Reisendes Wissen
Travelling Concepts als soziologische Kategorie
- 2024
- Buch
- Herausgegeben von
- Martin Harbusch
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
Über dieses Buch
"Viel zu wenig wird untersucht, wer weshalb mit welchen Medien Wissen auf Reisen schickt oder von Reisen mitbringt und wer auf welche Weise sich fremdes Wissen eigensinnig angeeignet, um das Eigene neu zu interpretieren. Der vorliegende Band ist ein gelungener Versuch, die Wege und Praktiken zu beleuchten, mit denen Menschen dies tun."
Jo Reichertz
Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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Einleitung
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Die Tektonik des Sozialen
Die Reise von Wissen als soziologische Idee Martin HarbuschDas Kapitel 'Die Tektonik des Sozialen, Die Reise von Wissen als soziologische Idee' beleuchtet die Bedeutung von Reisen für die soziale Konstruktion von Wirklichkeit und Wissen. Es betont, dass Reisen eine gewollte Irritation und die Hinwendung zum Neuen implizieren, was zu einer Erweiterung der eigenen Perspektive führt. Die Reise wird als Metapher für die sozialwissenschaftliche Forschung genutzt, die zeigt, wie Wissen in verschiedenen Kontexten reist und sich dabei verändert. Das Konzept der 'Travelling Concepts' wird vorgestellt, das die Bewegung von Wissen zwischen verschiedenen kulturellen und wissenschaftlichen Kontexten beschreibt. Besonders interessant ist die Verbindung zwischen theoretischen Überlegungen und praktischen Beispielen, die zeigen, wie Wissen in der Praxis reist und sich anpasst. Die Autoren betonen die Bedeutung der Ortsabhängigkeit von Wissen und die Notwendigkeit, die lokalen Kontexte zu berücksichtigen, um die Dynamik des Wissensreisens zu verstehen.KI-Generiert
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ZusammenfassungReise ist ein Begriff, der eine gewisse Offenheit gegenüber dem Anderen, eine lustvolle, aktive Hinwendung zum Neuen, eine gewollte Irritation in der Fremde und damit auch einen Wunsch nach Reflexion und Infragestellung des Eigenen impliziert. Reisen beinhalten Momente der Überraschung, sind Inspiration und Desillusion gleichermaßen und bieten mit der räumlichen Trennung von Gewohntem auch einen neuen Blick auf die Welt selbst; auf die Kontingenzen sozialen Sinns, die Brüchigkeit sozialer Ordnung und die Relativität der eigenen Perspektive. So sind Reisende immer auch interessierte Fremde, die jedoch in ihrer fehlenden Einbindung und ihrem analytischen Abstand in einer besonderen Beziehung zu den bereisten Orten stehen und diesen bisweilen nähertreten, als es lokale Akteure und Akteurinnen zu tun vermögen. Von einer Reise des Wissens zu sprechen erscheint begrifflich erst einmal attraktiv. Denn die Reise impliziert die Möglichkeit, uns im Licht des Anderen selbst neu zu entdecken, vor dem Hintergrund einer horizonterweiternden Irritation andere Auslegungs- und Handlungsmöglichkeiten der nur vermeintlich bekannten Welt zu erfahren und damit eine Lesart von Wirklichkeit zu entwickeln, die die bisherige hinterfragen, erweitern, erschüttern kann. Damit zusammenhängend können Reisen jedoch auch mit Unbestimmtheiten, Risiken und Gefahren einhergehen, da neue Entdeckungen und Erlebnisse mit unabsehbaren Folgen und Konsequenzen daherkommen können. Im Zauber der Fremde scheint das Gefühl der eigenen Ohnmacht nah, wenn paradigmatische Grundlagen individueller Deutung situational ins Wanken geraten, wenn eingespielte Handlungsmuster für eine erfolgreiche Bewältigung der Situation verfehlt wirken oder wenn eine Übereinkunft mit dem Gegenüber nicht oder nur sehr begrenzt möglich erscheint. Reisen sind Ereignisse, die wir unternehmen und von denen wir aber immer auch unternommen werden (Steinbeck 1993, S. 8). Dem Wissen auf Reisen und den Akteuren und Akteurinnen, die mit diesem Wissen in Kontakt kommen, geht es nicht anders.
