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Über dieses Buch

Der Band untersucht das Agieren religiöser Akteure wie Religionsgemeinschaften und religiös basierte NGOs in der Weltpolitik und fragt nach den Potenzialen und Grenzen ihrer Einflussnahme. Erörtert werden theoretische und normative Aspekte im Verhältnis von Globalisierung, Global Governance und der Revitalisierung von Religion sowie Formen der transnationalen Kooperation zwischen den einzelnen Religionsgemeinschaften. Empirisch werden die für weltpolitische Ambitionen besonders prädestinierten abrahamitischen bzw. monotheistischen Religionsgemeinschaften in den Blick genommen. Auf dem Prüfstand steht die teilweise sehr brisante, ambivalente Rolle, die Christentum, Judentum und Islam im internationalen Kontext einnehmen. Zudem werden konkrete Politikfelder internationalen religiösen Engagements, deren Inhalte und Ziele vorgestellt wie die internationale Friedenspolitik, die Wirtschafts- und Sozialpolitik oder auch die Umweltpolitik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Religionen – Global Player in der internationalen Politik?

Zusammenfassung
Religionen bzw. deren Vertreter als Akteure der internationalen Politik zu betrachten, ist alles andere als selbstverständlich. So hat die Politikwissenschaft ausgehend vom Säkularisierungsparadigma der Religion lange Zeit nur wenig Bedeutung beigemessen. Dies betraf insbesondere die Disziplin der Internationalen Politik bzw. der Internationalen Beziehungen, steht letztlich die Entstehung des internationalen Staatensystems doch in einem engen Zusammenhang mit dem Westfälischen Frieden von 1648. Das vom Augsburger Religionsfrieden von 1555 übernommene Prinzip des „cuius regio eius religio“ leitete das Primat des Politischen vor dem Religiösen ein. Mit der Einführung der Staatsräson, mit der die Fürsten auch religiöse Fragen selbst entscheiden, verlor die Religion scheinbar endgültig ihre Bedeutung als Basis der Außenpolitik. Es entstand – erstmals in Europa – ein System souveräner Territorialstaaten. Dieses basierte auf drei Grundpfeilern: 1) dem Gleichgewicht der Macht als Basis internationaler Stabilität; 2) der Institutionalisierung der internationalen Ordnung und der Entwicklung einer internationalen Diplomatie; sowie 3) dem Völkerrecht. Staaten galten nunmehr als die einzigen legitimen Akteure im internationalen System und ersetzten die länderübergreifende Autorität der (katholischen) Kirche.
Ines-Jacqueline Werkner, Oliver Hidalgo

Globalisierung, Global Governance und die Revitalisierung von Religion – Theoretische und normative Aspekte

Frontmatter

Religiöse Akteure als Beiträger zu Global Governance

Zusammenfassung
Religion nimmt eine zunehmend bedeutsame Rolle in den internationalen Beziehungen ein. In der Forschung liegt der Schwerpunkt jedoch noch immer auf dem angenommenen Zusammenhang von Religion und Gewalt in Kriegen und Bürgerkriegen. Dabei wird häufig übersehen, dass religiöse Akteure vermehrt nicht nur als Objekte internationaler Steuerung und Regulierung auftreten, sondern auch als Partner und Beiträger bei der Bearbeitung globaler Probleme. Der Beitrag zeigt anhand der Politikfelder Entwicklung/Humanitäre Nothilfe und Menschenrechte auf, wie transnationalisierte religiöse Gemeinschaften und Organisationen die normativen und institutionellen Gelegenheitsstrukturen von Global Governance nutzen, um ihre religiös begründeten Überzeugungen in anwaltschaftliche Kampagnen und praktische Arbeit umzusetzen.
Claudia Baumgart-Ochse

Postpolitische Agenten der kosmopolitischen Demokratie? Die Religionen im Spannungsfeld von Universalität und Partikularität

