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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

5. Reflexive Beratung in der Gegenwartsgesellschaft

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Zusammenfassung

Das Kapitel beginnt mit einem kurzen Abriss zum Stellenwert reflexiver Beratung in der Gegenwartsgesellschaft. Anschließend wird das Themenfeld der Beratung (Definition, Formen, zunehmende Bedeutung von Beratung) näher beleuchtet. So wird der Unterschied zwischen Fachberatung und reflexiver Beratung/Prozessberatung deutlich gemacht und die Rolle der Expert*in für den Bereich der Beratung näher erörtert, ebenso wie der Stellenwert reflexiver Beratung als Profession. Darüber hinaus werden Arbeitsweisen in der reflexiven Beratung und beispielhafte Themen aufgezeigt. Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung von Coaching als besonderer Form von reflexiver Beratung in der Gegenwartsgesellschaft, bei der sowohl Definitionen von Coaching als auch Aufgabenfelder und Anlässe für ein Coaching berücksichtigt werden, ebenso wie die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung, die Coaches durch ihre Beratungstätigkeit tragen.

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Fußnoten
1
Nestmann nennt als Anforderungen insbesondere „Computerarbeit, lebenslanges Lernen, Interaktionsfähigkeit in Teams, das Aushalten von Widersprüchlichkeit und das Erhalten der eigenen Marktfähigkeit“, die „ganz andere persönliche Haltungen und Kompetenzen [benötigen] als dies vor Jahrzehnten der Fall war“ (2011: 3).
 
2
Reckwitz dagegen vertritt die Auffassung, dass es in der spätmodernen Kultur an „anerkannten Methoden“ und einem „legitimen Ort“ für den Umgang mit negativen Emotionen fehle, die sich demzufolge in „,illegitime[n]‘ Ausdrucksformen“ wie „psychosomatischen Krankheitsbildern“ oder „aggressiven Hassrede[n] in den sozialen Medien oder gar in Hasstaten wie dem Amoklauf“ äußerten (2019: 260). Rituale könnten hier eine Alternative zum Umgang mit negativen Emotionen bieten (vgl. Abschnitt 3.​15.​2).
 
4
Femers verzichtet daher gleich ganz auf eine Definition von Beratung, „da diese sehr ausführlich dargestellt und problematisiert werden müsste. Denn in den diversen Beratungsbereichen besteht keineswegs Einigkeit darüber, wie das eigene Handeln trennscharf begrifflich zu fassen ist“ (2002: 21).
 
5
Zur Rolle der Expert*in in Abgrenzung zur Lai*in vgl. Abschnitt 5.2.2.
 
6
Eine ausführliche Darstellung dieses Beratungsformats folgt in Abschnitt 5.2.3.
 
7
Allerdings ist die Auffassung, unter „Beratung“ stillschweigend „reflexive Beratung“ zu verstehen, auch in anderer Literatur verbreitet, so z. B. Buchinger u. Klinkhammer (2007: 142 f.).
 
8
Antos macht jedoch darauf aufmerksam, dass gerade im Gesundheitswesen Selbstermächtigungen stattfinden, wenn „ein (im Internet) ,angelesenes Wissen‘“ zu neuen Interaktionsformen zwischen Klient*innen und Professionellen führt, in denen Patient*innen gegenüber Ärzt*innen ihre selbst diagnostizierten Krankheiten und deren Heilung thematisieren und auf diese Weise einen auf sich selbst bezogenen „Expert*innen-Status“ beanspruchen (2020: 353).
 
9
Hitzler macht darauf aufmerksam, dass der „Ideologie des Professionalismus“ entsprechend professionalisierte Expert*innen sich ihrem Selbstverständnis nach als „legitime[.] Repräsentanten des Gemeinwohls“ begreifen und nicht etwas als „Diener der Macht“ (1994: 17; vgl. auch Pfadenhauer 1998: 292). Auf Beratung bezogen spiegelt sich dies im Anspruch an „die Interesselosigkeit des Ratgebers“ wider (Schützeichel 2004: 277).
 
10
Expert*innen im Sinne von (gerichtlichen) Sachverständigen im 19. Jahrhundert wiesen sich als solche über Kompetenzen und Fähigkeiten bescheinigende Zertifikate aus, die sie – wie heutige Berufsausbildungen oder Studienabschlüsse – in einer „relativ voraussetzungsvolle[n], langdauernde[n] und inhaltlich umfangreiche[n] Ausbildung“ erworben hatten (vgl. zusammenfassend Hitzler 1994: 14; Pfadenhauer 1998: 298). Hitzler betont die formale Nachweisbarkeit nach „professionell verwalteten Kriterien“, die für professionelle Expert*innen notwendig seien, um ihre Kompetenzansprüche durchsetzen zu können (ebd.: 16). Meuser und Nagel dagegen vertreten die Auffassung, dass der Expert*innenbegriff gerade „nicht an Bedingungen formaler Qualifikation oder an eine offizielle Position“ gebunden ist, sondern „an die Funktion, die eine Person innerhalb eines Sozialsystems erfüllt“ (1994: 180). Przyborski und Wohlrab-Sahr vertreten ebenfalls die Meinung, dass Expert*innen nur diejenigen sein können, die „über ein spezifisches Rollenwissen verfügen, solches zugeschrieben bekommen und diese besondere Kompetenz für sich selbst in Anspruch nehmen“. Sie stellen fest, dass sich dies „in modernen Gesellschaften häufig mit Berufsrollen“ verbindet (2008: 132). Die kommunikativen Charakteristika der Expert*innen-Lai*innen-Beziehung in Fachberatung erläutert W. Pfab (2020: 44 ff.).
Eine ausführliche Darstellung des Professionsdiskurses bietet Pfadenhauer (2003), speziell auf die Beratungsbranche bezogen z. B. Bohn und Kühl (2004), Kühl (2008b), Fietze (2015).
 