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Teil I: Kommen
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Brücken in die Lebenswelt
Psychiatrisches Wissens auf dem Weg in den Alltag und die konnektive Leistung der Sozialen Arbeit im Spannungsfeld der psychosozialen Hilfe Martin Harbusch, René Pingel-RathkeDas Kapitel untersucht, wie Professionelle der Sozialen Arbeit psychiatrische Diagnosen in ihrer täglichen Praxis verwenden. Basierend auf Interviews mit Sozialarbeitenden aus verschiedenen Kontexten wird gezeigt, dass psychiatrische Kategorien in vielfältiger Weise angewendet werden, um soziale Probleme zu beschreiben und zu intervenieren. Die Studie identifiziert sechs Hauptarten der Verwendung: fundamentalistische, kritische, therapeutische, pädagogische, technische und utilitaristische Ansätze. Diese verschiedenen Verwendungsweisen werden oft gemischt und in unterschiedlichen Kontexten angewendet, um die Komplexität sozialer Probleme zu reduzieren und Lösungen zu finden. Die Sozialarbeitenden navigieren zwischen verschiedenen institutionellen und lebensweltlichen Perspektiven und überbrücken dabei die Lücke zwischen akademischen und praktischen Wissensformen. Die Studie hebt hervor, dass diese Überbrückungsleistung eine zentrale Funktion der Sozialarbeit ist und die Sozialarbeitenden als wichtige Akteure im psychosozialen Feld auszeichnet. Die Verwendung psychiatrischer Kategorien ist jedoch auch mit Herausforderungen und Dilemmata verbunden, insbesondere in Bezug auf die Verantwortung und die ethischen Implikationen der Diagnosen.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer vorliegende Artikel zeichnet auf der Basis einer Interviewstudie unterschiedliche Arten nach, mit denen Professionelle der Sozialen Arbeit die Idee Psychische Störung in ihrer alltäglichen Arbeit verwenden. Psychiatrische Diagnosekategorien werden in diesem Zusammenhang als Reisendes Wissen diskutiert, die sich den Professionellen der Sozialen Arbeit einerseits im Arbeitsalltag aufdrängen, andererseits von diesen auch gezielt angebracht werden, um einzelne Situationen in bestimmte Handlungspfade zu überführen. Die Ergebnisse der Studie erweitern die klassischen soziologischen Kritiken an der Psychiatrie, indem sie aufzeigt, auf welche Weisen psychiatrische Kategorien heute auch jenseits der Psychiatrie selbst lebensweltliche Bedeutung gewinnen. -
Posttraumatische Belastungsstörung in Norduganda in Worten, Zahlen und Projekten
Sung-Joon ParkDas Kapitel untersucht die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in Norduganda durch die Analyse von Feldforschungen, Fokusgruppeninterviews und Projekten zur psychischen Gesundheit. Es beginnt mit der Schilderung einer bewegenden Begegnung mit einer Frau namens Grace, die von ihrer traumatischen Lebensgeschichte erzählt, die durch sexuelle Gewalt, Armut, Krankheit und demütigende Konflikte geprägt ist. Die Autoren diskutieren die Rolle von Übersetzungen in der Diagnose und Quantifizierung von PTBS und kritisieren die Standardisierung von Trauma als ein reisendes Objekt, das in verschiedenen Kontexten modifiziert und transformiert wird. Besonders hervorgehoben wird die Vervielfältigung der traumatisierenden Wirklichkeiten durch Projekte und Interventionen, die oft die lokalen Bedingungen ignorieren. Das Kapitel schließt mit einer kritischen Reflexion über die unerwarteten Momente und die Kontingenz der Interaktionen in der globalen Gesundheitspolitik, die die Effektivität der Interventionen infrage stellen.KI-Generiert
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ZusammenfassungWährend meiner Forschung zum freien Zugang zu HIV-Medikamenten in Norduganda besuchte ich 2011 das Krankenhaus in Atiak, das etwa 70 km nördlich von Gulu und etwa 50 km von der südsudanesischen Grenze entfernt liegt. Diese Besuche waren Teil einer längeren Feldforschung in der Region, bei der ich meist mit ugandischen Kolleg*innen und Forschungsassistent*innen zusammenarbeitete. Unsere Besuche folgten immer dem gleichen Muster: Zuerst suchten wir die Krankenhausleitung auf. Wir baten formell um die Erlaubnis Interviews mit Patient*innen zu führen und gaben der Leitung einen Überblick über das Projekt und die Interviewfragen. -
