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Über dieses Buch

Ein Buch für neugierige Leser. Geschildert werden im Laufe von 60 Jahren angehäufte Erlebnisse des forschenden Autors auf allen Kontinenten und dadurch ausgelöste Nachgedanken über die Fortpflanzung der Lebewesen, kulturelle Praktiken, kuriose Traditionen, gepflegte Irrtümer und unzumutbare Glaubensinhalte. Jede harmoniesüchtige Weltanschauung kontrastiert mit der auf Konkurrenz und Konflikt angelegten Schöpfung und führt zu negativ nachhaltigem technischem und religiösem Missionieren. Stimmt es, dass der Mensch aus Erfahrung lernt?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Sind Spermien Lebewesen?

Einzellige Pflanzen und Tiere ▪ Bakterien und Organellen ▪ Spermien, Hektokotylus und Palolowurm sind freilebende Organe

Zusammen mit meiner Studienkollegin Elvira Nickel verbringe ich einen Teil der Semesterferien in der Landesanstalt für Fischerei Nordrhein/Westfalen in Albaum. Wir hören in Münster mit Begeisterung Vorlesungen von Bernhard Rensch über die Evolution der tierischen Organismen, von Einzellern bis zum Menschen – stammesgeschichtlich alles Nachkommen von Bakterien und Einzellern, wie es sie heute immer noch gibt. Die vielen Millionen von Tierarten, die derzeit leben, sind weniger als 1 % derer, die im Laufe der Evolution schon einmal gelebt haben.

Wolfgang Wickler

Chapter 2. Verbotene Lektüren

Darwin und die Göttliche Offenbarung ▪ Wer unhinterfragt glaubt, ist leichtsinnig

Die Familie Anton Bücker in Gievenbeck, Ramertsweg 78, ist ehrfürchtig erstaunt, dass der auf ihrem Bauernhof in einer Mägdekammer unterm Dach wohnende Student Post aus dem bischöflichen Palais bekommen hat.

Wolfgang Wickler

Chapter 3. Wo ist die Sonne nachts?

Insekten mit angeborenem Irrtum ▪ Tiere mit Fantasie

Die Vierte Internationale Ethologenversammlung tagt in Freiburg. Mit Kollegen diskutiere ich, wie Fische mit einer zweikammerigen Schwimmblase ihre Lage im Wasser regulieren können. Das Seepferdchen hat, wenn es – wie meist – mit dem Schwanz an ein Objekt geklammert aufrecht sitzt, die vordere, hingegen wenn es waagerecht schwimmt, die hintere Schwimmblasenkammer stärker gefüllt. Können auch andere Fische durch willkürliches oder unwillkürliches Verschieben der Gasmengen ihren Körperschwerpunkt verlagern oder gar ihren Schwebezustand im Wasser verändern?

Wolfgang Wickler

Chapter 4. Eine Flugreiselektüre

Kaiser Trajan ▪ Santa Maria Maggiore ▪ Borgiapapst mit Frauen und Kindern ▪ Globus ohne Amerika ▪ Amerigo Vespucci bei den Tainos

Weil die British Overseas Airways Corporation (BOAC) vergessen hat, in London unsere weitere Buchung bestätigen zu lassen, gibt es in Rom für mich und meine Doktorandin Dagmar Uhrig eine Pause, ehe die Swiss Air uns weiter nach Nairobi fliegen kann. Wir haben für zoologische Forschungsarbeiten in der Serengeti gute Trinovid-Ferngläser dabei und benutzen sie jetzt hier an Kulturobjekten. Erst einmal an der 113 n. Chr. errichteten, 38 m hohen marmornen Trajanssäule (mit Wendeltreppe innen eher ein Turm). Außen zeigt ein spiralförmig aufsteigendes, teils verwittertes Reliefband Szenen aus den Kriegen, die Kaiser Trajan von 101 bis 106 nördlich der Donau (im heutigen Rumänien) gegen die Daker führte.

Wolfgang Wickler

Kapitel 5. Rapa Nui

Missions- und Kolonialgeschichte der Osterinsel und ihrer Bewohner ▪ Vogelmann-Kult ▪ Moai-Statuen ▪ Rongorongo-Schrift

Mein ethologischer Lehrmeister und Freund Niko Tinbergen hat mich zum XIX. International Congress of Psychology eingeladen und moderiert meinen Vortrag über Evolutionary origin and ritualisation of pair-bonding behaviour, den er sich gewünscht hatte. Meine Zusammenfassung von Bewegungsweisen, die aus dem Mutter-Kind-Verhalten stammen, sekundär aber bei Tieren wie Menschen den Zusammenhalt erwachsener Paarpartner kräftigen, ist ein Musterbeispiel für Nikos Thema stammesgeschichtlicher „Ritualisierung“, die Verhaltensweisen aus ihrem ursprünglichen Funktionskreis „emanzipiert“ und mit neuer Motivation versehen in einen anderen sozialen Bereich integriert. Ein sowohl der Beobachtung wie der vergleichenden Analyse leicht zugängliches Beispiel ist das Mund-zu-Mund-Füttern bei sozialen Insekten, Hundeartigen und vielen Vögeln, das bei Menschenaffen und Menschen zum Kuss ritualisiert ist.

Wolfgang Wickler

Chapter 6. Mal kurz im Gefängnis

Eine gestohlene Autobatterie ▪ Rückblick auf Deutsch-Ostafrika

Diese ist meine siebente Afrikareise. Seit 1965 bin ich Mitglied des Scientific Council am Serengeti Research Institute und komme jedes Jahr zu dessen Tagungen nach Arusha. Zum ersten Mal begleitet mich meine Mitarbeiterin Uta Seibt. Wir hatten in Nairobi (Kenia) einen Leih-Landrover von Eboo’s Tours and Safaris abgeholt, hatten Namanga, die Grenzstation zu Tanganyika/Tanzania unbeanstandet passiert und waren gestern am Spätnachmittag in Arusha angekommen. Den Landrover parken wir außen am New Arusha Hotel unter einem alten Schild mit dem Hinweis, wir befänden uns genau auf halber Strecke zwischen Kairo und Kapstadt. (Tatsächlich liegt dieser Punkt wahrscheinlich in Zentralkongo).

Wolfgang Wickler

Kapitel 7. Verhalten als Schrittmacher der Evolution

Anatomische Monogamie ▪ Weibchen-Männchen-Plazenta ▪ Botanische Glasmodelle von Leopold und Rudolph Blaschka

Eine internationale Konferenz in Harvard über die Evolution von Verhaltensweisen gibt mir Gelegenheit, mich mit Ernst Mayr im Museum zu treffen. Er will mir etwas Spezielles zeigen, und ich möchte ihm zwei ziemlich abstruse Evolutionen zu körperlicher Monogamie im Tierreich unterbreiten, die ich zu verstehen suche.

Wolfgang Wickler

Kapitel 8. Extremformen japanischer Kultur

Shinto- und Buddha-Tempel ▪ Erniedrigung der Ainu ▪ Lotosfüße ▪ Trostfrauen ▪ Kannon-Maria ▪ Fruchtbarkeitskarneval

Kollegen des American Museum of Natural History haben mich und meine Frau vom 13. bis 19. August nach Tokio eingeladen, zum 20. Internationalen Kongress für Psychologie der British Psychological Society im Hotel Tokio Prince. Mein Beitrag soll die in letzter Zeit häufig gewordenen Vergleiche zwischen menschlichem und tierischem „Instinkt“-Verhalten bewerten. So präzisierte ich: Vergleichen heißt nicht gleichsetzen, sondern Gemeinsamkeiten und Unterschiede klarlegen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 9. Die Mutterbrust

Caritas Romana ▪ Induzierte und erotische Laktation ▪ Maria und Bernhard von Clairvaux ▪ Öffentliches Stillen

Mit seiner Tiger-Balm-Salbe, die in China alles heilt, hat Mr. Aw Boon Haw ein Vermögen gemacht und dem Volk daraus 1935 einen bunten Figurenpark geschenkt, den Tiger Balm Garden. Dieser illustriert allerlei Mythologisches, Märchenhaftes, Grausiges, Komisches und Erotisches. Mir fällt – nach Drachentöter, fischschwänzigen Meermädchen und den Zehn Höfen der Hölle mit blutigen Strafen für kindlichen Ungehorsam – eine moralisierende Szene auf, in der eine Frau ihrem alten Schwiegervater (oder der Schwiegermutter) öffentlich die Brust reicht.

Wolfgang Wickler

Kapitel 10. Polynesische Sexualkultur

Die Frauen der Chamorro ▪ Daphnis und Chloe auf den Marquesas-Inseln

Guam im tropischen Westpazifik ist die südlichste Insel des Marianen-Archipels und die größte unter den rund 2000 Inseln und Atollen Mikronesiens, das im Süden an Melanesien grenzt. Hierher geführt hat mich und meine Kollegin Uta Seibt eine bunte Garnele, Hymenocera picta.

Wolfgang Wickler

Kapitel 11. Haie und Zahnkarpfen

Lebendgebären ▪ Konflikte zwischen elterlichen Brutpflegeprogrammen ▪ Mutter-Kind-Konflikte

Mein Interesse für Haie hat die Shark Lady Eugenie Clark geweckt. Sie ist berühmt geworden als Unterwasserforscherin durch das Buch Lady with a Spear (1953). Kennen gelernt haben wir uns durch meine und ihre Arbeiten über Balz und Paarung lebendgebärender Zahnkarpfen (Poeciliidae) (Wickler 1957). Wir trafen uns mehrmals in Seewiesen und in den USA, als sie sich für lebendgebärende Meeresfische interessierte, einerseits für die kleinen Brandungsbarsche (Cymatogaster aggregata), deren Männchen geschlechtsreif geboren werden, aber auch für lebendgebärende Haie.

Wolfgang Wickler

Kapitel 12. Naturrecht und Epikie

Gewissen prüft Handlungsfolgen ▪ Der Makkabäer-Priester Mattatias ▪ Feldmarschall Leopold von Daun

Ein hiesiger Akademikerverband hat Johannes Gründel und mich eingeladen, unsere Ansichten zu Naturrecht, Autorität und Gewissen zu referieren. Wir behandeln diese Themen seit zwei Jahren unter dem Titel Naturrechtslehre in moraltheologischen Seminaren an der Münchener Universität. Nachdem es Jahrhunderte lang üblich gewesen war, Moral auf die Autorität der Natur gestützt zu predigen, hatten wir uns das Ziel gesetzt, ethisch-moralische Weisungen für den Menschen von dafür untauglichen naturwissenschaftlich-biologischen Begründungen zu befreien, um versuchsweise selbsttragende philosophisch-theologische Begründungen freizulegen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 13. Fresken der Moldauklöster

Genesis, Abstammung Jesu ▪ Akáthistos-Hymnus ▪ Die Leiter des Klimakos ▪ Jüngstes Gericht ▪ Himmel und Hölle ▪ Pädagogische Folgen ▪ Kritik von Fidel Castro

Aus einem Urlaub am Schwarzen Meer im August 1974 fliege ich mit meiner Frau und den Kindern in altgedienten Flugzeugen in die Bukovina zu einer Rundfahrt zu den Moldauklöstern, genauer gesagt zu den Kirchen der rumänisch-orthodoxen Nonnenklöster Humor, Voroneţ, Moldoviţa und Suceviţa. Sie liegen im südlichen, zu Rumänien gehörenden Teil der Bukovina; die nördliche Hälfte gehört zur Ukraine. Der slawische Name „Bukovina“ bezeichnet ein mit Buchen (buk = Buche) bewaldetes Gebiet. Die Kirchen entstanden im 15. und 16. Jahrhundert innerhalb von 80 Jahren, veranlasst von Stefan dem Großen und seinen Nachfolgern (insbesondere Moldoviţa 1532 von Petru Rares, Stefans illegitimem Sohn). Überlieferungen zufolge versprach Stefan für jeden Sieg auf dem Schlachtfeld die Errichtung einer Kirche oder eines Klosters. Seine Erfolge über Ungarn, Polen und Türken führten zur Stiftung von insgesamt über 40 Gotteshäusern.

Wolfgang Wickler

Kapitel 14. Prinzip Arterhaltung?

Mantelpaviane ▪ Brutpflege ▪ Der Irrtum bei Thomas von Aquin, Immanuel Kant, Sigmund Freud, Konrad Lorenz und Hans Jonas

Ich treffe mich im Zoo Zürichberg mit Hans Kummer. Hans hat hier 1957 bei Heini Hediger über das Sozialverhalten des Mantelpavians Papio hamadryas promoviert, ist dann lebenslang von diesem Altweltaffen fasziniert geblieben und einer der bekanntesten Primaten-Ethologen geworden. Ich habe 1973 im Münchener Zoo Hellabrunn einen Film über die soziosexuellen Gesten des Mantelpavians aufgenommen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 15. Forschung, Aberglaube und Heiratspolitik

Faultiere im Wohnzimmer ▪ Vespucci und Kolumbus ▪ Hans Staden bei den Tupinamba ▪ Geteilte Vaterschaft ▪ Gezielte Rassenmischung ▪ Arrangierte Ehen durch Kaiser Maximilian I. und Papst Alexander VI.

Vorgestern hat mich ein kleines Fischerei- und Arbeitsboot vom INPA-Institut (Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia) in Manaus zum Rio Cuieiras, einem Nebenfluss des Rio Negro, gebracht, zusammen mit Wolfgang Junk vom Institut für Limnologie in Plön, und Harald Sioli, dem Begründer sowohl der Amazonas-Ökologie als auch der Kooperation des INPA mit der Max-Planck-Gesellschaft. Das Forschungsinstitut ist 1952 mitten im Dschungel gegründet worden, am Rande von Manaus, der heute siebtgrößten Stadt Brasiliens, die 1669 als kleines portugiesisches Fort am linken östlichen Ufer des Rio Negro begonnen hatte.

Wolfgang Wickler

Kapitel 16. Besuch auf der Karibik-Insel Hispaniola

Völkermord der Kolumbus-Brüder an den Taino-Indios ▪ Klage des Mönches Bartolomé de las Casas

Die Karibikinsel Hispaniola ist eine Zwei-Staaten-Insel. Haiti besitzt das westliche Drittel, der größere Ostteil gehört zur Dominikanischen Republik. Diese ist der dritte und letzte Staat – nach Brasilien und Peru – den Bundeskanzler Helmut Schmidt derzeit auf seiner Südamerikareise besucht.

Wolfgang Wickler

Kapitel 17. Vagina mit Zähnen

Ein Akamba-Holzschnitzer ▪ Legenden der Ainu in Japan, der Idahan in Malaysia, der Jicarilla-Apachen ▪ Maori-Göttin Hine-nui-te-pō ▪ Göttin Uma und eine junge Baiga-Frau in Indien ▪ Sara im Buch Tobit ▪ Kastrationsangst bei Freud ▪ Vergewaltigungsschutz in Südafrika

Vier Kilometer vor der Chyulu-Einfahrt zum Nationalpark Tsavo-West in Kenia liegt der 240 Jahre alte Sheitani-Krater. Nahe bei seinem kilometerweit schwarz in die Steppenlandschaft reichenden Lavafluss, im Schatten unter einem großen Baum, schnitzen einige Männer vom Volk der Akamba Holzfiguren aus dem schweren, harten, rotbraunen Holz vom leadwood-Ahnenbaum (Combretum imberbe). Ich hocke mich zu ihnen und betrachte die Schnitzereien, die am Boden liegen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 18. Heuschreckliches

Akustische Verständigung von Kurz- und Langfühlerschrecken ▪ Parasitische Zuhörer

Wieder einmal genieße ich ein paar Tage Rundum-Zoologie und Pläneschmieden mit Otto und Dagmar von Helversen, die ich seit vielen Jahren kenne. Beide sind vor 2 Jahren von der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg zur Universität Erlangen-Nürnberg gekommen, als Otto hier einen Lehrstuhl für Zoologie übernahm. Jetzt wohnen sie mit ihren Kindern hier, 14 km von Erlangen entfernt, im „Schloss der Herren von Crailsheim zu Neuhaus“, 3 km südlich von Adelsdorf, in der Aischgründer Seenlandschaft.

Wolfgang Wickler

Kapitel 19. Bisexualität

Geschlecht genetisch bestimmt, kulturell geformt, medizinisch korrigiert ▪ Geschlechtswechsel ▪ Intersexe ▪ Watson-Skandal ▪ Die Pille

Ein Bildungsforum der Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und Gesellschaftsbildung in Düsseldorf beschäftigt sich mit dem für jeden Menschen persönlich wichtigen Thema „Bisexualität und personelle Identität“. Die biologische Zweigeschlechtlichkeit ist ein Ergebnis der Evolution in der Stammesgeschichte; und zum Glück lässt sich rekonstruieren, wie sie verlief, denn der Biologe findet für viele Stadien und Vorstadien lebende Vertreter: je frühere, desto einfachere. Die persönliche Geschlechtsidentität ist ein Ergebnis der Ontogenese, der Entwicklung des menschlichen Individuums vom Embryo zum Erwachsenen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 20. Legendäre Peitschen

Nietzsche und Lou Salomé ▪ Aristoteles und Phyllis

Jedes Mal, wenn ich Luzern besuche, imponiert mir das Wahrzeichen der Stadt, die berühmte, um 1365 entstandene Kapellbrücke als die älteste Holzbrücke Europas. In die Giebel der Brücke eingefügt sind 146 dreieckige, an der Basis fast 2 m breite Ölbilder, die der Renaissancemaler Hans Heinrich Wägmann ab 1611 malte. Sie zeigen Szenen aus der alten Schweiz, der Stadtgeschichte und aus dem Leben der Stadtpatrone Leodegar und Mauritius.

Wolfgang Wickler

Kapitel 21. Soziologie der Familie

René König ▪ Familienformen ▪ Vater-Tochter-Inzest ▪ Infantizid ▪ Avunkulat ▪ Ringparabel bei Boccaccio und Lessing ▪ Radikale Mission ▪ Bonifatius und Papst Benedikt XVI. ▪ Cortez und die Sonnenscheibe

Auf der Insel San Giorgio Maggiore veranstaltet das Goethe-Institut Triest ein internationales Kolloquium über „Die bürgerliche Familie im fortgeschrittenen Industriezeitalter“. Tagungsstätte ist ein der Wissenschaft gewidmetes ehemaliges Benediktinerkloster, das zur 1951 gegründeten Stiftung Fondazione Giorgio Cini gehört. Professor René König von der Universität Köln, Soziologe und bekanntester deutscher Vertreter seines Faches, plant, das Thema „Treue, Monogamie und Familie“ aus soziologischer und ethologischer Sicht vergleichend zu behandeln und lädt mich dazu ein.

Wolfgang Wickler

Kapitel 22. Kulturelle Evolution

Karl Popper ▪ Schimpansin Julia ▪ Papagei Alex ▪ The road to wisdom ▪ Evolutionäre Erkenntnistheorie ▪ Brauchbares falsches Wissen

Das Tiroler Bergdorf Alpbach mit seinen blumengeschmückten Bauernhäusern ist angeblich das schönste Dorf Österreichs. Hier veranstaltet die interdisziplinäre Plattform für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur, das „Europäische Forum“, alljährlich im August Vorträge und Arbeitskreise zu gegenwärtig relevanten gesellschaftspolitischen Fragen. Das Thema in diesem Jahr heißt: „Erkenntnis und Gestaltung der Wirklichkeit“.

Wolfgang Wickler

Kapitel 23. Kunst in der Toskana

Dekameron ▪ Kranichwache ▪ Uffizien in Florenz▪ Achondroplasie ▪ Minne von Dante Alighieri zu Bice Portinarie

Mit Frau und Tochter mache ich Urlaub in der Toskana. Die kleine Stadt Fiesole oberhalb von Florenz entstand aus der im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründeten Etruskersiedlung Faesulae. Wertvolle Überreste aus der Antike habe ich soeben zusammen mit meiner Frau im archäologischen Museum besichtigt, das römische Theater und die Reste römischer Bäder in der Ausgrabungsstätte an der Piazza Mino sowie (selbstverständlich nur von außen) die noch vollständig erhaltene Villa der Familie Medici und ihre in Terrassen gestalteten Gärten mit Zitronen- und Magnolienbäumen, Blumenrabatten, Buchsbaumhecken und einem großen zentralen Brunnen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 24. Pisa: Piazza dei Miracoli

Nackte Theologie in Stein ▪ Nackter Christus ▪ Menschenwürde ▪ Seele in Bild, Philosophie und Theologie ▪ Seele woher und wohin ▪ Erbsünde: Last und Ärgernis

Am Rande der Altstadt von Pisa besuchen wir ausgiebig die mittelalterliche Piazza dei Miracoli mit dem großartigen Ensemble weißer Gebäude auf grünem Rasen. Das Ensemble bilden 1) der Dom, die Kathedrale Santa Maria Assunta von 1063; 2) der zugehörige runde Glockenturm Campanile, 1372 fertiggestellt und berühmt als Schiefer Turm; 3) die im 14. Jahrhundert vollendete Taufkirche Battistero di Pisa und 4) der Friedhof Camposanto Monumentale aus dem 13. Jahrhundert mit dem berühmten Monumentalfresko „Triumph des Todes“ an seiner Südwand.

Wolfgang Wickler

Kapitel 25. Freskenmoral und Minnesang in der Toskana

Abtei Monte Oliveto Maggiore ▪ Altes Rathaus von Siena ▪ Männliche und weibliche Engel und Schutzengel ▪ Abaelard und Heloise ▪ Gottes- und Menschenliebe der Minnesänger ▪ Rabindranath Tagore

Mit Frau und Tochter Rita mache ich Urlaub in der Toskana, im Haus Il Giuncheto der Frau Schalij. Betreut von Maria, dem Mädchen für alles, fühlen wir uns wohl in einer vom Menschentrubel weitgehend ungestörten Natur. Der Ginster blüht satt gelb, Stieglitze und Wiedehopfe kommen ans Haus; Kuckucke, Nachtigallen, Zaunkönige und Fasane rufen. Uns begegnen Schlangen, Perl-, Smaragd- und Mauereidechsen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 26. In Australiens Northern Territory

Kadaitcha-Mann ▪ Uluru ▪ Wallara Ranch ▪ Ormiston und Redbank Gorge ▪ Alice Springs und Bond Springs ▪ Aranda-Volk ▪ witchetty-Raupen

Der internationale Ethologen-Kongress findet diesmal in Brisbane statt und lockt Verhaltensforscher aus aller Welt nach Australien. Zu Beginn der Tagung ist eine einwöchige Exkursion entlang der Ostküste in mehrere Nationalparks in Queensland vorgesehen. Mit meiner Kollegin Uta Seibt möchte ich aber auch in die trockene Mitte des Kontinents schnuppern, in das „Northern Territory“, das am spätesten von Europäern besiedelt wurde und wo einige Traditionen der australischen Ureinwohner am ehesten erhalten geblieben sind.

Wolfgang Wickler

Kapitel 27. Ökoethologen diskutieren in Australien und Deutschland

Verhalten und natürliche Umwelt ▪ Artgemäße Tierhaltung? ▪ Objekt des Tierschutzgesetzes ist der Mensch

Auf dem Ethologen-Kongress habe ich Gelegenheit, Rolf Beilharz zu treffen, einen Kollegen, der jetzt Professor für Tierzucht und Genetik in Melbourne ist. Nachdem er vor Jahren eine Weile in Seewiesen gearbeitet hatte, war er vor 3 Jahren wieder zu uns gekommen, um auf einem Minisymposium als eingeladener Gutachter neben dem Tiersachverständigen Klaus Zeeb konkurrierende Ideen zur „artgemäßen Haltung von Hühnern unter Intensivbedingungen“ zu beurteilen. Ich hatte die Sitzung am 9. April 1980 zu leiten.

Wolfgang Wickler

Kapitel 28. In Neuguinea

Varirata-Nationalpark ▪ Paradiesvögel ▪ Berückend schöne Landschaften im Hochland um Mount Hagen ▪ Kleine und große Märkte ▪ Volk der Mdelpa ▪ Kleidung und Körperschmuck ▪ Ein Brautkauf-singsing bei Minj ▪ Penisfutterale der Naturvölker, Braguette der Landsknechte, Schamkapseln der Ritter

Im Flughafen von Port Moresby schreiben meine Kollegin Uta Seibt und ich die letzten Aufzeichnungen unserer Handkassettenrekorder in Notizbücher. Wir hatten im 25 km entfernten Varirata-Nationalpark die ersten zoologischen Neuguinea-Attraktionen erlebt: Einen Talegalla-Hahn (Aepypodius arfakianus), der sich an seinem Nisthügel aus Sand und zusammengescharrtem Blattwerk zu schaffen machte, in dem die Eier, wahrscheinlich von mehreren Weibchen, durch Kompostierwärme ausgebrütet werden.

Wolfgang Wickler

Kapitel 29. Nasenaffen in Zoo und Freiheit

Ein moderner Inselstaat mit vorbildlichem Zoo ▪ Soziosexualität des Nasenaffen

Zu unserer Rückreise von Mount Hagen vorgestern läutet das Glöckchen vom Lutherischen Kirchlein eine Stunde verspätet. Erst um halb vier früh war eine ausgedehnte Hochzeitsfeier zu Ende gegangen. Der Manager schläft noch; unsere Papiere sind bei ihm im Safe. Ab 9.00 Uhr hat Mt. Hagen keinen Strom, das Hotel also auch kein Telefon. Um 10.30 Uhr kommt der Submanager ans Licht, mit Schlüsseln; wir können auschecken. Den nicht markierten Weg zum Flughafen haben wir schon vor der Hochzeit erkundet.

Wolfgang Wickler

Kapitel 30. Religion, Gebote und Mission

Predigt zur Osternachtfeier ▪ Ägyptens Totenbücher ▪ Experimentelle Ethik in den Zehn Geboten ▪ Wettstreit abrahamitischer Religionen ▪ Mord an einem Missionar zur Verteidigung der Religionsfreiheit

Mit meiner Frau, einer Tochter und einer zukünftigen Schwiegertochter mache ich Urlaub im schottischen Hochland. Die hügelige, heidebraune und grasige Landschaft ist geprägt von patschnasser Grasnarbe, Beständen von Rhododendron ponticum und vielen Moortümpeln mit Froschlaich und schon geschlüpften Kaulquappen. Alle Steinflächen sind voller Flechten in vielen Farben. Zudem wachsen überall Moose und Farne – die Gegend wäre hervorragend geeignet für ein Kryptogamen-Praktikum.

Wolfgang Wickler

Kapitel 31. Biblische Frauen mit heiligen Bäumen

Dialekte im Tierreich ▪ Gen-Kultur-Berührungszone ▪ Eva, Isis, Aschera und Maria ▪ Krippe des Hl. Franz von Assisi ▪ Paradiesspiele und Weihnachtsbaum

Die Betriebsleitung der Firma Henkel veranstaltet für ihren Chef eine Feier, zu der ich heute wunschgemäß einen Vortrag über Dialekte im Tierreich beisteuern kann. Ein Dialekt, eine „Mundart“, ist eine Variante einer Sprache, so wie eine Rasse (oder Unterart) eine Variante einer biologischen Art ist. Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber: Unterarten entstehen in genetischer, organischer Evolution, Mundarten in tradierter, kultureller Evolution.

Wolfgang Wickler

Kapitel 32. Paarung und Lebendgebären bei Wirbeltieren

Institut für den Wissenschaftlichen Film ▪ Paar-Synchronisation ▪ Balz, Begattung, Kopulation ▪ Penisse der Wirbeltiere

„Gutingi“ war ein „Dorf am Wasserlauf“, wurde Marktsiedlung, 1210 Stadt und bietet heute in den Fassaden vieler historischer Gebäude als besondere Sehenswürdigkeiten Skulpturen, Fresken und Schnitzereien: Ornamente, florale Motive, Tierfiguren, Gesichter und Fratzen. Mein Favorit war der Fassadenschmuck mit biblischen und weltlichen Szenen am Schröderschen Fachwerkhaus an der Weender Straße in der Fußgängerzone, das 1546 ein wohlhabender Tuchmacher errichtet hatte. Mich führten viele Reisen nach Göttingen, aber nicht wegen der Altstadt.

Wolfgang Wickler

Kapitel 33. Farbige Perlen als Briefe der Zulu

Autorität der Ahnen ▪ Eheregeln in Common Law, Customary Law und Codex Iuris Canonici

Seit 6 Jahren arbeiten meine Kollegin Uta Seibt und ich hier von der Zululand Safari Lodge aus in umliegenden Game Parks über das Sozialverhalten von giftigen Heuschrecken, sozialen Spinnen und im Duett singenden Vögeln. Vom Ranchbesitzer Mr. Herbert (Geschäftsmann mit Verbindungen nach Deutschland, Chile und in die Schweiz) haben wir Erlaubnis, auf eigene Verantwortung auch im weiten Gelände der Ubizane-Ranch um die Lodge herum mit dem Auto und zu Fuß unseren zoologischen Forschungen nachzugehen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 34. Blicke auf Biologie, Industrie und Kultur in Namibia

Spinnenforschung ▪ Arandis-Uranabbau ▪ Prostituiertenmütter und -kinder

Südafrikanische Spinnen-Hobbyisten haben sich in einer Research Group for the Study of African Arachnids zusammengeschlossen. Mit der Familie verbringen sie ihre Urlaube auf der Suche nach ungewöhnlich lebenden Spinnentieren. In diesem Jahr stellen sie ihre neuen, biologisch interessanten Entdeckungen auf einer Tagung im Hotel „Grüner Kranz“ in Swakopmund vor. Das Ehepaar Otto und Margarete Kraus, Uta Seibt und ich sind eingeladen, unsere Arbeiten an den in Namibia häufigen sozial lebenden Stegodyphus dumicola-Spinnen zu referieren (Seibt und Wickler 1988) und anschließend an einer Freilandexkursion teilzunehmen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 35. Gottessöhne von Menschenmüttern

Geistzeugung ▪ Jungfrauengeburt ▪ Muttergottheiten ▪ Maria als Gottesgebärerin, Gottesgemahlin, Minnefigur und Missionshilfe

Auf einer Reise zu den wichtigsten archäologischen Stätten Ägyptens sind wir in Luxor angelangt. Meine Frau, die vor 2 Jahren schon einmal hier war, sogar im selben Hotel, freut sich darauf, mir den Luxor-Tempel zu zeigen. Erbauen ließ ihn in der 18. Dynastie, im sogenannten Neuen Reich, Amenophis III., der als neunter altägyptischer Pharao etwa von 1388 bis 1351 v. Chr. regierte.

Wolfgang Wickler

Kapitel 36. Latimeria chalumnae

Lebende Quastenflosser ▪ Kleintauchboote Geo und Jago ▪ Kaiser Akihito

In die Räume der Bayerischen Akademie der Wissenschaften bin ich mit 20 weiteren Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft zu einem Empfang für den 125. japanischen Kaiser Akihito mit anschließenden intensiven Gesprächen über Themen aus den Bereichen Physik, Biochemie, Materialforschung und Rechtswissenschaft eingeladen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 37. Am Serengeti Research Institute

Soziosexualität der Tüpfelhyäne ▪ Duett-Paarbindung des Schieferwürgers ▪ Das Singhirn ▪ Leichtfertige oder spröde Weibchen; flatterhafte oder treue Männchen

Vor 30 Jahren, im April 1964, habe ich hier zum ersten Mal auf der Uferböschung des kleinen Mgungu-Flüsschens mitten in der Serengeti gesessen, überwältigt von der Landschaft, ihrer Pflanzen- und Tierwelt. Es war mein erster Aufenthalt in Afrika. Noch einmal 10 Jahre zuvor hatte ich aus Münster meinen Eltern auf einer Postkarte mitgeteilt: „Ich hätte direkt Lust, demnächst nach Afrika zu ziehen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 38. Kulturethologie von Otto Koenig

Wilhelminenberg und Burgenland ▪ Matreier Kulturgespräche ▪ Klaubauflaufen ▪ Bettfreien ▪ Probeehen ▪ Leviratsehe ▪ Geistehe zwischen Frauen ▪ Das Volk der Nuer ▪ Sex zur Gastfreundschaft ▪ Restriktive Sexualkultur ▪ Beichtpraxis nach Alfons von Liguori ▪ Erzbischof McQuaid ▪ Naturgemäße Aufklärung

Wien kann man als Ursprungsort der Ethologie, der Wissenschaft vom Verhalten der Tiere und des Menschen, bezeichnen. Hier, am Rande des Wienerwaldes, in der von seinem Quasischüler Otto Koenig gegründeten „Biologischen Station Wilhelminenberg“, hatte Konrad Lorenz 1948 nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Kreise der dort arbeitenden Jungwissenschaftler mit systematischen Vorlesungen zur Ethologie begonnen. Vom Wilhelminenberg holte er 1951 die ersten Mitarbeiter in seine „Forschungsstelle für Vergleichende Verhaltensforschung“, die Baron Gisbert Friedrich Christian von Romberg in Buldern (nahe Münster in Westfalen) im Wasserschloss für ihn eingerichtet hatte und die dem Max-Planck-Institut für Meeresbiologie in Wilhelmshaven unter Erich von Holst zugeordnet war.

Wolfgang Wickler

Kapitel 39. Damaskus: Große Geschichte, großartige Bauwerke, großes Unheil von großem Heiligen

Saladin, Kreuzfahrer und Ayyubiden ▪ Umayyaden-Moschee ▪ Azim-Palast ▪ Nationalmuseum ▪ Wandfresken von Dura Europos ▪ Die Geschichte des Mose ▪ Marienleben ▪ Brunnen der Verheißung ▪ Antonius und Kleopatra ▪ Saulus wird Paulus und erfindet die Erbsünde

Damaskus ist eine der ältesten Städte der Welt, seit 9500 v. Chr. kontinuierlich bewohnt und mit entsprechend reicher, wechselvoller Geschichte. Seit Pharao Thutmosis III. (1450 v. Chr.) blieb Damaskus bis zum Ende des 2. Jahrtausend v. Chr. in ägyptischer Hand. Die Stadt wurde um 1000 v. Chr. unter König David seinem Großreich angegliedert, gehörte unter Nebukadnezar II. (604 bis 562 v. Chr.) zum Neubabylonischen Reich, 332 v. Chr. zum Reich Alexanders des Großen, wurde nach Alexanders Tod 323 v. Chr. von den Seleukiden bis 281 ausgebaut und unter Pompeius 66 v. Chr. dem Römischen Reich eingegliedert.

Wolfgang Wickler

Kapitel 40. Alexanders Reich zwischen Euphrat und Tigris

Die Babylonische Bibel Enûma elîsch ▪ Enkidu und Schamchat ▪ Ein Garten in Eden ▪ Codex Hammurabi ▪ Israeliten in Babylon ▪ Tora und Genesis ▪ Adam, Lilith, Eva ▪ „Erkennen“, Nacktheit und Sexualität ▪ Norbert Elas und Peter Duerr ▪ Rollen der Frau

Mit der tüchtigen und erfahrenen Reiseleiterin Ilse Jaegle vom Bayerischen Pilgerbüro sind wir in Syrien von Damaskus über Palmyra nach Dura Europos gereist, per Bus durch Landschaften, die der makedonische König Alexander der Große 331 v. Chr. zu Beginn eines 10-jährigen Feldzuges eroberte, als ersten Teil eines Weltreiches, das sich schließlich von Makedonien bis zu westlichen Teilen von Indien erstreckte. Dem Land zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris gab er den Namen Mesopotamien. Hier entwickelte sich im 18. Jahrhundert v. Chr. ein assyrisches Reich.

Wolfgang Wickler

Kapitel 41. Von der Zitadelle des Symeon zum Krak des Chevaliers

Simeon der Stylit ▪ „Norias“-Räder ▪ Sargon II. in Hama ▪ Nekropole von Amrit ▪ „Teyyara“-Häuser ▪ Burg der Johanniter

Etwa 35 km nordwestlich von Aleppo liegen die Ruinen von Qal’at Sim’an („Zitadelle des Symeon“), bis zur Errichtung der Hagia Sophia im Jahre 537 der größte Sakralbau der christlichen Welt. Das frühbyzantinische Kloster mit großer Pilgerkirche wurde von 476 bis 490 erbaut als Zentrum der Wallfahrten zum ersten christlichen Säulenheiligen, der hier 459 auf seiner Säule starb. „Simeon der Stylit“, 389 geboren, war ein Schafhirte.

Wolfgang Wickler

Kapitel 42. Leben und Auftrag des Mose

Israeliten in Ägypten ▪ Verkleinertes Gehirn der Hausschafe ▪ Der Gute Hirte ▪ Das hundertste Schaf

Am Ende einer „biblischen Reise“, die sich meine Frau gewünscht hat, stehen wir in Jordanien auf dem Berg Nebo mit klarem Blick 800 m hinunter nach links auf das Tote Meer und das 15 km entfernte Jordantal und in die Ferne auf das 40 km entfernte Land jenseits des Jordan: Israel. Hier soll vor 3300 Jahren am Ende seines Lebens ein angeblich 120 Jahre alter Mann gestanden haben, der Ägypter Mose. Auch er konnte fern das „gelobte Land“ liegen sehen. Es war seinem Volk verheißen, aber ihm zu betreten verwehrt.

Wolfgang Wickler

Kapitel 43. Das bunte Leben und die unheilvolle Lehre des Hl. Augustinus

15 Jahre Liebe zu und Kind mit „Floria“ ▪ Manichäer ▪ Rhetoriklehrer ▪ Quälende sündige Begierden ▪ Prädestination ▪ Gottesstaat ▪ Erbsünde ▪ Paulus, Augustinus, Rabindranath Tagore

Mit einer privaten Führung durch das historische Mailand besuchen wir die zwischen Nationalmuseum und Katholischer Universität gelegene Basilika St. Ambroglio. Geweiht ist sie dem Bischof und Kirchenlehrer Ambrosius, Schutzpatron der Stadt und aller Imker. Vier glatte, rote Porphyrsäulen, die den steinernen Baldachin über dem Altar tragen, stammen aus der früheren Basilika, die Ambrosius zwischen 379 und 386 hier errichteten ließ.

Wolfgang Wickler

Kapitel 44. Im Schnalstal ein Sprung über 36 km und 4800 Jahre

„Ötzi“, der Mann aus dem Eis ▪ Leben und Liebesleben der „Maultasch“

Mehrmals bin ich mit meiner Frau in der um 1180 gegründeten Landeshauptstadt Bozen gewesen. Wiederholt besucht haben wir dort die Kirche und das Kloster der Franziskaner aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, vor allem den Kreuzgang mit Fresken aus der Giotto-Schule und verschiedenen anderen Epochen, und selbstverständlich jedes Mal den der Himmelfahrt Marias gewidmeten Dom aus dem Jahr 1519 und daneben den Walther-Platz, auf dem das Marmordenkmal des größten deutschen Minnesängers Walther von der Vogelweide steht. Am wohlsten fühlten wir uns im Herzstück der Altstadt in Bozens Prachtstraße, der Laubengasse.

Wolfgang Wickler

Kapitel 45. Drei legendäre Volksheilige

Kümmernis am Kreuz ▪ Georg von Kappadozien ▪ Bischof Nikolaus von Myra

Wenn man zu Fuß den steilen Aufstieg von den Apfelgärten in der Umgebung von Schenna zum Weiler Sankt Georgen auf sich nimmt, kommt man oberhalb des Dorfes bei der kleinen romanischen St. Georgskirche aus dem 12./13. Jahrhundert an, dem Prunkstück des Dorfes. Fast den ganzen Tag sitzt eine alte Frau aus dem Haus nebenan in einer Bank und behütet den Bilderschmuck im Kircheninnern. Der führt drei legendäre Volksheilige vor Augen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 46. Die Heiligen Cyprian und Justina

Ein bekehrter Magier wird Bischof ▪ Er verliebt sich in Justina ▪ Erleidet mit ihr den Martertod

Etwa 15 km nördlich von Bozen und ziemlich genau in der Mitte zwischen Eisack und Etsch im engen Sarntal liegt das Dorf Sarnthein. Mit meiner Frau besuche ich die kleine, 1328 erstmals erwähnte Kirche St. Cyprian. Ihr gut erhaltener Freskenschmuck vom Ende des 15. Jahrhunderts illustriert eine Wunderszene aus dem Leben des Hl. Cyprian, der um das Jahr 300 unter dem römischen Kaiser Diokletian in Nikomedia (heute Izmir in der Türkei) lebte.

Wolfgang Wickler

Kapitel 47. Hohe Minne und Niedere Minne

Artus’ Tafelrunde ▪ Lancelot und Guinevere ▪ Eleonore von Aquitanien ▪ Minnesang und Minnesänger ▪ Walther von der Vogelweide ▪ Oswald von Wolkenstein ▪ Goethe ▪ Marienminne

Meine Frau und ich waren in unseren Südtirol-Urlauben an verschiedenen Orten auf Vertreter des mittelalterlichen Minnesangs gestoßen. Einen Besuch der größten Hochalm Europas, der Seiser Alm nordöstlich von Bozen, nutzen wir jetzt dazu, die in der Nähe (oberhalb von Dorf Seis am Schlern) liegende Burgruine Hauenstein in Augenschein zu nehmen. Ihre in dichtem Wald versteckten Reste sind zwar nicht besonders eindrucksvoll, hatten aber eine eindrucksvolle Vergangenheit mit dem letzten Minnesänger Oswald von Wolkenstein, der noch im 15. Jahrhundert Minnelieder geschrieben hat.

Wolfgang Wickler

Kapitel 48. Die Idee von der Conceptio per aurem

Maria als neue Eva ▪ Mutter und Jungfrau ▪ Das Wort Gottes geht ein ins Ohr ▪ Jüdischer Protest

Vorstellungsschwierigkeiten verursachte immer die kirchliche Lehre von der unversehrten Jungfrauschaft Mariens, die Jesus „bei geschlossenem Leib“ empfangen haben soll. Um 1190 kam man, ausgehend von der Bezeichnung „Gott ist der logos“, auf die rettende Idee von der Conceptio per aurem: Wenn „das Wort“ zu Maria einging, musste die Jungfrau Jesus durch das Ohr empfangen haben.

Wolfgang Wickler

Kapitel 49. Evolution und Ausbreitung von neuen Ideen

Verschlüsselte Information evoluiert ▪ Societal evolution ▪ Gen-Kultur-Coevolution ▪ Epigenetik ▪ Nachahmen und Belehren bei Tieren ▪ Insulin gegen Zuckerkrankheit ▪ Fremddienliche Zweckmäßigkeit ▪ Hirnwurm ▪ Körpergeruch als Immunanzeiger

Das internationale Beratungsinstitut für strategische und operative Markenführung in Genf, das seine Klienten bei der Stärkung und Durchsetzung ihrer Marken unterstützt, veranstaltet jährlich ein Markentechnikum für Vorstände, Unternehmer, Geschäftsführer und Manager. In diesem Jahr thematisiert die 4. Internationale Genfer Konferenz für Markenführung die „Evolution und Ausbreitung von Ideen“, in der Wirtschaftswissenschaft bekannt als „Diffusion von Neuerungen“.

Wolfgang Wickler

Kapitel 50. Bei den Guanchen

Vogelgesang ▪ Pfeifsprache ▪ Ius primae noctis ▪ Gastprostitution

Während unseres Urlaubs auf Teneriffa machen meine Frau und ich einen Abstecher nach La Gomera, der 38 km entfernten, zweitkleinsten Insel der Kanaren. Uns locken zwei Verhaltenseigentümlichkeiten der Guanchen, der einstigen Urbevölkerung: zum einen die heute noch gern vorgeführte Pfeifsprache der Gomeros, zum anderen mehrere historisch gut belegte, heute fast vergessene Details aus ihrem Geschlechtsleben.

Wolfgang Wickler

Kapitel 51. Rollenbilder der Frau

Monogamie und Polygamie ▪ Evolution der Sexualität ▪ Päpstliche Sicht der Sexualität ▪ Soziosexualität ▪ Humanae vitae ▪ Biologie von „MeToo“

Nach 30 Jahren intensiver Tätigkeit im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) wird Agnes heute aus dem Vorstand verabschiedet. Ihr großes Thema war das wechselnde Rollenbild der Frau in Ehe, Kirche und Gesellschaft. Goethe meinte 1832 in Faust II: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Der Hl. Augustinus hingegen schrieb 404 n. Chr.: „Nichts zieht den Geist eines Mannes so machtvoll herunter als das Streicheln einer Frau.“

Wolfgang Wickler

Kapitel 52. Missgunst – moralisches Laster oder psychologisches Konstrukt?

Lug und Trug in der Natur ▪ Konkurrenz ohne Neid ▪ Frequenzabhängige Selektion ▪ Anthropomorphe Begriffe ▪ Ökologisch bedingte Verhaltensweisen ▪ Neiden und Gönnen bei Pavianen

„Gibt es das bei Tieren auch?“ ist eine übliche Frage an den Ethologen. Auf der diesjährigen 57. Lindauer Psychotherapiewoche mit dem Diskussionsthema „Neid“ wird gefragt, ob Neid auch von Tieren bekannt ist. Neid ist verpönt. In der christlichen Morallehre steht er an dritter Stelle in der Liste der sieben Hauptlaster.

Wolfgang Wickler

Kapitel 53. Wie die Zeit mit uns umgeht

Ein 750 Jahre altes Kirchenportal ▪ Adam und Eva mit bedeckten, Engel mit offenen Genitalien ▪ Kairos, Chronos, Kohelet ▪ Episodisches Gedächtnis ▪ Zeitpfeil im Daumenkino ▪ Subjektiver Augenblick ▪ Carpe diem

Mein Bruder Konrad („Konni“) und seine Frau Katja Raganelli haben mich und Agnes für eine Woche in ihr direkt am Meer gelegenes Ferienhaus in Kroatien eingeladen. Das innen stilvoll eingerichtete Haus und der prächtige Garten mit Treppchen ins Salzwasser und die weitere Umgebung sind hervorragend zum Entspannen geeignet. In einem ausgezeichneten Fischrestaurant genießen wir fangfrische Fischspezialitäten.

Wolfgang Wickler

Kapitel 54. Leben und Liebe von Giovanni Bernardone und Chiara Scifi

Franz und Klara von Assisi ▪ Gottesliebe hindert Menschenliebe ▪ Minne als vergeistigte Erotik ▪ Minnesang ▪ „Sonnengesang“ des Hl. Franziskus und „Laudato si“ von Papst Franziskus

Meine Frau und ich machen diesmal Urlaub in Umbrien, um dem nachzuspüren, was nach dem Tod des Giovanni Bernardone über seine abenteuerliche Lebens- und Liebesgeschichte zusammengetragen wurde.

Wolfgang Wickler

Kapitel 55. Ein Hirngespinst: der Siebenfuß

Aberglaube am Mendelpass ▪ Kupferschmiede testen Touristen ▪ Eine beschädigte Spinne als Glücksbringer

Südwestlich von Bozen zwischen Südtirol und dem Trentino bildet der Mendelpass seit alters her die Grenze zwischen dem deutschsprachigen und dem italienischsprachigen Tirol. Von der gewundenen Passstraße aus hat man an Aussichtspunkten immer wieder einen guten Blick bis in den Boden des Etschtales. An der oberen Einfahrt in den Mendelpass liegt der kleine, ganz auf Touristen zugeschnittene italienische Ort Mendola.

Wolfgang Wickler

Kapitel 56. Ausflüge in den Vinschgau

Die erste Schreibmaschine ▪ Der heilige Joseph als Vater ▪ K. u. K. Museum Bad Egart ▪ Weihnachtskrippen ▪ St. Prokulus in Naturns: Wer ist der Schaukler? ▪ Kriegspestfriedhof

Hier, 8 km westlich und 6 km oberhalb von Meran, beginnt der Südtiroler Vinschgau. Seine Bewohner verehren von den Mitgliedern der heiligen Familie vor allem den heiligen Josef. Damit hängt das erste von fünf sehr verschiedenen, für mich und meine Frau erinnernswerten und gern wiederholten Urlaubserlebnissen zusammen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 57. Glaubensunwahrheiten

2000 Jahre alte Vorstellungen der Bibel ▪ Fabeln, Physiologus, Gleichnisse Jesu ▪ Archäogenetik und Paläogenetik ▪ Homo sapiens statt Adam und Eva ▪ Erbsünde – ein tragischer Irrtum ▪ Natürliche und übernatürliche Offenbarung ▪ Das Y-Chromosom Jesu ▪ Korrektur von Glaubenssätzen

Der Verband der katholischen Religionslehrer und Religionslehrerinnen an den Gymnasien in Bayern (KRGB) hat mich zu einer Fortbildungstagung in die ehemalige Benediktinerabtei Benediktbeuern eingeladen. Grund dafür ist mein eben im Springer-Verlag erschienenes Buch Die Biologie der Zehn Gebote und die Natur des Menschen. Darin vergleiche ich unser heutiges Wissen über die Welt mit dem, was wir über sie, theologisch als Schöpfung gesehen, glauben sollen.

Wolfgang Wickler

Kapitel 58. Epilog

„Reisen bildet.“ Es hilft, die Diversität des Lebens kennen zu lernen und zu erfahren, dass naturnahe Lebensweisen nicht beliebig oder willkürlich variieren, sondern gut auf die ökologischen Umweltgegebenheiten abgestimmt sind. Der Anthropologe Adolphus Elkin von der Universität in Sydney verglich 1938 die als Sammler und Jäger lebenden australischen Aborigines der Küste, der Flusszonen und der Trockensteppe.

Wolfgang Wickler

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