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19.03.2020 | Recycling | Im Fokus | Onlineartikel

Baustoffrecycling lohnt sich

Autor:
Christoph Berger
3:30 Min. Lesedauer

Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden die Energieaufwände von zehn Bauproduktgruppen untersucht. Demnach ist aus energetischer Sicht das Recycling von Bauschutt und Abbruchmaterial in der Regel sinnvoll.

"Mehr Recycling ist nicht nur bei Kunststoffen, sondern auch bei vielen anderen Produkten und Materialien erforderlich, um die weltweite Übernutzung von Ressourcen zu bremsen. Das gilt für Metalle in Elektrogeräten oder Industrieanlagen ebenso wie für Sand oder Kies in Baustoffen oder Feuerfestbetone", heißt es im Artikel "Forschung für Recycling" der Springer-Fachzeitschrift "Keramische Zeitschrift" (Ausgabe 6/2019).

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Doch es geht beim Thema Baustoffrecycling nicht nur um den Ressourcenverbrauch. So zählt beispielsweise Sven Schulze im Kapitel "Abfall- und Kreislaufwirtschaft im Kontext der Agenda 2030" des Springer-Fachbuchs "Die Agenda 2030 als Magisches Vieleck der Nachhaltigkeit" mögliche Konfliktfelder beim Recycling-Thema auf. Er schreibt: "Ein einschränkender Zusammenhang kann sich schließlich ergeben, wenn die Prozesse einer Kreislaufwirtschaft, sowohl bei der Sammlung als auch bei der anschließenden Verwertung, energieintensiv ausfallen. Damit können sich negative Effekte im Bereich des Klimaschutzes einstellen, wenn der Energieaufwand für das Recycling höher ausfiele als die Einsparungen durch den Ersatz von Primärrohstoffen." Das Thema ist somit auch aus energetischer Sicht zu betrachten: Lohnt sich das Recycling von Baumaterial aus energetischer Sicht? Dieser Frage gingen das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und die Intecus GmbH in einer vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung geförderten Sondierungsstudie nach. Für die wurden Beton, Ziegel, Kalksandstein, Gips, Flachglas, mineralische Dämmstoffe, Kunststoffprofile, sonstige Kunststoffe, erdölbasierte Dämmstoffe und Bauholz im Hinblick auf die vorangestellte Fragestellung untersucht.

Energieaufwände vergleichen

Die erste Herausforderung für die Forschenden bestand darin, eine passende Methode zu finden, über die sich die Energieaufwände vergleichen lassen – zum einen die, die beim Recycling der einzelnen Baustoffe anfallen, und zum anderen jene, die für die Herstellung neuer Baustoffe aus natürlichen Ressourcen erforderlich sind.

So wurde für jede Bauproduktgruppe ermittelt, wie viel Energie erforderlich ist, um aus Abbruchmaterial einen Baustoff herzustellen, der einem neu gewonnen gleichwertig ist und im Hoch-, Tief- oder Landschafts- und Gartenbau zu neuem Einsatz kommen kann:

  1. Untersucht wurde die Aufbereitung des Rückbaumaterials zum Sekundärstoff. 
  2. Für den Sekundärstoff wurde kalkuliert, wie viel Mehr- oder Minderaufwand erforderlich ist, um ihn so weiterzuverarbeiten, dass er in einem neuen Bauprodukt den Primärstoff qualitativ gleichwertig ersetzen kann. 
  3. Die Mengen an Energie wurden gegenübergestellt, die für die Herstellung des Bauproduktes mit Sekundärstoffen beziehungsweise mit Primärstoffen nötig sind.

Für jede Bauproduktgruppe wurden zwei bis drei beispielhafte Nutzungen in Form charakteristischer Prozessketten vom Rückbaumaterial bis zur Einsatzvariante nachgezeichnet und aus energetischer Perspektive analysiert – unter Berücksichtigung von Erfahrungen aus der Praxis.

Recycling lohnt sich nicht für alle Baumaterialien gleichermaßen

Heraus kam bei den Untersuchungen, dass das Recycling von Bauschutt und Abbruchmaterial aus energetischer Sicht in der Regel sinnvoll ist. Wobei auch erwähnt wird, dass sich Recycling nicht für alle Baumaterialien gleichermaßen lohnt. So brauche beispielsweise die Wiederverwendung von Gipskartonplatten deutlich mehr Energie als der Abbau und die Aufbereitung von Naturgips.

Und während die Energiebilanz bei Kunststoffen immer für das Recycling spreche, komme es bei mineralischen Produkten auf die Qualitätsanforderung der neuen Verwendung an. Entscheidend sei, für welchen neuen Einsatzzweck ein Abbruchmaterial aufbereitet werde; davon hänge es ab, welchen Qualitätsanforderungen das Material genügen müsse, wie es aufbereitet und welche zusätzliche Energie dafür unter Umständen aufgewendet werden müsse.

Deutlich wurde außerdem, dass längst nicht die gesamte Recycling-Prozesskette bewertbar sei. So würden beispielsweise zu den tatsächlichen Energieverbräuchen von Produktionsmaschinen, die beim Baustoff-Recycling zum Einsatz kommen, bisher kaum brauchbare Daten vorliegen. Auch die Energieverbräuche beim Transport müssten viel genauer untersucht werden. Somit können die vorgelegten Ergebnisse nicht als abschließend gelten, wie die Forscher selbst sagen, es seien vielmehr noch weitere Forschungen notwendig.

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Quelle:
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