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Über dieses Buch

Mit dem gerechten Frieden geht - gerade wie er in der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland niedergelegt ist - für viele seiner Vertreterinnen und Vertreter eine Absage an die Lehre vom gerechten Krieg einher. Friedensordnung wird als Rechtsordnung begriffen. Mit diesem rechtsethischen Verständnis verbindet sich aber kein radikaler Pazifismus. Vielmehr bleibt Frieden auf die Durchsetzung des Rechts – und dafür steht der Terminus der rechtserhaltenden Gewalt – verwiesen. Ihre ethischen Kriterien werden dann aber wieder im Rückgriff auf den gerechten Krieg generiert. Diese Parallelität ist nicht unproblematisch. In einen anderen Rahmen gestellt gilt es, grundlegend über die Begründung und Verortung der rechtserhaltenden Gewalt neu nachzudenken.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Verortung und Begründungszusammenhänge rechtserhaltender Gewalt

Eine Einführung
„Si vis pacem para pacem“ (wenn du den Frieden willst, bereite den Frieden vor) – unter dieser Maxime steht das Leitbild des gerechten Friedens. Es steht „für einen fundamentalen Wandel in der ethischen Praxis“ und setzt „andere Bewertungsgrundlagen und Handlungskriterien voraus“ (ÖRK 2011, Präambel). Ausgehend von Psalm 85,11 „dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen“ sowie Jesaja 32,17 „der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit ewige Stille und Sicherheit“ (vgl. auch Jak 3,18) werden Frieden und Gerechtigkeit wechselseitig aufeinander bezogen (vgl. ÖRK 2011, Ziff. 1 und 3).
Ines-Jacqueline Werkner

Gerechtigkeit für eine Theorie

Zur Funktion der Lehre vom gerechten Krieg im Rahmen des gerechten Friedens
Der Ausdruck „gerechter Frieden“ hat einen kaum verdeckten polemischen Kern. Er soll nämlich einen grundsätzlichen Wendepunkt protestantischer Friedensethik markieren. Habe der friedensethische Diskurs sich bisher am Leitbild des gerechten Krieges orientiert, so müsse jetzt diese Fixierung überwunden werden zugunsten des Leitbilds „gerechter Frieden“, also der Herstellung und Erhaltung nachhaltig friedlicher, durch Gerechtigkeit stabilisierter inner- und zwischenstaatlicher Lebensverhältnisse.
Bernd Oberdorfer

Im Lichte von Römer 13

Drei politisch-ethische Kapitel paulinischer Wirkungsgeschichte: Thetisches von Augustin über Luther zu Kant
An keiner anderen Stelle der Bibel scheint so grundlegend über das Verhältnis des Christenmenschen zum Staat gesprochen zu werden wie in Röm 13,1-7. Das macht eine Zuwendung unumgänglich.
Marco Hofheinz

Das Reich Gottes, die Idee des Rechts und das Friedensvölkerrecht

Seit 2000 Jahren verkündet der christliche Glaube „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Ist aber die Menschheit dabei auch nur einen Schritt weiter gekommen? Im Folgenden sollen das theologische Motiv des Reiches Gottes, die philosophische Idee des Friedens und das juristische Projekt des Friedensvölkerrechts so verbunden werden, dass eine staatliche Friedenspolitik sich damit gegen Kritik und Zweifel besser behaupten kann. Um dabei jedoch nicht zwischen alle Stühle zu geraten, sind aus jedem Fach möglichst aussagekräftige Quellen auszuwählen und die Verbindungen zwischen ihnen reflektiert zu knüpfen.
Hartwig von Schubert

Eine Ethik rechtserhaltender Gewalt im ökumenischen Diskurs: zwischen gerechtem Krieg und Pazifismus

Sowohl der ökumenische friedensethische Diskurs als auch die Entwicklung friedensethischer Positionen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) orientieren sich am Konzept des gerechten Friedens. Die EKD hat in ihrer Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ der traditionellen Lehre vom gerechten Krieg eine Ethik rechtserhaltender Gewalt entgegengestellt (EKD 2007, S. 65ff.). Dieser Beitrag geht der Frage nach, wie anschlussfähig eine Ethik rechtserhaltender Gewalt angesichts verschiedener konfessioneller Perspektiven – von anglo-amerikanischen Traditionen der Lehre vom gerechten Krieg bis hin zu pazifistischen Positionen der historischen Friedenskirchen – im ökumenischen Diskurs ist.
Konrad Raiser

Rechtserhaltende Gewalt im Kontext einer komplexen Friedensagenda

Ein zentrales Anliegen der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD 2007) besteht darin, die internationale Ordnung vom gerechten Frieden her zu denken statt vom gerechten Krieg. Die zeitgeschichtliche Aktualität dieses Anliegens ergab sich aus der Befürchtung, dass die nach dem Ende des Ost-West-Konflikts sich abzeichnende Wiederbelebung der Lehre vom gerechten Krieg der Bewahrung (und dem Ausbau) der von der UN-Charta intendierten Friedensordnung als internationale Rechtsordnung entgegenwirken würde. Das empirische Erfahrungsfeld, auf das sich diese Befürchtung bezog, waren die Eingriffe der sich selbst als „internationale Gemeinschaft“ verstehenden liberalen Demokratien in innerstaatliche Konflikte des globalen Südens sowie der war on terror.
Lothar Brock

Der gerechte Frieden und die Ambivalenz rechtswahrender Gewalt – eine Synthese

In der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) markiert die Friedensdenkschrift von 2007 eine Zäsur, sofern sie sich auf das Konzept des gerechten Friedens mit seiner Devise si vis pacem para pacem eingelassen hat, das in den ökumenischen Diskursen – unter starker Beteiligung der historischen Friedenskirchen – entwickelt worden ist (vgl. auch Konrad Raiser in diesem Band). Die Differenz zur klassischen Lehre vom gerechten Krieg liegt dabei nicht darin, dass letztere den Krieg als Ziel verfolgt – auch die Lehre vom bellum iustum versteht sich als Bemühung um den Frieden. Der zentrale Unterschied im Konzept des gerechten Friedens zu dem des gerechten Krieges liegt einerseits in der Perspektivität, die Konflikte nicht verharmlost, aber primär von gewaltlosen Lösungsmöglichkeiten und der „Gestaltwerdung des Friedens“ (Konrad Raiser) statt von einer immer schon als unausweichlich gedachten gewaltsamen Abwehr des Bösen ausgeht.
Torsten Meireis

Backmatter

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