Abweichende Nachrichten
Die soziale Reise der „fake news“ Michael DellwingDer Fachtext beleuchtet die historische und soziologische Entwicklung des Begriffs „fake news“ und dessen Verwendung als Mittel zur Konstruktion und Kontrolle von Informationen. Er beginnt mit der Analyse der historischen Hermeneutik des Verdachts in der Soziologie und der Rolle zentralisierter Medien bei der Verbreitung offizieller Wahrheiten. Der Begriff „fake news“ wurde zunächst in der Satire verwendet, um die visuelle Dramaturgie von Nachrichten im Massenmedienzeitalter zu parodieren. Später wurde er für absurde und oft missverstandene Meldungen verwendet, die online verbreitet wurden. In der aktuellen Debatte um Desinformation und „post-Wahrheits-Gesellschaften“ wird der Begriff als Werkzeug zur Diskreditierung abweichender Meinungen eingesetzt. Der Text untersucht, wie staatliche und konzernmäßige Medien den Begriff nutzen, um ihre Deutungshoheit zu verteidigen, und wie dezentrale Quellen versuchen, diese Kontrolle zu durchbrechen. Besonders interessant ist die Analyse der Rolle von sozialen Medien und der Herausforderungen, die sie für traditionelle Medien darstellen. Der Fachtext endet mit der Feststellung, dass die Dezentralisierung der Medien neue Möglichkeiten für die Verbreitung von Informationen eröffnet, aber auch zu einer Polarisierung und Diskreditierung abweichender Meinungen führt.KI-Generiert
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ZusammenfassungAkademische Arbeit hat staatliche und konzernmassenmediale Informationen historisch eher unter einer Hermeneutik des Verdachts analysiert (in der soziale Probleme-Soziologie). Durch Historisierung und Kontextualisierung als auch durch die Analyse von Strukturen der Deutungsmacht hat sie mehr zur Relativierung solcher Narrative als zu ihrer Untermauerung beigetragen. In soziologischen Diskussionen zu labeling, sozialen Problemen und Moralpaniken sind es die zentralisierten Informationsnetzwerke der zunehmend monopolisierten Konzernmedien im Massenmedienzeitalter, die als Wege der Verbreitung „offizieller Wahrheiten“ bemerkt werden, die lebensweltlichen Erkenntnissen und tiefer Auseinandersetzung mit Feldern oft entgegenstehen. Klassiker sind hier Werke zur Drogenpolitik, zu Kriminalitätspaniken, aber auch zu Kriegspropaganda. Nachrichten, so bemerken diese soziologischen Studien, waren außerordentlich oft „fake“. -
Migrationshintergrund: nationale Aneignungen eines wandernden Begriffs im deutschsprachigen Raum
Anne-Kathrin WillDas Kapitel 'Migrationshintergrund: nationale Aneignungen eines wandernden Begriffs im deutschsprachigen Raum' untersucht die Entwicklung und Verbreitung des Begriffs 'Migrationshintergrund' seit der Jahrtausendwende. Ausgehend von den PISA-Studien, die den Begriff als latentes Konzept für Migration einführten, wird die Reise des Begriffs durch verschiedene nationale und disziplinäre Kontexte nachvollzogen. Mieke Bals 'travelling concepts' dienen als Analysewerkzeug, um die Wanderung des Begriffs zu verstehen. Das Kapitel beleuchtet die unterschiedlichen Operationalisierungen des Begriffs in PISA-Erhebungen und nationalen Bevölkerungsstatistiken sowie die damit verbundenen Veränderungen und Implikationen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Operationalisierung in Deutschland gewidmet, wo der Begriff seit 2005 in der amtlichen Statistik verwendet wird. Die Analyse zeigt, wie sich der Begriff im Laufe der Zeit verändert hat und welche politischen und sozialen Implikationen damit verbunden sind. Das Kapitel schließt mit einem Fazit, das die Bedeutung einer genauen Definition und Reflexion von wandernden Begriffen betont.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer Beitrag untersucht wie die Kategorie |Migrationshintergrund| in den vier deutschsprachigen Ländern Deutschland, Liechtenstein, Österreich, Schweiz innerhalb der nationalen Auswertungen der Daten des Programme for International Student Assessment (PISA) im Zeitraum von 2000 bis 2018 umgesetzt wurde und wie |Migrationshintergrund| in die Bevölkerungsstatistik weiterwanderte. Mieke Bals Konzept der „wandernden Begriffe“ ist hierbei zentral inklusive ihrer Forderung die mitreisenden „short-hand theories“ im Blick zu behalten. Dies gelingt mithilfe des Vergleichs der unterschiedlichen Definitionen und Operationalisierungen von |Migrationshintergrund| in diesen vier nationalen Kontexten im Zeitverlauf und mit den beiden Datenquellen PISA und der Arbeitskräfteerhebung (AKE) der Europäischen Union und der European Free Trade Association (EFTA). -
