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25.07.2018 | Recycling | Im Fokus | Onlineartikel

Europa sucht Mittel gegen Plastikvermüllung

Autor:
Matthias Schwincke

Die EU-Kommission will Plastikabfälle drastisch reduzieren. Vor allem durch eine bessere Kreislaufführung von Kunststoffprodukten. Eine aktuelle deutsche Studie gibt dabei einiges zu bedenken.

In der Europäischen Union entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Allerdings wird nur knapp ein Drittel davon zum Recycling gesammelt. Etwa vierzig Prozent werden zumindest energetisch verwertet. Der Rest landet auf Deponien oder außerhalb der EU.

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Kreislaufwirtschaft

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Mit ihrer Anfang 2018 beschlossenen "Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft" will die EU-Kommission gegensteuern. Die Ziele des umfangreichen Maßnahmenbündels sind ehrgeizig gesetzt: Unter anderem sollen bis 2030 alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen wiederverwendbar sein oder kosteneffizient recycelt werden. Die Verwendung von Einweg-Produkten aus Kunststoff wie Strohhalme, Besteck oder Deckel für Kaffeebecher soll stark reduziert werden. Absichtlich verwendete Mikroplastikpartikel in Kosmetika und Waschmitteln sollen verschwinden.

Plastik-Strategie vor anspruchsvollen Herausforderungen

Zur Umsetzung ihrer Strategie formuliert die EU-Kommission in insgesamt vier Handlungsfeldern fast vierzig Einzelmaßnahmen. Wichtige Anhaltspunkte zu einigen der damit verbundenen Herausforderungen liefert eine aktuelle Publikation des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) mit dem Titel "Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik". Zur Erhöhung des Recyclatanteils sowie zur Eindämmung von Kunststoffabfällen in Deutschland geben unter anderen folgende Ergebnisse aus der umfangreichen Konsortialstudie interessante Hinweise:

  • In Deutschland werden pro Jahr rund 14,5 Millionen Tonnen Kunststoffe in Form von Thermoplasten, Duroplasten und Elastomeren verwendet.
  • Die mit diesem Einsatz von Kunststoff verbundenen Emissionen belaufen sich auf rund 446.000 Tonnen pro Jahr. Dies entspricht circa 3,1 Prozent des in Deutschland insgesamt verbrauchten Kunststoffs.
  • Die stoffliche Wiederverwertung von Kunststoff, also der vollwertige Wiedereinsatz von Recyclaten in der Produktion, erreicht in Deutschland derzeit nur einen Anteil von 7,6 Prozent am gesamten jährlichen Kunststoffverbrauch. Angesichts dieser geringen Größenordnung sind Kunststoffemissionen in Höhe von 3,1 Prozent ein relevantes Hindernis für eine bessere Kreislaufwirtschaft.
  • Die jährlichen Kunststoffemissionen in Deutschland bestehen schätzungsweise zu 26 Prozent aus Makroplastik und zu 74 Prozent aus sogenanntem Mikroplastik von weniger als 5 Millimetern Durchmesser.
  • Das von der EU-Kommission anvisierte, absichtlich produzierte und in den Verkehr gebrachte Mikroplastik, z.B. aus Kosmetik und Reinigungsmitteln, macht dabei nur einen kleinen Teil der Gesamtproblematik aus.
  • Durch Nutzung und Verwitterung verursachte winzige Kunststoffpartikel wie der Abrieb von Pkw-Reifen, Emissionen bei der Abfallentsorgung sowie der Abrieb von Polymeren und Bitumen in Asphalt sind weitaus wichtigere Quellen.

Kreislaufwirtschaft und Kunststoffemissionen zusammendenken

In einem Kapitel setzt sich die von namhaften deutschen Unternehmen der Kunststoff- und Recyclingindustrie sowie der Wasserwirtschaft unterstützte Studie des Fraunhofer UMSICHT auch mit geeigneten Lenkungsmaßnahmen auseinander. Eine wichtige Erkenntnis: Nicht alle Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft reduzieren gleichzeitig auch die Kunststoffemissionen. So führen Kunststoff- und Ressourcensteuern beispielsweise zwar zu weniger Kunststoffverbrauch und einem höheren Recyclinganteil, allerdings ohne direkte Auswirkungen auf die Emissionen. Vielversprechender wäre daher eine Kombination aus Verboten von bestimmten Produkten, einer Förderung und Ausweitung von Pfandsystemen, Maßnahmen zur Verlängerung der Nutzungsdauer und die Förderung der Rezyklierbarkeit. Einen Überblick über laufende europäische und deutsche Gesetzesinitiativen in einigen dieser Bereiche gibt der WASSER UND ABFALL-Autor Dr. Andreas Jaron im Zeitschriftenartikel "Aktuelle Entwicklungen im Abfallrecht - Neues aus Bonn und Brüssel".

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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Mikroplastikmüll im Meer

Quelle:
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Quelle:
Praxishandbuch der Kreislauf- und Rohstoffwirtschaft

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