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08.12.2016 | Recruiting | Im Fokus | Onlineartikel

Toxische Bewerber frühzeitig erkennen

Autoren:
Stefan Lapenat, Nele Kreyßig

Fehlentscheidungen in der Personalauswahl sind mit Zeit, Kosten und Produktivitätsverlust verbunden. Wer dagegen die Motive seiner Kandidaten kennt, trifft passgenauere Personalentscheidungen.

Ein vergiftetes Betriebsklima ist schädlich. Dazu ein Fallbeispiel: Die Marketingabteilung eines Fintech-Start-ups hat einen neuen Mitarbeiter eingestellt. Da die Dringlichkeit sehr hoch war, haben sich die Entscheider nicht viel Zeit für die Kandidatenauswahl genommen und den Bewerber nur nach seinen Hard Skills ausgesucht. Nach zwei Wochen Einarbeitungszeit wurde schnell klar, dass der neue Kollege nicht mit dem Team harmonierte: Er sah die Kollegen mehr als Rivalen und reagierte aggressiv auf Kritik. Auch nach mehreren Gesprächen mit der Abteilungsleiterin stellte sich keine Veränderung ein. Im Gegenteil: Ein anderer Mitarbeiter verließ überraschend das Start-up, weil er im derzeitigen Betriebsklima nicht mehr arbeiten wollte. Der neue Angestellte wurde entlassen und das Unternehmen musste nun zwei Vakanzen füllen.

Den Toxic Employee vermeiden

Mitarbeiter, die das Betriebsklima trüben, werden als "toxic employees" bezeichnet. Allein der Begriff zeigt, wie schwer Fehlentscheidungen in der Personalauswahl wiegen. Aber das ist nur eine Seite des Problems. Wissenschaftler am Center for American Progress (CAP) haben herausgefunden, dass Unternehmen 20 Prozent des Jahresgehalts benötigen, um einen Mitarbeiter gleichwertig zu ersetzen. Neben Kosten für die Personalsuche und die Einarbeitungszeit des neuen Mitarbeiters, gehen auch Produktivtät und Wissen verloren. Für Unternehmen ist eine sorgfälte Vorauswahl der Kandidaten daher wichtig, um "toxic employees" von vornherein auszuschließen. Hierbei kann das Wissen um die Motive und Motivationen der Bewerber sehr viel darüber aussagen, wer in die Unternehmenskultur passt und wer nicht. Dabei helfen Persönlichkeitstests, die sich auf Motivationspotenziale konzentrieren. Dieses Verfahren "matcht" die inneren Antriebskräfte und daraus resultierende Werte der Kandidaten mit den vorhandenen motivationalen Rahmenbedingungen des Unternehmens.

Empfehlung der Redaktion

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

V Kandidaten sicher lesen

Wer verspricht, Kandidaten lesen oder allgemeiner, Menschen durchschauen zu können, der bewegt sich schnell auf dem Gebiet der Scharlatanerie. Von diesem Gebiet möchte ich mich an dieser Stelle sehr klar abgrenzen. Zumal es keinerlei Beweise für die Zuverlässigkeit der dargestellten Methoden gibt.


Teamtyp vorab ermitteln

Zusätzlich zu den im Lebenslauf oder Assessment Centern abgeprüften Hard Skills fokussieren solche Verfahren auf Soft Skills, beziehungsweise die persönliche Kompetenz – hier konkret die Motive. Die Bewerber erhalten einen wissenschaftlich entwickelten Online-Fragebogen mit Fragen zu Situationen und in wie weit diese beim Bewerber eine entsprechende Emotion und Begeisterung auslösen. Der Bewerber soll die Fragen nun möglichst direkt beantworten, ohne lange nachzudenken. Daraus kann das Unternehmen dann ableiten, ob der Kandidat beispielsweise ein hohes Konkurrenzstreben besitzt oder ob er eher Freude und Leistungsfähigkeit als Teamplayer hat und in die Unternehmenskultur oder in das Team passt.

Die Produktivität steigt mit der Motivation

Unternehmen, die die Analyse der Motivationspotenziale in die Kandidatenauswahl einbeziehen, vermeiden Toxic Employees und finden oft nahezu perfekt passende Kandidaten. Unzählige Studien belegen: Fühlen sich Mitarbeiter im Unternehmen wohl, steigt ihre Motivation und damit die Produktivität. Gerade im Kampf um junge Talente ist es wichtig, ein Arbeitsumfeld anzubieten, in dem sich die Angestellten wohl fühlen. Nur so können Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähig bleiben.

Gute Leute finden, ist eine Sache. Sie auch zu halten, ist die andere. Das sehen die meisten Manager in Deutschland, Östereich und der Schweiz bereits genauso. Im "HR-Report" letzten Jahres betrachten vier von fünf Manager die Mitarbeiterbindung als zentrales Führungsthema.

Mit einfachen Mitteln unnötige Kosten vermeiden

Mithilfe motivorientierter Personalauswahl lassen sich einerseits unnötige Kosten vermeiden. Andererseits finden Personaler dadurch Bewerber, die in die Unternehmenskultur passen und der Organisation einen Mehrwert bieten. Denn: Mitarbeiter sind die Erfolgsquelle von Unternehmen und sollten so ausgewählt werden, dass die Position zu den persönlichen Motiven passt – und der Bewerber zur Unternehmenskultur. Somit ersparen sich Personaler Zeit für die Kandidatenauswahl, sichern sich nachhaltig junge Talente in der Organisation und bleiben langfristig wettbewerbsfähig. Führungskräfte erhalten wertvolle Informationen um Kommunikation und Führung mit den neuen Mitarbeitern so motivorientiert zu gestalten, dass sie sich gut ins Unternehmen einfinden, gebunden und leistungsfähig sind.

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