Wie Kriminalität ‚reist‘
Eine Annäherung an die Herausbildung institutionalisierter Wissensformen zu Kriminalität Bernd Dollinger, Holger Schmidt, Daniel SteinDas Kapitel untersucht Kriminalität als 'travelling concept', das heißt, wie Kriminalität durch verschiedene Kontexte und Praktiken definiert und interpretiert wird. Es wird gezeigt, dass Kriminalität nicht nur eine metaphorische, sondern eine konstitutive Bedeutung hat, da sie durch institutionelle Zusammenhänge und mediale Vermittlungen prozessiert wird. Die Analyse beleuchtet, wie Kriminalität durch Reisen zwischen Personen, Medien, Institutionen und Organisationen definiert wird und wie diese Prozesse die Wirklichkeit von Kriminalität konstituieren. Besonders hervorgehoben wird die Rolle der institutionellen Praktiken und der kulturellen Zuschreibungen, die die Bedeutung von Kriminalität prägen. Der Text betont die Notwendigkeit, die komplexen Prozesse der Bedeutungskonstitution zu verstehen, um die dynamische Natur von Kriminalität zu erfassen. Es wird auch auf die Herausforderungen und Konflikte eingegangen, die bei der Definition und Interpretation von Kriminalität entstehen können, und wie diese durch verschiedene Akteure und Institutionen verhandelt werden.KI-Generiert
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ZusammenfassungWir gehen im Folgenden davon aus, dass Kriminalität sich in besonderer Weise dafür eignet, im Anschluss an Bal (2002) als „travelling concept“ analysiert zu werden. Die Rede von Kriminalität impliziert ebenso wie ihre institutionelle Bearbeitung besonderes Wissen, das oftmals zirkuliert, sei es zwischen Personen, Medien, Institutionen, Organisationen o.a.m. Was Kriminalität letztlich ‚ist‘, wird in derartigen Abläufen festgelegt, und hierauf kann, so unsere im Folgenden näher zu bestimmende Annahme, mit dem Fokus eines „travelling concept“ genauer geblickt werden.
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Teil II: Gehen
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Reisendes Wissen – als Moment der Übersetzung?
Konzeptuelle Überlegungen zu traveling concepts am Beispiel der multiplen Übersetzung des Alevitentums Elif YıldızlıDas Kapitel 'Reisendes Wissen – als Moment der Übersetzung? Konzeptuelle Überlegungen zu traveling concepts am Beispiel der multiplen Übersetzung des Alevitentums' untersucht, wie sich religiöses Wissen durch Migration und Urbanisierung verändert. Die Aleviten, eine religiöse Minderheit in der Türkei, haben sich historisch in dörflichen Strukturen organisiert, aber mit der Urbanisierung haben sich ihre Organisationsformen und die Tradierung religiösen Wissens gewandelt. Die Autoren analysieren diese Veränderungen durch das Konzept des 'Reisenden Wissens', das die Übersetzung von Wissen zwischen verschiedenen Kontexten beschreibt. Besonders interessant ist die Fallstudie eines jungen dede, der die Herausforderungen und Spannungen zwischen traditionellen und modernen Formen des Alevitentums verdeutlicht. Die Analyse zeigt, wie sich die Rolle und Funktion der dede s im urbanen Kontext verändert hat und wie sie zwischen verschiedenen Wissensordnungen übersetzen müssen. Das Kapitel hebt sich durch seine tiefenhermeneutische Auswertungsmethode und die detaillierte Betrachtung der Übersetzungsverhältnisse hervor, was es zu einem wertvollen Beitrag für die Forschung in den genannten Disziplinen macht.KI-Generiert
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ZusammenfassungWer viel reist oder wer viel liest weiß mehr? Diese Redewendung aus dem Türkischen weist bereits auf verschiedene Formen und Formate von Wissen, dass durch die Reise gewonnen werden kann aber ebenso auf dessen Kontextspezifität hin. Mit Blick auf verschiedene Formen und Formate des Wissens ist aus soziologischer Perspektive besonders die in der Türkei nicht anerkannte und im Kontext des Islams historisch gewachsene Glaubensgemeinschaft der Aleviten interessant. Denn sie ist überwiegend in dörflichen Strukturen milieuförmig organisiert und verfügt über ein spezifisches religiöses Wissen. -
