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Regelabweichungen im Kontext der Seenotrettung im Mittelmeer

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit bestand in der Beantwortung der Forschungsfrage, inwiefern organisationale Merkmalsstrukturen und sinnspezifische Moralvorstellungen Regelabweichungen begünstigen. Der Fokus des Erkenntnisinteresses richtete sich auf organisationale Hauptakteur*innen im Handlungskontext des Mittelmeers sowie auf das damit verbundene gesellschaftliche Spannungsfeld irregulärer maritimer Migration nach Europa.
Zur Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage auf empirischer, konzeptioneller und akteur*innenspezifischer Ebene wurden zwei qualitative Organisationseinzelfallstudien entlang evidenzbasierter und bedarfsorientierter Erkenntnisinteressen durchgeführt. Anhand der Untersuchung der zivilgesellschaftlichen Organisation Jugend Rettet e.V. und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex konnte gezeigt werden, dass beide Akteur*innen verschiedene strukturabhängie Potenziale für deviante Praxis aufweisen. Es verdeutlichte sich, dass insbesondere enge strukturelle Merkmalskopplungen vor dem Hintergrund organisationskultureller Wertvorstellungen gesellschaftlich illegitime Praktiken im Handlungskontext begünstigen können.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Einleitung
Zusammenfassung
Die Einleitung dieser Arbeit greift zwei aktuelle Ereignisse im Kontext der Seenotrettung im Mittelmeer auf: den Rückzug von Ärzte ohne Grenzen aus der zivilen Seenotrettung sowie neue Vorwürfe zum regelwidrigen Umgang mit völkerrechtswidrigen Praktiken der EU-Agentur Frontex. Beide Fälle verdeutlichen das zugrunde liegende empirische Erkenntnisinteresse sowie den daraus erwachsenden organisationssoziologischen Erklärungsbedarf. Dieser entspringt dem Spannungsverhältnis zwischen Seenotrettungspflicht, politischen Anforderungen an den EU-Außengrenzschutz und öffentlichen Diskursen über den Umgang mit irreguläre Migration nach Europa. Im Zentrum der Untersuchung stehen wiederkehrende Anschuldigungen devianter Praxis seitens zivilgesellschaftlicher, staatlicher und überstaatlicher Akteur*innen. Die leitende Forschungsfrage lautet daher: „Inwiefern begünstigen organisationale Strukturen und Moralvorstellungen Regelabweichungen durch Organisationen im Kontext maritimer irregulärer Migration?“ Es werden drei zentrale Punkte der Forschungsagenda formuliert: Erstens die empirische Überprüfung erhobener Vorwürfe illegaler Praktiken. Zweitens die Analyse struktureller und organisationskultureller Faktoren, die Regelabweichungen begünstigen können. Drittens systemtheoretische Erklärungen für deviante Praxis, sofern diese vorliegt. Methodisch erfolgt die Untersuchung anhand von zwei qualitativen Organisationsfallstudien. Theoretisch basiert sie auf organisationsoziologischen Annahmen der Systemtheorie nach Luhmann. Abschließend wird das Ziel betont, keine Fronten zu verstärken, geschweige denn deviante Praxis zu legitimieren. Vielmehr sollen neben der empirischen Erkenntnisgenerierung evidenzbasierte Handlungspotenziale für einen nachhaltigeren Umgang mit der humanitären Lage und maritimen Sicherheit im Mittelmeer aufgezeigt werden. „Ärzte ohne Grenzen zieht Rettungsschiff ab“ lautete die Schlagzeile der Tagesschau am 13.12.2024 (Tagesschau 2024a). Konkret bezieht sie sich darauf, dass die humanitäre Hilfsorganisation den Betrieb ihres zivilen Seenotrettungsschiffs GEO Barents einstellt. Im Zuge dessen zieht sich die Organisation temporär für einen unbestimmten Zeitraum aus der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer zurück.
Leoni Kotwan
2. Gesetzlich-normierte Wertvorstellungen
Zusammenfassung
Das folgende Kapitel widmet sich der Erläuterung kontextspezifischer sowie analyserelevanter Begriffsdefinitionen dieser Arbeit. Vor dem Hintergrund des Untersuchungsfokus auf mögliches Fehlverhalten werden insbesondere juristische Begriffsdefinitionen und einschlägige Regularien aufgezeigt. In diesem Zusammenhang werden ebenso akteursspezifische Zuständigkeiten und Pflichten in Bezug auf Seenot, Seenotrettung sowie weitere untersuchungsrelevante Rahmenbedingungen thematisiert.
