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14.05.2018 | Personalmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Der Kampf um qualifizierte Finanzfachkräfte ist eröffnet

Autor:
Sylvia Meier

Die Zahl der Stellenangebote für Finance- und Controlling-Fachkräfte für Unternehmen und Kreditinstitute ist stark angestiegen.

Der Fachkräfte-Index des Personaldienstleisters Hays für das erste Quartal 2018 zeigt, dass Finanzprofis wieder auf mehr Jobangebote zurückgreifen können. Für Finance-Fachkräfte ist die Zahl der Stellenausschreibungen im 1. Quartal 2018 gegenüber dem Vorquartal laut der aktuellen Auswertung um 22 Punkte auf einen Indexwert von 157 Punkte gestiegen. Dieser Wert ist laut Hays der mit Abstand höchste im gesamten Referenzzeitraum seit 2015. Für alle Finance-Skills wurden mehr Stellen angeboten im Vergleich zum Vorquartal. Besonders stechen jedoch die Tax Manager hervor. Hier stieg der Index um 43 Punkte auf 208. Mehr Stellenangebote gab es auch für Wirtschaftsprüfer (155 Punkte) und Controller (174 Punkte). 

Hays Fachkräfte Index 1/2018 © Hays

Es wurden für alle Branchen mehr Stellenausschreibungen registriert. Doch besonders gut haben sich Jobs in der Versicherungsbranche entwickelt: Der Index stieg um plus 40 Punkte gegenüber dem Vorquartal, auf 142. Auch bei den Finanzdienstleistern und im verarbeitenden Gewerbe wurden mehr Stellen ausgeschrieben. 

Frankfurt liegt bei Gehältern an der Spitze

Spitzenreiter bei der Vergütung bleibt für Finanz-Jobs die Bankenmetropole Frankfurt am Main. Laut der aktuellen Gehaltsübersicht von Robert Half für das Jahr 2018 planen mehr als 90 Prozent der Finanzverantwortlichen, ihren Mitarbeitern mehr zu bezahlen. Ein Mitgrund hierfür könnte sein, dass Finance-Fachkräfte in den Unternehmen stärker gefordert sind als bisher. Denn laut Robert Half sind aufgrund der zunehmend digitalisierten Arbeitsprozesse in den Finanzabteilungen IT-affine Mitarbeiter besonders wichtig. Das gilt vor allem für die Bereiche Finanzplanung, Lohn- sowie Kreditorenbuchhaltung. Auf diese Sparten wirkt sich die Digitalisierung laut den befragten Unternehmen in den kommenden fünf Jahren am stärksten aus. 

Viele der für diese Jobs wichtigen Kompetenzen, zum Beispiel Software- und Programmierfähigkeiten, sind laut der Analyse von Robert Half in den Finanzabteilungen noch stark ausbaufähig. Zusätzlich zum IT-Know-how werden Mitarbeitern auf allen Ebenen aufgrund des digitalen Wandels in den Unternehmen auch ein digitales Verständnis, strategisches Denken, erhöhte Problemlösekompetenz sowie Kreativität abverlangt. Aus Sicht von Christian Umbs, Managing Director beim Personaldienstleister Robert Half, müssen sich "Fachkräfte im Finanz- und Rechnungswesen in immer kürzeren Zyklen neue Kompetenzen aneignen." Benötigte Software-Kenntnisse zu SAP oder Datev verdeutlichten diese Entwicklung, erklärt er im Interview mit Springer Professional. 

Controller noch immer gesucht

Viele Jobs in derzeitigen Stellenanzeigen entfallen laut Hays, wie bereits bei früheren Analysen, auf Controller. Schaut man sich Controllingfunktionen beispielsweise in DAX-Unternehmen an, hat sich das Berufsbild stetig gewandelt und in den vergangenen Jahren zunehmend ausdifferenziert, schreiben Frank Bensberg, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Osnabrück, und Gandalf Buscher, Produkt Manager bei der Deutschen Telekom, in ihrem Beitrag "Controller gesucht! Kompetenzen und Berufsbilder" in der Zeitschrift Controlling & Management Review (August-Ausgabe 2017, Seite 8 ff.) Kosten-Controller seien primär bei den traditionellen Industrieunternehmen tätig, während Risiko-Controller im Finanzdienstleistungssektor Karrierechancen haben.

