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"Die Menge an Elektro- und Elektronikgeräten nimmt seit Jahren zu"

  • 12.07.2024
  • Recycling
  • Interview
  • Online-Artikel

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62 Millionen Tonnen – so viel Elektroschrott ist laut einer Studie der Vereinten Nationen allein im Jahr 2022 weltweit entstanden. Im Interview erklärt der Refurbishment-Experte Alexander Jauns, warum viele Geräte unnötig vernichtet werden.

Alexander Jauns ist Geschäftsführer der Green IT Solution GmbH und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen ganzheitlich bei ihrem Umgang mit gebrauchter IT-Hardware zu unterstützen.


springerprofessional.de: Herr Jauns, wie groß sind die Probleme mit Elektroschrott in deutschen Unternehmen?

Alexander Jauns: Das Problem ist auf jeden Fall gewaltig – und das nicht nur in Deutschland. Gerade erst wieder hat der Global E-waste Monitor der Vereinten Nationen einen neuen, traurigen Rekord ermittelt: Weltweit ist allein im Jahr 2022 mit 62 Millionen Tonnen so viel Elektroschrott entstanden wie noch nie zuvor. Dazu zählt sowohl alles, was einen Stecker oder eine Batterie benötigt, als auch gebrauchte IT-Hardware. Auch in Deutschland nimmt die Menge an Elektro- und Elektronikgeräten seit Jahren zu; und damit leider auch die Menge an Elektroschrott. Viele Unternehmen tauschen allein ihre IT-Geräte im Schnitt alle drei bis fünf Jahre durch neue aus. Wenn sie sich grundsätzlich nachhaltiger aufstellen wollen, müssen sie sich dringend die Frage stellen, wie sie verantwortungsbewusst mit ihrer gebrauchten IT-Hardware umgehen.

Was passiert in der Regel mit dem anfallenden Elektroschrott?

Leider herrschen in Deutschland in vielen Unternehmen aktuell noch völlig veraltete Richtlinien zum Umgang mit gebrauchter IT-Hardware vor. Aus Compliance-Gründen sind Firmen oft dazu angehalten, Laptops, Smartphones und Co. nach einer bestimmten Zeit zu entsorgen. Das ist eine absolute Ressourcenverschwendung! Denn selbst wenn sich Unternehmen hier an die fachgerechte Vernichtung halten und sich an Entsorgungsfachbetriebe wenden, ist das längst nicht der beste Weg. Einmal ganz davon abgesehen, dass sicherlich nicht alle Unternehmen die geltenden Vorgaben berücksichtigen und Elektroschrott immer noch oft in der Restmülltonne landet. Wesentlich nachhaltiger ist es, dafür zu sorgen, die IT-Geräte so lange wie irgendwie möglich zu nutzen und sie erst dann fachgerecht zu recyclen.

Das heißt, welche ökonomisch und ökologisch sinnvolleren Alternativen gäbe es?

Die meisten CO₂-Emissionen fallen bei IT-Hardware bei Neuware an. Etwa zwei Drittel der CO₂-Emissionen entstehen schon allein bei der Rohstoffgewinnung, der Herstellung und dem Transport. 25 bis 30 Prozent werden dann während der Nutzungsphase erzeugt. Natürlich entstehen auch beim Recycling oder während des Verschrottungsprozesses CO₂-Emissionen, aber das ist nur ein Bruchteil. Mit jedem IT-Gerät, dessen Produktlebenszyklus wir also so weit wie möglich verlängern, schonen wir die Umwelt. Darauf zielt Refurbishment ab. Beim Refurbishment werden IT-Assets äußerlich und technisch wieder so aufbereitet, dass sie wiederverwendet werden können. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses ist die vollständige Löschung sämtlicher vorhandener Daten. Leider gehen viele Unternehmen immer noch davon aus, dass Daten nicht revisionssicher gelöscht werden können. Das ist einfach falsch! Eine nach ISO 27001 zertifizierte Datenlöschung ist komplett verlässlich. Das Refurbishment gebrauchter IT-Geräte ist also nicht nur gut für das Klima. Unternehmen, die ihre Laptops und Smartphones auf diese Weise wieder aufbereiten lassen, profitieren davon auch finanziell. So sparen sie entweder Geld, das sie ansonsten in den Kauf neuer IT-Geräte gesteckt hätten, oder aber sie bekommen für den Verkauf ihrer refurbished Hardware einen gewissen Betrag vom Abnehmer zurückerstattet. 

Worauf kommt es dabei - etwa beim sogenannten Refurbishment - genau an?

Unternehmen, die auf der Suche sind nach einem Abnehmer für ihre gebrauchte Hardware, müssen sichergehen können, dass der Refurbishment-Prozess anhand der dafür geltenden Standards erfolgt. Nur eine nach ISO 27001 zertifizierte Datenlöschung ist wie gesagt auch zu 100 Prozent verlässlich. Im Umkehrschluss heißt das: Von jedem Abnehmer, der nicht ISO-zertifiziert ist, würde ich als Unternehmen Abstand halten. Genauso wichtig ist der Faktor Transparenz. Hilfreich ist dafür zum Beispiel eine detailgenaue Dokumentation sämtlicher Prozessschritte, die den Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Damit haben sie die Möglichkeit, genau nachzuverfolgen, ob auch wirklich alle IT-Geräte ordnungsgemäß beim Abnehmer angekommen sind und ob die Geräte dann auch alle wie vereinbart wiederaufbereitet werden. Wenn es mir im Unternehmen außerdem irgendwie möglich ist, den Abnehmer persönlich zu besuchen, würde ich einen Lieferantenaudit immer empfehlen. Direkt vor Ort kann man sich schließlich immer noch am besten ein Bild davon machen, wie verantwortungsbewusst der Refurbishment-Prozess durchgeführt wird.

Wie kann das Refurbishment in Bezug auf die eingesparten CO₂-Emissionen messbar gemacht werden?

Wir nutzen dafür einen CO₂-Kalkulator, den das Fraunhofer IZM entwickelt hat. Damit können wir genau messen, wie viele CO₂-Emissionen durch das Refurbishment eingespart werden. Der Kalkulator basiert auf einem parametrisierten Datenmodell und berücksichtigt diverse Produktmerkmale: von der Displaygröße bis hin zu Spezifikationen der Hardware, aber auch Preiskategorien, um die Einsparung an Treibhausgasemissionen durch Wiederverwendung im Vergleich zur Neuproduktion zu berechnen. Unternehmen erhalten von uns dann am Ende ein Zertifikat, das ihnen bescheinigt, wie viel CO₂ effektiv vermieden wurde.

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