Zu den Reisen einer Methode
Über die Auslassungen in der transatlantischen Ethnografierezeption oder ‚Wie schreibe ich (k)einen ethnografischen Bestseller?‘ Debora NiermannDer Beitrag untersucht die Rezeption und Bedeutung des ethnografischen Bestsellers in der US-Soziologie. Es wird die Entwicklung und die Auslassungen in der transatlantischen Ethnografierezeption beleuchtet und die Möglichkeiten zur Verbesserung der gegenseitigen Wahrnehmung und Zusammenarbeit diskutiert. Der Text präsentiert eine reflexive Kontextualisierung der Ethnografie als bewanderte Kosmopolitin und begründet die notwendige Beschäftigung mit den Auslassungen in der transatlantischen Ethnografierezeption. Es werden drei Grundprinzipien zur textuellen Produktion einer erfolgreichen ethnografischen Monografie formuliert und die Reisebewegungen der Ethnografie, sowohl mit als auch ohne räumliche Distanz, analysiert. Abschließend werden Überlegungen zum ethnografischen Reisen in Raum und Zeit angestellt.KI-Generiert
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ZusammenfassungDie deutschsprachige qualitative Methodenlandschaft weist eigene enge historische wie gegenwärtige Verwobenheiten mit der US-amerikanischen auf. Während Zugänge, wie die Forschungsprogrammatik der Grounded-Theory-Methodologie u. a. in transatlantischen Arbeitsbeziehungen weiterentwickelt und verbreitet wurden, haben Vertreter_innen der sich ausdifferenzierenden Ethnografielandschaften auf beiden Seiten des Atlantiks wenig Notiz voneinander genommen. Der Beitrag beschäftigt sich zunächst mit diesen (Nicht-)Rezeptionswegen zwischen den transatlantischen qualitativen Forschungskulturen. Daraufhin wird ein spezifisches Artefakt US-soziologischer Wissensproduktion fokussiert, für das es hierzulande kein Äquivalent gibt: das Format des ethnografischen Bestellers. Entlang der Analyse der textuellen Konstruktionserfordernisse dieses Genres werden die spezifischen epistemologischen Hintergründe soziologischer US-Ethnografie und die damit verbundenen disziplinären Selbstverständnisse aufgezeigt. -
Reisende Konzepte in einer Multi-Sited Ethnography
Zur Konstruktion von Fremdheit und Vertrautheit bei sogenannten Autismus-Spektrum-Störungen Pao Nowodworski, Marie Marleen HeppnerDas Kapitel beleuchtet die Konstruktion von Fremdheit und Vertrautheit bei Autismus-Spektrum-Störungen in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten. Es nutzt die Methoden der multi-sited ethnographischen Methode und der ‚travelling concepts‘, um zu zeigen, wie diese Konzepte in medizinischen, familiären und schulischen Settings interpretiert werden. Die Analyse basiert auf empirischen Daten und rekonstruiert die Wissensbestände der Akteure in diesen verschiedenen Feldern. Die Studie zeigt, wie Fremdheit und Vertrautheit sich gegenseitig bedingen und wie sie in unterschiedlichen Kontexten ausgeprägt sind. Besonders hervorhebenswert ist die detaillierte Untersuchung der kommunikativen Begegnungen und der Wissensbestände in den verschiedenen Feldern, die ein tiefes Verständnis der sozialen und kulturellen Dynamiken bei Autismus-Spektrum-Störungen ermöglicht.KI-Generiert
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ZusammenfassungWas in diesem Zitat aus dem Bestsellerroman „Der Junge, der zu viel fühlte“ unmittelbar mitschwingt, ist ein Verweis darauf, dass Menschen mit Autismus nicht selten Erfahrungen von Fremdheit innerhalb des eigenen kulturellen Kontexts machen. Der Zusatz „fast überall“ deutet dabei auf die gesamtgesellschaftliche Tragweite hin, die das Phänomen Autismus mit sich trägt. Im Zitat nur angeschnitten, werden exemplarisch unterschiedliche gesellschaftliche Teilbereiche aufgeführt, in denen Fremdheitserfahrungen aber auch Fremdheitskonstruktionen von und über Menschen mit Autismus in sozialen Situationen gemacht bzw. hergestellt werden.
