität erreichen lässt.

Jerome Evans ist Gründer und Geschäftsführer der Firstcolo GmbH.


springerprofessional.de: Herr Evans, warum sind Rechenzentren, Cloud-Infrastrukturen und sichere Datenräume für eine europäische digitale Souveränität ganz entscheidend?

Jerome Evans: Rechenzentren bilden das Fundament unserer digitalen Infrastruktur. Sie speichern, verarbeiten und transportieren die Daten, auf denen moderne Unternehmen, Verwaltungen und kritische Anwendungen basieren. Für Europa bedeutet digitale Souveränität, dass wir die Hoheit über diese Daten und die darauf aufsetzenden Dienste behalten. Nur wenn wir eigene, sichere und zuverlässige Rechenzentren betreiben, können wir gewährleisten, dass sensible Informationen und kritische Geschäftsprozesse nicht von externen Anbietern oder geopolitischen Entwicklungen abhängig sind. In der Praxis heißt das: Bei unkritischen Anwendungen wie Large Language Models (LLMs) kann die Wahl eines internationalen Cloud-Dienstleisters noch akzeptabel sein, bei geschäftskritischen oder sicherheitsrelevanten Anwendungen jedoch müssen wir die Kontrolle behalten – sonst riskieren wir Erpressbarkeit oder Angriffspunkte.

Welche Eindrücke haben Sie vom jüngsten Gipfel der Bundesregierung und Frankreichs zur europäischen digitalen Souveränität vom 18. November 2025 gewonnen?

Die Initiative ist sehr begrüßenswert, die Signale sind richtig. Es ist gut zu sehen, dass die Rechenzentrumsbranche nun so stark in den Fokus der digitalen Wahrnehmung rückt. Gleichzeitig muss man klar sagen: Es bedarf nun konkreter Schritte. Von der Projektplanung bis zur Inbetriebnahme eines Rechenzentrums vergehen mehrere Jahre. Faktisch sind wir jedoch bereits abhängig – sei es von ausländischen Anbietern, Technologien oder Cloud-Plattformen. Wir haben also keine Zeit mehr zu verlieren. Der Gipfel war ein wichtiges Zeichen, aber jetzt kommt es auf schnelle und umsetzbare Maßnahmen an, um echte digitale Souveränität zu erreichen.

Wie können europäische Rechenzentren so ausgebaut und gestaltet werden, dass sie zu echter digitaler Souveränität beitragen und zugleich den hohen Anforderungen an Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gerecht werden?

Wir müssen Rechenzentren entlang dreier Säulen entwickeln: Sicherheit, Effizienz und Unabhängigkeit. Erstens: physische und digitale Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau, inklusive Datenverschlüsselung, Zugangskontrollen und Schutz vor Cyberangriffen. Zweitens: Nachhaltigkeit, energieeffiziente Kühlung, Nutzung erneuerbarer Energien und intelligente Lastverteilung, um Kosten zu senken und ökologisch verantwortlich zu handeln. Drittens: technologische Unabhängigkeit. Dazu gehört die Möglichkeit, unterschiedliche Software-Stacks oder Künstliche-Intelligenz-Modelle (KI) zu betreiben, ohne von einzelnen Anbietern abhängig und dadurch potenziell erpressbar zu sein. Wer diese Balance meistert, schafft Rechenzentren, die nicht nur souverän, sondern auch wettbewerbsfähig sind.

Wo stehen wir aktuell beim Ausbau der Rechen- und KI-Infrastruktur in Deutschland? Wo muss die Reise hingehen?

Deutschland hat in den letzten Jahren stark investiert, doch wir stehen noch am Anfang einer umfassenden, souveränen Infrastruktur. Rechenzentren wachsen, KI-Forschungsplattformen entstehen, aber die Vernetzung, Skalierung und Standardisierung hinken hinterher. Ziel der Reise muss es sein, dass wir eine durchgängig europäische Infrastruktur schaffen, die sowohl KI-Trainingskapazitäten als auch sichere Cloud-Dienste bietet. Dabei ist entscheidend, dass wir Wahlfreiheit bei KI-Modellen und Plattformen haben: In nicht-kritischen Bereichen kann man flexibel sein, bei kritischen Anwendungen darf keine externe Abhängigkeit entstehen. Nur so erreichen wir echte digitale Souveränität, die Schutz bietet, Kontrolle sicherstellt und gleichzeitig Innovation zulässt.

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    Bildnachweise
    Jerome Evans/© firstcolo GmbH, AvePoint Deutschland GmbH/© AvePoint Deutschland GmbH, ams.solutions GmbH/© ams.solutions GmbH, Wildix/© Wildix, arvato Systems GmbH/© arvato Systems GmbH, Ninox Software GmbH/© Ninox Software GmbH, Nagarro GmbH/© Nagarro GmbH, GWS mbH/© GWS mbH, CELONIS Labs GmbH, USU GmbH/© USU GmbH, G Data CyberDefense/© G Data CyberDefense, Vendosoft/© Vendosoft, Kumavision/© Kumavision, Noriis Network AG/© Noriis Network AG, WSW Software GmbH/© WSW Software GmbH, tts GmbH/© tts GmbH, Asseco Solutions AG/© Asseco Solutions AG, AFB Gemeinnützige GmbH/© AFB Gemeinnützige GmbH, Ferrari electronic AG/© Ferrari electronic AG, Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH , Haufe Group SE/© Haufe Group SE, NTT Data/© NTT Data