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05.10.2018 | Recycling | Im Fokus | Onlineartikel

Reifen können Teil der Kreislaufwirtschaft werden

Autor:
Julia Ehl

Altreifen enthalten zahlreiche Rohstoffe, die bisher weitgehend nicht genutzt werden. Ein niederländisches Unternehmen hat einen Prozess entwickelt, um sie zu wertvollen Produkten zu verarbeiten.


"Kreislaufwirtschaft bedeutet, den Wert von Produkten, Stoffen und Ressourcen innerhalb der Wirtschaft so lange wie möglich zu erhalten und möglichst wenig Abfall zu erzeugen.", erklären Ulrich Förstner und Stephan Köster im Buchkapitel Kreislaufwirtschaft auf Seite 520 das einfach klingende Ziel, Stoffe möglichst lange und damit Ressourcen schonend im Umlauf zu halten und zu nutzen.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Kreislaufwirtschaft

Das Thema Kreislaufwirtschaft umfasst alle Bereiche einer Integrierten Stoffwirtschaft mit den Aspekten "Märkte und Gesetze", dem EU-Aktionsplan, dem Recycling in Theorie und Praxis sowie dessen Formen, Dimensionen und Prioritäten.


In der Praxis zeigt sich, die Umsetzung ist hoch komplex. Pro Jahr werden beispielsweise rund 1,5 Milliarden Altreifen aussortiert und dem Kreislauf entzogen.

Ein Reifen enthält üblicherweise bis zu 16 verschiedene Kautschukmischungen. Die Karkasse besteht meist aus Mischungen von Naturkautschuk mit Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) oder Butadien-Kautschuk (BR); für das Cordmaterial finden Stahl oder Polymerfasern, z. B. Polyamid, Polyaramid, Rayon oder Polyethylenterephthalat (PET) Verwendung. Auch die Seitenwände und die Lauffläche enthalten meist Blends mit Naturkautschuk.“,

beschreiben Arno Behr und Thomas Seidensticker die Eigenschaften von Reifen auf Seite 242 im Buchkapitel Gib Gummi!

Upcycling von Altreifen

Die niederländische Firma Black Bear Carbon BV verfolgt das Ziel mit einer Karbonisierungstechnologie das Altreifenproblem zu lösen und die Rohstoffe länger im Umlauf zu halten. Die im niederländischen Nederweert gemeinsam mit Kargro betriebene Pilotanlage im industriellen Maßstab ist für eine Verarbeitung von einer Million Altreifen pro Jahr ausgelegt. Daraus werden im Verfahren 5.000 Tonnen Industrieruß, so genanntes Carbon Black, 5.000 Tonnen Biokraftstoff, 3.000 Tonnen Stahl sowie Strom gewonnen. Dabei ist insbesondere die Produktion von Carbon Black interessant, das wieder für die Herstellung von Reifen, aber auch technischer Gummiware, Tinte und Beschichtungen der wesentliche Ausgangsstoff ist. Das so erzeugte Carbon Black hat weltweit einmalig ein Cradle to Cradle-Zertifikat erhalten und zeichnet sich durch seine Umweltfreundlichkeit aus, betont das Unternehmen.

Mit frischem Kapital in Höhe von 11 Millionen Euro durch die niederländische Bank ING Groep N.V., die Investmentgesellschaften 5square und Social Impact Ventures, das Chemieunternehmen SCG aus Thailand, Chemelot Ventures sowie DOEN Particpaties (Ventures) ausgestattet, soll dem langfristigen Ziel, weltweit bis zu 1.000 Anlagen zu errichten, näher gekommen werden.

Die Umwelt profitiert

Insgesamt hat die Pilotanlage demonstriert, dass eine massive Senkung von Kohlendioxid-Emissionen erreicht werden kann. Bei einer Verwertung aller jährlich aussortierten Altreifen könnte der Ölverbrauch von 215 Millionen Barrel Erdöl pro Jahr überflüssig werden, rechnet Black Bear vor, denn bisher wird Carbon Black durch die unvollständige Verbrennung von Erdöl erzeugt. Schon jetzt scheint das durch Upcycling erzeugte Caron Black konkurrenzfähig zu erdölbasiertem zu sein, da es im Hinblick auf Qualität und Preis mithalten kann.

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