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28.11.2017 | Rechnungswesen | Im Fokus | Onlineartikel

Mehr Risikozuschläge bei der Ermittlung von Kapitalkosten

Autor:
Sylvia Meier

Kapitalkosten spielen für Investitionsentscheidungen von Unternehmen eine große Rolle. Politische Risiken sorgen jedoch gerade bei Auslandsgeschäften zu Unsicherheiten. Eine Studie beleuchtet die aktuelle Situation für Unternehmen.

Für die Kapitalkostenstudie 2017 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG wurden über 200 Unternehmen befragt. Dabei zeigt sich, dass momentan vor allem makroökonomische Unsicherheiten eine große Rolle spielen. So sorgten beispielsweise in den vergangenen zwölf Monaten die Wahlergebnisse in den USA und Großbritannien zu erhöhten Volatilitäten an der Börse. Dies wirkt sich entsprechend auf die Planungsrechnung der Unternehmen aus.

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Die Unternehmensbewertung ist momentan aufgrund dieser Unsicherheiten eine Herausforderung. Auf welche Werte kann man sich verlassen? KPMG weist darauf hin, dass lediglich zwei Prozent der befragten Unternehmen auf komplexere Szenarioanalysen zurückgreifen. 82 Prozent leiten die Erwartungswerte der bewertungsrelevanten Cashflows mit einer einwertigen Schätzung anhand der Planungsrechnung ab. Hier warnt KPMG davor, dass gerade aufgrund der vielen Unsicherheiten Fehleinschätzungen möglich sind. Ein Beispiel dürfte hier der Brexit sein. Wie werden die künftigen möglichen Konsequenzen bestmöglich abgebildet? Komplexe Zeiten scheinen nun auch komplexere Analysen zu erfordern.

Tendenziell optimistisch sind die Studienteilnehmer bei der Entwicklung von Umsatz und EBIT gestimmt. So liegt beispielsweise die EBIT-Wachstumsprognose bei zehn Prozent.

WACC auf Rekordtief gesunken

Im Fokus der Studie stand die Entwicklung der Kapitalkosten. Der durchschnittliche Weighted Average Cost of Capital (WACC) sank auf 6,9 Prozent, so niedrig wie noch nie zuvor, seitdem die Studie durchgeführt wird. Der WACC ging jedoch nicht in allen Branchen zurück. Beispielsweise in den Bereichen Health Care und Technology stieg der WACC im Vergleich zum Vorjahr. Den niedrigsten WACC verzeichnet laut der Studie der Bereich Chemicals & Pharmaceuticals mit 6,6 Prozent. Die Studie zeigt außerdem:

  • Der risikolose Basiszinssatz sank erneut und lag durchschnittlich 2016/2017 bei 0,9 Prozent.
  • Die Marktrisikoprämie lag durchschnittlich bei 6,5 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr (6,3 Prozent) leicht gestiegen.
  • Die durchschnittlich verschuldeten Eigenkapitalkosten sanken auf acht Prozent (Vorjahr: 8,2 Prozent).

59 Prozent der Unternehmen verwenden weitere Risikozuschläge bei der Ermittlung von Kapitalkosten. Gerade politische Risiken scheinen sich hier bemerkbar zu machen. Fast jedes zweite Unternehmen (46,8 Prozent) verwendet Länderrisikoprämien. Eine Möglichkeit, Länderrisiken zu identifizieren, bietet der Peren-Clement-Index. In ihrem gleichnamigen Buch erklären die Springer-Autoren Reiner Clement und Franz W. Peren, warum dies so wichtig ist (Seite 15): "Auslandsgeschäfte sind naturgemäß mit außergewöhnlichen Unsicherheiten und Risiken behaftet, vor allem dann, wenn der Investor die dort herrschenden Umstände, auf die er in der Regel keinen oder nur mäßig Einfluss nehmen kann, oder die Bonität der vor Ort ansässigen Vertragspartner nur schwer beurteilen kann."

Rückgang der Fremdkapitalkosten

Wurde Fremdkapital eingesetzt, scheinen auch hier im Vergleich zu den Vorjahren die Kosten im Durchschnitt gesunken zu sein. Laut der Studie gingen die Fremdkapitalkosten in Deutschland auf 2,9 Prozent zurück, die durchschnittliche Fremdkapitalquote lag nahezu wie bereits im Vorjahr bei 25,2 Prozent.

Investitionsentscheidungen treffen

Rendite ist nicht alles, aber wichtig. In der Studie zeigt sich, dass zwei Drittel der befragten Teilnehmer sowohl strategische als auch wertorientierte Zielsetzungen bei ihren  Investitionsentscheidungen berücksichtigen. 27 Prozent stellen primär auf strategische Zielsetzungen ab, für sieben Prozent zählen ausschließlich wertorientierte Kriterien. Ob sich eine Investition dann tatsächlich auch als erfolgreich herausstellt, ermitteln die 84 Prozent der Umfrageteilnehmer anhand eines wertorientierten Monitorings. Interessant ist, dass bei 72 Prozent der Studienteilnehmer die Kapitalkosten nach wie vor in der Kapitalmarktkommunikation keine Rolle zu spielen scheinen.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Einführung

Quelle:
Peren-Clement-Index

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Eigenkapitalkosten in der Unternehmensbewertungspraxis

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