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08.10.2019 | Rechnungswesen | Nachricht | Onlineartikel

Inkassobranche verzeichnet rund 800 Beschwerden

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Von Januar bis September gingen 811 Beschwerden von Verbrauchern beim Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen (BDIU) ein. Die Betroffenen wehren sich vor allem gegen das Verfahren und ungerechtfertigte Forderungen. 

Rund ein Drittel der Beanstandungen, die die BDIU-Beschwerdestelle in den vergangenen neun Monaten erreichte, richtet sich gegen das Inkasso-Verfahren. Weitere 26 Prozent der Verbraucher haben dem Verband zufolge Einwendungen gegen die Hauptforderung. 17 Prozent sind dagegen mit den berechneten Gebühren und Auslagen nicht einverstanden. Ein Anteil von sechs Prozent geht gegen Forderungen vor, die durch einen Identitätsklau entstanden sind. 

Branche kämpft gegen Betrug durch Identitätsklau

Letztere seien auch für Inkassounternehmen ein Problem, heißt es, da sie mittelbar geschädigt würden. Brigitte Zypries, Ombudsfrau des Branchenverbands und ehemalige Bundesjustizministerin, erklärt dazu: "Wenn man den Unternehmen die Sache mitteilt, lässt sich der Sachverhalt schnell aufklären. Im Zweifel kann man sich auch an den BDIU wenden." Zypries, die bei schwierigen Sachverhalten zwischen Gläubigern, Verbrauchern und Inkassounternehmen vermittelt, ist nach Verbandsangaben bereits selbst Opfer eines solchen Betrugsdeliktes gewesen. 

Die Branche verstärke ihre Aktivitäten zum Schutz vor dieser Art von Kriminalität. Unter der Adresse www.identitätsdiebstahl.net bietet der Verband Informationen zur Aufklärung von Verbrauchern an. Auch die rund 550 Inkassounternehmen, die derzeit rund 43 Millionen Forderungen bearbeiten, engagierten sich schon länger in Sachen Betrugsprävention. Daher seien die Fälle von Identitätsklau inzwischen leicht rückläufig, so der BDIU. 

Inkassogesetz geht nicht weit genug

Nicht in die Statistik fließen dagegen die Zahlen zum sogenannten Fake-Inkasso ein, heißt es weiter. Alleine in diesem Jahr habe der Verband schon über 80 Hinweise dazu erhalten. "Hier geht es um erfundene Forderungen, getarnt als Briefe tatsächlich existierender Inkassounternehmen, die Verbraucher dazu verleiten sollen, Geld auf ausländische Bankkonten zu überweisen", sagt Kay Uwe Berg, BDIU-Hauptgeschäftsführer. 

Er fordert vom Staat, verstärkt gegen diese Form des Betrugs vorzugehen. "Wir und auch die Verbraucherzentralen hatten in diesem Zusammenhang große Hoffnungen auf das von der Politik versprochene Inkassogesetz gelegt. Die Vorschläge, die jetzt auf dem Tisch liegen, greifen aber zu kurz", so Berg. Es reiche nicht aus, wenn nur die Bundesländer die reine Anzahl der dort für die Aufsicht zuständigen Gerichte reduzieren. Berg fordert: "Es braucht eine finanzielle und personelle Aufstockung und eine Bündelung der Kompetenzen auf Bundesebene, am besten beim Bundesamt für Justiz."

Auch die Verbraucherschützer hatten auf einen besseren Schutz der Menschen vor unseriösen Geschäftspraktiken durch Inkassounternehmen durch den am 16. September 2019 veröffentlichte Gesetzentwurf gehofft. Ihnen ist allerdings die Deckelung der Inkassogebühren unzureichend. Wie die Inkassobranche, fordert auch der der Verbraucherzentrale Bundesverband die "dringend nötige zentrale Aufsichtsbehörde für die Inkassobranche". Diese sei bundesweit zersplittert und bei fast 40 Gerichten angesiedelt. 

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