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22.08.2018 | Rechnungswesen | Infografik | Onlineartikel

Digitale Tools haben es im Rechnungswesen schwer

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Die Homogenisierung der IT-Landschaft hat bei vielen Unternehmen oberste Priorität. Im Rechnungswesen kommen neue Tools häufig aber nicht zum Einsatz, wie das Beratungshaus KPMG in einer aktuellen Befragung herausfand.  

49 Prozent der online interviewten Accounting- und Controlling-Experten gaben an, dass ihr Unternehmen derzeit Projekte zur Standardisierung von Workflows umsetzt. Bei 48 Prozent steht zudem das Management der Datenqualität ganz oben auf der Agenda. Bei immerhin 28 Prozent der Teilnehmer ist die Schaffung einer einheitlichen Datenbasis im Finanzbereich schon konkret in Planung. Weniger wichtig ist den Unternehmen mit 21 Prozent offenbar die papier­lose Buchhaltung. Zu diesen Zahlen kommt das Beratungsunternehmen KPMG in einer aktuellen Umfrage unter verantwortlichen Finance-Managern sowie Mitarbeitern aus dem Finanzbereich von Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

"Hier wird deutlich, dass die Ergebnisse der Studie aus dem Jahr 2017 größtenteils noch immer Bestand haben, da die Prioritäten auch 2018 noch auf Projekten liegen, mit denen die Voraussetzungen für weitere Digitalisierungsschritte erst geschaffen werden sollen", heißt es in der Studie. Beim flächendeckenden Einsatz innovativer Technologien im Finanzbereich, insbesondere im Rechnungswesen, bleiben die Unternehmen allerdings zurückhaltend. Die Big-Data-Analyse, das Self-Service-Reporting oder In-Memory-Datenbanken werden demnach überwiegend erst in Pilotprojekten genutzt oder befinden sich noch im Planungsstadium. Und auch der Einsatz von Software-Bots, der sogenannten Robotic Process Automation, Virtual Reality-Tools zur Visualisierung von Kennzahlen oder Machine-Learning-Ansätzen bleiben vielfach experimentell. Für mehr als 50 Prozent der Befragten haben diese Instrumente oder die Blockchain keine Priorität im Rechnungswesen.

Cloud Computing eher unwichtig

Ähnlich reserviert zeigen sich die Unternehmen auch in Sachen Cloud Computing. Fast 50 Prozent haben die interne Cloud nicht auf der Agenda. Beim Einsatz einer Public Cloud sind es sogar 70 Prozent. Von der Minderheit, die bereits mit einer solchen Lösung arbeitet, bestätigen 45 Prozent, dass der weltweite Zugriff der Nutzer auf die Daten ein wesentlicher Vorteil dieser Technologie ist. Einsparpotenziale sehen die Befragten dagegen weniger in diesem Instrument. 

Was sich allerdings durch die fortschreitende Digitalisierung wandelt, ist die fachliche Ausrichtung der Beschäftigten im Rechnungswesen. Neben den klassischen Aufgaben werden heute Finance Data Scientists, also Spezialisten für finanzanalytische Auswertungen, oder Financial Performance Consultants immer wichtiger. Ein interessantes Ergebnis zeigt sich in Bezug auf den klassischen Buchhalter. Hier halten sich zwei gegensätzliche Einschätzungen nahezu die Waage: Auf der einen Seite stuft rund die Hälfte der Befragungsteilnehmer dessen Rolle als weiterhin wichtig ein. 41 Prozent sagen dagegen, dass die Bedeutung dieses Berufs geringer wird.

Rollenbilder im Finanzbereich wandeln sich

Um das passende Personal für die sich verändernden Aufgaben zu finden, müssen die Unternehmen auf entsprechende Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter achten. Hierzu gehören 

  • Prozessverständnis, 
  • Affinität zu IT-Systemen 
  • sowie Know-how in Bezug auf Datenanalysen. 

Diese  Voraussetzungen werden nach Meinung von rund 80 Prozent der Teilnehmer innerhalb der nächsten fünf Jahre "sehr wichtig" oder zumindest "wichtig" und müssen intern geschult oder zugekauft werden. Kaufmännisches Basiswissen und Accounting- sowie Controlling-Spezialwissen müssen die Mitarbeiter im Finanzbereich auch weiterhin mitbringen. Zusätzlich erwarten die Unternehmen noch persönliche Eigenschaften wie Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, Flexibilität und Umsetzungsstärke.

Neue Aufgabenprofile und Rollenbilder im Rechnungswesen verändern das Accounting und Controlling auch als Ganzes. So bestätigen mehr als 60 Prozent der Befragten, dass beide Bereiche durch die Digitalisierung an Effizienz und Transparenz gewonnen haben. "Insbesondere im Accounting sind die Auswirkungen der Digitalisierung zu spüren, da in der operativen Buchhaltung viele transaktionale, standardisierte Prozesse ablaufen, die durch die aktuellen technologischen Entwicklungen stark automatisierbar sind", heißt es in der Studie. So geben 78 Prozent der Befragten an, das Accounting habe durch die Digitalisierung bereits an Effizienz gewonnen. "Wir hatten 118 verschiedene Prozesse, wie man im Unternehmen eine Rechnung bezahlt. Diese Zahl haben wir nun auf 18 verringert. Wesentliche Stammdaten in Finance und Procurement haben wir zu großen Teilen aufgeräumt und auch zentralisiert", zitiert die Studie zwei der Teilnehmer. Eine Kostensenkung im Accounting wird trotz gesteigerter Effizienz aber nur von einer Minderheit der Umfrageteilnehmer bescheinigt. Der Grund liegt laut Studie möglicherweise darin, dass freigesetzte Ressourcen in eine bessere Qualität und einen höheren Leistungsumfang umgeleitet werden.

Externe Beratung oft erst im zweiten Schritt

Für das Gros der Unternehmen scheint die Digitalisierung des Rechnungswesens ein äußerst komplexes Thema zu sein, das die meisten in die Hände der Fachabteilungen Accounting und Controlling legen. Wenn es um die Ideenfindung geht, gab der überwiegende Teil der Studienteilnehmer an, externe Berater nach der IT-Abteilung hinzuzuziehen oder sogar erst für die konkrete Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.

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