Zusammenfassung
Die Frage nach den Religionen als (mögliche) Global Player in den Internationalen Beziehungen indiziert bereits auf den ersten Blick eine fundamentale Paradoxie: Wie Rousseau im letzten Kapitel seines Contrat social ausführte, hängt die politische Wirksamkeit von Religionen nicht zuletzt davon ab, konkrete Bezüge zu einem staatlich verfassten Gemeinwesen aufzubauen. In dieser Hinsicht unterscheidet Rousseau die (antike) Religion des Staatsbürgers, die „die Gottesverehrung mit der Liebe zu den Gesetzen vereinigt und die Bürger lehrt, indem sie das Vaterland zum Gegenstand ihrer Verehrung macht“, von der (modernen) Religion des Menschen.
Oliver Hidalgo

Der transnationale interreligiöse Dialog und die Einhaltung der globalen Norm der Religionsfreiheit

Zusammenfassung
Trotz einer relativ breiten Verankerung in völkerrechtlichen Dokumenten ist die inhaltliche Bedeutung der globalen Norm der Religionsfreiheit sowohl zwischen Staaten, innerhalb von Gesellschaften als auch zwischen den Weltreligionen kulturell umstritten. Die Umstrittenheit und die hohe Varianz im Grad der Einhaltung der Norm verkörpern einen interkulturellen Wertekonflikt, der über die Mechanismen des zwischenstaatlichen Regierens bisher nicht hinreichend bearbeitet werden konnte. Der Beitrag diskutiert die Ursachen für die mangelnde Verwirklichung der Religionsfreiheit und präsentiert den transnationalen interreligiösen Dialog als einen komplementären und bisher noch unzureichend erforschten Mechanismus im globalen Regieren. Auf der Grundlage theoretisch-konzeptioneller Überlegungen und einer explorativen Fallstudie wird erörtert, inwiefern der interreligiöse Dialog zur Verständigung, Verwirklichung und Einhaltung der Norm der Religionsfreiheit möglicherweise beitragen könnte.
Farhood Badri, Helmut Breitmeier

Das Weltparlament der Religionen und das Projekt Weltethos als Beispiele für die Macht der Moral in der Politik

Zusammenfassung
Dass religiöse Menschen, Gruppen und Organisationen in den vergangenen drei Jahrzehnten zunehmend als gesellschaftliche Faktoren und politische Kräfte eine Rolle spielen, ist bekannt und empirisch belegt. Das in die Politik zurückkehrende Religiöse ist jedoch höchst ambivalent: sowohl militant als auch friedensstiftend, sowohl kooperativ als auch fanatisch, sowohl moralisch als auch unmoralisch, je nach dem, welche Menschen, Gruppen und Organisationen man konkret vor Augen hat. Um exemplarisch für das Christentum zu sprechen, gibt es etwa in der Katholischen Kirche nicht nur Sant’Egidio (1968 von Andrea Riccardi gegründet) oder die interreligiösen Friedensgebete von Assisi, zu denen Papst Johannes Paul II. eingeladen hatte, sondern eben auch Opus Dei, 1928 von Josemaría Escrivá de Balaguer gegründet, oder „Comunione e Liberazione“ (Gemeinschaft und Befreiung), 1970 von Luigi Giussani gegründet. Oder noch deutlicher formuliert: Es gibt im weiten Raum des Christentums sowohl einen Charles Taylor, „wiedergeborener Christ“ und Baptistenprediger, der als Warlord und äußert gewaltgeneigter Präsident Liberias am 30. Mai 2012 vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu 50 Jahren Haft verurteilt wurde, als auch einen Hans Küng, der das gleich darzustellende Weltethos als interreligiöses und doch weltanschaulich neutrales Projekt auf den Weg gebracht hat.
Martin Bauschke

