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14.09.2017 | Recycling | Im Fokus | Onlineartikel

Rohstoffquellen vor der Haustür nutzen

Autor:
Julia Ehl

50 Milliarden Tonnen Rohstoffe schlummern ungenutzt in Deutschland. Die Nutzung dieser Sekundärrohstoffe schont die natürlichen Ressourcen der Erde. Das Umweltbundesamt informiert über Urban Mining.

Das Rohstoffpotenzial, das in Städten, ungenutzten Bauwerken, Anlagen und Konsumprodukten steckt, wird von der Gesellschaft noch kaum wahrgenommen. "Deutschland ist ein relativ rohstoffarmes Land. Dennoch wird mit etwa 26 Prozent (im Jahr 2015) ein signifikanter Anteil des Bruttoinlandsprodukts durch die produzierende Industrie erwirtschaftet [1]. Die dabei verwendeten Rohstoffe werden zum Großteil importiert. Im Fall der metallischen Rohstoffe ist Deutschland zu nahezu einhundert Prozent auf Importe angewiesen.
Deutschland wird in Zukunft nicht umhin kommen, seine Strategien zur nachhaltigen Rohstoffversorgung grundlegend zu überdenken. Im Inland zurückgewonnene Sekundärrohstoffe sind ein geeignetes Mittel, die deutsche Wirtschaft unabhängiger von der Verfügbarkeit kostengünstiger Rohstoffe am Weltmarkt zu machen.", stellen Jan Henning Seelig, Mechthild Baron, Torsten Zeller und Martin Faulstich im Buchkapitel Ressourcen- und Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft heraus.

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ressourcen- und Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft

Energieverbrauch und Umweltbelastungen durch die Nutzung von Primärrohstoffen steigen zunehmend. Die Abbaugebiete sind oft auf wenige, teils politisch instabile Länder konzentriert, was kritische wirtschaftliche Abhängigkeiten verursachen kann.


Das Umweltbundesamt gibt mit seiner neuen Broschüre "Urban Mining" Impulse zur gezielten Rohstoffgewinnung im städtischen und kommunalen Raum. Ein gemeinsames Verständnis zum Urban Mining soll vermittelt werden und dazu ermutigen, diese Strategie konsequent zu entwickeln.

Rohstoffpotenzial der Städte nutzen

Die durch Urban Mining nutzbar zu machenden Ressourcen werden vom Umweltbundesamt auf über 50 Milliarden Tonnen beziffert. Derzeit wächst das ungenutzte Lager pro Jahr um 10 Tonnen pro Einwohner. Der größte Anteil davon entfällt auf Baustoffe wie Steine, Kies, Beton und Erden in Bauwerken. Eine bessere Nutzung und Zweitverwertung von ehemaligen Industrieflächen mit leerstehenden Gebäudebeständen und unbewohnten Wohngebäuden würde die Rohstoffgewinnung in Steinbrüchen und Kiesgruben mit ihren Umweltauswirkungen stark reduzieren. Hochwertige Sekundärbaustoffe lassen sich erzeugen, wenn der Bauschutt bereits an der Abbruchstelle sortenrein erfasst wird. Eisenträger, Bewehrung oder Kupferleitungen können durch Recycling wieder verwendet werden und haben daher einen hohen finanziellen Wert!

Elektronikschrott kommt eine große Bedeutung zu

Viele Zukunftstechnologien sind von den endlichen Edelmetallen Platin, Silber, Kobalt und Neodym abhängig. Neben der Ressourcenschonung durch Verwendung der recycelten Metalle ergeben sich durch den Einsatz der Sekundärrohstoffe und deren Aufbereitung im Inland wirtschaftliche Vorteile. Das produzierende Gewerbe profitiert von Kosteneinsparungen beim Material, der Volkswirtschaft kommt die Erhöhung der inländischen Wertschöpfung ebenfalls zugute. Auch die fragwürdigen Umwelt- und Sozialstandards sowie die teilweise menschenunwürdigen Abbaubedingungen bei der Gewinnung der Primärrohstoffe würden nicht mehr unterstützt. Auch könnten die unsäglichen Arbeitsbedingungen, unter denen mitunter Elektronikschrott weltweit aufbereitet wird, beendet werden.

Erfassung und Katasterisierung für verbaute Materialien

Das Umweltbundesamt schlägt als drittes großes Handlungsfeld ein Materialkataster vor. Die Unwissenheit über das Vorkommen von Sekundärrohstoffen wirkt häufig einer höheren Recyclingquote entgegen. Daher sollten Neubauten und Konsumgüter zukünftig einen Materialpass erhalten, der als Grundlage für ein hochwertiges Recycling dient. Dies ist insbesondere bei komplexen Stoffverbünden erforderlich, die hohe Anforderungen an Sortier-, Trenn- und Recyclingtechniken stellen. Um den Bestand an Rohstoffen zu erfassen, empfiehlt das Umweltbundesamt eine aktive Erfassung und Katasterisierung der verbauten Materialien.

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