Leoni Kotwan
3. Stand der Forschung I
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird die einschlägige empirische Forschungsliteratur dargestellt. Im Fokus stehen migrationsbezogene Zahlen, Fakten und Entwicklungen, die die zunehmende Prekarisierung der humanitären Lage im Mittelmeerraum veranschaulichen. Ziel ist es zunächst, den soziokulturellen und dynamischen Kontext abzubilden.
Leoni Kotwan
4. Stand der Forschung II
Zusammenfassung
Das folgende Kapitel widmet sich der Darstellung und empirischen Einordnung akteursspezifischer Handlungsspielräume sowie organisationaler Vorgehensweisen. Der Fokus richtet sich auf überstaatlichen und zivilgesellschaftlichen Reaktionen auf die Prekarisierung der humanitären Lage im Mittelmeerraum ab Herbst 2014. In diesem Zusammenhang werden insbesondere die Umstände sowie die Vorwürfe devianter Praxis gegenüber zivilen Seenotrettungsorganisationen sowie nationalen und europäischen Behörden untersucht.
Leoni Kotwan
5. Theorie
Zusammenfassung
Das folgende Kapitel widmet sich der theoretischen Basis dieser Abschlussarbeit. Konkret werden zentrale Annahmen und Konzepte der Systemtheorie als einer der drei Großtheorien der Organisationssoziologie vorgestellt. Zunächst werden die Grundzüge von Luhmanns Verständnis von Gesellschaft, insbesondere die Differenzierung gesellschaftlicher Teilsysteme sowie die systemtheoretische Auffassung von Organisationen als eigenständige Systeme, dargestellt. Darauffolgend werden systemtheoretische Annahmen sowohl zur Bestimmung organisationsspezifischer Wertvorstellungen und Handlungsrationalitäten als auch zur Erklärung dahingehender Handlungen und Vorgehensweisen dargestellt. Die konzeptionellen Annahmen dienen im Wesentlichen der Identifikation sinnspezifischer Werthorizonte und Moralvorstellungen der verschiedenen Organisationen, die das Auftreten von Regelabweichungen begünstigen können.
Leoni Kotwan
6. Daten und Methoden
Zusammenfassung
Das folgende Kapitel widmet sich der Methodik und den Datengrundlagen, die den anschließenden Fallanalysen zugrunde liegen. Neben der methodologischen Herangehensweise sowie der einzelfallspezifischen Samplingauswahl wird ebenfalls das empirische Typisierungsverfahren verschiedener Organisationsformen thematisiert und begründet.
Leoni Kotwan
7. Fallanalyse I -Jugend Rettet e. V
Zusammenfassung
Wie bereits zuvor erwähnt, wird in diesem Analyseteil Jugend Rettet e. V. als Repräsentant der zivilen Hauptakteur*innengruppe im Handlungs- und Spannungsfeld maritimer irregulärer Migration untersucht. Konkret fungiert die Organisation als exemplarischer Vertreter der humanitär-politischen Seenotrettungsorganisationen, auf die sich der analytische Fokus organisationaler und personeller Strukturen richtet. Im Folgenden werden zunächst die Entstehungsgeschichte, allgemeine organisationale Merkmale (z. B. der Zweck, Ziele und die Aufgaben) sowie Mitgliederbezogener Daten für ein grundlegendes Verständnis dargestellt.
Leoni Kotwan
8. Fallanalyse II – Frontex
Zusammenfassung
Basierend auf den empirischen Kriterien der organisationalen Einzelfallauswahl wird im Folgenden Frontex als wesentlicher überstaatlicher Hauptakteur der europäischen Migrations-, Grenzschutz- und Außenpolitik untersucht. Bevor jedoch sinnspezifische organisationale Werthorizonte untersucht werden, die das (wiederholte) Vorkommen devianter Praktiken begünstigen und ggf. erklären können, werden zunächst die Entstehungsgeschichte, allgemeine Strukturmerkmale sowie die Aufgaben und Ziele für ein grundlegendes Verständnis dargestellt.
Leoni Kotwan
9. Gesamtfazit
Zusammenfassung
Das Ziel dieser wissenschaftlichen Abschlussarbeit bestand darin, herauszufinden, inwiefern organisationale Strukturen und Moralvorstellungen Regelabweichungen durch Organisationen begünstigen. Konkret sollte diese Fragestellung in Bezug auf den Handlungskontext maritimer irregulärer Migration nach Europa beantwortet werden. Das Ziel war es, organisationale und sinnspezifische Faktoren zu identifizieren, die eine weitere Prekarisierung der humanitären Lage und der maritimen Sicherheit im Mittelmeerraum begünstigen.
Leoni Kotwan
Backmatter
Titel
Regelabweichungen im Kontext der Seenotrettung im Mittelmeer
Verfasst von
Leoni Kotwan
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-50125-9
Print ISBN
978-3-658-50124-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-50125-9

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