Personalsuche wird für Unternehmen zum Kraftakt
- 18.06.2024
- Recruiting
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verfasst von: Frank Hensgens, Geschäftsführer Indeed DACH
Der Fachkräftemangel stimmt Personaler pessimistisch. Neben gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind viele Probleme der Unternehmen jedoch hausgemacht. Das ist eigentlich eine gute Nachricht.
Recruiting bedeutet heute tatsächlich, nach qualifizierten Talenten mit der Lupe suchen zu müssen.
H_Ko / stock.adobe.com
Zehn bis 14 Wochen, so lange warten Verbraucher hierzulande derzeit im Schnitt auf einen Handwerker. Ursache dafür ist der Arbeitskräftemangel. Den spürt nicht nur das Handwerk. Laut des Fachkräftereports der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sind auch in Industriebetrieben, der Sicherheitswirtschaft, bei Reinigungsdiensten, Gesundheits- und Sozialdienstleistern die Jobs schwer zu vergeben. Die Zahl unbesetzter Stellen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Der demographische Wandel wird diesen Trend noch verstärken. Experten rechnen damit, dass 2035 gut sieben Millionen Fachkräfte fehlen.
Da kann es kaum überraschen, dass Personalverantwortliche in Deutschland pessimistisch in die Zukunft blicken. Das zeigt die "Future of Work"-Studie von Indeed. Mehr als die Hälfte der Angestellten hierzulande erwarten demnach, dass die Herausforderungen für das Recruiting in den nächsten fünf Jahren steigen. Besonders die HR-Branche ist besorgt: Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Personaler fürchten, dass sich die Lage verschlechtern wird.
Gute Bedingungen und faire Bezahlung
Ihre Angst ist nachvollziehbar, schließlich liegen die Ursachen für den Arbeitskräftemangel tief und oft gar nicht im Einflussbereich der Unternehmen. So sind es etwa gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Firmen zu schaffen machen. Den demografischen Wandel etwa halten 45 Prozent der Indeed-Befragten für die Hauptursache der Personalknappheit.
Für knapp 20 Prozent ist es die mangelnde Qualifikation der Bewerbenden. Aber es gibt auch Ursachen, die in den Zuständigkeitsbereich der Betriebe fallen. Denn viele Probleme, die mit den Folgen des Fachkräftemangels einhergehen, sind hausgemacht. Das klingt zunächst schlecht, ist aber im Grunde eine gute Nachricht. Schließlich haben die Unternehmen durch HR hier eine Handhabe. Sie können Einfluss auf die Entwicklung nehmen und neue Wege beschreiten. Doch welche sind das? Und was ist für die HR hier zu tun?
Mehr Homeoffice anbieten
Der erste Weg führt über die Gestaltung der Arbeit. Wer Fachkräfte sucht, muss für gute Bedingungen und faire Bezahlung sorgen. Umso bedenklicher ist der Trend, dass viele Arbeitgeber in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben einen Schritt zurück machen.
Etwa, indem sie Angestellte wieder vermehrt ins Büro zitieren. Die Zahl der verpflichtenden Präsenztage steigt, während die Zunahme der Stellenanzeigen mit Homeoffice-Option ins Stocken geraten ist. Auf Indeed liegt die Quote derzeit bei 15 Prozent, während der Begriff 'Homeoffice' dagegen in drei Prozent aller Suchanfragen auftaucht. Das Interesse an derartigen Jobs nimmt also zu. Deshalb ist es für Arbeitgeber weiterhin ratsam, auf diesen Faktor zu setzen.
Mehr Frauen, mehr Zuwanderung
Darüber hinaus werden so auch Personengruppen angesprochen, die zwar eine besonders hohe Flexibilität benötigen, aber viel Potenzial haben. Eltern zum Beispiel, speziell: Frauen.
Mit gerade 59 Prozent liegt die Beschäftigungsquote bei Frauen laut Bundesagentur für Arbeit nach wie vor deutlich unter der Quote der Männer (66 Prozent). 16,1 Millionen Frauen in Deutschland waren im vergangenen Jahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt, gut die Hälfte davon in Teilzeit. Hier schlummert also noch viel Potenzial, um die Fachkräftelücke zu schließen. Die Beschäftigung deutscher Frauen ist sogar um 32.000 gesunken. Der Anstieg um 118.000 Beschäftigte resultiert also einzig und allein durch Frauen aus dem Ausland.
Die Integration ausländischer Arbeitskräfte ist ein weiterer Aspekt, den Unternehmen in ihre Recruiting-Strategien integrieren sollten. Wenn die Prognose der sieben Millionen fehlenden Fachkräfte bis 2035 zutrifft, braucht Deutschland 1,5 Millionen Zuwanderer - und zwar jedes Jahr.
Schließlich wird nicht jeder von ihnen bleiben. "Recruiting goes global" muss daher das Motto der HR-Abteilungen lauten. Ende 2023 waren bereits mehr Menschen aus dem Ausland an Jobs in Deutschland interessiert als andersherum. Immerhin fünf Prozent der Suchen auf Indeed wurden von Jobsuchenden außerhalb Deutschlands abgeschickt. Allerdings ist dieser Trend rückläufig.
KI wird zur Co-Pilotin
Neben den Arbeitsbedingungen bietet auch der Recruiting-Prozess reichlich Potenzial, um die Suche nach Fachkräften zu verbessern. Laut "Future of Work"-Studie wünschen sich die Angestellten beispielsweise mehr Individualisierung: Angefangen bei maßgeschneiderten Jobangeboten (25 Prozent) bis zu personalisierten Onboardings (35 Prozent). Und selbst nach der Einstellung ist die Zufriedenheit gering. Nur 15 Prozent der Befragten fühlen sich von HR und Talentförderung angemessen unterstützt, wenn es darum geht, die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu meistern. Hier ist HR gefordert, ihre Hausaufgaben zu machen.
Technologie kann dabei nützlich sein. Gerade wenn es darum geht, effizienter zu werden. Auch dort schlummert reichlich Potenzial. Immerhin attestieren nur 35 Prozent der deutschen Arbeitnehmenden ihrem Unternehmen einen effektiven Bewerbungsprozess. Um die Situation zu verbessern, sehen 51 Prozent den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) als Lösung. 45 Prozent glauben sogar, dass KI-Tools helfen könnten, Fachkräfte effektiver zu finden. KI wird zur Co-Pilotin. Das gilt für das Recruiting wie auch für den Arbeitsmarkt insgesamt.
So zeigt der "Indeed AI at Work Report", dass praktisch alle Berufsfelder in irgendeiner Form von generativer KI beeinflusst werden können. So ist generative KI heute bereits in der Lage, mindestens 80 Prozent der Fähigkeiten in mehr als einem Viertel der Stellenanzeigen (29 Prozent) "gut" oder sogar "exzellent" auszuführen. Der Anteil stark betroffener Jobs ist in Deutschland zudem deutlich höher als in Großbritannien oder Australien. Das sollten Betriebe und insbesondere deren Recruiting nutzen, um effizienter zu werden. Ein Zusammenspiel von Mensch und Maschine - von menschlicher Empathie und technologiebasierter Analyse - ist ein vielversprechender Weg, trotz Fachkräftemangels optimistisch in die Zukunft zu blicken.