Weltpolitische Ambitionen monotheistischer Religionsgemeinschaften

Frontmatter

Licht der Welt? Der Heilige Stuhl in der postsäkularen Weltgesellschaft

Zusammenfassung
Viele religiöse Akteure mit universalem Anspruch sind in der sich formierenden postsäkularen Weltgesellschaft anzutreffen. Einer von ihnen ragt heraus: dieser Akteur repräsentiert 1,2 Mrd. Menschen, ist seit gut 1500 Jahren weltpolitisch aktiv, hat sich in den modernen internationalen Beziehungen einen diplomatischen Sonderstatus – Person als Völkerrechtssubjekt – erarbeitet, der ihm als einzigem religiösen Akteur einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen und volle diplomatische Beziehungen mit fast allen Staaten der Erde einbrachte; darüber hinaus positioniert er sich in den normativen Debatten der Globalisierung pointiert, leitet eine Weltmarke und besitzt auch noch einen, zugegeben sehr kleinen, Staat: Die Rede ist vom Heiligen Stuhl.
Mariano Barbato

Die Instrumentalisierung des Islam zur Legitimation globaler Machtambitionen – Die Islamische Weltliga zwischen Wohltätigkeit, Propagierung eines fundamentalistisch-salafistischen Islam und konkreter Terrorismusförderung

Zusammenfassung
Immer noch werden die unterschiedlichen Strömungen des fundamentalistischen Islam, wenn sie denn als fundamentalistisch erkannt und nicht einfach nur als unumgängliche Ausprägung des traditionellen Islam dargestellt werden, als voneinander unabhängig betrachtet. Dabei wird die tiefere ideologische wie institutionelle Verbindung nach Saudi-Arabien im allgemeinen außer acht gelassen. Dabei ist z. B. die Ideologie der Muslimbruderschaft, der nicht wenige Verbände in Deutschland angehören, nichts anderes als ein Neosalafismus, der auf dem in Saudi-Arabien beheimateten Wahhabismus aufbaut und sich allenfalls in der Vorgehensweise oder in Nuancen vom Salafismus unterscheidet, der selbst in verschiedenen Ausprägungen vorzufinden ist. An der von der Bruderschaft und dem saudischen Königshaus ins Leben gerufenen Muslim World league lässt sich diese ideologische wie institutionelle Verbindung, aber auch die verborgene lenkende Quelle des islamischen Fundamentalismus (an vorderster Front Saudi-Arabien) bis hin zu seinen terroristischen Ausprägungen aufzeigen. Dies ist um so bedeutender, da sie nicht nur die Integration der Muslime im Westen negativ beeinflusst, sondern den internationalen Terrorismus nährt und die demokratische Wende in den Ländern des arabischen und nordafrikanischen Frühlings zu verhindern versucht. Gleichzeitig erfolgt die Abgrenzung des fundamentalistischen Islam vom traditionellen Islam, woraus sich eine sachliche und vielversprechende Prognose für einen modernen Islam wird ziehen lassen können, der mit einer pluralistischen, rechtsstaatlichen und die universelle Menschenrechtserklärung achtenden Demokratie kompatibel ist.
Khadija Katja Wöhler-Khalfallah

Das Judentum als Weltreligion und der Jüdische Weltkongress. Eine Erkundung

Zusammenfassung
Es gibt immer wieder Ereignisse, die, obwohl sie in einem regelmäßigen Turnus stattfinden, zumeist unauffällig und kaum beachtet bleiben und erst durch besondere Umstände plötzlich eine besondere Aufmerksamkeit erhalten. Dies trifft offenkundig auf die 14. Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses (World Jewish Congress) vom 5. bis 7. Mai 2013 in der ungarischen Hauptstadt Budapest zu, die in Kooperation mit der Föderation jüdischer Gemeinschaften Ungarns organisiert wurde. Im thematischen Fokus der Zusammenkunft von etwa 500 Delegierten und Beobachtern, die rund 70 jüdische Gemeinschaften und Organisationen aus aller Welt repräsentierten, standen die Frage nach der globalen Bedeutung des jüdischen Volkes, die politische Situation im Nahen und Mittleren Osten sowie der in diversen europäischen Ländern zunehmende Antisemitismus. Neben den inhaltlichen Auseinandersetzungen, standen auch organisatorische Punkte auf der Agenda: So wurde das Exekutivkomitee neu gewählt und der bisherige Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Launders (seit 2007 im Amt), für weitere vier Jahre in seinem Vorsitz bestätigt.
Johannes J. Frühbauer