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Teil III: Bleiben
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Flanieren als Methode
Drei Wissensformen begegnen sich auf Augenhöhe Stephanie KernichDer Beitrag 'Flanieren als Methode' erweitert die Kategorie der reisenden Wissensformen um die Figur des Flanierenden und betont die Bedeutung der Alltagswirklichkeit und der Geschwindigkeit des Reisens. Flanieren wird als eine langsame Art des Reisens in der Alltagswirklichkeit beschrieben, die eine tiefgehende Wahrnehmung und Interaktion mit der Umgebung ermöglicht. Die theoretische Beschäftigung mit der Figur des Flanierenden wird durch das 'Begehungsinterview' als methodische Umsetzung ergänzt, bei dem drei unterschiedliche Wissensformen miteinander empirisch erfasst und analysiert werden: die der interviewten Person, der begleitenden SozialwissenschaftlerIn und die der gebauten Umwelt. Diese Methode ermöglicht es, die Wechselwirkungen zwischen personalen AkteurInnen und ihrer Alltagswirklichkeit zu untersuchen. Besonders hervorhebenswert ist die detaillierte Beschreibung des Begehungsinterviews als Methode zur empirischen Erforschung und die Betonung der Bedeutung der Geschwindigkeit des Reisens in der Alltagswirklichkeit.KI-Generiert
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ZusammenfassungIn diesem Beitrag möchte ich den Begriff der Reisenden und ihr Wissen (Traveling Concepts) um den Begriff der Flanierenden erweitern. Denn wenn zwischen den Reisenden (wie TouristInnen, WissenschaftlerInnen etc.) und den Flanierenden differenziert wird, kann eine Konzeptualisierung als soziologische Kategorie des reisenden Wissens bereichert werden, indem die Besonderheiten der Flanierenden mit ihren Orientierungsrahmen und den ‚kleinen‘ Reisen in ihrer konkreten Alltagswirklichkeit berücksichtigt werden. Aus der kultur- bzw. wissenssoziologischen Perspektive handelt es sich bei den Traveling Concepts weniger um Reisekonzepte als vielmehr um wissende Reisende, die als Wissensträger, -verarbeiter und -weiterentwickler ihr Wissen mitnehmen und/oder einsetzen, dieses mit weiteren „Reisenden“ in der spezifischen sozialen Situation bestätigen und neu aushandeln und/oder entlang vorgefundener struktureller (architektonischer) Kontexte und Wissensordnungen transformieren. -
Knowledge Cultures and Traveling Concepts
How psychological concepts journeyed across the Berlin Wall Christine LeuenbergerDas Kapitel 'Knowledge Cultures and Traveling Concepts' untersucht, wie psychologische Konzepte während der Teilung Deutschlands zwischen Ost und West reisten und sich entwickelten. Es beleuchtet die sozialistische Psychologie in der DDR und die Interaktionen zwischen Ost und West vor 1989. Der Autor argumentiert, dass trotz der politischen und ideologischen Trennung durch die Berliner Mauer, psychologische Ideen und Praktiken zwischen den beiden Seiten ausgetauscht wurden. Besonders hervorgehoben wird die Neudefinition von Neurosen in der sozialistischen Psychologie und die Einflüsse internationaler Netzwerke und Konzepte auf die ostdeutsche Psychologie. Die Analyse zeigt, dass die Entwicklung psychologischer Theorien und Praktiken durch lokale, nationale und internationale Faktoren beeinflusst wurde, was zu einer komplexen und dynamischen Landschaft führte. Der Text bietet eine detaillierte Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Politik und Kultur, die das Verständnis der Psychologie in der DDR bereichern.KI-Generiert