Der große Bedarf an Mitarbeitern über alle Branchen hinweg könnte mit den gestiegenen Anforderungen an das Finanz- und Rechnungswesen zusammenhängen, allen voran im Controlling. So stellt Springer-Autor Ralf Schmid-Gundram in seiner Einleitung zum Buch "Controlling-Praxis im Mittelstand" (Seite 3) fest: "Ein Unternehmen lässt sich heutzutage nur durch fundierte und nicht durch instinktive bzw. willkürliche Geschäftsentscheidungen dauerhaft erfolgreich führen. Die beste Basis hierzu sind Fakten, Prognosen und Trends – mit einem Wort: Controlling." Er stellt jedoch auch fest (Seite 7):

Analog zur Bedeutung des Controllings haben sich in den letzten Jahrzehnten auch die Anforderungen, die an das Controlling und ein für das Unternehmen zweckmäßiges Controllingsystem zu stellen sind, gewandelt."

Fachkräftemangel verändert Bewerberverhalten 

Der Fachkräftemangel führt bei den Finanzvorständen bereits zu Kopfzerbrechen. Das zeigt der aktuelle Deloitte CFO Survey. Hier wird das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter als derzeit größter Risikofaktor identifiziert. Unbesetzte Stellen, vor allem in der Finanzabteilung, belasten das gesamte Unternehmen. Laut einer Analyse von Robert Half führt dies bei der Belegschaft zu Produktionsverlusten (37 Prozent), einer schlechteren Work-Life-Balance (19 Prozent) und einer niedrigen Arbeitsmoral (15 Prozent). 

Doch Bewerber für freie Stellen sind nicht nur schwer zu finden, sondern auch ungeduldig. Robert Half hat 200 CFOs befragt und festgestellt: Unternehmen mit einem langfristigen Bewerbungsprozess riskieren, dass potenzielle Kandidaten abspringen. "Den meisten Bewerbern liegen mehrere Angebote parallel vor. Sie können sich das beste aussuchen", beschreibt Sladjan Petkovic, Managing Director bei Robert Half, den Kampf um die begehrten Finanzfachkräfte. 

Bankfachkräfte brauchen Führungserfahrung bei Digitalprojekten

Für den Bankensektor sieht Amra Ljaic, Bereichsleitung Hays Contracting, Frankfurt, dass vor allem Fachkräfte mit viel Know-How im Bereich der Informationstechnologie gefragt sind, etwa Daten-Analysten oder IT-Security-Experten, aber auch Führungskräfte, die bereits Erfahrungen darin gesammelt haben, neue Digitalprojekte zu steuern und dafür die Verantwortung zu tragen. 

Die Entscheider in den Banken spüren zudem, dass sich der Wunsch ihrer Kunden nach einem neuen Service verstärkt, beobachtet Ljaic. Auch hier suchen sie die Antwort vor allem bei neuen spezialisierten Mitarbeitern, die diesen Bedarf kennen und bankenspezifisch adressieren können. "Denn die Zukunft des Bezahlens wird digital, und Experten, die sich hier mit einer tragfähigen Service-Architektur auskennen, sind derzeit Gold wert."

So wie Controlling auch in Start-up-Unternehmen unverzichtbar ist, führt ab einer gewissen Unternehmensgröße egal in welcher Branche auch kein Weg an qualifizierten Mitarbeiter vorbei, um den Anforderungen der Kunden aber auch des Wettbewerbs insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung gerecht zu werden. Eine notwendige Aufgabe, mit der sich mancher CFO aber noch immer schwer tut.

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