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Das Cultural-Fit-Prinzip

  • 20.03.2017
  • Recruiting
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Matthias Oberstebrink ist Gründer und Geschäftsführer der JobUnicorn GmbH und Dozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.


Die kulturelle Passung von Bewerber und Unternehmen ist neben den fachlichen Fähigkeiten bei der Personalauswahl nicht zu unterschätzen. Denn das Matching kultureller Werte entscheidet über Faktoren wie Produktivität, Fluktuation und Krankenstände.

Dass Krankenstände innerhalb von Unternehmen insbesondere mit Stress zusammenhängen, ist nicht nur logisch, sondern wurde 2016 in der Studie "Entspann Dich, Deutschland" der Techniker Krankenkasse auf sehr anschauliche Weise belegt. Auch die Tatsache, Mitarbeiter durch ein gutes Betriebsklima länger an das Unternehmen binden zu können, ist keine bahnbrechende neue Erkenntnis. Und dass man mit gut zusammengestellten Teams dauerhaft die Produktivität erhöhen kann, ist in den meisten Manager-Ratgebern nachzulesen. Aber wo liegt die Verbindung dieser Kennzahlen zu kulturellen Werten? Und zwischen wem oder was sollen diese Werte gematcht werden?

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In diesem Zusammenhang erscheint es sinnvoll, sich einen Moment mit dem Begriff der Kultur auseinander zu setzen. Was ist Kultur? Was bedeutet sie für Unternehmen? Wie kann die Übereinstimmung (Match) von Werten dem Unternehmensergebnis helfen?

Was ist Kultur? 

Es gibt verschiedene Formen und Definitionen von Kultur. Im Kern definiert sich der Kulturbegriff über explizite und implizite Regeln, auf die sich eine Gruppe von Menschen ausgesprochen oder stillschweigend verständigt hat. Auf Basis dieser Vereinbarung determiniert die Kultur nun den Umgang mit diesen Regeln. 

Eine explizite Regel in den meisten Landesverbunden (Nationalstaaten) ist es beispielsweise, keine Steuern zu hinterziehen. Dennoch werden Vergehen in diesem Fall von den Gruppen-Mitgliedern (Mitbürgern) in vielen Fällen als Kavaliersdelikte abgetan. Andere Menschen bei einer persönlichen Begegnung verbal und oder per Handschlag zu begrüßen, ist hingegen eine implizite Regel, deren Verletzung in vielen Fällen weit weniger toleriert wird als die vermeintlicher Kavaliersdelikte. 

Ähnlich verhält es sich in sozialen Systemen, wie beispielsweise Unternehmen. Auch hier werden regelmäßig Nichteinhaltungen expliziter Regeln, wie Pausenzeiten oder Bestandteile des Code of Conducts, innerhalb der Belegschaft weniger sanktioniert als das Fernbleiben bei Firmenveranstaltungen oder Vorgesetzte über Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen von Prozessstrukturen zu informieren. 

Was bedeutet der Kulturbegriff für Unternehmen? 

Die Kenntnis und die Einhaltung bestimmter Regeln – insbesondere der impliziten oder informalen Regeln - bilden einen hohen Wert für den Zusammenhalt einer Gruppe.

Dieses Gemeinschaftsgefühl kann sowohl den Krankenstand, als auch die Fluktuation innerhalb eines Unternehmens erheblich beeinflussen. Fühlen sich Angestellte in ihren Teams und in der Organisation sicher, wohl und verstanden, wirkt sich das unmittelbar auf ihr Zusammengehörigkeitsgefühl aus und verringert damit die Fluktuationswahrscheinlichkeit. 

Darüber hinaus belegt unter anderem der Engagement Index 2015 von Gallup: Sich wohlfühlende Mitarbeiter weisen weniger krankheitsbedingte Ausfallzeiten auf, was bereits durch mehr Arbeitstage pro Jahr zu einer höheren Produktivität beitragen kann. Aber auch ein gutes  Betriebsklima, Teamgeist und Wertschätzung durch den Arbeitgeber sind Wohlfühlfaktoren,  die Teamergebnisse nachweislich verbessern können.  

Wie kann die Übereinstimmung von Werten dem Unternehmensergebnis helfen?

Die positiven Aspekte einer zusammenhaltenden Gruppe sind also klar. Nun stellt sich die  Frage, wie man die Werte der einzelnen Parteien in Übereinstimmung bringt. Dafür  bietet sich ein Matching-Algorithmus an, wie er bei Potentialanalysen bestehender Belegschaften oder bei der Personalauswahl eingesetzt werden kann.

Um eine möglichst große Übereinstimmung der vorherrschenden Unternehmenskultur und   den individuellen Werten der aktuellen und zukünftigen Mitarbeiter zu erreichen, muss   zunächst die Kultur innerhalb des Unternehmens identifiziert werden. Ein Blick auf die "Codes  of Conduct" reichen dabei in der Regel leider nicht aus, da sich die gelebte Kultur in erster  Linie aus den informalen und impliziten Regeln ergibt. 

Im nächsten Schritt müssten dann die Werte der Mitarbeiter und Bewerber identifiziert  werden, um diese dann auf ein gegenseitiges Matching untersuchen zu können. Je höher die  Wahrscheinlichkeit eines Matches, desto wahrscheinlicher eine langfristige und produktive Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien. 

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