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ZusammenfassungHow do we know what we know and how have the conditions of knowledge production changed in the seemingly “deterritorialized” world of the 21st Century? The notion that there is a convergence between a nation, its culture and the types of knowledge produced has long informed assumptions about how and why we know what we know. Yet history reveals the inadequacy of such essentializing assumptions. After the collapse of communism in 1989, scientific developments in the former Soviet Bloc were deemed to be tainted by political interference and a lack of engagement with international scientific developments at the time. However, the pre-1989 ideologically and politically bifurcated world exemplifies how ideas travelled through both formal and informal channels. Moreover, knowledge practices on both sides of the Iron Curtain had similar historical trajectories, biases and interlinkages with politics at the time. The analysis of the development of diagnostic categories such a “neuroses” in pre-1989 socialist East Germany exemplifies how psychological concepts were both intertwined with the socialist project, but also transformed in clinical practice due to national and international networks as well as various local, cultural, and institutional circumstances. The history of the East German psy sciences thus reveal how “travelling concepts” and transnational knowledge practices could supersede the stark East-West divide. -
Denken und Deuten in Metaphern
Reisendes Wissen und interpretative Sozialforschung Max KaufmannDer Beitrag beleuchtet die zentrale Rolle von Metaphern im menschlichen Denken und Deuten, insbesondere im Kontext von Krisen wie der Covid-19-Pandemie. Metaphern werden nicht nur als sprachliche Stilmittel, sondern als komplexe und kohärente Konzepte verstanden, die unser Denken und Handeln strukturieren. Sie dienen als Mechanismen der interpretativen Welterschließung und ermöglichen es, Unbegreifliches zu begreifen und Unbekanntes zu ordnen. Der Text analysiert, wie Metaphern in der alltäglichen und sozialwissenschaftlichen Interpretation verwendet werden und welche Erkenntnismöglichkeiten sie bieten. Besonders interessant ist die Verbindung von Metaphern mit dem Konzept des reisenden Wissens, das Wissen und Bedeutungen transportiert. Der Beitrag zeigt, wie Metaphern in der interpretativen Sozialforschung eingesetzt werden können, um neue Deutungen und Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Ein empirisches Beispiel aus der Personalrekrutierung in einem Großunternehmen veranschaulicht die praktische Anwendung metaphorischer Deutungen in der sozialwissenschaftlichen Forschung.KI-Generiert
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ZusammenfassungMetaphern durchdringen, wie Lakoff und Johnson (2011) bemerken, alle Bereiche unseres alltäglichen Lebens. Dabei sind sie mehr als sprachliche Stilmittel, also bloße Substitutionen im Sinne poetischer Ausschmückungen; sie bilden komplexe und kohärente metaphorische Konzepte, die als solche unser Denken und Handeln strukturieren. Löst man Metaphern aus dem engen sprachwissenschaftlichen Korsett, besteht aus einer wissenssoziologischen Perspektive ihre zentrale Funktion darin, dass sie bestimmte Wissenselemente eines Konzepts auf ein anderes applizieren bzw. transportieren (hierzu v. a. Schmitt 2004) können. Mit Blick auf das Konzept der traveling concepts kann diese Sichtweise dahingehend verlängert werden, dass Metaphern sowohl verreistes Wissen indizieren als auch gleichzeitig ein Medium oder Vehikel, sind in dem Wissen und damit auch Bedeutung(en) reisen kann. Metaphern sind so verstanden Mechanismen einer interpretativen Welterschließung und Praktiken der kreativen Aufnahme, Übersetzung und Transformation des Wissens. Indem Metaphern Wissen und Bedeutungen übertragen, ermöglichen sie nicht nur Neues zu erschließen und Unbegreifliches zu begreifen; sie helfen auch dabei Unbekanntes zu ordnen und Bekanntes anders und neu zu denken. Dieses interpretative Potenzial von Metaphern und reisendem Wissen stellt der Beitrag in seinen Fokus und diskutiert den Gebrauch von Metaphern als interpretative „Alltagspraxis und wissenschaftliches Programm“ (Hitzler 1993).
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- Titel
- Reisendes Wissen
- Herausgegeben von
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Martin Harbusch
- Copyright-Jahr
- 2024
- Electronic ISBN
- 978-3-658-45229-2
- Print ISBN
- 978-3-658-45228-5
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-45229-2
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