Politikfelder internationalen religiösen Engagements

Frontmatter

Interreligiöse Zusammenarbeit in Konfliktsituationen. Die Tätigkeit von „Religionen für den Frieden“ (RfP)

Zusammenfassung
Die 1970 als „Weltkonferenz der Religionen für den Frieden“ (World Conference on Religion and Peace, WCRP) gegründete internationale Nicht-Regierungsorganisation, die seit Ende der 1990er-Jahre „Religionen für den Frieden“ (Religions for Peace, RfP) heißt, lässt sich heute folgendermaßen beschreiben: RfP ist die größte internationale Koalition von Vertretern und Vertreterinnen der großen Weltreligionen, die sich der Förderung des Friedens widmet.
Günther Gebhardt

Gerechtigkeit als fundamentales Kriterium bei der ethischen Beurteilung globaler Wirtschafts- und Sozialpolitik in der katholischen und ökumenischen Soziallehre. Eine kurze Einführung anhand ausgewählter Texte

Zusammenfassung
Vor einer Reihe von Jahren hat der Sozialphilosoph und Ethiker Otfried Höffe einen kleinen Essay mit dem Titel „Soziale Gerechtigkeit: ein Zauberwort“ überschrieben. Wegen seiner Mehrdeutigkeit und Missverständlichkeit würden, so Höffe, Sozialwissenschaftler lieber auf den Begriff verzichten. Höffe seinerseits wies darauf hin, die Wortverbindung „soziale Gerechtigkeit“ klinge selbst in den Ohren von Gerechtigkeitstheoretikern zunächst einmal recht befremdlich, enthalte doch der Begriff Gerechtigkeit seit alters das Moment des Sozialen als ein konstitutives Element, so dass die Kombination von „sozial“ und „Gerechtigkeit“ auf eine eigentlich unsinnige Verdoppelung hinauslaufe. Dennoch ist der Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen und hat sich inzwischen auch in der kirchlichen Soziallehre eingebürgert. Diese Entwicklung dürfte weder unsinnig noch zufällig sein.
Heinz-Günther Stobbe

Religiöse Akteure in der globalen Umweltpolitik

Zusammenfassung
Umweltverschmutzung, Überfischung, Waldsterben, Desertifikation und Klimawandel stellen einige der größten Herausforderungen unserer Zeit für Wissenschaft, Gesellschaft und Politik dar. Die globale Natur der ökologischen Krise hat zu einer großen Zahl an internationalen Initiativen für den Umweltschutz geführt, mit denen wissenschaftliche, ökonomische und technische Lösungsansätze gesucht werden, die die benötigte ‚große Transformation‘ anstoßen können. WissenschaftlerInnen, Regierungen, internationale Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen arbeiten seit über 40 Jahren daran, Wissen zu dem Thema zu generieren und daraus politische Handlungsmöglichkeiten abzuleiten, um die zunehmende Umweltzerstörung zu stoppen. Die ökologische Krise stellt jedoch nicht nur ein wissenschaftliches oder politisches Problem dar, sie ist auch eine moralisch-ethische Herausforderung für die globale Gesellschaft. So argumentiert der amerikanische Umweltschützer Al Gore, dass angesichts des Ausmaßes der globalen Klimakatastrophe eine „moralische und spirituelle Umwälzung“ nötig sei.
Katharina Glaab
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