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18.06.2020 | Rechnungswesen | Infografik | Onlineartikel

Unternehmen zahlen Rechnungen immer später

Autor:
Swantje Francke
2:30 Min. Lesedauer

Viele Unternehmen kämpfen derzeit mit Liquiditätsproblemen. Rechnungen bleiben unbezahlt oder werden verspätet saldiert. Eine Untersuchung zeigt, in welchen Branchen und Regionen sich die Entwicklung am deutlichsten manifestiert.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Zahlungsmoral von Unternehmen stark nachgelassen. Laut einer aktuellen Auswertung des Zahlungsverhaltens von rund 450.000 Unternehmen durch den Informationsdienstleister Crifbürgel begleichen Firmen in Deutschland ihre überfälligen Rechnungen mit 34,4 Tagen Verzug. Während der durchschnittliche Zahlungsverzug im Januar dieses Jahres noch bei 26,4 Tagen lag, verschlechterte sich dieser Wert ab Mitte April deutlich.

Zahlungsausfälle gefährden KMUs

Üblich ist in Deutschland ein Zahlungsziel von 26 Tagen. Aktuell begleichen Spät- oder Nichtzahler ihre offenen Posten erst nach durchschnittlich 60 Tagen. Demnach warten Gläubiger mehr als doppelt so lange auf ihr Geld. Was auf der einen Seite als liquiditätsschonendes Verhalten bezeichnet werden kann, bedeutet für den Rechnungssteller, dass er unfreiwillig zum Kreditgeber seines Kunden wird.

Besonders hart trifft säumiges Zahlungsverhalten mittelständische und Kleinbetriebe, also KMU. Nicht etwa geht mit nicht oder spät gezahlten Rechnungsbeträgen nur ein höherer Verwaltungsaufwand einher, sondern bedroht diese Entwicklung auch die Liquidität des Rechnungsstellers bis hin zur Insolvenz. Vor dem Szenario der Corona-Pandemie gehen die Autoren der Analyse von mehr als 29.000 Firmeninsolvenzen im laufenden Jahr aus.

Zahlungsmoral variiert regional

Dabei ergeben sich aus der Auswertung regionale Unterschiede. So überziehen Unternehmen in Rheinland-Pfalz ihre Zahlungsziele um durchschnittlich etwa 56 Tage, in Bremen um 45 und in Hamburg um 43 Tage. Am geringsten ist der Zahlungsverzug bei Saarländischen Unternehmen mit 25 Tagen.

Auf das gesamte Bundesgebiet umgelegt, kommt die Analyse zu dem Schluss, dass jedes zehnte Unternehmen, also 11,5 Prozent, seine Rechnung gar nicht oder nur verspätet begleicht. Am höchsten ist die Quote der Spät- oder Nichtzahler mit 18,9 Prozent in Berlin. Unter dem Bundesdurchschnitt bleibt Thüringen, wo die Zahlungsmoral am höchsten ist. Dort verspäten sich Rechnungszahlungen um lediglich 8,2 Tage.

Hoher Verzug in der Unterhaltungsbranche

Ein besonders düsteres Bild zeichnet sich in den Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitbranchen ab. Überschritten Rechnungsempfänger aus diesem Sparten ihre Zahlungsziele im Januar nur bis zu 32 Tage, verdoppelte sich dieser Zeitraum nun auf 62 Tage. Ähnlich drastisch hat sich die Situation im Gastgewerbe entwickelt, wo Lieferanten durchschnittlich bis zu 59 Tage zusätzlich auf ihr Geld warten.

Bei Unternehmen aus der Logistik ist in jüngster Zeit ebenfalls eine Häufung der Zahlungsprobleme zu beobachten. Dort gelingt es 29,3 Prozent der Unternehmen momentan nicht, Rechnungen innerhalb der Frist oder überhaupt zu begleichen. Im Gastgewerbe hat sich die Spätzahlerquote auf 24,9 Prozent erhöht. 

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Quelle:
Management Basics

01.05.2020 | Strategie | Ausgabe 5-6/2020

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