11
Pfadenhauer stellt sogar infrage, dass die Leistung von Professionellen darin besteht, „Lösungen für bestimmte Probleme zu bieten“, sondern sieht deren Leistung in der Umdefinierung und Umformulierung von Problemen in der jeweiligen Situation, so dass die von den Professionellen angebotenen Lösungen „adäquat oder sogar alternativlos erscheinen“ (1998: 298). Auch Traue vertritt die These, „dass Beratung einen aktiven Teil an der Generierung der Probleme hat, zu deren Lösung sie beträgt“ (2010: 12). W. Pfab zufolge ist diese Umdefinition aufgrund der „Divergenz von Perspektiven“ gerade charakteristisch für professionelle Beratung (2020: 54 f.).
 
12
Für weitere Praktiken der Herstellung von Vertrauen in Beratungsgesprächen vgl. Nothdurft (1994: 212 ff.).
 
13
Ebenso gilt m. E. allerdings gleichermaßen, dass Expert*innen im Wissen, „daß nur ein anderer Experte alle [..] Details und Implikationen eines Problems auf [..ihrem] Gebiet verstehen wird“, allein diesem zubilligen, kompetent über ihre Leistung zu urteilen (Schütz 1972: 88; vgl. auch Antos 2020: 362). Dies zeigt sich z. B. in Professionen in „ihre[r] Freiheit von Fremdkontrollen durch Laien, an deren Stelle Formen kollektiver Selbstkontrolle treten“ (Wolter 1987: 115).
 
14
Traue weist darauf hin, dass im Bereich des Business-Coachings das „Gelingenskriterium der Beratung“ dennoch „der messbare Erfolg in der äußeren Welt sei“ (2010: 196); als Coach wird man also (auch) daran gemessen, ob die Prozessgestaltung und gewählten Interventionen hinreichend geeignet waren, um Coachees bei der Suche nach ihrer eigenen Lösung ausreichend zu unterstützen.
 
15
Sprondel hat dies bereits 1979 festgestellt: „Die Lösung zahlreicher Probleme wird ,jedermann‘ zugemutet, wie ihm auch prinzipiell die dazu erforderliche Kompetenz mehr oder minder unterstellt wird. Dies gilt [..] nicht nur für triviale Routinesituationen, sondern auch für Probleme mit einschneidender Relevanz sowohl für die individuelle Biographie, als auch für die Gesellschaft als ganze“ (1979: 141).
 
16
Dies ist auch für Coaching zutreffend, wenn man wie die Autor*innen Coaching und Supervision als „unterschiedliche Bezeichnung derselben Sache“ versteht (Buchinger u. Klinkhammer 2007: 28).
 
17
Buchinger und Klinkhammer grenzen die Reflexion auf „berufliche[.] Interaktion[.]“ ein, da sie Supervision als „Beratung beruflicher Tätigkeit definieren“ (2007: 16).
 
18
Bresser stellt fest, dass es „weltweit mindestens 43 000 Business-Coachs“ gibt (dabei zeigt sich im Übrigen trotz des globalen Wachstums „eine westliche Dominanz“: So seien 80 % aller Business-Coaches in Europa, Nordamerika und Australien zu finden, „obgleich diese nur 20 % der Weltbevölkerung ausmachen“) (2012: 192).
 
19
Genauer dazu Pfab u. Pfab (2018: 424 f.) oder auch Kühl, der feststellt, „dass unter diesem Begriff fast jede Leistung gefasst wird, die in irgendeiner Form beratend an einer Person erbracht wird“ (2008a: 13).
 
20
Neckel beschreibt eindrücklich die Folgen des Wettbewerbsindividualismus‘: „Fallen die Kurse für die eigene Person, ist es auch mit dem Selbstbewusstsein vorbei, sofern jenseits der ,sozialen Durchsetzung‘ keine anderen Möglichkeiten von Anerkennung und Selbstachtung bestehen“ (2008: 15).
 
21
Für den Bereich der Psychotherapie (in den USA) hat Frank bereits 1961 festgestellt, dass deren Nachfrage mit der höheren Anzahl an psychotherapeutischen Behandlungsstätten und der Verbreitung des Wissens über sie steigt: „Psychotherapy is the only form of treatment which, at least to some extent, appears to create the illness it treats“ (1961: 6 f.).
Anders als Rose vertrete ich allerdings nicht die Auffassung, dass „[d]as Therapiewesen [..] das Weltliche subjektiviert [hat]“ (2000: 16 f.; Herv. A. P.), sondern sehe eher die in Kapitel 2 dargestellten Transformationsprozesse als Ursache der Subjektivierung (vgl. auch Reckwitz (z. B. 2019)).
Dass Therapie (wie auch Beratung) einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert erlangt hat, beschreibt Castel im Zuge der Selbstverwirklichungstendenzen mit einer „allgemeineren Psychokultur“ mit „übertriebene[m] Individualismus“ – von ihm durch den Begriff der „Individuen im Übermaß“ bezeichnet (2011: 348 ff.).
 
Metadaten
Titel
Reflexive Beratung in der Gegenwartsgesellschaft
verfasst von
Antje Pfab
Copyright-Jahr
2021
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36065-8_5

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