Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Der gerechte Frieden stellt mit seiner Maxime Si vis pacem para pacem (Wenn du den Frieden willst, bereite den Frieden vor) einen Perspektivenwechsel in der christlichen Friedensethik dar. Nicht mehr der Krieg, sondern der Frieden steht im Fokus des neuen Konzeptes. Dennoch bleibt die Frage militärischer Gewaltanwendung auch beim gerechten Frieden virulent, verbinden sich mit dem im deutschen Protestantismus verfolgten Ansatz eines Friedens durch Recht zugleich Fragen der Rechtsdurchsetzung. Der Band nimmt die ethischen Kriterien der rechtserhaltenden Gewalt, die der Lehre vom gerechten Krieg entnommen sind, in den Blick und diskutiert sowohl situationsspezifische Konkretionen als auch potenziell notwendige Erweiterungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die Prufkriterien rechtserhaltender Gewalt. Eine Einfuhrung

Zusammenfassung
Der gerechte Frieden als ein noch junges Konzept in der christlichen Friedensethik stellt eine Alternative zu etablierten friedensethischen Ansätzen dar. Insbesondere grenzt er sich von der Lehre vom gerechten Krieg (bellum iustum) ab. So ist der gerechte Frieden von seiner Entstehungsgeschichte her auch nicht in Abgrenzung zu anderen Friedensbegriffen entstanden, sondern in bewusster Entgegensetzung zum gerechten Krieg.
Ines-Jacqueline Werkner

Vom gerechten Krieg zum legitimen Zwang

Rechtsethische Überlegungen zu den Bedingungen politischer Ordnung im 21. Jahrhundert
Zusammenfassung
Rechtsethik stellt die Frage nach der Gerechtigkeit des Rechts, oder genauer: nach der „ethischen Bedeutung modernen positiven Rechts“ (Ellscheid 1989, S. 134) und reflektiert damit die normativen Grundlagen internationaler Ordnung. Denn auf dem Recht gründet ein Großteil der Hoffnungen, Krieg und Gewalt in der Welt zu überwinden und gerechten Frieden dauerhaft zu gewährleisten. Aber das Recht im internationalen System ist schwach, seine Geltung umstritten und seine Durchsetzung defizitär.
Christopher Daase

Die ultima ratio im Spiegel der Friedensdenkschrift und des badischen Friedensprozesses

Zusammenfassung
Angesichts der geänderten weltpolitischen Rahmenbedingungen und im Nachgang der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2007 gab es in der badischen Landeskirche sehr intensive Auseinandersetzungen mit friedensethischen Fragen. Inspiriert durch diesen Prozess hat in den letzten Jahren eine Reihe weiterer Landeskirchen begonnen, sich verstärkt mit der Friedensthematik zu befassen. Schlüsselfragen sind dabei, inwieweit die Friedenstheologie auch eine Theologie der Gewaltfreiheit darstellt und die Gewaltlosigkeit als prima ratio gegenüber der ultima ratio von Gewalt befolgt wird.
Vincenzo Petracca

Das Dogma von der Ethik des Gewaltverzichts

Eine Replik zu Vincenzo Petracca
Zusammenfassung
In der zivilisierten Welt vernunftbegabter Menschen gilt: Frieden ist der wunschgemäße Zustand. Diese Überzeugung resultiert – gerade für Deutschland – nicht nur aus den blutigen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts oder der Apokalypse des 30-jährigen Krieges, sondern auch aus einer Geschichte, die überhaupt und ganz besonders durch die Wegmarken der Kriege bestimmt wurde. Insofern ist zunächst jede individuelle Entscheidung zur Gewaltlosigkeit uneingeschränkt zu begrüßen.
Wolfgang Schulenberg

Reflexionen zur ethischen Debatte um das ius in bello in der Gegenwart

Zusammenfassung
Krieg ist nicht gleich Krieg, das wussten auch schon die alten Griechen. Platon (1994, S. 14) unterscheidet deshalb zu Beginn der Nomoi (628a) zwei Begriffe des Krieges: polemos und stasis. Wenn die Griechen mit den Persern in militärische Auseinandersetzungen verstrickt sind, so ist das polemos, ein Krieg im vollen Sinne des Wortes. Denn hier treffen zwei strukturell ähnliche Gegner aufeinander und das Ziel ist die Überwältigung, im äußersten Fall sogar die Vernichtung.
Bernhard Koch

Ius post bellum, ius ex bello, ius ad vim… – notwendige Erweiterungen einer Ethik rechtserhaltender Gewalt?

Zusammenfassung
Wenn über die moralische Legitimität des Einsatzes militärischer Gewalt diskutiert wird, dann geschieht dies – ausgesprochen oder auch unausgesprochen, bewusst oder unbewusst – häufig im Rückgriff auf die oft missverstandene und kritisierte bellum iustum-Tradition. Die bellum iustum-Tradition geht auf römische Wurzeln zurück; Augustinus und Thomas von Aquin entwickelten sie weiter; sie strahlte in die völkerrechtliche Diskussion aus und blieb bis heute wirkungsmächtig. Trotz aller Wandlungen im Laufe der Geschichte und ungeachtet der gegenwärtigen Auffächerung in unterschiedliche „Theorien“ handelt es sich insofern um eine abgrenzbare ethische „Tradition“, als ein überlieferter Bestand an Kategorien und Kriterien eine systematische Diskussion über die moralische Legitimität militärischer Gewaltanwendung ermöglicht.
Peter Rudolf

Politische Sanktionen im Lichte rechtserhaltender Gewalt

Zusammenfassung
In jüngerer Zeit haben die multinationalen Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit der Annexion der Krim und der Ukrainekrise sowie die unilateralen Sanktionsbemühungen der Trump-Regierung im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus dem Iran-Atomdeal viel mediale Aufmerksamkeit in Deutschland erhalten. Während die jüngsten UN-Sanktionen gegen Mali weitestgehend unter dem medialen Aufmerksamkeitsradar verhängt wurden, blieben die Verschärfungen der UN-Sanktionen gegen Nordkorea wiederum nicht unbeobachtet.
Sascha Werthes

Kriterien legitimen rechtserhaltenden Zwangs – eine Synthese

Zusammenfassung
Debatten um die Legitimität militärischer Gewalt zählen zu den zentralen, aber auch kontroversesten in der Friedensethik. In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) findet diese Problematik ihren Niederschlag in der Diskussion um das Konstrukt der rechtserhaltenden Gewalt und dessen Rolle im Leitbild des gerechten Friedens. Vor diesem Hintergrund widmet sich der Band der Frage, zu welchen Zwecken, unter welchen Bedingungen und in welcher Art sich internationale Einsätze militärischer und politischer Zwangsmittel unter heutigen Bedingungen ethisch rechtfertigen lassen.
Peter Rudolf

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise