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Über dieses Buch

Das Studienbuch bietet einen aktuellen und praxisbezogenen Einblick in das Spektrum der Forschungsmethoden, die in der historisch orientierten und gegenwartsbezogenen Religionswissenschaft zum Einsatz kommen. Die Beiträge der 11 Autorinnen und Autoren bieten Studierenden somit eine erste Orientierung für eigene Forschung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kulturwissenschaftliche Methoden in der Religionswissenschaft

Zusammenfassung
Die Idee zum vorliegenden Studienbuch entstand im Anschluss an einen Workshop des DVRW-Arbeitskreises ‚Religiöse Gegenwartskultur in Deutschland‘, den die Herausgeber im Jahr 2008 in Bayreuth organisierten. Unter dem Titel ‚Biographie, Interaktion und Alltag in alternativen religiösen Gemeinschaften‘ wollten wir sozialwissenschaftliche Methoden zur Diskussion stellen, die innerhalb der deutschsprachigen Religionswissenschaft zur Erforschung der religiösen Gegenwartskultur genutzt werden. Die vorgestellten religionswissenschaftlichen Projekte zeigten uns, in welchem Umfang sozialwissenschaftliche Methoden innerhalb der deutschen Religionswissenschaft nicht nur einfach rezipiert werden, sondern von den einzelnen Forscherinnen und Forschern für ihre eigenen Fragestellungen und Probleme adaptiert werden. Zudem wurde deutlich, dass Diskussionsbedarf über die konkrete Nutzung sozialwissenschaftlicher Methoden besteht, der nicht einfach im Rekurs auf bestehende Standardwerke befriedigt werden kann.
Karsten Lehmann, Stefan Kurth

Interpretation religiöser Quellentexte

Die Natur zwischen Gott und Menschen in der SchriftDe planctu naturaedes Alanus ab Insulis
Zusammenfassung
Der Umgang mit Quellentexten bildet die Grundlage historischer, philologischer und theologischer Arbeit seit der europäischen Antike. Die Reflexion über Kriterien für den angemessenen Umgang mit solchen Quellen finden sich schon in dieser Zeit, etwa in der Historiographie, in der alexandrinischen Philologie oder in der philosophischen und theologischen allegorischen Interpretation von autoritativen Texten wie Homer oder der Bibel. Für die westliche Wissenschaftstradition war die Systematisierung historisch-kritischer Methoden seit dem Humanismus entscheidend: So beweist etwa Lorenzo Valla (1407-1457) mit philologischen und inhaltlichen Argumenten, dass die sog. konstantinische Schenkung, mit der Kaiser Konstantin dem Papst das Territorium des Kirchenstaates geschenkt haben soll, eine spätere Fälschung ist.
Ilinca Tanaseanu-Döbler, Marvin Döbler

Interpretation von Zeugnissen materialer Kultur

Ku, ein hawaiianischer Gott in Götting
Zusammenfassung
Wahrnehmung und Wertschätzung von Dingen erleben in den Modernisierungsschüben des 19. Jahrhunderts dramatische Veränderungen. Die materielle Seite menschlicher Existenz gewinnt neue Dimensionen. Nicht nur Industrie-Kapitalismus und Konsumkultur, auch die Naturwissenschaften, die Entdeckung von National-Geschichte ebenso wie die Erfindung des Museums spielen hier eine wichtige Rolle.
Peter J. Bräunlein

Statistische Analysen quantitativer Daten und ihr Potential für die Religionswissenschaft

Selbst gewählte Mitgliedschaft in Neuen Religiösen Bewegungen
Zusammenfassung
Immer wieder haben Menschen – zumeist aus ökonomischen, fiskalischen oder verwaltungspraktischen Gründen – versucht, große Datenmengen zu erheben und auszuwerten. Nur einige Beispiele: Bereits im alten Ägypten sollen zwischen 2700 und 2200 v. Chr. alle zwei Jahre Gold und Felder gezählt worden sein. Erste Hinweise auf detaillierte Volkszählungen lassen sich in Quellen des alten China (2300 v. Chr.) und des persischen Reichs (500 v. Chr.) finden (Menges 1968). Ein religionsgeschichtlich besonders prominentes Beispiel für die frühe Erhebung von quantitativen Daten ist schließlich natürlich die römische Volkszählung, die durchgeführt wurde, als Quirinius Statthalter in Syrien war (Lk 2,1).
Franziska Dambacher, Sebastian Murken, Karsten Lehmann

Teilnehmende Beobachtung als Verfahren der Religionsforschung

Der Verein ‚Muslimische Jugend in Deutschland e.V.‘
Zusammenfassung
Beobachtungen sind ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens. Menschen beobachten, um Alltagstheorien über sich selbst und ihre Umwelt zu konstruieren und Sinn und Bedeutungen zu generieren (Berger und Luckmann 1972). Ein Übergang von der alltäglichen, „naiven“ zur wissenschaftlichen Beobachtung erfolgt dadurch, dass das Verfahren der Beobachtung kontrolliert, systematisch und intersubjektiv nachvollziehbar abläuft – mit dem Ziel der „Beschreibung und Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit vor dem Hintergrund einer leitenden Forschungsfrage“ (Atteslander 2003, 79). Beobachtung im Sinne einer wissenschaftlichen Methode bezeichnet demnach „das systematische Erfassen, Festhalten und Deuten sinnlich wahrnehmbaren Verhaltens zum Zeitpunkt seines Geschehens“ (Atteslander 2003, 79; König 1972).
Edith Franke, Verena Maske

Narrativ fundierte Interviews mit religiösen Subjekten

Individualsynkretismus als Typus moderner Religiosität
Zusammenfassung
Interviews sind ein zentraler Bestandteil der Gegenwartskultur. In den Medien werden wir täglich mit Interviews konfrontiert, die das Augenmerk auf eine schnelle, pointierte Abfolge von Fragen und Antworten legen (Friedrichs und Schwingers 2005, Thiele 2009). Auch in der gegenwartsbezogenen Wissenschaft zählen Interviews seit langem zu den Standardinstrumenten der Datenerhebung. In der ethnographischen Forschung bilden Gespräche und Befragungen (zumeist ad hoc geführt und nachträglich protokolliert) seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Erhebungsmittel. Eine andere akademische Disziplin, die bereits auf eine lange Tradition des Arbeitens mit Interviews zurückblickt, ist die Geschichtswissenschaft, die im Rahmen der sog. Oral History seit den 1930er Jahren Interviewverfahren einsetzt, um mehr über die Lebensgeschichten von Zeitzeugen zu erfahren (Perks und Thomson 2010).
Stefan Kurth, Karsten Lehmann

Interpretative Videoanalyse im Kontext fokussierter Ethnographie

Visionäre Transzendenzerfahrungen bei der Gemeinschaft Fiat Lux
Zusammenfassung
In der Religionsforschung kommt der Analyse von Texten ein besonderes Gewicht zu, weil es wohl zumindest für Schriftreligionen nahe zu liegen scheint, sich mit einiger Anstrengung der Analyse von Aufzeichnungen zuzuwenden. Das gilt besonders dann, wenn wir von einer nicht mehr ausgeübten, aber historisch bedeutsamen und vielleicht anhaltend prägenden religiösen Praxis ansonsten nicht mehr viel wissen. Sobald allerdings die lebendige Praxis gegenwärtig ausgeübter Religion in den Mittelpunkt des Interesses rückt, werden die Beschränkungen von Textanalysen offenkundig.
Bernt Schnettler

Der Vergleich als Methode und konstitutiver Ansatz der Religionswissenschaft

Zusammenfassung
Wer sich mit den Religionen der Welt beschäftigt, kann zahlreiche, zum Teil verblüffende Parallelen entdecken, und zwar in allen Bereichen des religiösen Lebens: sei es in der Ethik (z. B. die ‚goldene Regel‘) oder in der Verehrungspraxis (z. B. das Niederlegen von Blumen und das Sprechen von Verehrungsformeln); in der Mythologie (z. B. die Geschichte von der Großen Flut) oder in der Dogmatik (z. B. die Konzepte vom einen Schöpfergott oder von vielen Funktionsgöttern); in der Kunst (z. B. der ‚Heiligenschein‘ bei verehrten Gestalten) oder in der Architektur (z. B. das ‚Allerheiligste‘ im Tempel); im religiösen Recht (z. B. Fasten als Sühneübung) oder in der Institutionenbildung (z. B. monastische Orden); im Ritual (z. B. Bestattungsriten) oder in der Legitimierung von Herrschaft oder Gewalt (z. B. sakrales Königtum und ‚heilige Kriege‘); usw. usf. Es ist faszinierend, solchen Parallelen nachzugehen, und diese Faszination ist nach wie vor ein häufig genanntes Motiv für ein Studium der Religionswissenschaft.
Oliver Freiberger

Backmatter

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